Bruder Benedikt, Sie werden am kommenden Samstag die Ewige Profess ablegen. Könnten Sie unseren Lesern erklären, was eine Profess ist und warum Ordensleute gleich zweimal eine Profess ablegen?
Diese Frage begegnet mir tatsächlich immer häufiger, je näher das Professdatum rückt. Ich vergleiche dann jeweils die Ewige Profess mit der Ehe. Genau wie Paare, die heiraten, gehen auch wir Mönche einen Bund fürs Leben ein. Wir binden uns aber nicht an einen anderen Menschen, sondern an die Gemeinschaft. Oder noch präziser formuliert: Wir geloben, der klösterlichen Lebensform unser ganzes Leben lang, treu zu bleiben, in der Gemeinschaft, in der wir die Profess ablegen.
Konkret versprechen wir drei sogenannte Gelübde: die stabilitas (Beständigkeit in der Gemeinschaft), die conversatio morum (klösterlicher Lebenswandel; darunter fallen Aspekte wie die Besitzlosigkeit oder die Ehelosigkeit) und die oboedientia (Gehorsam, der Regel, den Oberen und den Mitbrüdern gegenüber).
Ebenso wie bei der Ehe genügt aber auch bei der Profess nicht nur mein eigener Wille oder mein eigenes Berufungsempfinden: Die Gemeinschaft der Mitbrüder muss zuvor über den Kandidaten abstimmen. Erst dann kann er offiziell in die Schar der Mitbrüder aufgenommen werden.
Die Ewige Profess ist dabei bereits der zweite Schritt, nach der Zeitlichen Profess. Wenn wir beim Bild der Ehe bleiben, könnte man die Zeitliche Profess mit der Verlobung vergleichen. Wir versprechen unsere Gelübde zunächst zeitlich beschränkt. In unserer Gemeinschaft sind das normalerweise drei Jahre. Diese drei Jahre sollen als Zeit der Prüfung für den Kandidaten wie auch für die Gemeinschaft gelten. Später ist aber tatsächlich die Zeitliche Profess massgeblich für das Professdatum. So wird beispielsweise die Goldene Profess (50 Jahre) von der Zeitlichen Profess her errechnet.
In der Ewigen Profess versprechen Sie, im Kloster Disentis resp. der Gemeinschaft von Disentis zu bleiben. Wie kamen Sie nach Disentis?
Mit dem Ort Disentis bin ich eigentlich schon ein Leben lang verbunden. Als Kind bin ich jedes Jahr mit meiner Familie nach Segnas (Gemeinde Disentis) in die Herbstferien gefahren. Dabei haben wir auch immer wieder das Kloster besucht. Trotzdem würde ich mein eigentliches Berufungserlebnis nicht schon in meiner Kindheit ansiedeln. Während meines Theologiestudiums in Chur hatte ich zwei Benediktiner aus Disentis als Mitstudenten. So durfte ich zum ersten Mal Benediktinermönche aus Disentis näher kennenlernen. Über die Jugendarbeit des Klosters und später auch als sogenannter «Kloster auf Zeit»-Gast habe ich den Alltag der Gemeinschaft kennengelernt. Während meiner Zeit als Klostergast habe ich von Anfang an ein Gefühl des Zuhause-Seins gespürt, das mich nie mehr losgelassen hat und mich dann nach dem Studium auch dazu brachte, als Kandidat an die Klosterpforte zu klopfen.
Es kommt heute nicht häufig vor, dass jemand in ein Kloster eintritt. Wie hat Ihr Umfeld auf Ihren Entscheid reagiert? Was hat Sie bei diesem Entscheid getragen?
Ich hatte das Glück, in einer gläubigen und den Glauben praktizierenden Familie aufzuwachsen. Deswegen ist mein Entscheid, bzw. meine Berufung in meiner Familie auch nie wirklich auf Widerstand gestossen. Eine Überraschung war es hingegen für mein Umfeld schon. Viele Menschen bekundeten auch ihren Respekt für eine Entscheidung, die in ihren Augen schwer oder gross ist. Für meinen Entschluss entscheidend war aber letztendlich meine innere Gewissheit, mit der Bitte um Aufnahme ins Kloster Disentis dem Willen Gottes für mein Leben zu entsprechen. Vor diesem Hintergrund habe ich meine Entscheidung nie als schwer oder gross empfunden, sondern es war quasi die natürliche Antwort auf einen Ruf, der nicht aus mir selbst kam. Ich war mir immer bewusst, dass ein solcher Schritt meine natürlichen Fähigkeiten oder meinen beschränkten Horizont bei weitem übersteigt. Wenn ich dann mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert war, durfte ich mich immer vertrauensvoll in die Hand Gottes geben, der mich – gerade mit meinen Schwächen – gerufen hat.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :