(Bild: Roland Graf/swiss-cath.ch)

Neuevangelisierung

«Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!»

Heute, am 18. Februar, ist es wie­der so weit: Mit dem Ascher­mitt­woch beginnt die 40-​tägige Öster­li­che Buss­zeit. Die Gläu­bi­gen emp­fan­gen Asche als Zei­chen ihrer Ver­gäng­lich­keit, aber auch als Zei­chen für die Hoff­nung auf Got­tes Barmherzigkeit.

Ein ungewohntes Bild bot sich den Gläubigen in Belgien und Frankreich, die im vergangenen Jahr am Aschermittwoch die Heilige Messe besuchten: Zahllose Jugendliche und junge Menschen fanden sich in der Kirche ein; viele von ihnen nahmen zum ersten Mal an einer Eucharistiefeier teil, einige von ihnen baten im Anschluss um die Aufnahme in die Katholische Kirche.

Es wurde viel gerätselt, warum ausgerechnet der Aschermittwoch so anziehend war. Als ein Grund wurde die Sehnsucht nach Transzendenz genannt: die Ausrichtung auf Gott statt des ständigen Um-sich-selbst-Kreisens. Damit haben die jungen Menschen intuitiv verstanden, worum es in der Fastenzeit geht.

Zerreisst eure Herzen, nicht eure Kleider
Bereits das Alte Testament kennt ein Fasten. Darunter wird die vorübergehende Enthaltsamkeit von Essen und Trinken verstanden. Diese konnte im Zusammenhang mit Trauer oder Busse erfolgen, mit Riten verbunden sein oder zur Vorbereitung auf eine wichtige Aufgabe dienen. Immer wieder fastete das Volk Israel, nachdem es sich von Gott abgewandt hatte und um seine erneute Zuwendung bat (z. B. Jon 3,5). Zentraler Gedanke beim Fasten war die (Neu-)Ausrichtung auf Gott.

Es kam der Gedanke auf, dass ein Fasten ohne Werke vor Gott wertlos ist: «Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen?» (Jes 58,6). Ähnlich bei Joel 2,12f: «Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen! Zerreisst eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld, und es reut ihn das Unheil.» Die innere Umkehr zu Gott sollte sich auch in der Lebensführung zeigen.

Jesus begann sein öffentliches Wirken mit einem Fasten. Wie das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste wanderte, so verbrachte Jesus 40 Tage in der Wüste. Während sich das Volk Israel in dieser Zeit immer wieder von Gott abgewandt hatte, erwies sich Jesus als der gehorsame Gottesknecht. Die Geschichte der Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 4,1–11, Lk 4,1–13) zeigt, welche Werte im Letzten zählen: das Vertrauen in das Wort Gottes und in seine Hilfe sowie die Anerkennung der Allmacht Gottes. Indem Jesus Gott treu blieb, besiegte er den Versucher und nahm so den Sieg der Passion vorweg. «Durch die vierzigtägige Fastenzeit vereint sich die Kirche jedes Jahr mit dem Mysterium Jesu in der Wüste» (KKK 540). Kraft für den Kampf gegen den Satan schöpfte Jesus aus dem Fasten und dem Gebet.

Während seines öffentlichen Wirkens äusserte sich Jesus mehrfach zum Fasten. Für ihn ist Fasten gottgefällig, wenn es im Verborgenen, in Freude (Mt 6,16–18) und ohne Stolz geschieht (Lk 18,12).

Vom «Trauerfasten» zur Österlichen Busszeit
Die ersten Christen übernahmen zunächst die jüdische Fastentradition des zweimaligen Fastens pro Woche. Sie wählten aber bewusst andere Tage: Statt am Montag und Donnerstag fasteten sie am Mittwoch (Gefangennahme Jesu) und Freitag (Tod Jesu). Daneben bildete sich schon bald das «Trauerfasten» am Karfreitag und Karsamstag heraus. Dies war ein Vollfasten ohne Essen und Trinken. Dieses Fasten wurde mit der Zeit auf die Karwoche und dann auf die 40 Tage vor Ostern ausgedehnt; da der Sonntag der Gedenktag der Auferstehung Jesu Christi ist, werden die Sonntage nicht mitgezählt.

