(Symbolbild: InspiredImages/Pixabay)

Weltkirche

Bot­schaft des Paps­tes zum Welt­frie­dens­tag: Stoppt die Gewaltspirale!

Ange­sichts der damals herr­schen­den welt­wei­ten Span­nun­gen erklärte Papst Paul VI. am 8. Dezem­ber 1967 den Neu­jahrs­tag zum Welt­frie­dens­tag. Die aktu­elle Bot­schaft zum Welt­frie­dens­tag 2026 von Papst Leo XIV. ist eben­falls auf den 8. Dezem­ber, das Hoch­fest der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis Mariä, datiert.

«Der Friede sei mit dir!», dieser Gruss, mit dem der auferstandene Jesus seine Jünger begrüsste, drückt nicht nur einen Wunsch aus, sondern das Wort bewirkt «in denen, die es annehmen, und damit in der gesamten Wirklichkeit eine bleibende Veränderung», beginnt Papst Leo XIV. seine Botschaft zum 59. Weltfriedenstag. «Deshalb verleihen die Nachfolger der Apostel jeden Tag und überall auf der Welt dieser ganz stillen Revolution ihre Stimme.» Auch Papst Leo selbst hat nach seiner Wahl zum neuen Pontifex die Menschen mit diesen Worten des Auferstandenen begrüsst.

Der Gegensatz zwischen Dunkelheit und Licht ist eine Erfahrung, die den Menschen durchdringt und erschüttert. Es ist deshalb nötig, «das Licht zu sehen und daran zu glauben, um in der Dunkelheit nicht zu versinken». Der Friede existiert und will in uns wohnen, er hat die «sanfte Kraft, den Verstand zu erleuchten». Der Friede hat den Atem der Ewigkeit.
Wer das Licht verdrängt, verliert gemäss Papst Leo den Wirklichkeitsbezug und überlässt sich verzerrten Vorstellungen von der Welt, die von Dunkelheit und Angst geprägt ist.

Der Pontifex erinnert an das Wort des heiligen Augustinus: «Wenn ihr andere zum Frieden führen wollt, möget ihr ihn erst selbst in euch haben und in ihm gefestigt sein. Um andere zu entflammen, muss sein Licht in euch brennen» (Sermo 357, 3).

Papst Leo ruft die Menschen auf, sich dem Frieden zu öffnen. Der Frieden sei ein Weg, ein Grundsatz, der unsere Entscheidungen leitet und bestimmt. Selbst an Orten, wo nur noch Trümmer übrig sind und die Verzweiflung unvermeidlich scheint, finden wir Menschen, die den Frieden nicht vergessen haben. «So wie Jesus am Abend des Ostertages den Ort betrat, an dem die Jünger verängstigt und entmutigt versammelt waren, so gelangt der Friede des auferstandenen Christus mittels der Stimmen und Gesichter seiner Zeugen auch weiterhin durch Türen und Hindernisse.»

Bei seiner ersten Ansprache als Papst ergänzte Leo XIV. den Friedensgruss mit den Worten: «Dies ist der Friede des auferstandenen Christus, ein unbewaffneter und entwaffnender Friede, demütig und beständig. Er kommt von Gott, dem Gott, der uns alle bedingungslos liebt.»
In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag geht er näher auf die Begriffe «ein unbewaffneter Friede» und «ein entwaffnender Friede» ein.

Ein unbewaffneter Friede
Jesus liess sich widerstandslos verhaften und gebot dem Jünger, der ihn mit Waffengewalt verteidigen wollte: «Steck das Schwert in die Scheide!» (Joh 18,11). «Der Friede des auferstandenen Jesus ist unbewaffnet, weil sein Kampf unter ganz bestimmten historischen, politischen und sozialen Umständen unbewaffnet war. Die Christen müssen von dieser Neuheit gemeinsam prophetisch Zeugnis ablegen, eingedenk jener tragischen Ereignisse, an denen sie allzu oft mitgewirkt haben.»

