Ein Kernstück der Ausstellung: eine dem Abdruck des Tuches entsprechende Figur in Lebensgrösse. (Bild: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Weltkirche

Aus­stel­lung zum Turi­ner Grab­tuch in der Zür­cher Pfar­rei Maria Lourdes

Wer ist der Mann auf dem Turi­ner Grab­tuch? Eine fas­zi­nie­rende Aus­stel­lung in der Pfarr­kir­che der Stadt­zür­cher Pfar­rei Maria Lour­des geht die­ser Frage nach.

Handelt es sich beim berühmten Turiner Grabtuch tatsächlich um das Tuch, in das Jesus Christus nach seinem Tod gehüllt wurde? Dieser Frage wie auch der verschlungenen Odyssee des Tuches von Ost nach West geht eine Wanderausstellung nach, die gegenwärtig in der Stadtzürcher Pfarrei Maria Lourdes Station macht. Der Malteserorden zeichnet für die Ausstellung mit dem Titel «Wer ist der Mann auf dem Tuch? Eine Spurensuche» verantwortlich. 2013 hat sie in Deutschland ihren Ausgang genommen. Mittlerweile haben sie mehr als 250 000 Menschen besucht.

Kernstück der Ausstellung sind das Turiner Grabtuch in einer originalgetreuen Kopie sowie eine dem Abdruck des Tuches entsprechende Figur in Lebensgrösse. Die Ausstellung verbindet Glaube und Wissen auf eindrückliche Weise und inspiriert anhand von 25 Schautafeln, sieben Exponaten und einem Film Besucherinnen und Besucher, sich auf diese spezielle Weise mit dem Geheimnis von Jesu Leben, Sterben und Tod vertraut zu machen.

Um das Turiner Grabtuch ranken sich – wie könnte es anders sein – zahlreiche Legenden. Eine davon besagt, dass Jesus selbst ein «nicht von Menschenhand gemaltes Tuchbild» König Abgar geschenkt habe. Dieser lebte von 4 v. Chr. bis 50 n. Chr. in der heutigen Türkei.

Mit dem Sieg über die Bilderstürmer in der Ostkirche um 700 verändert sich auch die Darstellung von Jesus: Sie wird zum Porträt, im Wesentlichen dem Antlitz auf dem Grabtuch gleich. 944 erzwingt Kaiser Romanos von Konstantinopel die Herausgabe des sogenannten «Abgar-Tuches».

Eine Odyssee von Ost nach West
Wie genau das Grabtuch seinen Weg von Ost nach West gefunden hat, ist unklar. Es wird vermutet, dass die Kreuzritter während des 4. Kreuzzuges (1204–1206) das Grabtuch als kostbare Reliquie geraubt und in den Westen verschleppt haben.

Ab 1389 ist die Geschichte des Grabtuches lückenlos dokumentiert. Der Ritter Geoffroy lässt ein Grabtuch mit der Abbildung des Gekreuzigten in einer von ihm erbauten Kapelle zur Verehrung ausstellen. Der zuständige Bischof von Troyes will die Verehrung verbieten, er hält sie für eine Fälschung. Papst Clemens VII., damals in Avignon residierend, schlichtet den Streit: Das Grabtuch darf weiter als Ikone, nicht aber als Reliquie verehrt werden.

1453 wird das Grabtuch von der Tochter Geoffroys III. an das Haus Savoyen verkauft. Ab 1506 darf es in der Schlosskapelle Chambery samt eigenem Festtag öffentlich verehrt werden. Sechs Jahre später bricht in der Schlosskapelle ein Brand aus. Das Grabtuch trägt bleibende Schäden davon: in Form von Brandflecken und Löschwasserspuren.
 


1578 wird das Grabtuch nach Turin, der neuen Hauptstadt der Herzöge von Savoyen, überführt. In ihrem Auftrag macht Secondo Pia 1898 die erste Fotografie des Grabtuches. Es ist dies der Beginn unzähliger wissenschaftlicher Untersuchungen. 1988 kommt ein Test mit der Radiokarbonmethode zum Schluss, dass die Entstehungszeit des Grabtuches zwischen 1260 und 1390 zu verorten ist. Der Befund wurde vor allem wegen methodischer Mängel kritisiert. So wurden die Proben einer einzigen Stelle aus der linken, oberen Ecke entnommen. Also just von jener Stelle, die im Laufe der Zeit häufig angefasst und besonders verunreinigt wurde. Zudem existieren keine valide Untersuchungsprotokolle.

