Es fehlten nur wenige Wochen bis zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Terrorregimes, doch der Volksgerichtshof machte mit Alfred Delp kurzen Prozess: Dass sich der Jesuit an der Widerstandsgruppe «Kreisauer Kreis» beteiligt hatte, die für einen deutschen Neuanfang nach Hitler plante, machte den 37-Jährigen für die Nationalsozialisten zum Hochverräter. Am 2. Februar 1945 wurde Pater Delp in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Alfred Delp wurde als Sohn eines protestantischen Vaters und einer katholischen Mutter 1907 in Mannheim geboren. Im südhessischen Lampertheim, wo die Familie ab 1914 wohnte, engagierte er sich in der katholischen Jugendarbeit. Sein Gemeindepfarrer förderte die intellektuelle Begabung des Jugendlichen. Direkt nach dem Abitur trat Alfred Delp entgegen den Wünschen seiner Eltern in den Jesuitenorden ein. Es folgten Studien im In- und Ausland.
Nachdem ihm die Nationalsozialisten ein Promotionsstudium an der Universität München verweigert hatten, engagierte sich Alfred Delp bei der NS-kritischen Jesuitenzeitschrift «Stimmen der Zeit». Gleichzeitig stellte er in seinen Predigten der nationalsozialistischen Ideologie seine Vision eines solidarischen Christentums und einer humanen Gesellschaft gegenüber. Er war zugleich ein scharfer Kritiker einer selbstzufriedenen, verbürgerlichten Kirche.
Vermittelt durch seinen Provinzial Augustin Rösch kam Alfred Delp in Kontakt mit dem Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke. Diese Gruppe von Intellektuellen und Politikern stellte sich gegen das Regime, beschäftigte sich mit den Fragen einer künftigen Gesellschaftsordnung in Deutschland und einer Neuordnung Europas. Wie gross sein Einfluss dort war und wie oft er an Treffen teilnahm, bleibt unter Historikern umstritten. Sicher ist, dass er kein realpolitisches Programm für die Zeit nach Hitler entwarf, sondern eher Vorschläge für die sozialphilosophischen Fundamente eines neuen Deutschlands beisteuerte. Alfred Delp hoffte auf einen «Humanismus im Namen Gottes», auf eine Rückbesinnung des Menschen auf seine Werte.
Nach der Verhaftung Helmuth James Graf von Moltke und vor allem nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 geriet auch Alfred Delp ins Visier der NS-Geheimpolizei Gestapo. Weil sich in Stauffenbergs Notizbuch Delps Name fand, wurde er verdächtigt, an der Verschwörung beteiligt gewesen zu sein. Was aktuellen Forschungen zufolge indes nicht der Fall war. Sieben Tage später wurde Alfred Delp nach der Frühmesse in St. Georg in München-Bogenhausen verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel verlegt.
Am 9. Januar 1945 machte ihm der oberste NS-Richter Roland Freisler wegen Hoch- und Landesverrats den Prozess. Am 11. Januar 1945 verkündete Freisler Alfred Delps Todesurteil.
Mit gefesselten Händen verfasste der Pater in den ihm verbleibenden Wochen zwischen Verhaftung und Hinrichtung Briefe, Meditationen und Abhandlungen. Sein geistliches Testament. Sein Glaube und sein tiefes Gottvertrauen blieben bis zuletzt ungebrochen. Am 8. Dezember 1944, dem Fest Mariä Unbefleckte Empfängnis, besuchte ihn sein Mitbruder Franz von Tattenbach im Gefängnis und nahm ihm die letzten Gelübde als Jesuit ab. Er schrieb später: «Delp wurde im Schnellverfahren von Gott zum Heiligen erzogen.»
Als er am 2. Februar 1945 zum Galgen geführt wurde, soll er dem Gefängnisseelsorger zugeflüstert haben: «In einer halben Stunde weiss ich mehr als Sie.»
Mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom wird Kardinal Reinhard Marx am Montag, 2. Februar das Seligsprechungsverfahren für den Jesuitenpater und Widerstandskämpfer eröffnen. Der Vizepostulator Pater Toni Witwer SJ erwartet, dass der Prozess in fünf, sechs Jahren abgeschlossen werden könnte. Dies, weil viele Vorarbeiten schon geleistet wurden, etwa die Veröffentlichung der Schriften von Alfred Delp.
Die Nationalsozialisten hätten Alfred Delp wegen seiner christlichen Überzeugung von Freiheit und Menschenwürde als Bedrohung für ihre Ideologie ermordet, sagte Kardinal Marx. Das Seligsprechungsverfahren starte daher im Bewusstsein, dass «auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen». Dem stellten sich die Christen entgegen, sagte der Kardinal. «Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit.»
«Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt» (Alfred Delp).
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