Für den letzten Sonntag, den 4. Januar 2026, hatte der von der Stiftung «Mission Maria» getragene AVE-Tag zu einer Neujahrsfeier eingeladen. Der Titel lautete: «AVE! TAG 2026 Einsiedeln – Mit Maria ins Neue Jahr.» Im Mittelpunkt der Tagung im Kongresszentrum Zwei Raben standen das Referat von Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann, sowie ein persönliches Glaubenszeugnis von Raphael Haslinger. Mehrere in der katholischen Kirche engagierte Vereinigungen orientierten an ihren Ständen im Kongresszentrum über ihre vielfältigen Aktivitäten, so die Schweizer Seelsorgestiftung und die Gemeinschaft des Priesterseminars St. Petrus in Wigratzbad.
Die Tagung begann mit einem Rosenkranzgebet und feierlichen Gottesdienst in der vollbesetzten Klosterkirche mit anschliessender Marienweihe. Deren letzte Strophe liest sich geradezu wie ein Echo auf die Tragödie von Crans Montana drei Tage zuvor: «Jungfrau Mutter Gottes mein, lass mich ganz dein eigen sein. Dein im Leben, dein im Tod, dein in Unglück, Angst und Not. Dein in Kreuz und bittrem Leid, dein für Zeit und Ewigkeit.»
Professor Ralph Weimann, geistlicher Beirat von AVEMARIA, hatte seinen Vortrag dem Thema «Die Botschaft Mariens – wahrer Friede im Kleinen wie im Grossen» gewidmet. Maria ist, stellte der Referent eingangs fest, die erste Neuschöpfung des trinitarischen Gottes: Die vollendete Tochter des Vaters, die Mutter seines Sohnes und die Braut des heiligen Geistes. Umso abwegiger ist das chronisch repetierte Vorurteil, Marienverehrung verdunkle den Blick auf Jesus, lenke von ihm ab. Das Gegenteil ist der Fall: Niemand kann uns den Weg zu Gott besser zeigen als jene Frau, die ihn geboren hat.
Die Marienfrömmigkeit ermöglicht nach übereinstimmender Lehre der katholischen wie der orthodoxen Kirche überhaupt erst die Möglichkeit einer personalen Gottesbeziehung, ohne welche der Glaube ein abstrakt-theoretisches Konstrukt bleibt. Echte Marienfrömmigkeit ist personal und rational zugleich, so der Referent. Zugleich gilt: Maria hat keine eigene Botschaft, ihre Botschaft ist stets jene von Jesus Christus, ihres Sohnes («Tut, was er euch sagt»), die in der marianischen Charta, dem Magnifikat, ihren exemplarischen Ausdruck gefunden hat.
Nach dem II. Vatikanischen Konzil geriet dieser zentrale Aspekt der Marienfrömmigkeit in Vergessenheit – und damit, so Professor Weimann, die für die ganze Kirche essentielle, sprich missionarische Dimension. Die im nachkonziliaren Vakuum vermehrt geltend gemachten Privatoffenbarungen haben sich stets an dieser Maxime messen zu lassen. Der Kern der Marienerscheinungen, sei es in Lourdes, sei es in Fatima, ist immer der gleiche: ein unablässiger Aufruf zur Umkehr, zur Busse und zum Gebet.
In weiten Kreisen (nicht nur) des Kirchenvolkes hat die Austrocknung des personal gelebten Glaubens zu einer Verkitschung der Marienfrömmigkeit geführt, zu einer falsch verstandenen Vermenschlichung, welche die Glaubenssubstanz zunehmend aushöhlte, sprich die Botschaft der Liebe, des ewigen Lebens in Gott. Die moderne Gesellschaft hat über die buchstäblich gnadenlose Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes hinaus die Geburt Christi auf ein «Seid lieb und nett zueinander» reduziert. Für das Geheimnis der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes, ist sie weitgehend blind geworden. Übrigens kein neues Phänomen in der Kirchengeschichte, wie der Arianismus, der sich ausgerechnet nach dem Konzil von Nizäa ausbreitete, auf eindrückliche Weise belegt.
Demgegenüber gilt es, so Professor Weimann, festzuhalten: Wahre Menschlichkeit verwirklicht sich dann, wenn sie das Göttliche in den Mittelpunkt stellt. Um es in den Worten von Papst Benedikt zu sagen: «Wir brauchen keine ‹menschlichere Kirche›, sondern eine ‹göttlichere Kirche›, erst dann wird sie eine wahrhaft menschliche Kirche.» Und gerade deshalb kommt Maria im Heilsplan Gottes eine so zentrale Bedeutung zu, weil sie Gottes Sohn vorbehaltlos in den Mittelpunk ihrer ganzen Existenz, ihres Lebens und Leidens, gestellt hat. In ihrer Demut besteht ihre wahre Grösse («Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach seinem Wort»). Die Marienfrömmigkeit steht nicht für sich selbst, sondern für die Botschaft Jesu, für die göttliche Wahrheit, die in der Feier der Sakramente sichtbar und erlebbar wird («Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt»).
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