Papst Leo weist eindringlich darauf hin, dass Frieden für uns etwas Konkretes sein muss. «Wenn wir Frieden als ein fernes Ideal betrachten, finden wir es nicht mehr skandalös, dass er verweigert werden kann und dass sogar Kriege geführt werden, um Frieden zu erreichen.» Wenn der Friede keine gelebte Wirklichkeit ist, die es zu bewahren und zu pflegen gilt, dann mache sich Aggressivität sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben breit, ist er überzeugt. «Dann wird in der Beziehung zwischen Bürgern und Regierenden der Umstand als Verfehlung angesehen, dass man sich nicht ausreichend auf den Krieg vorbereitet, darauf, auf die Angriffe anderer reagieren und Gewalt erwidern zu können. Auf der politischen Ebene ist diese – weit über den Grundsatz der legitimen Verteidigung hinausgehende – Logik der Gegensätzlichkeit der derzeit relevanteste Umstand für die globale Destabilisierung, die jeden Tag dramatischer und unvorhersehbarer wird.» Die ständige Erhöhung der Militärausgaben sowie das Abschreckungspotenzial durch Macht und nukleare Abschreckung stehen «für die Irrationalität von Beziehungen zwischen Völkern, die nicht auf Recht, Gerechtigkeit und Vertrauen beruhen, sondern auf der Angst und der Herrschaft der Stärke.»

Nicht nur die weltweiten Militärausgaben steigen seit zehn Jahren und haben letztes Jahr den Wert von 2,718 Milliarden Dollar erreicht – auch die Bildungspolitik erfährt eine Neuausrichtung: «Statt einer Kultur der Erinnerung, die das im 20. Jahrhundert gewonnene Problembewusstsein bewahrt und die Millionen Opfer jenes Jahrhunderts nicht vergisst, werden Kommunikationskampagnen und Bildungsprogramme in Schulen und Universitäten sowie in den Medien vorangetrieben, die Bedrohungswahrnehmungen verbreiten und eine rein militärisch geprägte Vorstellung von Verteidigung und Sicherheit vermitteln.»

Papst Leo erinnert an die Konzilskonstitution «Gaudium et spes», die bereits vor 60 Jahren warnte: «Die besondere Gefahr des modernen Krieges besteht darin, dass er sozusagen denen, die im Besitz neuerer wissenschaftlicher Waffen sind, die Gelegenheit schafft, solche Verbrechen zu begehen, und in einer Art unerbittlicher Verstrickung den Willen des Menschen zu den fürchterlichsten Entschlüssen treiben kann. Damit in Zukunft so etwas nie geschieht, beschwören die versammelten Bischöfe des ganzen Erdkreises alle, insbesondere die Regierenden und die militärischen Befehlshaber, sich jederzeit der grossen Verantwortung bewusst zu sein, die sie vor Gott und der ganzen Menschheit tragen» (80).
 


Der anhaltende technologische Fortschritt sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz haben im militärischen Bereich die Tragik bewaffneter Konflikte noch verschärft. Es zeichne sich sogar ein Prozess ab, in dem politische und militärische Führungskräfte durch eine zunehmende «Delegation» von Entscheidungen über Leben und Tod von Menschen ihre Verantwortung an Maschinen abgeben. «Dies ist eine bislang beispiellose Spirale der Zerstörung jenes Humanismus in Recht und Philosophie, auf dem eine jede Zivilisation beruht und durch den sie geschützt wird.» Der Pontifex verlangt, dass die gewaltigen Konzentrationen privater Wirtschafts- und Finanzinteressen, die die Staaten in diese Richtung treiben, angeprangert werden. Doch «reicht dies nicht aus, wenn nicht zugleich ein Erwachen des Gewissens und des kritischen Denkens gefördert wird».

Ein entwaffnender Friede
«Das Geheimnis der Menschwerdung, das Herabsteigen Gottes bis in die Unterwelt, beginnt im Schoss einer jungen Mutter und wird in der Krippe von Betlehem offenbar. ‹Friede auf Erden›, singen die Engel und verkünden die Gegenwart eines wehrlosen Gottes.» Papst Leo XIV. ist überzeugt, dass uns nichts so sehr zu verwandeln mag wie ein Kind. «Und vielleicht ist es gerade der Gedanke an unseren Nachwuchs, an die Kinder und auch an jene, die so schutzbedürftig sind wie sie, der uns mitten ins Herz trifft.»

