Der Saal war sehr gut gefüllt. Aus meiner Sicht war es besonders erfreulich, dass auch viele junge Gläubige den Weg nach Rüti fanden, um die Gelegenheit zu nutzen, dem Bischof ihre Anliegen mitzuteilen. Im ersten Teil der Veranstaltung ging es um die Kirche in der Schweiz, anschliessend um die Weltkirche. Natürlich kamen auch Themen wie die Rolle der Frau und die Missbrauchsfälle zur Sprache, zu denen Bischof Joseph Maria Bonnemain Stellung nahm.
Doch die absolute Neuigkeit des Abends war die Mitteilung von Bischof Bonnemain, Papst Leo XIV. habe die Ernennung eines neuen Weihbischofs für das Bistum Chur genehmigt.
Schnell wurde jedoch deutlich, dass der Schwerpunkt der Fragen bei den jungen Teilnehmern woanders lag. Ihnen ging es weniger um politische Themen als vielmehr um spezifisch katholische Anliegen: Wie kann Gott wieder stärker ins Zentrum der Liturgie gerückt werden? Warum wird gegen viele liturgische Missbräuche so wenig unternommen? Weshalb werden Heilige Messen zunehmend mit Wortgottesdiensten gleichgesetzt?
Anwesend waren auch junge Katholiken mit Migrationshintergrund, die in ihren Missionen regelmässig die Heilige Messe besuchen und teilweise verwirrt sind, wenn sie dann eine Schweizer Pfarrei erleben, in der die Liturgie eher wie ein Event wirkt als wie das heilige Messopfer. Mich persönlich hat es sehr ermutigt, dass die jungen Menschen ihre Sorgen so offen vorgetragen haben, denn sie sind die Zukunft der Kirche.
In Othmarsberg zum Beispiel organisieren einige von ihnen eine 24-stündige eucharistische Anbetung. Die jungen Katholiken wünschen sich eine klare Lehre, würdig gefeierte Sakramente und Gott im Zentrum. Das wurde gestern sehr deutlich ausgesprochen, auch wenn es vielleicht nicht allen Anwesenden gefallen hat.
Bischof Bonnemain reagierte ausweichend auf die gestellten Fragen, plädierte für das Prinzip «Laissez faire et laissez passer», sprich: Mit Verboten und Massregelungen erreiche man nichts. Es gelte vielmehr, stets das Gespräch zu suchen und selbst in würdiger Form an liturgischen Feiern teilzunehmen.
Gleichwohl: Unserem Bischof Joseph Maria Bonnemain möchte ich abschliessend danken, dass er sich Zeit für die vielfältigen Anliegen der Gläubigen genommen und die Fragen beantwortet hat.
Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.
Nachtrag: Auf Anfrage von swiss-cath.ch teilte die Kommunikationsverantwortliche des Bistums Chur, Nicole Büchel, mit, dass Papst Leo XIV. bereits Ende letzten Jahres die Zustimmung zur Ernennung eines neuen Weihbischofs erteilt hat. Als Nächstes wird nun Bischof Bonnemain dem Papst eine Dreierliste mit ihm geeignet erscheinenden Kandidaten einreichen. Das Bistum Chur hofft, noch in der ersten Hälfte des laufenden Jahres den Namen des neuen Weihbischofs bekanntgeben zu können.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
alle – nicht nur in diesem Bistum – uns ernsthaft und ehrlich der Frage stellen, welche Kirche wir wollen? Wollen wir eine gottzentrierte und deshalb hierarchische Kirche, in welcher Gott und seine Offenbarung, sein Heiliger Wille im Zentrum stehen, höchste Instanz sind? Oder wollen wir eine menschzentrierte und deshalb demokratische Kirche (was immer dieser Begriff auch heissen mag), wo der der Mensch und seine Wünsche Ansprüche im Zentrum steht. und so immer jeder gegen jeden um Macht und Würde etc. kämpft? Oder anders gefragt, wollen wir eine Kirche, welche sich vornehmlich um das ewige Heil der Menschen sorgt, oder eine Kirche, welche sich zuerst einmal um ihr irdisches Heil bemüht? Oder nochmals anders: «Wozu sind wir auf Erden? Wozu ist Christus Mensch geworden?» Soll das Kreuz für uns «Gottes Kraft und Gotte Weisheit» sein, oder ist es nur (noch) das Logo unseres Christseins?