Während der Fastenzeit begnügte man sich mit einer Mahlzeit pro Tag und enthielt sich von Fleisch und Wein, später auch Milchprodukten und Eiern. Seit dem Hochmittelalter wurden die Fastenregeln gemildert: Heute gelten nur noch Aschermittwoch und Karfreitag als Fast- und Abstinenztage.
Neben der Österlichen Busszeit entwickelten sich weitere Fastenzeiten (z. B. vor Weihnachten) oder das Fasten als Vorbereitung auf die (Erwachsenen-)Taufe oder die Weihe.
 


Bezeichnet mit dem Symbol der Vergänglichkeit
Der Aschermittwoch war früher auch der Beginn der öffentlichen Kirchenbusse. Diese wurde bei schweren Sünden auferlegt und musste öffentlich erfolgen. Die Büsser legten am Aschermittwoch das Bussgewand an und wurden mit Asche bestreut.[1] Die Praxis der öffentlichen Kirchenbusse endete um das 10. Jahrhundert. Der Ritus der Ascheauflegung blieb jedoch erhalten und wurde nun auf alle Gläubigen ausgeweitet. Seit dieser Zeit ist auch eine Segnung der Asche bekannt. Ab dem 12. Jahrhundert gewann man die Asche aus Palmzweigen des Vorjahres.

Der Aschenritus nach der Homilie ersetzt den Bussritus im Eröffnungsteil der Messe, da er einen Aufruf zur Umkehr darstellt:

«Barmherziger Gott, du bist den Demütigen nahe und lässt dich durch Busse versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten und segne alle, die gekommen sind, um das Aschenkreuz zu empfangen. Hilf uns, die vierzig Tage der Busse in rechter Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen feiern. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn …»

Oder:

«Gott, du willst nicht den Tod des Sünders, du willst, dass er sich bekehrt und lebt.
Erhöre gnädig unsere Bitten: Segne diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen, weil wir wissen, dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren.
Hilf uns, die vierzig Tage der Busse in rechter Gesinnung zu begehen.
Verzeih uns unsere Sünden, erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn …».

Die Gläubigen empfangen nun die Asche mit dem Begleitwort: «Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium» (Mk 1,15) oder «Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst» (vgl. Gen 3,19).

Die Liturgie des Aschermittwochs ruft den Menschen zu einer entschiedenen Umkehr auf – weg von sich selbst, hin zu Gott. Durch Jesus Christus sind wir mit Gott versöhnt: Diese Versöhnung sollen wir in unserem Leben bezeugen und weiterschenken. Der Verzicht auf etwas Äusseres kann uns dabei helfen, diese innere Umkehr besser
 

«Wir sind schon getauft, aber die Taufe ist in unserem Alltagsleben oft nicht sehr wirksam. Darum ist auch für uns die Fastenzeit ein neues ‹Katechumenat›, in dem wir erneut unserer Taufe entgegengehen, um sie wieder neu zu entdecken und zutiefst wieder zu erleben, um wieder wirklich Christen zu werden. Die Fastenzeit ist also eine Gelegenheit, um wieder neu Christen ‹zu werden›, durch einen ständigen Prozess des inneren Wandels und des Fortschreitens in der Erkenntnis und in der Liebe Christi. Die Umkehr geschieht nie ein für allemal, sondern sie ist ein Prozess, ein innerer Weg während unseres ganzen Lebens» (Papst Benedikt XVI. während der Generalaudienz am Aschermittwoch 2007).

 

Aschermittwoch und Karfreitag gelten als Fast- und Abstinenztag. Das Abstinenzgebot (Enthaltung von Fleischspeisen) verpflichtet alle, die das 14. Lebensjahr vollendet haben; das Fastengebot (eine sättigende Mahlzeit pro Tag) verpflichtet alle ab dem 18.  bis zum 60. Lebensjahr. Die Schweizer Bischofskonferenz empfiehlt an den Freitagen der Fastenzeit ein freiwilliges Fasten im Sinne des besonderen Teilens mit anderen (Partikularnormen zum neuen Kirchenrecht, vgl. SKZ 157 [1989] Nr. 6, S. 98f).
Von Fasten und Abstinenz ausgenommen sind alle, die durch Krankheit, schwere körperliche Arbeit oder Armut verhindert sind, sich auf Reisen befinden oder das Essen an einem fremden Tisch einnehmen.

In der Fastenzeit entfallen Halleluja und Gloria. Mit Ausnahme vom 4. Fastensonntag, Hochfesten und Festen ist es nicht erlaubt, den Altar mit Blumen zu schmücken. Der Klang von Instrumenten ist nur zur Unterstützung des Gesanges erlaubt.

 


[1] Die Kirchenbusse endete am Gründonnerstag.

 


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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