Die zum Somedia-Verlag gehörende Zeitung «Südostschweiz» ist chronisch auf Anti-Katholizismus abonniert – er gehört sozusagen zu ihrem Geburtsfehler. Vor allem aber ist die «Südostschweiz» geradezu verzweifelt auf der Suche nach Abonnenten. Wenig verwunderlich: In den letzten 15 Jahren sank die Auflage um knapp 40 Prozent, im gleichen Zeitraum sackten die Werbeeinnahmen um 52 Prozent ab. Ende September 2025 betrug die Printauflage gerade noch 20 000 Exemplare (SRF 1 Dok vom 13. November 2025).
In dieser existenzbedrohenden Lage sucht die Verlegerfamilie Lebrumont ihr Heil in der digitalen Transformation. In der Person des deutschen Joachim Braun glaubt man, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben: Seit dem 1. September 2023 ist er Co-Leiter der Chefredaktion sowie der digitalen Transformation. Per Januar 2025 hat er zusätzlich die Funktion des Geschäftsführers für den Unternehmensbereich Medien übernommen.
Kein Ostfriesenwitz
Kein Ostfriesenwitz: Der genannte Joachim Braun war zuvor als digitaler Transformations-Profi bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland tätig (2018 bis 2023). Mehr noch: Kaum in Amt und Würden, installierte er per 1. Februar 2025 seine Landsfrau Nikola Nording als Chefin Online/Zeitung der Somedia-Medien. Die beiden kannten sich gut – Nikola Nording war zuvor ebenfalls bei der Ostfriesen-Lokalzeitung tätig gewesen (Südostschweiz vom 2. Oktober 2024).
Auf die «grosse Röhre aus dem grossen Kanton» war Verlass. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit bei Somedia im Herbst 2023 legte Braun die Zielvorgabe fest: 8000 Digital-Abos sollten es bis Ende 2025 sein (persoenlich.com vom 29. November 2023). War eine Spur zu hoch gegriffen: Kurz vor dem Jahresende sind es gerade einmal 1900 bezahlte Digital-Abos (SRF 1 Doku vom 13. November 2025). Das Fiasko war einigermassen absehbar. Gleich nach Stellenantritt dekretierte Braun in schöner Ignoranz der hiesigen Verhältnisse: «Die Bedürfnisse der User sind die gleichen in Ostfriesland und in Chur» (persoenlich.com 29. November 2023). Die Schweizer Mentalität möge für die digitale Transformation hinderlich sein, aber, so Braun apodiktisch, von nun an gebe es keine Kompromisse mehr (ibid.). Die Befehlsausgabe des Teutonen-Duos Braun-Nording stiess auf wenig Gegenliebe: «Kaum jemand zeigt sich zufrieden mit der Berichterstattung. Politikerinnen, Kulturschaffende, Wissenschaftler, aber auch gewöhnliche Abonnenten äussern wenig Verständnis für den aktuellen Kurs der Redaktion» (persoenlich.com vom 12. November 2025).
Lückenlose deutsche Lieferkette
Unsereiner hätte nun erwartet, dass «Südostschweiz»-Chefredaktor Braun über die Bücher gehen, ein Minimum an kritischer Selbstbefragung aufbringen würde. Weit gefehlt! Offensichtlich wechselt er völlig beratungsresistent zur nächsten Befehlsausgabe, just in einer Materie, von der er nun wirklich keine Ahnung hat: «Kommen Sie, Herr Bischof Bonnemain, in anderen Situationen zeigen Sie doch auch eine klare Haltung», schulmeistert Chefredaktor Braun den Churer Diözesanbischof («Südostschweiz» 2. Dezember 2025). Gemeint war die Aufforderung, den Spiritual des Klosters Müstair per sofort zu suspendieren. Braun nahm dabei Bezug auf «Recherchen unserer Zeitung». Heisst im Klartext: Auf einen Artikel seiner Landsfrau Annalena Müller in der «Südostschweiz»-Ausgabe vom 26. November 2025, die nach ihrem Rauswurf beim Berner Pfarrblatt im Mai 2025 verzweifelt nach einer neuen Einkommensquelle sucht. Ihr Geschäftsmodell: Unterhosen-Schnüffelei in den Reihen des Klerus.