Zahlreiche Indizien
Ganze Heerscharen von Medizinern, Biologen, Physikern, Chemikern, Textilexpertinnen, Kriminologen, Byzantinisten, Kunsthistorikerinnen und Ikonographen machten sich auf, das Rätsel des Turiner Grabtuches zu entschlüsseln. Sie werden unter dem Oberbegriff «Sindonologen» zusammengefasst.

Aufgrund von Lichtfilter- und chemischen Analysen kann als sicher gelten, dass die Blutflecken auf dem Tuch nicht von Tieren, sondern von einem Menschen stammen (Blutgruppe AB). Auch liessen sich keine künstlich aufgetragenen Substanzen nachweisen. Gemäss Einschätzung von Mechtild Flury-Lemberg, Textilkunde-Expertin und Restauratorin antiker Textilien, lassen Gewebestruktur und Wegefäden des Tuches auf eine antike, professionelle Handarbeit aus ungefärbten Naturleinen im 1. Jahrhundert n. Chr. schliessen.

1997 brach im Turiner Dom ein Brand aus. Unter Lebensgefahr konnte ein Mann das Grabtuch in Sicherheit bringen. Seither befindet es sich in einer klimatisierten, geschützten Vitrine in einer Seitenkapelle des Domes. 2015 fand die vorerst letzte Grabtuchausstellung statt. Sie wurde von Millionen von Pilgerinnen und Pilgern, darunter auch Papst Franziskus, besucht.

Gemäss anatomischem Befund handelt es sich beim Gekreuzigten um einen ca. 180 cm grossen Mann. Mehr als 120 Spuren einer Geisselung (hantelförmige Wundmale) konnten eruiert werden. Die Schürfwunden auf den Schultern deuten auf einen Mann hin, der den Querbalken eines Kreuzes getragen hat. Die vielen punktförmigen Stichwunden auf dem Hinterkopf und die geschwollene Stirn legen den Schluss nahe, dass der Gekreuzigte auch eine Dornenkrone auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte getragen hat.

Der finale wissenschaftliche Beweis der Echtheit des Turiner Grabtuches (wie auch dessen Widerlegung) wird wohl kaum je zu erbringen sein. Manche Erkenntnisse dürfen aber auch aus der Sicht durchaus kritischer Geister als sogenannte Indizienbeweise gewertet werden. So oder so vermittelt die sorgfältig dokumentierte Ausstellung einen faszinierenden Einblick in die einzigartige Geschichte des Turiner Grabtuches.
 

Die Ausstellung in der Pfarrkirche Maria Lourdes dauert noch bis zum 28. September 2025. Am 19. September hält Weihbischof Marian Eleganti im Rahmen der Ausstellung um 19.15 Uhr einen Vortrag zum Thema «Die Heilsbedeutung der Passion Jesu». Ergänzende Angaben finden sich unter https://pfarrei-maria-lourdes.ch/das-turiner-grabtuch


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

  • user
    Patrick Reto Bieri 17.09.2025 um 11:05
    Na ja, zumndest die Blutgruppe stimmt überein mit den eucharistischen Wundern. Vielleicht sollte man bei den eucharistischen Wundern eine gesammte Untersuchung machen, also alle bekannten Wunder miteinander vergleichen? Bei einigen dieser Wunder gibt es bisher spektakuläre Erkenntnisse. Aber es fehlt bisher eine Kombination der Erkenntnisse. Bei mehrerer eucharistischen Wundern wurde lange nach der vollkommen Eintrocknung Laboruntersuchungen gemacht und dabei weisse Blutkörperchen festgestellt. Dies kann nur sein, wenn der Tod erst vor wenigen Stunden eingetroffen ist. Doch die Proben stammten von Wundern, die vor Jahren oder gar Jahrhunderten geschehen waren. Auch haben verschiedene Labore gemeldet, dass die Proben einem noch lebenden Herzen entnommen sein müssen und der Patient wohl an einem Herzinfarkt gestorben sei. Würde man also alle Relikte nochmals strukturiert und gut überwacht mit "blinden" Labortests untersuchen, könnte man allenfalls wissenschaftlich beweisen, dass es sich beim Patienten um dieselbe Person gehandelt hat (DNA Test). Da die Proben aber von Relikten stammen, die Jahhunderte auseinander liegen, wäre dies ein Gottesbeweis :-)