Bereits nach der vollständigen Besetzung Ungarns durch die Sowjettruppen anfangs April 1945 setzte die Verfolgung der katholischen Kirche ein. Zwar gewann die Kleinlandwirtepartei bei den Parlamentswahlen vom 4. November 1945 57 Prozent der Stimmen (die Kommunisten erreichten nur 17 %), doch mithilfe der sowjetischen Besatzungsmacht gelang es den Kommunisten, die Kleinlandwirtepartei durch Protestaufmärsche, willkürliche Verhaftungen und Schauprozesse bereits bei den Parlamentswahlen zwei Jahre später (31. August 1947) auf 15,2 % hinunter zu drücken. Ein führender Kommunist, Andreas Hegedüs, gab später gegenüber westlichen Medien zu, diese Wahlen zugunsten seiner Partei massiv gefälscht zu haben.
Die teils offen, teils verdeckt geführte Liquidierung der demokratischen Kräfte führte zur Etablierung der kommunistischen Einheitspartei: am 15. Mai 1949 erhielt sie in den Parlamentswahlen nach offiziellen Angaben fast 100 % (!).
Schon vorher, Ende März 1945, war der kirchliche Grundbesitz beschlagnahmt worden – rund 5 % der gesamten Anbaufläche Ungarns. Der Geheimpolizei gelang es, Spitzel in die Kirche einzuschleusen und so ein Klima der allgegenwärtigen Verdächtigungen zu schaffen. Bevorzugtes Vehikel zur sukzessiven Unterwanderung der kirchlichen Strukturen war die vom Staat aufgezwungene sog. Friedenspriesterbewegung, welche die Kirche beim «Aufbau des Sozialismus» vor den Karren spannen sollte.
Im Juni 1948 wurden die kirchlichen Schulen verstaatlicht. Damit verlor die Kirche auf einen Schlag mehr als 3‘300 von ihr geführte Schulen: fast die Hälfte aller Lehranstalten des Landes. Durch eine staatliche Zulassungsbeschränkung wurde der Priesternachwuchs von 1‘779 auf 300 Kandidaten hinunter gedrückt. Es folgte im Sommer die Verhaftung von mehr als 3‘800 Ordensangehörigen. Mehr als 10‘000 von ihnen mussten ihr Wirken in Schulen, Spitälern und Altersheimen einstellen. Von diesem Kahlschlag waren 23 Männer- und 40 Frauenorden betroffen.
In dieser verzweifelten, existenzbedrohenden Lage willigten die noch verbliebenen Bischöfe im August 1950 in ein Zwangsabkommen mit dem Staat ein (der ungarische Primas Jozsef Mindszenty war bereits am 8. Februar zu lebenslanger Haft verurteilt worden, sein Nachfolger Erzbischof Joszef Grosz zu 15 Jahren Zuchthaus).
Vehikel für den «Aufbau des Sozialismus»
Dieses Zwangsabkommen verpflichtete die Kirche zur aktiven Mitarbeit beim «Aufbau des Sozialismus», insbesondere zur Unterstützung der in der ganzen Bevölkerung verhassten Kollektivierung der Landwirtschaft durch Hirtenworte und Predigten in den Sonntagsgottesdiensten. Im Gegenzug liess der Staat pro forma acht Gymnasien wieder zu. Zudem konnten die Benediktiner, Piaristen, Franziskaner und Schulschwestern in sechs Städten ihren Unterricht in beschränktem Umfang wieder aufnehmen.
Niemanden haben die Kommunisten so gefürchtet und gehasst wie den von Papst Pius XII. zum Kardinal und Primas von Ungarn erhobenen Joszef Mindszenty. Mit seinem aussergewöhnlichen Mut, seinem moralischen und intellektuellen Format wurde er für Millionen von Gläubigen in Ungarn zum Hoffnungsträger im Kampf gegen die individuelle und kollektive Versklavung durch totalitäre Ideologien (bereits die Nazi-Marionettenregierung unter Ferenc Szalasi hatte ihn ins Gefängnis geworfen). Dieser Mann musste mit allen Mitteln ausgeschaltet werden. Nach einer staatlich inszenierten Rufmordkampagne wurde Kardinal Mindszenty am 26. Dezember 1948 verhaftet und nach Folterungen und tagelangen Verhören am 8. Februar 1949 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Seine im Ullstein-Verlag veröffentlichten «Erinnerungen» gehören zu den eindrücklichsten Beispielen der Memoiren-Literatur. Nach seiner nur wenige Tage dauernden Befreiung aus dem Gefängnis musste er am Ende des unvergesslichen, von Sowjettruppen niedergeknüppelten Ungarnaufstandes in der Nacht vom 3. auf den 4. November 1956 zu Fuss in die amerikanische Botschaft fliehen, um einer Verschleppung nach Sibirien zu entkommen.
Gemäss dem Kirchenhistoriker Gabriel Adrianyi hat dieses Abkommen der Kirche nur wenig genutzt. Kardinal Mindszenty teilt diesen Befund. Als einer, der die kommunistische Ideologie buchstäblich am eigenen Leib erfahren hat, war ihm nur allzu gut bewusst, was dieses Abkommen für die Weiterexistenz der Kirche bedeuten würde.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Der Neo-Kommunismus scheint indessen auch in der Schweiz bedenkliche Wurzeln zu schlagen. Blinwütiger Hass – keine berechtigte, fundierte und sachlich nüchterne Kritik bez. Verfehlungen – auf die Kirche scheint im Alltag salonfähig geworden, das zeigt, wer sich beispielsweise die Kommentare in Hugo Stamms Blog antut... Da wird gewalttätig nach einem Verbot der Religion gekeift, nach Verleugnung nationaler Geschichte durch Streichung der Präambel in der Bundesverfassung, die "My body, my choice"-Fraktion offenbart ihre aggressive und übergriffige Doppelmoral, wenn sie Kreuzanhänger um den Hals verbieten will usw. (dass das Recht auf Religion unter Artikel 18 der Menschenrechte, die sie vermeintlich hochjubeln, ebenfalls darin steht, wird dabei gerne unterschlagen) Und unsere Obrigkeit scheint zu all dem willig zu schweigen......