Kardinal Rainer Maria Woelki. (Bild: © Erzbistum Köln /Lehr Frei)

Weltkirche

Allen Stür­men getrotzt: Kar­di­nal Rai­ner Maria Woelki wird 70 Jahre alt

Heute darf der Köl­ner Erz­bi­schof Kar­di­nal Rai­ner Maria Woelki sei­nen 70. Geburts­tag fei­ern. Aller Anfein­dun­gen zum Trotz bleibt Kar­di­nal Rai­ner Maria Woelki stand­haft in sei­ner Treue zur Lehre der Kir­che. Ins­be­son­dere durch sei­nen muti­gen Kampf gegen den deut­schen syn­oda­len Irr­weg hat er sich auch im Aus­land Respekt und Aner­ken­nung verschafft.

An seinem Geburtstag beginnen für Kardinal Rainer Maria Woelki die voraussichtlich letzten fünf Jahre als Erzbischof von Köln. Am 18. August wird er 70 Jahre alt. Üblicherweise bieten Bischöfe zum 75. Geburtstag dem Papst ihren Rücktritt an. Für Kardinal Woelki wird es das zweite Rücktrittsgesuch sein. Das erste hatte er im Zuge der Debatten um die Missbrauchsaufarbeitung in seiner Erzdiözese eingereicht – Papst Franziskus liess das Rücktrittsschreiben unbeantwortet. Die Aufregung um Kardinal Woelkis Missbrauchsaufarbeitung hat sich weitgehend gelegt; die juristischen Auseinandersetzungen im Nachgang sind beinahe erledigt.[1]

Kardinal Rainer Maria Woelki fühlt sich beim Rückblick auf die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln von Gott getragen. «In der Rückschau war es für mich durch alle Untiefen hindurch die Erfahrung, dass der Herr da ist, dass er trägt und seine Hände über mich gehalten hat, auch wenn ich es in einem einzelnen Moment vielleicht gerade nicht verstehen kann», erklärte er gegenüber der «Tagespost». Es habe ihn bewegt, wie viele Menschen seinen Weg im Gebet begleitet hätten, fügte er hinzu: «Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ich aufgrund des Gebets so vieler Menschen diesen Weg gehen konnte.»

Von der Vertriebenensiedlung zum Erzbischof
Aufgewachsen ist der 1956 in Köln geborene Rainer Maria Woelki in einer Siedlung für Vertriebene; seine Eltern war ostpreussische Heimatvertriebene. Dort erlebte er eine lebendige Jugendarbeit. «Das hat natürlich auch meinen Glauben geprägt und gebildet. Es hat dazu beigetragen, dass mich Fragen des Glaubens immer bewegt haben», erklärt er gegenüber «domradio.de». Durch das Vorbild von Priestern entstand in ihm schon früh der Wunsch, selbst Priester zu werden. Nach seiner Priesterweihe 1985 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er 1990 Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär von Kardinal Joachim Meisner und ab 1997 Direktor des Theologenkonvikts Collegium Albertinum in Bonn wurde. Er promovierte im Jahr 2000 in Rom zu «Die Pfarrei – ein Beitrag zu ihrer ekklesiologischen Ortsbestimmung».

Papst Johannes Paul II. ernannte Rainer Maria Woelki am 24. Februar 2003 zum Weihbischof des Erzbistums Köln. Im Juli 2011 wurde er durch das Berliner Metropolitankapitel zum Erzbischof von Berlin gewählt; nach der Bestätigung durch Papst Benedikt XVI. wurde er am 27. August in sein Amt eingeführt. Schon vorher gab es kritische Stimmen: Einige sahen seine angebliche Mitgliedschaft bei Opus Dei als Problem, andere fühlten sich durch seine klare katholische Haltung zum Thema Homosexualität brüskiert. In seiner Zeit als Erzbischof von Berlin berief er zahlreiche Frauen in leitende Funktionen und leitete eine tiefgreifende Strukturreform ein. Am 18. Februar 2012 wurde Erzbischof Woelki von Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt.

Zwei Jahre später ernannte Papst Franziskus Rainer Maria Woelki zum Erzbischof von Köln – er kehrte so in seine Geburtsstadt zurück.

Neuevangelisierung als Schwerpunkt
Kardinal Woelki setzt auf die Verbreitung der christlichen Botschaft – vor allem unter jungen Menschen. Ein Beispiel ist das Glaubensfest «Kommt und seht», das das Erzbistum in diesem Jahr zum zweiten Mal ausrichtete. In der Kölner Eventhalle X-Post ging es zwei Tage lang in Workshops und Vorträgen um die «Eucharistie als Quelle unserer Einheit». Inspiration für das Format holte sich Kardinal Woelki aus der anglikanischen Kirche. Im Frühjahr 2024 reiste er mit weiteren Bistumsverantwortlichen nach London. Laut dem Erzbistum bestehen seitdem Beziehungen zum anglikanischen Bischof Ric Thorpe, der heute Erzbischof im australischen Melbourne ist, und dem «Gregory Centre for Church Multiplication», einer Ausbildungsstätte für Gemeindegründungen.

