Verklärung, gemalt von Nikolai Andrejewitsch Koschelew, Auferstehungskirche. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Neuevangelisierung

Blick in die Herr­lich­keit des Himmels

Am Fest «Ver­klä­rung des Herrn» (Trans­fi­gu­ra­tio Domini), das die Kir­che am 6. August fei­ert, hören wir im Evan­ge­lium davon, wie Jesus auf einem Berg ver­wan­delt wird. Dabei wird die ver­bor­gene Wirk­lich­keit Jesu als Sohn Got­tes sicht­bar und hör­bar enthüllt.

Wenige Tage nachdem Petrus ihn als den Messias Gottes bezeugt hat, nimmt Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich auf einen Berg, um zu beten; die gleichen Jünger des engeren Jüngerkreises, die er auch in den Garten Getsemani mitnimmt. Und wie sie im Garten einschlafen werden, so schlafen sie auch jetzt ein, während Jesus betet. Dabei verändert sich sein Aussehen: Sein Gesicht und sein Gewand werden leuchtend weiss. Mose und Elija kommen dazu und reden mit ihm über sein Ende, das ihm in Jerusalem bevorstehen soll. Die beiden Gestalten repräsentieren das Gesetz und die Propheten des Alten Testaments; mit ihrem Erscheinen wird angezeigt, dass Jesus die Erfüllung des Alten Bundes ist.

Als die Jünger erwachen, sehen sie die drei Männer in strahlendem Licht. Petrus schlägt angesichts dieses wunderbaren Ereignisses vor, drei Hütten zu bauen, denn er möchte, dass dieses fortdauert. Doch stattdessen kommt eine Wolke und sie geraten in ihren Schatten; ohne das Licht bekommen die Jünger Angst. «Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.» Danach fanden sich die Jünger wieder allein mit Jesus. «Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.»

Die Reaktion von Petrus auf das Geschehen ist zutiefst menschlich: Wenn wir etwas Schönes erleben, möchten wir, dass es nie zu Ende geht. Petrus will auf dem Berg bleiben, die Realität ausblenden. Doch Jesus hat einen Auftrag, er muss seinen Weg weitergehen, der ihn nach Jerusalem und ans Kreuz führen wird. Wie als Antwort auf das Verhalten von Petrus erscheint eine Wolke – Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes – und die Stimme Gottes ertönt.

«Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören», spricht Gott aus der Wolke. Bei der Taufe Jesu war der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herabgekommen und eine Stimme aus dem Himmel hat gesprochen: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. So wie die Taufe den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu markiert, so steht die Verklärung am Beginn des Pascha. «Bei der Taufe Jesu wurde ‹das Geheimnis der ersten Neugeburt kundgetan›: unsere Taufe; die Verklärung ist ‹das Sakrament der zweiten Wiedergeburt›: unserer Auferstehung (Thomas v. A., s. th. 3,45,4,ad 2)» (KKK 556).
 


Das Erleben der Verklärung soll die Jünger für den kommenden Weg stärken. Als Antwort auf das Messiasbekenntnis durch Petrus, das der Verklärung vorausging, wies Jesus bereits auf das Leiden hin, das ihn erwartet. Gleichzeitig sprach er auch über seine Auferstehung und sein Kommen in Herrlichkeit.

In der Verklärung dürfen Petrus, Johannes und Jakobus für einen kurzen Moment die göttliche Herrlichkeit Jesu sehen und in ihm den Messias erkennen. «Du wurdest auf dem Berg verklärt, und soweit sie dazu fähig waren, schauten deine Jünger deine Herrlichkeit, Christus Gott, damit sie, wenn sie dich gekreuzigt sehen werden, begreifen, dass dein Leiden freiwillig war, und damit sie der Welt verkünden, dass du wirklich der Abglanz des Vaters bist» (Byzantinische Liturgie, Kontakion am Fest der Verklärung).

Manchmal dürfen wir ein solches «Verklärungsereignis» im eigenen Leben erfahren: ein kurzer Moment im Gebet, im Gottesdienst, in einer Begegnung mit einem Menschen oder dem Wort Gottes, wo wir die Herrlichkeit Gottes aufblitzen sehen. Wir dürfen uns darüber freuen und uns davon stärken lassen, es muss uns aber klar sein, dass diese Erlebnisse vorübergehen und der oft schwere Alltag als Realität bleibt. Diese Momente sind gleichsam Fenster, durch die wir einen kurzen Blick in den Himmel werfen und so gestärkt den Weg weitergehen können, der uns in die ewige Herrlichkeit bei Christus führt.

«In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung seine verborgene Herrlichkeit, er liess vor auserwählten Zeugen seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen und gab den Jüngern die Kraft, das Ärgernis des Kreuzes zu tragen. So schenkte er der ganzen Kirche die Hoffnung, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen. Darum preisen wir deine Grösse und vereinen uns mit den Chören der Engel zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit: Heilig …» (Präfation vom Tag).
 

Über die Verklärung Christi berichten Matthäus (Mt 17,1–9), Markus (Mk 9,2–10) und Lukas (Lk 9,28–36), wobei jeder Evangelist einen eigenen Akzent setzt. Dieses Jahr hören wir das Evangelium nach Lukas.
Das Fest der Verklärung wird in der Ostkirche seit dem 5. Jahrhundert (ostsyrische Liturgie) gefeiert. In der Westkirche ist es seit dem 10. Jahrhundert in der fränkisch-römischen Liturgie verbreitet und wurde 1457 von Papst Kallistus III. zum Dank für den Sieg über die Osmanen bei Belgrad für die Gesamtkirche des römischen Ritus verbindlich eingeführt.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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