Im Interview mit «swiss-cath.ch» blickt Bischof Peter Bürcher auf sein Leben zurück und erzählt, wie es zur Buchidee gekommen ist.
Sie werden am kommenden 20. Dezember Ihren 80. Geburtstag feiern können. Wofür sind Sie dankbar?
Es ist ein grosses Geschenk! Vorgestern schrieb ich einem vietnamesischen Studienkollegen, jetzt ebenfalls emeritierter Bischof wie ich: «Gott liebt dich unendlich!» Ohne zu zögern antwortete er mir aus Vietnam: «Ja, Gott liebt uns unendlich! Ja. Wir beide sind Empfänger und Zeugen davon! Gott hat uns das Leben über 80 Jahre geschenkt! Gott hat uns im Priestertum über 54 Jahre mit Gnade erfüllt! Gott hat uns im Episkopat geweiht, um Nachfolger der Apostel zu werden, damit wir die Frohe Botschaft des Heils unseren Brüdern und Schwestern in der Welt bringen, vom Osten bis zum Westen! Ja, Gott liebt uns unendlich!» Mit Dankbarkeit stimme ich seinem Zeugnis zu.
Gibt es Momente oder Begegnungen, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Da ich mein Gedächtnis noch nicht verloren habe, gibt es unzählige! Auch wenn ich mich nicht persönlich daran erinnern kann, nenne ich nur den Tag meiner Taufe, zwei Tage nach meiner Geburt. Tatsächlich sagte ich einmal: «Gibt es etwas Schöneres als den Tag, der uns die Türen des Himmels öffnet – und zwar für immer, nicht nur für dieses irdische Leben, sondern für das ewige Leben?» Welche Gnade Gottes! Schon im 4. Jahrhundert sagte der heilige Gregor von Nazianz: «Die Taufe ist die schönste und herrlichste Gabe Gottes» (or. 40,3-4). Doch ich muss dieser Gnade der Taufe jeden Tag meines Lebens treu bleiben! Würde, aber auch Last! Würde des Kindes Gottes, aber auch Last des Sünders, der jedoch immer auf die unendliche Barmherzigkeit seines himmlischen Vaters zählen darf! Gott sei Dank! Daher vielleicht auch mein bischöfliches Motto: «Christus, unser Friede». Und auch ein Wort Christi, das mich mein ganzes Leben begleitet hat: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!» (Joh 14,6).
Welche besonderen Erfahrungen haben Sie als Bischof mit der «Ortskirche in der Schweiz» gemacht und wie unterscheiden sie sich von Ihren kirchlichen Lebenserfahrungen in Island und Israel?
Meine Erfahrungen als Bischof in der Schweiz, in Island, in Israel, auch in Palästina und anderswo haben jeweils ihre Besonderheiten. Sie sind verbunden mit den verschiedenen und bereichernden Realitäten wie Geschichte, Kultur, Tradition, Sprache, Geographie, Klima. Was Letzteres betrifft: Die höchste Temperatur, die ich während meiner acht Jahre in Island erlebt habe, betrug 15 Grad! Doch was mich überall besonders geprägt hat, ist das derzeitige weltweite Phänomen der Migration von so vielen Millionen internationaler Migranten: Fast die Hälfte sind Frauen, und ein erheblicher Anteil betrifft Jugendliche und Kinder. Welche Probleme für so viele Familien! Das hat auch meine gesamte Pastoral beeinflusst. Vielleicht war ich dafür besonders sensibel, weil ich selbst seit meiner Kindheit ein Migrant geworden bin, vom Oberwallis ausgehend, um dann im hohen Norden und anderswo zu leben. Auch heute noch verbringe ich meinen Ruhestand im Sommer in der Schweiz und im Winter im Heiligen Land.
Anlässlich Ihres Geburtstages erscheint Ihr Buch «Wege der Hoffnung. Flashes von Leben und Dienst». Was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?
Ich schreibe in diesem bescheidenen Buch: Viele Freunde haben mich angesprochen: «Hast du nie daran gedacht, ein Buch über dein Leben zu schreiben? Du könntest wirklich ein Buch schreiben: Du warst in so vielen Regionen und Ländern tätig!» «Du bist 2006 während des Krieges in den Libanon gegangen, du hast während der Intifadas im Heiligen Land gelebt und auch heute noch während dieses brudermörderischen Krieges ...!» «Du wirst am 20. Dezember 2025 80 Jahre alt, jetzt ist der Moment!» «Du warst dein ganzes Leben ein Migrant, erzähle!» Warum? Vielleicht zu Unrecht habe ich lange auf diese Idee verzichtet und oft geantwortet: «Warum Zeit aufwenden, um ein Buch zu schreiben, das vielleicht dann nur fünf oder sechs Personen lesen?» Schliesslich habe ich mich nach so viel Drängen überzeugen lassen, besonders an dich denkend, liebe Leserin, lieber Leser, der dieses bescheidene Buch in den Händen halten wird. Bei näherem Nachdenken wurde mir die Vielfalt meines Lebens- und Dienstweges bewusst, geprägt von der Begegnung mit so vielen Menschen in so unterschiedlichen Regionen und begleitet von zahlreichen göttlichen Gnaden. Ich habe mich als Migrant entdeckt!
Was können die Leserinnen und Leser von der Lektüre des Buches erwarten?
Dazu überlasse ich das letzte Wort Frau Dr. phil. Donata Maria Krethlow-Benziger, Statthalterin für die Schweiz und Liechtenstein des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die das Editorial geschrieben hat: «Bischof Peter ist ein wahrer Diener Gottes. Sowohl in seinem Dienst im Heiligen Land als auch während seines ganzen langen Lebens ist er ein Diener der Menschen. Möge das vorliegende Werk auch für die Leser eine persönliche Begegnung mit ihm sein! Eine Begegnung mit einem Mann, der die Kirche in all ihrer Vielfalt von ganzem Herzen liebt! Lassen Sie sich verzaubern, liebe Leserinnen, liebe Leser, von der Vielfalt und Schönheit dieses Werkes!»
Das Buch von Bischof Peter Bürcher, «Wege der Hoffnung. Flashes von Leben und Dienst», kann gratis über das Frauenkloster St. Peter in Schwyz bezogen werden info@frauenkloster-schwyz.ch. Dem Buch liegt ein Einzahlungsschein für eine freiwillige Spende bei, die den leidgeprüften Christen im Heiligen Land zugutekommt und für die Herstellungskosten des in Bethlehem gedruckten Buches verwendet wird.
Bischof Peter Bürcher stammt aus dem Wallis und wirkte nach seiner Priesterweihe zunächst in verschiedenen Pfarreien im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg, bevor er 1990 Regens des Priesterseminars Freiburg wurde. Am 2. Februar 1994 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof, Papst Benedikt XVI. berief ihn 2007 zum Bischof von Reykjavik. Er wirkte bis 2015 in Island und kehrte dann in die Schweiz zurück, wo er von Mai 2019 bis März 2021 als Apostolischer Administrator des Bistums Chur wirkte. Jetzt lebt er abwechselnd im Frauenkloster St. Peter in Schwyz und im Heiligen Land.
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