Aus diesen Kontakten entstand zudem das Projekt «Church planting» («Eine Kirche pflanzen») im Erzbistum Köln. Hier geht es um die Gründung neuer Gemeinden und um ein missionarisches Kirchenverständnis. Multiprofessionelle Teams werden ausgesendet, um «neue Erfahrungsorte des Glaubens zu schaffen, an denen alles darauf ausgerichtet ist, dass Menschen Christus neu kennenlernen können».

Der durch die Missbrauchskrise ausgelöste Mitgliederschwund macht sich auch finanziell bemerkbar. Dem Erzbistum droht laut eigener Berechnung ein Defizit von bis zu 100 Millionen Euro bis 2030. Ausgaben werden daher in Zukunft anhand von vier strategischen Zielen bewertet, dazu gehören «Nachfolge leben» und «missionarisch Kirche sein». Kardinal Woelki sagte dazu in einer Pressemitteilung so: «Wir haben Sehnsucht nach einer Kirche im Aufbruch und Wachstum. Sehnsucht nach einer Kirche, in der wir aus der Eucharistie und der Heiligen Schrift gemeinsam leben und glauben. In der wir als missionarische Jüngerinnen und Jünger Menschen mit Jesus Christus in Kontakt bringen. Sehnsucht nach einer dienenden Kirche für die Menschen am Rande.»

Kardinal Woelki stand schon immer für eine klare katholische Position, doch erst seit dem sogenannten «Synodalen Weg» in Deutschland wird er auch ausserhalb Deutschlands als prägende Persönlichkeit wahrgenommen. So lehnt er zusammen mit wenig anderen Bischöfen eine Überprüfung der Zulassungsbedingungen von Frauen zum Weiheamt ab. In der Debatte um das Segnungsverbot für homosexuelle Paare tritt der Kardinal für ein Beibehalten dieses Verbotes ein.

Der Kölner Kardinal ist überzeugt, dass es keinen deutschen Sonderweg geben wird. Der Papst wird die Dokumente durchsehen und die nötigen Korrekturen vornehmen. «Wir waren in Deutschland vor allem davon bestimmt, gewisse Beteiligungsformate und Formen der Mitbestimmung umzusetzen», so der Kardinal im Interview mit der «Tagespost» zu seinem 70. Geburtstag. «Dabei haben wir übersehen, dass die Kirche hierarchisch strukturiert und sakramental ist. Es ist nicht unsere Kirche, sondern Seine Kirche. Wir alle leben unter dem Haupt Christi und dem Wort Gottes.»

Mit der Eröffnung der «Kölner Hochschule für Katholische Theologie» (KHKT) hat sich Kardinal Woelki unbeliebt gemacht. Doch die Zahlen geben ihm recht. So schreibt Regina Einig in «Die Tagespost»: «Kein deutscher Bischof hat bisher die Theologenausbildung unter dem Dach staatlicher Universitäten infrage gestellt. Mit der KHKT hat das Erzbistum allerdings gezeigt, dass junge Studierwillige Alternativen zu einem Weiter-so in der althergebrachten Theologenausbildung suchen.»

Er erlebt starken Gegenwind, doch er bleibt standhaft. Im Interview mit «domradio.de» erklärt er, dass ihn die rote Soutane daran erinnere, dass er mit der Übernahme der Kardinalswürde verpflichtet ist, bis zum Letzten, bis aufs eigene Blut, Zeugnis für den Glauben und für Christus abzulegen. «Ich muss also bereit sein, für den Glauben mein Leben einzusetzen.» Das sei eine Herausforderung und «ehrlich gesagt auch immer wieder eine Not».

Noch nicht müde
Mit 75 Jahren bietet ein Bischof seinen Rücktritt an. Bis dahin hat Kardinal Rainer Maria Woelki noch einiges vor. «Ich will weiter an der Seite der Armen und Obdachlosen, der Vergessenen und an den Rand Gedrängten stehen. Ich will meine Stimme für den Frieden und den Schutz des Lebens erheben und mich mit Ungerechtigkeit nicht abfinden», kündigte der Kardinal in einem Schreiben an Mitarbeitende und Gläubige im Erzbistum Köln an: «Ich möchte vor allem, dass wir gemeinsam unverdrossen und unerschrocken das Evangelium verkünden.»

Gegenwärtig mache ihm seine Aufgabe sehr viel Freude, doch was in fünf Jahren sein werde, wisse er nicht, und damit beschäftige er sich heute noch gar nicht. «Wir arbeiten alle für das Reich Gottes», gibt er zu bedenken. Nach ihm werde es einen neuen Erzbischof geben. «Das Entscheidende ist, dass das Reich Gottes unter uns weiterwächst und Gestalt annimmt und seiner Vollendung entgegengeht.»

Diese positive Haltung unterstreicht der New Yorker Kardinal Timothy Dolan in seinem Grusswort zum 70. Geburtstag von Kardinal Rainer Maria Woelki: «Er erkennt die Gefahren für den Glauben, doch anstatt sich davon entmutigen zu lassen, verweist er auf das Licht des Glaubens, das er täglich in seiner geschichtsträchtigen Diözese und in seinem geliebten Deutschland sieht.»

 


[1] Das Erzbistum Köln hatte 2020 ein angekündigtes Aufarbeitungsgutachten zu sexuellem Missbrauch zunächst zurückgehalten und dafür später ein anderes Gutachten veröffentlicht. Grund waren laut Erzbistum äusserungsrechtliche Bedenken.


KNA/Redaktion


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