Wie es die zweite Komponente "-brauch" nahelegt, ist ein Missbrauch eine körperliche Fehlhandlung, sonst würde man ja etwas nicht brauchen, sei es die Amtsgewalt oder eine andere Fähigkeit wie Beischlaf und anverwandte.
Der reine Häresie - um was es bei abgeänderten Gottesdiensten primär geht - ist kein Missbrauch, eher Apostasie = Abrücken vom Ideal.
Auch eine mangelhafte Katechese ist kein Missbrauch, sondern eine Ohrfeige an Jesus.
Ergo setzt das Wort "Missbrauch" einen Körperkontakt voraus.
Wenn jemand eigenhändig die Messe gestaltet so ist das ein Missbrauch. Die Heilige Messe ist gemäss des 2. Vatikanischen Konzil Quelle und Höhepunkt. Sie wird von der Kirche vorgegeben wie man sie feiern MUSS. Katholisch bedeutet allumfassend. Wenn man die Rubriken einhält, dann ist man auf der ganzen Welt in jeder Heiligen Messe zu Hause, weil sie eben überall gleich gefeiert wird. Natürlich hat die Kirche noch andere Riten, aber auch diese folgen einer Struktur. Die Kirche hat immer verurteilt, wenn Priester sich anmassen, sie können die Messe so verändern wie es ihnen passt. Dazu muss sich jeder Priester welcher das macht fragen: bin ich demütig? Weiss ich besser als die Mutter Kirche was gut ist?
Diese jungen Katholiken, die im Artikel erwähnt werden, sollten weiterhin versuchen, ihre Stimme einzubringen. Die Basis muss in der Deutschschweiz die kirchliche Situation ändern. Von den Bistumsverantwortlichen eine Kehrtwende zu erwarten, ist nicht realistisch. Vor allem sollte man versuchen, dem System Geld zu entziehen, indem man sich politisch für die Abschaffung der Kirchensteuer einsetzt. Auch der beste Bischof der Welt kann nicht alles von oben regeln (wäre wahrscheinlich auch nicht gut), aber die Basis sollte dafür sorgen, dass Seelsorger, die der katholischen Kirche schaden, nicht noch von unten finanziert werden.
Wenn ich zu schnell fahre, werde ich vom Polizisten gebüsst, welcher gerade am Arbeiten ist. Der aktuelle Bischof hat die Aufsicht über die Liturgie seiner Diözese, so steht es im Kirchenrecht. Wenn er diese Arbeit nicht wahr nimmt, kann man doch nicht seinen Vorgängern die Schuld geben. Und ich würde das mal sehr in Frage stellen, gemäss meiner Wahrnehmung hat Don Martin Grichting sich immer sehr für die Wahrheit und Reinheit des Glaubens, dazu gehört natürlich auch die Heilige Messe eingesetzt.
Mir geht es nicht darum, den Vorgängern in der Bistumsleitung die Schuld zu geben, sondern um Dinge beim Namen zu nennen. Es gab auch in der Zeit vor Bischof Bonnemain keine Amtsenthebungen für priesterfeindliche Laientheologen (es gibt natürlich auch sehr gute, lehramtstreue Laientheologen) und auch keinen Einsatz für Priester, die mit staatskirchlichen Organen in Konflikt kamen. Deswegen empfinde ich die ganze Diskussion im Bistum Chur als unehrlich. Wenn ein Bischof, der über 30 Jahre lang Offizial war und dadurch über alle Vorgänge - auch alle sexuellen Missbräuche - genau Bescheid wusste, sich als Neuanfang präsentiert, dann halte ich dies genauso unsinnig wie wenn ehemalige Verantwortungsträger, die auch tatenlos zuschauten, wie Priester an den Rand gedrückt wurden, nun die Bistumsleitung kritisieren. Ich bin sehr radikal, was meine Wünsche für die deutschsprachigen Bistümer betrifft: Ich hoffe, dass der Vatikan alle Gepflogenheiten aufgibt und all diesen Bistümern einen Bischof aus dem Ausland vorsetzt, damit die interne Vetternwirtschaft beendet und ein wahrer Neuanfang ermöglicht wird.
