Die über 1700-jährige Geschichte der Kirche in Saint-Denis begann mit Dionysius, der um 250 ihr erster Bischof war. Zusammen mit dem Priester Rusticus und dem Diakon Eleutherius kamen sie nach Lutetia (der alte Name von Paris), um das Evangelium zu verkünden und die ersten Taufen zu spenden. «Für diese Dimension des authentischen, zutiefst missionarischen Martyriums sind die Menschen am empfänglichsten», erzählt Bischof Étienne Guillet. «Einen Gottesdienst im Chor der Basilika nahe ihren Reliquien zu feiern, verbindet die Gegenwart der Kirche mit ihrem Ursprung: das Heil anzunehmen und Missionar in einer komplexen und manchmal risikoreichen Welt zu sein. Das ist eine Praxis, die von den Gläubigen sehr geschätzt wird.»
Zeuge der langen Geschichte ist auch die mittelalterliche Basilika, eine der Gründungsbauten der Gotik, in der die Gebeine von 70 Herrschern ruhen. Die Turmspitze der Basilika wird derzeit wiederaufgebaut. «Wir haben angeboten, vier neue Glocken zu finanzieren – ein verrücktes Projekt, da wir sehr arm sind. Aber hinter diesem Vorhaben steht der Wunsch, dieser Kontinuität eine sichtbare Form zu geben: Die Turmspitze ist in der Architektur wie ein Zeigefinger: Sie lädt dazu ein, den Blick gen Himmel zu richten, auch wenn sie in der Gotik fest mit dem Boden verbunden ist, wo es unsere Aufgabe ist, das Reich Gottes im Kleinen zu verwirklichen.» Aktuell lebt in der Basilika die mittelalterliche Wallfahrt zum Grab des heiligen Dionysius wieder auf, die etwas in Vergessenheit geraten war.
Die Kirche von Saint-Denis blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück, ist zugleich aber auch ein Ort des kirchlichen Aufbruchs – geprägt von einem Alltag in einem einfachen, teils armen, multiethnischen und multireligiösen Umfeld. Der Islam bildet die grösste Religion im Departement Seine-Saint-Denis, welches die Diözese Saint-Denis umfasst. Nach verschiedenen Erhebungen bekennen sich etwa 27 bis 30 Prozent der Bevölkerung des Departements zum muslimischen Glauben mit all den damit verbundenen sozialen Problemen. Die Zahl liegt somit deutlich über dem nationalen Durchschnitt von 7 bis 10 Prozent. Der hohe Anteil erklärt sich durch die Tatsache, dass das Département früher ein bedeutendes Industriezentrum Frankreichs war.
Von Katechumenen, Träumen und Herausforderungen
Während seiner Frankreichreise vom 25. bis 28. September 2026 besucht Papst Leo XIV. auch das Bistum Saint-Denis und nimmt an einer Gebetsvigil von Jugendlichen und Katechumenen teil. Im Gespräch mit Bischof Étienne Guillet fragte die katholische Nachrichtenagentur «Fides» nach dem Hintergrund der Katechumenen. «Die grösste Gruppe ist zwischen 18 und 25 Jahre alt, aber es gibt nicht das eine soziologische Profil.» Ein Teil der Katechumenen sei in einem christlichen Umfeld aufgewachsen, jedoch ohne getauft worden zu sein. Andere seien durch das Zeugnis eines Freundes, einer Kollegin oder Nachbarin in Kontakt mit der Kirche gekommen. «Die sozialen Netzwerke machen nicht alles aus, aber sie sind der Ort, an dem unsere Zeitgenossen ihre ersten Fragen stellen. Wir müssen dort also fundierte Antworten anbieten», ist der Bischof überzeugt. Manche hätten den Glauben durch eine geöffnete Kirche, ihre Stille und ihre Schönheit gefunden. «Ein Mann erzählte mir, dass er nach einem sehr schweren Tag aus dem Pendlerzug einen Kirchturm sah, die Kirche betrat und dort einen Frieden fand, der sein Leben verändert hat.»
Von den Katechumenen hätten etwa 15 Prozent einen muslimischen Hintergrund. «Auch ihr Weg beinhaltet Begegnungen und Recherchen im Internet, sehr oft wird aber auch von einem Traum oder einem intensiven geistlichen Erlebnis berichtet. Das mag unsere westliche Rationalität verunsichern, aber Träume ziehen sich schliesslich durch die gesamte Bibel!»
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