Schwester Maura Zátonyi, Mitarbeiterin des Vatikan-Pavillons bei der 61. Biennale in Venedig, sieht den Kern der Kunstschau in Gefahr. «In den Nachrichten erscheint die Biennale in diesen Tagen leider nur mit negativen Schlagzeilen; es ist dennoch nicht die gesamte Realität, eher nur ein kleiner, trauriger Ausschnitt», sagte die Benediktinerin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag. In der Tat hatte die Teilnahme Russlands und Israels im Vorfeld der Eröffnung zu heftigen Reaktionen geführt. So trat die gesamte Jury aus Protest gegen den Einbezug dieser beiden Länder zurück.
Auch sie habe am Rande der Eröffnung in Venedig Demonstrationen gegen Russland und Israel erlebt, so die Ordensfrau, die an der Benediktiner-Hochschule Sant'Anselmo in Rom lehrt. Doch habe zum Beispiel der Vatikan mit seinem Pavillon «eine starke Botschaft des Friedens gesetzt». Die Stadt Venedig strahle zudem die Liebe zur Schönheit aus. «Das ist stärker als Spannungen und Konflikte, selbst wenn die Nachrichten letztere aufgreifen.»
Vatikan-Pavillon zu Hildegard von Bingen
Dass der Vatikan für seinen Biennale-Beitrag Hildegard von Bingen (1098–1179) als Inspirationsquelle wählte, ist eine «wunderbare Anerkennung» für die Heilige, so die Gründerin der Hildegard-Akademie. Damit steht die berühmte Komponistin, Dichterin und Mystikerin «sozusagen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der gesamten Kunstwelt und sogar darüber hinaus». «Mit der Biennale beginnt vielleicht eine neue, intensive Phase, in der Hildegards Botschaft für unsere Zeit neu erschlossen und aktualisiert wird.»
Was für sie Hildegard in erster Linie ausmacht? «Ihre bildhafte Sprache, die gerade heute für uns sehr wichtig ist. Wir brauchen einen neuen Wortschatz, um die Herzen der Menschen zu erreichen.» So habe die Heilige schon im 12. Jahrhundert die vermeintlich topmoderne «Ganzheitlichkeit» des Menschen im Auge gehabt.
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