Es wird heute sehr viel über Gemeinschaft gesprochen. Oft scheint es, als sei diese der Sinn und Zweck der Menschwerdung unseres Herrn. Jeder vernünftige Mensch aber sollte eigentlich wissen, dass Gemeinschaft nur auf der Basis einer klar bestimmten Ordnung möglich ist. Unser Glaube ist eine solche Basis. Er ordnet alles Gott unter. Er unterscheidet richtig und falsch, gut und böse, auf Grund SEINER Offenbarung an uns. Er erwartet von uns Ein- und Unterordnung, in die von IHM vorgegebene Ordnung zuerst, dann aber auch in die uns von SEINER Kirche vorgegebenen Strukturen und Ordnungen. «Fried ist allweg nur in Gott» mahnte unser Landesvater die alten Eidgenossen. Kehren wir also um und pflegen wir wieder die Tugend der Furcht des Herrn. Diese besteht ja nur darin, Gott als unseren Schöpfer, und Christus als unseren Erlöser aus Sünde umnd Schuld, und den Heiligen Geist als unsere Kraft und Stärke, als wahren Gott und unseren Herrn anzuerkennen, und seinen Willen zu tun.
Ich war an diesem Abend persönlich anwesend und halte Ihre Replik in zentralen Punkten für problematisch und realitätsfern.
Was an diesem Podium deutlich wurde, war nicht ein Mangel an Gesprächsbereitschaft seitens der jungen Gläubigen, sondern ein grundsätzlicher Konflikt zwischen einer klar katholischen Glaubenshaltung und einem liberal links orientierten Pseudokatholizismus, wie er in der Schweiz seit Jahren praktiziert wird. Dieser Ansatz mag gut gemeint sein, ist aber geistlich fruchtlos. Er stellt nicht Gott ins Zentrum, sondern menschliche Befindlichkeiten, Anpassung und Harmonie um jeden Preis. Dass daraus keine Berufungen, keine Bindung und kein Wachstum entstehen, zeigen die Zahlen seit Jahrzehnten.
Wenn junge Menschen heute ausdrücklich nach würdiger Liturgie, klarer Lehre und verbindlicher Ordnung fragen, dann ist das kein Ausdruck von Angst oder Rückwärtsgewandtheit, sondern von geistlicher Sehnsucht. Diese Anliegen als „Pastoral der Angst“ abzutun, ist eine grobe Verzerrung der Realität und wirkt wie ein Schutzschild gegen berechtigte Kritik.
Die jungen Gläubigen wollen Gott in der Mitte. Nicht die Gemeinde, nicht das Event, nicht das eigene Wohlgefühl. Sie wollen die göttliche Ordnung, wie sie die Kirche lehrt und wie sie in der Liturgie ihren sichtbarsten Ausdruck findet. Genau diese Ordnung wird jedoch vielerorts relativiert, ignoriert oder offen missachtet, ohne dass dies kirchliche Konsequenzen hätte. Das wurde angesprochen und genau darauf blieben die Antworten ausweichend.
Der Hinweis auf Jesus als blosses Vorbild einer herzlichen, unverbindlichen Begegnung ist theologisch verkürzt. Christus war barmherzig, ja. Aber er war ebenso klar, fordernd und kompromisslos in der Wahrheit. Er hat nie gelehrt, dass jeder glauben und handeln kann, wie er möchte. Wer das heute propagiert, beruft sich zwar auf Jesus, widerspricht ihm aber inhaltlich.
Die Berichterstattung von Herrn Tessari benennt diesen Konflikt offen. Das mag unbequem sein, ist aber ehrlich. Wer diese Realität nicht sehen will, muss nicht anderen mangelndes Zuhören unterstellen, sondern sollte sich fragen, warum gerade junge, engagierte Katholiken sich von der gelebten Kirchenpraxis in der Schweiz zunehmend entfremdet fühlen.
Wir wollen keine weichgespülte Ersatzreligion.
Wir wollen Gott.
Wir wollen Wahrheit.
Wir wollen Ordnung.
Und wir sagen das nicht aus Angst, sondern aus Liebe zur Kirche.
Freundliche Grüssen
Majkell Marjakaj
Ich möchte mich herzlich bei Ihnen für Ihre klare und ehrliche Stellungnahme bedanken. Da bin ich vollkommen Ihrer Meinung. Ihre Worte bringen genau das zum Ausdruck, was viele Gläubige empfinden, sich aber oft nicht mehr trauen offen auszusprechen.