In einem Mix aus Fakten, Unterstellungen und Verdächtigungen bezichtigt sie darin Bischof Bonnemain der Untätigkeit. Er hatte nach den von einem erwachsenen Mann erhobenen Vorwürfen der sexuellen Nötigung dem beschuldigten Spiritual des Klosters Müstair seelsorgerische Tätigkeiten ausserhalb des Klosters untersagt. Das genügte der ehemaligen Chefredaktorin des Berner Pfarrblattes Annalena Müller nicht. Es ist dies zugleich ein Lehrstück, wie man eine alte Geschichte nach der Devise «sex sells» wieder aufwärmt und – garniert mit ein paar neuen Verdächtigungen – künstlich dramatisiert. «Im Bischofssitz Chur herrscht angespannte Stimmung. Auslöser ist ein Anfang Oktober publizierter Bericht in der NZZ und der Südostschweiz» (Südostschweiz vom 26. November 2025). Müller verschweigt, dass dieser «Anfang Oktober publizierte Bericht» von ihr selbst stammt. Für ihre zumindest implizite Forderung nach einer Abstrafung bemüht Müller ihre Landsleute Wolfgang Rothe aus München und den «renommierten Opferanwalt» Thomas Schüller aus Münster, die per Ferndiagnose eine Suspendierung einfordern: Diese vermaledeite deutsche Klugscheisserei über die Landesgrenze hinaus!
Die Klarstellung des Bistums Chur lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: «Der Artikel lässt in wesentlichen Teilen eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung vermissen […] Der Beitrag erfüllt die Erwartungen, welcher der Schweizer Presserat an Journalistinnen und Journalisten stellt, in keiner Weise.» Bischof Bonnemain verweist darüber hinaus auf die Tatsache, dass das für einen Rechtsstaat grundlegende Prinzip der Unschuldsvermutung nicht zu einer hohlen Phrase verkommen darf, also keine Vorverurteilung erfolgen darf, weshalb Sanktionen ihrer Natur gemäss erst nach dem Abschluss eines (staatlichen) Strafverfahrens auferlegt werden können. Der Churer Diözesanbischof erinnert zudem daran, dass die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall weder superprovisorische noch andere Massnahmen gegen den Beschuldigten getroffen hat. Er schliesst seine Stellungnahme mit den Worten: «Am Sitz des Bischofs in Chur herrscht weder angespannte Stimmung, noch steht der Bischof unter Druck. […] In aller Ruhe wartet er die Ergebnisse ihrer Untersuchung ab, um daraufhin weitere Entscheidungen zu treffen.»
Vergebliche Liebesmüh! Was ein richtiger Kohlhaas-Jünger sein will, lässt sich in seiner Verbohrtheit von Fakten nicht irre machen, und seien sie auch noch so evident – im Gegenteil. In seiner Lehrer-Lämpel-Pose bemüht Braun in seinem Kommentar vom 2. Dezember das Beispiel eines pädophilen Tatverdächtigen in einer Kita. Als ob es im vorliegenden Fall nicht um den Konflikt zwischen zwei erwachsenen Männern gehen würde!
Angesichts dieser Tatsachenverdrehung stimmt es zuversichtlich, dass diese Art von Journalismus eher früher als später das Zeitliche segnen wird. Es wäre ein Segen – für alle Betroffenen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Dort heisst es u.a.:
"2023 Sprung ins journalistische Wasser als Redaktorin bei «kath.ch», dem deutschsprachigen Onlineportal des Katholischen Medienzentrums. Dort innerhalb kurzer Zeit zur Redaktionsleiterin befördert. "
"2024 Berufung auf Posten der Chefredaktorin des «pfarrblatt» Bern (Printauflage: 49'000). Ausbau des Online- und Social-Media-Angebots, vervielfachung der Reichweite binnen Jahresfrist."
"Ab Januar 2026 Bundeshausredaktorin beim «Tages-Anzeiger»."
Vom Scheitern bei kath.ch und beim Berner Pfarrblatt steht nichts.
Die ganze Homepage eine einzige Selbst-Lobhudelei.
Raphael Rauch Bundeshausredaktor für den Blick.
Annalena Müller Bundeshausredaktorin für den Tagesanzeiger.
Die Strippenzieherei im Hintergrund ist dermassen offensichtlich. Aber wenn der eigenen SAche dient, ist man/frau da weit weniger kritisch, als wenn es darum geht, die Strippenzieherei der ANDEREN anzupragern.
Mit solchen Geschichten wird Frau Susanne Lebrument ihr todlangweiliges Zeitungsblatt sicher nicht retten. In der SRF Doku sieht man auch, was diese Frau für ein riesiges Auto fährt, einen dicken BMW. Den wird sie wohl bald verkaufen müssen. Vielleicht auch mal in der Realität ankommen....