Mit Photoshop generiertes KI-Symbolbild © swiss-cath.ch

Kommentar

Auf­dring­li­che KI kann für Ver­wir­rung sorgen

Wäh­rend mei­nen Som­mer­fe­rien kon­sul­tierte ich – wie das öfter vor­kommt – den digi­ta­len Brief­kas­te­n­on­kel Namens Google. Anstelle der erwar­te­ten Ant­wort bekam ich Infor­ma­tio­nen, die ich gar nicht ver­langt hatte und die dar­über hin­aus sogar falsch sind. Daher ist nach wie vor in der Regel die natür­li­che Intel­li­genz der künst­li­chen Intel­li­genz vorzuziehen.

Unterwegs im sehenswerten Sarganserland mit der röm.-kath. Pfarrkirche von Sargans vor Augen gab ich bei Google «Anzahl Katholiken der Pfarrei Sargans» ein. Blitzschnell kam folgende Antwort:
«Die genaue Anzahl der Katholiken in der Pfarrei Sargans ist ohne spezifische Daten schwer zu ermitteln. Es ist jedoch bekannt, dass die Pfarrei Teil des Bistums Chur ist, welches wiederum Teil der römisch-katholischen Kirche ist. Um die genaue Anzahl zu erfahren, wäre es am besten, direkt die Pfarrei Sargans oder das Bistum Chur zu kontaktieren.»

Das ist eine herbe Enttäuschung. Da ich im Bistum St. Gallen aufgewachsen und im Bistum Chur inkardiniert bin, war sofort klar, dass die Aussage, Sargans sei Teil des Bistums Chur, falsch ist. Allerdings gibt es da noch Kleingedrucktes. Bei der von der KI generierten Übersicht steht ganz unten: «KI-Antworten können Fehler enthalten.» Das sieht man allerding erst, wenn man sich alles anzeigen lässt. Es wäre auch nutzlos, sich beim Bistum Chur nach der Katholikenzahl der Pfarrei Sargans zu erkundigen (Die Kommunikationsverantwortliche wäre sicher höchst erfreut über solches Interesse). Natürlich habe ich schliesslich – auch mit Google – herausgefunden, dass im Jahr 2021 auf dem Pfarreigebiet Sargans 2'775 Katholiken wohnhaft waren.

Im Grunde wurde meine bisherige Haltung durch diese Erfahrung bestätigt. Letzthin wurde ich in einem Computergeschäft gefragt, ob ich mit meinem Gerät auch schon künstliche Intelligenz ausprobiert habe. Ich antwortete, dass ich natürliche Intelligenz klar bevorzuge. Zugegeben war diese Antwort etwas übermütig. Wenn wir etwa daran denken, dass bei der Formel 1 die Anweisung, in welcher Runde die Räder eines Fahrzeuges gewechselt werden sollen, inzwischen der KI überlassen wird – ausser es beginnt zu regnen. Ich würde mir ohne den nötigen Erfahrungshintergrund keine solche Entscheidung zutrauen.

Immerhin ist der KI zu attestieren, dass sie meistens heute schon überlegen ist, wenn sie auf natürliche Dummheit oder menschliche Nachlässigkeit trifft. Vielleicht könnten wir es der KI überlassen, unsere Abwesenheitsmeldungen bei E-Mail-Anfragen passend zu generieren. Am letzten Freitag, dem 25. Juli 2025 erhielt swiss-cath.ch auf den Versand des Newsletters folgende Abwesenheitsmeldung der Kommunikationsabteilung der Schweizer Bischofskonferenz:

«Guten Tag
Zwischen dem 23.12.24 und dem 6.01.2025 werden die E-Mails nicht regelmässig gelesen. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an sekretariat@bischoefe.ch

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen gesegnete Festtage!

Freundliche Grüsse

Der Kommunikationsdienst»


Roland Graf
swiss-cath.ch

E-Mail

Dr. Roland Graf ist Pfarrer in Unteriberg und Studen (SZ). Er hat an der Universität Augsburg in Moraltheologie promoviert und war vor seinem Theologiestudium als Chemiker HTL tätig.


Kommentare und Antworten

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Bemerkungen :

  • user
    Stefan Fleischer 28.07.2025 um 17:39
    Man mus immer bedenken
    1. Wissen ist noch lange keine Weisheit
    2. Was der KI auch fehlt, ist der gesunde Menschenverstand