Sie haben völlig recht, es darf in der Kirche nicht um Event-Denken, Inszenierung oder menschliche Selbstdarstellung gehen. Gott muss im Zentrum stehen, nicht der Mensch und nicht der Zeitgeist. Wer sich nach würdiger Liturgie, Klarheit im Glauben und Treue zur kirchlichen Lehre sehnt, tut dies nicht aus Angst oder Engstirnigkeit, sondern aus tiefem Respekt und Ehrfurcht vor Gott!!
Besonders wichtig finde ich Ihren Hinweis, dass gerade viele junge Menschen genau diese Tiefe, Ordnung und geistliche Klarheit suchen. Sie wollen keine Show, sondern Wahrheit. Keine Anpassung, sondern Orientierung. Keine Verwässerung, sondern Substanz. Diese Sehnsucht verdient es, ernst genommen zu werden.
Ihre Stellungnahme ist für mich ein ehrlicher Appell zur Rückbesinnung auf das Wesentliche auf Christus, auf die Sakramente und auf eine Liturgie, die Gott ehrt.
Freundliche Grüsse
Elizabeta Kuzhnini
ohne dabei gewesen zu sein:
Sie beschreiben sehr gut wesentliche Differenzen der unterschiedlichen Kirchenbilder. Wer beobachtet, wo Früchte wachsen, was junge Menschen dort bewegt, was sie suchen, wird sich ihrer Einschätzung anschließen können.
Dieser Bericht fokussiert sich auf das Problem, dass die Kirche immer liberaler wird und sie Probleme immer mehr toleriert. Der Fokus liegt hierbei auf die Antwort des Bischofs, dass er, wie er selbst gesagt hat, nichts gegen die Liturgiemissbräuche tue, sondern etwas "dafür" tue.
Nach Ihrer Aussage, dass der Bischof sich bemühe, immer herzlich und liebevoll so wie Jesus mit den Menschen umzugehen, gehe ich davon aus, dass Sie gleicher Meinung wie der Bischof sind, und zwar, dass man die Menschen, die Liturgiemissbräuche durchführen, nur zurechtweisen müsse, ohne Verbote. Das entspricht aber nicht dem, wie Jesus gehandelt hat: Als im Tempel die Händler Ware verkauften, trieb Jesus sie mit einer Peitsche aus. Dies zeigt, dass Jesus Massnahmen ergriff, um solch eine Sünde zu bekämpfen, zu stoppen und dementsprechend in Zukunft auch zu verhindern - und genau das soll auch unser Ziel sein. Wir sollen Liturgiemissbräuche bekämpfen und möglichst stoppen, sodass sie in Zukunft möglichst nicht mehr vorkommen. Verstehen Sie mich hier aber nicht falsch, denn ja, wir Christen müssen Andere zurechtweisen - wenn die Personen aber nicht darauf hören, können wir sie nicht einfach die Liturgie weiter missbrauchen lassen. Diese Menschen haben schlussendlich die Verantwortung, auf die Kirche zu hören. Wenn sie dieser Verantwortung aber nach Zurechtweisung immer noch nicht nachgehen, muss man mit Verboten kommen und so die Missbräuche verhindern, da dies dann der einzige verbleibende Weg ist, das Ganze möglichst zu stoppen. Wir können sie ja nicht einfach die Liturgie weiter missbrauchen lassen!
Jesus sagt auch in Matthäus 18,15-17, dass, wenn dein Bruder nicht auf die wiederholte Zurechtweisung der Kirche hört, er dir sei wie der Heide oder der Zöllner!
Die Vertreibung der Händer finden Sie in Johannes 2,13-17.
Gottes Segen!
Ave Christus Rex, Ave Maria Regina
Pax et bonum liebe Frau Büchel.
Aber bezüglich ausserordentliche Form erreicht man mit Verboten und Massregelungen alles ???
Dass Establishment und Mainstream selber vom Missbrauch installiert werden, merken die allerwenigsten.
Man erinnere sich daran - wenn man will - dass die "Liturgiereform" durch eine sehr willkürliche Auslegung eines Hanibal Bugnini zustandegekommen ist und seither von den Päpsten und Epigonen durch alle Böden verteidigt wird - obschon gerade dieser Amtsmissbrauch (von AB) am Anfang allen Elendes steht.
Zumindest in der Kirche.
Für den Staat könnte man haufenweise analoge historische Beispiele aufzählen, ist nicht die verfassungsrechtliche Einschüchterung missliebiger Ansichten ein beliebtes Werkzeug, allerhand Kritiker kaltzumachen? Stichwort "Hassrede".