«Wir machen diese Wallfahrt, um gemeinsam den heiligen Augustinus besser kennenzulernen», sagte der Apostolische Administrator zur Begrüssung der Pilgerschar, «weil er uns durch Papst Leo XIV. etwas näher gerückt ist». Papst Leo XIV. gehört seit 1977 dem Augustinerorden an und wird am kommenden 20. Juni in Pavia erwartet, um am Grab seines grossen Vorbildes zu beten. Die Gebeine des Kirchenlehrers befinden sich in einem prachtvollen marmornen Reliquienschrein in der Basilika San Pietro in Ciel d’Oro (Petrus im Goldenen Himmel). Allerdings wird das Grabmonument jetzt gerade für den Papstbesuch herausgeputzt und ist hinter Stoffbahnen verborgen.
In der Basilika feierte der Apostolische Administrator des Bistums Lugano in Begleitung von über 15 mitgereisten Priestern und Seminaristen die Heilige Messe. In seiner Predigt kam Weihbischof de Raemy auf die Menschen zu sprechen, die für den späteren heiligen Augustinus entscheidend waren. Dazu gehört allen voran seine Mutter Monika, eine Christin, die für ihren Sohn zuerst sehr mondäne Karriere-Pläne hatte, gleichzeitig aber darunter litt, dass ihr hochbegabter Sohn nicht christlich lebte. Er führte ein ausschweifendes Leben, hatte eine langjährige Geliebte, einen unehelichen Sohn, der mit 17 starb, und schloss sich neun Jahre lang der häretischen religiösen Bewegung der Manichäer an.
Heilige Monika und Ambrosius
Augustinus war in Hippo (heute Annaba in Algerien) aufgewachsen und gelangte nach Mailand, weil er dort eine angesehene Stelle als Rhetoriklehrer am kaiserlichen Hof erhielt. Mailand war damals Residenzstadt des weströmischen Kaisers und ein wichtiges intellektuelles und politisches Machtzentrum. Monika folgte ihrem Sohn und betete für seine Bekehrung. Damals predigte in Mailand der berühmte Bischof Ambrosius (339–397), dem immer mehr Menschen folgten. Augustinus wollte sich ihn anhören, um ihn mit Argumenten in die Enge zu treiben, aber das Gegenteil geschah: Er war zunehmend beeindruckt von der magistralen Beweisführung des Ambrosius, welcher Glaube und Philosophie nicht als Widerspruch sah. Mit 32 Jahren liess sich Augustinus in der Osternacht von seinem geistigen Lehrer taufen, kehrte nach dem Tod der Mutter nach Hippo zurück und wurde Priester. Obwohl er lieber zurückgezogen gelebt hätte, wurde er Bischof von Hippo, wo er mit 75 Jahren starb, kurz bevor die Stadt den Vandalen zum Opfer fiel.
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