Gregor X., Innozenz V., Hadrian V, Johannes XXI. (v.l.). Collage von swiss-cath.ch. (Bild von Gregor X: Sailko, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons; Bild von Innozenz V.: Risorto Celebrano, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Weltkirche

1276 – Ein Jahr, vier Päpste

Vor 750 Jah­ren, am 10. Januar 1276, starb Papst Gre­gor X. Sein Tod eröff­nete das bis­her ein­zige Vier-​Päpste-​Jahr. Nach­ein­an­der bestie­gen ein Theo­lo­gie­pro­fes­sor, ein Diplo­mat ohne Pries­ter­weihe und ein Arzt den Stuhl Petri.

Jahre, in denen drei Päpste herrschten, gibt es einige. Das bislang letzte war 1978 mit Paul VI. (1963–1978), Johannes Paul I. und Johannes Paul II. (1978–2005). Die letzten Tage der Amtszeit von Gregor X. im Januar 1276 aber eröffneten das bisher einzige Jahr in der Kirchengeschichte, in dem es vier Päpste gab. Ins Amt gekommen war Gregor X. durch die längste Papstwahl der Kirchengeschichte: Sie dauerte fast drei Jahre.

Vom November 1268 bis zum 1. September 1271 hatten sich die 18 in Viterbo nördlich von Rom versammelten Kardinäle gestritten, ob ein Franzose oder ein Italiener auf den Stuhl des Petrus steigen sollte. Schliesslich einigte man sich auf den Kompromisskandidaten Tedaldo Visconti, der sich als Papst Gregor X. nannte. Weil seine eigene Wahl so lange gedauert hatte, reformierte Gregor X. das Papstwahlverfahren und führte das Konklave ein (vom Lateinischen «cum clave» – mit dem Schlüssel). Der Ausdruck bezog sich auf die verschlossenen Räume, in denen sich die Kardinäle künftig zur Wahl versammeln sollten.

Innerkirchlicher Reformstau
Gregor X. war Papst in einer Übergangszeit: Einerseits war die Macht der Päpste gewachsen; andererseits gerieten sie zunehmend in die Machtkämpfe europäischer Herrscher. Die Entwicklung der Bettelorden von Franziskanern und Dominikanern entsprach einer verbreiteten spirituellen Grundströmung. Der innerkirchliche Reformstau, dem sich ihr Entstehen auch verdankte, löste sich indes so schnell nicht auf.

Am 10. Januar 1276, vor 750 Jahren, starb Gregor X. im mittelitalienischen Arezzo und wurde im dortigen Dom begraben. Elf Tage danach wurde Innozenz V. (Pierre de Tarentaise aus Savoyen) gewählt – nur einen Tag nach Beginn des von seinem Vorgänger streng reglementierten Konklaves. Der Dominikanermönch war Professor an der Pariser Sorbonne und früherer Mitarbeiter der berühmten Theologen Albertus Magnus und Thomas von Aquin. In dieser Zeit erhielt er den Titel «Doctor famosissimus». Er war das erste Mitglied seines Ordens auf dem Papstthron.

Dort gelangte der hochqualifizierte Theologe schnell in die politischen Mühlen Karls I. von Sizilien und dessen Kampf gegen den deutschen König Rudolf von Habsburg. Er bemühte sich auch vergeblich um die Vertiefung der Kirchenunion mit der Ostkirche. 51-jährig starb Innozenz V. am 22. Juni an Malariafieber in Rom, nach nur fünf Monaten und einem Tag im Amt.

Papst der 38 Tage
19 Tage später, am 11. Juli, wählten die elf Kardinäle im Konklave den aus Genua stammenden bisherigen päpstlichen Diplomaten Ottobono Fieschi dei Conti di Lavagna zum Papst. Der hatte sich als Vermittler bei politischen Konflikten in England einen Namen gemacht und auch die dortige Kirche reformiert. Ottobono gab sich den Papstnamen Hadrian V.

Seine einzige nachgewiesene Regierungsmassnahme war es, die Konklaveordnung seines Vorvorgängers Gregor X. aufzuheben. Doch Hadrian V. starb – bereits erkrankt –, bevor er überhaupt die Priester- und Bischofsweihe erhalten hatte, am 18. August in Viterbo, wo er auch bestattet ist. Er amtierte nur 38 Tage, fünf Tage länger als Johannes Paul I. im Jahr 1978.

Portugiesischer Arzt der Armen
Auf den Theologen Innozenz und den Diplomaten Hadrian folgte am 15. September der portugiesische Arzt und Diakon Pedro Julião, geboren um 1205 in Lissabon – bis heute wohl der einzige Portugiese auf dem Stuhl des Petrus.[1]

Wie Innozenz V. hatte auch der Arzt- und Apothekersohn Pedro Julião in Paris bei Albertus Magnus studiert. In Salerno und Palermo vertiefte er sein Medizinstudium. Ab 1247 lebte und lehrte er einige Jahre in Siena, wo er in einem Armenviertel wohnte. Die Gegend inspirierte ihn zu seinem bekanntesten Werk: den «Thesaurus pauperum» (Schatzkammer der Armen). Diese Rezeptsammlung war speziell auf die Möglichkeiten der wenig Begüterten ausgerichtet.

Etwas später ernannte ihn sein Vorgänger im Papstamt, Hadrian V., als dieser noch Päpstlicher Legat war, zu seinem Leibarzt. Von diesem Posten wiederum warb ihn sein Vorvorvorgänger auf dem Papstthron, Gregor X., als Hof- und Leibarzt ab. 1273 wurde Pedro Julião Erzbischof des nordportugiesischen Erzbistums Braga.

Ein Arzt zur Heilung der Kirche
Am 8. September 1276 wählten die in Viterbo versammelten Kardinäle den 60-Jährigen zum Papst. Pedro Julião nannte sich Johannes XXI. Der Arzt an der Spitze der Kirche suchte das Zerwürfnis zwischen Philipp III. von Frankreich und Alfons X. von Kastilien zu heilen, ebenso jenes mit der orthodoxen Kirche. Zudem förderte er in seiner kurzen Amtszeit von nur acht Monaten und zwölf Tagen Studienreformen an Universitäten und verfasste weiter medizinisch-naturwissenschaftliche Texte.

Zur Förderung des Wissens liess er an den Papstpalast in Viterbo eine Bibliothek anbauen. Beim Bau war wohl gepfuscht worden: Am 14. Mai 1277 wurde Johannes XXI. in seiner Bibliothek von herabstürzendem Gemäuer des Palastes verschüttet. Sechs Tage später starb er an den erlittenen Verletzungen und wurde – wie Hadrian V. – in Viterbo beigesetzt. Am 25. November wählten die Kardinäle den römischen Adligen Giovanni Gaetano Orsini zum Papst. Als Nikolaus III. regierte dieser immerhin fast zwei Jahre und neun Monate.

 


[1] Es ist nicht sicher, dass Damasus I. (366–384) aus Lusitanien stammte, einer römischen Provinz der Kaiserzeit auf dem Gebiet des heutigen Portugals.


KNA/Redaktion


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