Handelt es sich beim berühmten Turiner Grabtuch tatsächlich um das Tuch, in das Jesus Christus nach seinem Tod gehüllt wurde? Dieser Frage wie auch der verschlungenen Odyssee des Tuches von Ost nach West geht eine Wanderausstellung nach, die gegenwärtig in der Stadtzürcher Pfarrei Maria Lourdes Station macht. Der Malteserorden zeichnet für die Ausstellung mit dem Titel «Wer ist der Mann auf dem Tuch? Eine Spurensuche» verantwortlich. 2013 hat sie in Deutschland ihren Ausgang genommen. Mittlerweile haben sie mehr als 250 000 Menschen besucht.
Kernstück der Ausstellung sind das Turiner Grabtuch in einer originalgetreuen Kopie sowie eine dem Abdruck des Tuches entsprechende Figur in Lebensgrösse. Die Ausstellung verbindet Glaube und Wissen auf eindrückliche Weise und inspiriert anhand von 25 Schautafeln, sieben Exponaten und einem Film Besucherinnen und Besucher, sich auf diese spezielle Weise mit dem Geheimnis von Jesu Leben, Sterben und Tod vertraut zu machen.
Um das Turiner Grabtuch ranken sich – wie könnte es anders sein – zahlreiche Legenden. Eine davon besagt, dass Jesus selbst ein «nicht von Menschenhand gemaltes Tuchbild» König Abgar geschenkt habe. Dieser lebte von 4 v. Chr. bis 50 n. Chr. in der heutigen Türkei.
Mit dem Sieg über die Bilderstürmer in der Ostkirche um 700 verändert sich auch die Darstellung von Jesus: Sie wird zum Porträt, im Wesentlichen dem Antlitz auf dem Grabtuch gleich. 944 erzwingt Kaiser Romanos von Konstantinopel die Herausgabe des sogenannten «Abgar-Tuches».
Eine Odyssee von Ost nach West
Wie genau das Grabtuch seinen Weg von Ost nach West gefunden hat, ist unklar. Es wird vermutet, dass die Kreuzritter während des 4. Kreuzzuges (1204–1206) das Grabtuch als kostbare Reliquie geraubt und in den Westen verschleppt haben.
Ab 1389 ist die Geschichte des Grabtuches lückenlos dokumentiert. Der Ritter Geoffroy lässt ein Grabtuch mit der Abbildung des Gekreuzigten in einer von ihm erbauten Kapelle zur Verehrung ausstellen. Der zuständige Bischof von Troyes will die Verehrung verbieten, er hält sie für eine Fälschung. Papst Clemens VII., damals in Avignon residierend, schlichtet den Streit: Das Grabtuch darf weiter als Ikone, nicht aber als Reliquie verehrt werden.
1453 wird das Grabtuch von der Tochter Geoffroys III. an das Haus Savoyen verkauft. Ab 1506 darf es in der Schlosskapelle Chambery samt eigenem Festtag öffentlich verehrt werden. Sechs Jahre später bricht in der Schlosskapelle ein Brand aus. Das Grabtuch trägt bleibende Schäden davon: in Form von Brandflecken und Löschwasserspuren.
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