«Der Friede sei mit dir!», dieser Gruss, mit dem der auferstandene Jesus seine Jünger begrüsste, drückt nicht nur einen Wunsch aus, sondern das Wort bewirkt «in denen, die es annehmen, und damit in der gesamten Wirklichkeit eine bleibende Veränderung», beginnt Papst Leo XIV. seine Botschaft zum 59. Weltfriedenstag. «Deshalb verleihen die Nachfolger der Apostel jeden Tag und überall auf der Welt dieser ganz stillen Revolution ihre Stimme.» Auch Papst Leo selbst hat nach seiner Wahl zum neuen Pontifex die Menschen mit diesen Worten des Auferstandenen begrüsst.
Der Gegensatz zwischen Dunkelheit und Licht ist eine Erfahrung, die den Menschen durchdringt und erschüttert. Es ist deshalb nötig, «das Licht zu sehen und daran zu glauben, um in der Dunkelheit nicht zu versinken». Der Friede existiert und will in uns wohnen, er hat die «sanfte Kraft, den Verstand zu erleuchten». Der Friede hat den Atem der Ewigkeit.
Wer das Licht verdrängt, verliert gemäss Papst Leo den Wirklichkeitsbezug und überlässt sich verzerrten Vorstellungen von der Welt, die von Dunkelheit und Angst geprägt ist.
Der Pontifex erinnert an das Wort des heiligen Augustinus: «Wenn ihr andere zum Frieden führen wollt, möget ihr ihn erst selbst in euch haben und in ihm gefestigt sein. Um andere zu entflammen, muss sein Licht in euch brennen» (Sermo 357, 3).
Papst Leo ruft die Menschen auf, sich dem Frieden zu öffnen. Der Frieden sei ein Weg, ein Grundsatz, der unsere Entscheidungen leitet und bestimmt. Selbst an Orten, wo nur noch Trümmer übrig sind und die Verzweiflung unvermeidlich scheint, finden wir Menschen, die den Frieden nicht vergessen haben. «So wie Jesus am Abend des Ostertages den Ort betrat, an dem die Jünger verängstigt und entmutigt versammelt waren, so gelangt der Friede des auferstandenen Christus mittels der Stimmen und Gesichter seiner Zeugen auch weiterhin durch Türen und Hindernisse.»
Bei seiner ersten Ansprache als Papst ergänzte Leo XIV. den Friedensgruss mit den Worten: «Dies ist der Friede des auferstandenen Christus, ein unbewaffneter und entwaffnender Friede, demütig und beständig. Er kommt von Gott, dem Gott, der uns alle bedingungslos liebt.»
In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag geht er näher auf die Begriffe «ein unbewaffneter Friede» und «ein entwaffnender Friede» ein.
Ein unbewaffneter Friede
Jesus liess sich widerstandslos verhaften und gebot dem Jünger, der ihn mit Waffengewalt verteidigen wollte: «Steck das Schwert in die Scheide!» (Joh 18,11). «Der Friede des auferstandenen Jesus ist unbewaffnet, weil sein Kampf unter ganz bestimmten historischen, politischen und sozialen Umständen unbewaffnet war. Die Christen müssen von dieser Neuheit gemeinsam prophetisch Zeugnis ablegen, eingedenk jener tragischen Ereignisse, an denen sie allzu oft mitgewirkt haben.»
Papst Leo weist eindringlich darauf hin, dass Frieden für uns etwas Konkretes sein muss. «Wenn wir Frieden als ein fernes Ideal betrachten, finden wir es nicht mehr skandalös, dass er verweigert werden kann und dass sogar Kriege geführt werden, um Frieden zu erreichen.» Wenn der Friede keine gelebte Wirklichkeit ist, die es zu bewahren und zu pflegen gilt, dann mache sich Aggressivität sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben breit, ist er überzeugt. «Dann wird in der Beziehung zwischen Bürgern und Regierenden der Umstand als Verfehlung angesehen, dass man sich nicht ausreichend auf den Krieg vorbereitet, darauf, auf die Angriffe anderer reagieren und Gewalt erwidern zu können. Auf der politischen Ebene ist diese – weit über den Grundsatz der legitimen Verteidigung hinausgehende – Logik der Gegensätzlichkeit der derzeit relevanteste Umstand für die globale Destabilisierung, die jeden Tag dramatischer und unvorhersehbarer wird.» Die ständige Erhöhung der Militärausgaben sowie das Abschreckungspotenzial durch Macht und nukleare Abschreckung stehen «für die Irrationalität von Beziehungen zwischen Völkern, die nicht auf Recht, Gerechtigkeit und Vertrauen beruhen, sondern auf der Angst und der Herrschaft der Stärke.»
Nicht nur die weltweiten Militärausgaben steigen seit zehn Jahren und haben letztes Jahr den Wert von 2,718 Milliarden Dollar erreicht – auch die Bildungspolitik erfährt eine Neuausrichtung: «Statt einer Kultur der Erinnerung, die das im 20. Jahrhundert gewonnene Problembewusstsein bewahrt und die Millionen Opfer jenes Jahrhunderts nicht vergisst, werden Kommunikationskampagnen und Bildungsprogramme in Schulen und Universitäten sowie in den Medien vorangetrieben, die Bedrohungswahrnehmungen verbreiten und eine rein militärisch geprägte Vorstellung von Verteidigung und Sicherheit vermitteln.»
Papst Leo erinnert an die Konzilskonstitution «Gaudium et spes», die bereits vor 60 Jahren warnte: «Die besondere Gefahr des modernen Krieges besteht darin, dass er sozusagen denen, die im Besitz neuerer wissenschaftlicher Waffen sind, die Gelegenheit schafft, solche Verbrechen zu begehen, und in einer Art unerbittlicher Verstrickung den Willen des Menschen zu den fürchterlichsten Entschlüssen treiben kann. Damit in Zukunft so etwas nie geschieht, beschwören die versammelten Bischöfe des ganzen Erdkreises alle, insbesondere die Regierenden und die militärischen Befehlshaber, sich jederzeit der grossen Verantwortung bewusst zu sein, die sie vor Gott und der ganzen Menschheit tragen» (80).
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