Er erinnert an Paul Johannes XXIII., der als Erster den Gedanken einer umfassenden Abrüstung einbrachte, die nur durch die Erneuerung des Herzens und des Verstandes erreicht werden kann. Dieser schrieb in «Pacem in terris», dass die völlige Beseitigung der Waffen so gut wie unmöglich sei, ausser wenn sich alle daran beteiligen und ihre Gesinnung ändern. «Dies setzt aber voraus, dass an die Stelle des obersten Gesetzes, worauf der Friede sich heute stützt, ein ganz anderes Gesetz trete, wonach der wahre Friede unter den Völkern nicht durch die Gleichheit der militärischen Rüstung, sondern nur durch gegenseitiges Vertrauen fest und sicher bestehen kann» (61).

Papst Leo bedauert, dass zunehmend «Worte des Glaubens Einzug halten in politische Kämpfe, dass Nationalismus gepriesen wird und dass Gewalt und bewaffneter Kampf religiös gerechtfertigt werden». Er fordert die Gläubigen auf, «diesen Formen der Blasphemie, die den heiligen Namen Gottes verdunkeln», aktiv entgegenzutreten. Die geschehe zunächst durch die Lebensweise. «Deshalb ist es notwendiger denn je, zusammen mit dem Handeln das Gebet, die Spiritualität, den ökumenischen und interreligiösen Dialog als Wege des Friedens und als Formen der Begegnung zwischen Traditionen und Kulturen zu pflegen.»

Er nimmt auch die Weltführer und Politiker in die Pflicht. Diese sollen gründlich prüfen, wie die gegenseitigen Beziehungen der Staaten «in menschlicherem Gleichgewicht» neu zu gestalten sind. «Dies ist der entwaffnende Weg der Diplomatie, der Vermittlung, des Völkerrechts, der leider durch immer häufigere Verstösse gegen mühsam erzielte Vereinbarungen konterkariert wird, in einem Kontext, der nicht die Delegitimierung, sondern vielmehr eine Stärkung der supranationalen Institutionen angebracht erscheinen lässt.»

Es sei nötig, alle geistlichen, kulturellen und politischen Initiativen zu fördern und zu unterstützen, die die Hoffnung am Leben erhalten, «um so der Verbreitung ‹fatalistische[r] Einstellungen› entgegenzuwirken, die suggerieren, dass ‹die herrschenden Dynamiken von unpersönlichen anonymen Kräften und von vom menschlichen Wollen unabhängigen Strukturen hervorgebracht würden›[1]».

Wenn Herrscher ihre Macht erhalten, indem sie Hoffnungslosigkeit aussäen und ständiges Misstrauen wecken, «dann begegnet man einer solchen Strategie am besten, indem man in der Gesellschaft ein entsprechendes Bewusstsein schafft sowie Strukturen verantwortungsbewusster Vereinigungen, gewaltfreie Beteiligungsformen und eine Praxis wiederherstellender Gerechtigkeit, im Kleinen wie im Grossen, entwickelt.»

Papst Leo XIV. hofft, dass dies eine Frucht des Heiligen Jahres sein wird, das Millionen von Menschen dazu bewegt hat, «in sich jene Entwaffnung des Herzens, des Geistes und des Lebens zu beginnen, auf die Gott schon bald mit der Erfüllung seiner Verheissungen antworten wird: ‹Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Haus Jakob, auf, wir wollen gehen im Licht des Herrn› (Jes 2,4–5)».
 

Botschaft zum Weltfriedenstag 2026
 

Der 1. Januar ist nicht nur der Weltfriedenstag, sondern auch Hochfest der Gottesmutter Maria.

 


[1] Benedikt XVI., «Caritas in veritate» (2009), 42.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    Daniel Ric 01.01.2026 um 08:43
    Ich bin sehr stolz darauf, dass sich die Katholische Kirche immer wieder für Frieden eingesetzt hat und dadurch die einzig glaubwürdige pazifistische Stimme ist, während Parteien wie die Grünen, die sich anfänglich für den Frieden und die Abrüstung einsetzten, heute ebenfalls auf die Karte Krieg setzen. Der weltumspannende Charakter der Katholischen Kirche ermöglicht ihr, sich nicht durch geopolitische Interessen einspannen zu lassen, sondern die Interessen aller Völker und Nationen zu berücksichtigen. Es ist schön, dass Papst Leo in die grossen Fussstapfen seines Vorgängers, Papst Franziskus, tritt und sich für Frieden einsetzt. Dies wird ihm, wie Papst Franziskus, die Ablehnung einiger Kalter Krieger einbringen, dafür aber die Glaubwürdigkeit der Kirche weiter stärken.