Bruder Benedikt Meier. (Bild: Stefan Schwenke/Kloster Disentis)

Interview Kirche Schweiz

Bru­der Bene­dikt: Ein defi­ni­ti­ves Ja zur Berufung

Am Sams­tag, 22. August 2026, wird Bru­der Bene­dikt Meier im Klos­ter Disen­tis die Ewige Pro­fess able­gen. Im Inter­view mit «swiss​-cath​.ch» erzählt er von sei­nem Weg in die Klos­ter­ge­mein­schaft, sei­nen Tätig­kei­ten im Klos­ter, warum die Bene­diktsre­gel auch heute aktu­ell ist und was sich mit der Ewi­gen Pro­fess für ihn ändert.

Bruder Benedikt, Sie werden am kommenden Samstag die Ewige Profess ablegen. Könnten Sie unseren Lesern erklären, was eine Profess ist und warum Ordensleute gleich zweimal eine Profess ablegen?
Diese Frage begegnet mir tatsächlich immer häufiger, je näher das Professdatum rückt. Ich vergleiche dann jeweils die Ewige Profess mit der Ehe. Genau wie Paare, die heiraten, gehen auch wir Mönche einen Bund fürs Leben ein. Wir binden uns aber nicht an einen anderen Menschen, sondern an die Gemeinschaft. Oder noch präziser formuliert: Wir geloben, der klösterlichen Lebensform unser ganzes Leben lang, treu zu bleiben, in der Gemeinschaft, in der wir die Profess ablegen.

Konkret versprechen wir drei sogenannte Gelübde: die stabilitas (Beständigkeit in der Gemeinschaft), die conversatio morum (klösterlicher Lebenswandel; darunter fallen Aspekte wie die Besitzlosigkeit oder die Ehelosigkeit) und die oboedientia (Gehorsam, der Regel, den Oberen und den Mitbrüdern gegenüber).

Ebenso wie bei der Ehe genügt aber auch bei der Profess nicht nur mein eigener Wille oder mein eigenes Berufungsempfinden: Die Gemeinschaft der Mitbrüder muss zuvor über den Kandidaten abstimmen. Erst dann kann er offiziell in die Schar der Mitbrüder aufgenommen werden.

Die Ewige Profess ist dabei bereits der zweite Schritt, nach der Zeitlichen Profess. Wenn wir beim Bild der Ehe bleiben, könnte man die Zeitliche Profess mit der Verlobung vergleichen. Wir versprechen unsere Gelübde zunächst zeitlich beschränkt. In unserer Gemeinschaft sind das normalerweise drei Jahre. Diese drei Jahre sollen als Zeit der Prüfung für den Kandidaten wie auch für die Gemeinschaft gelten. Später ist aber tatsächlich die Zeitliche Profess massgeblich für das Professdatum. So wird beispielsweise die Goldene Profess (50 Jahre) von der Zeitlichen Profess her errechnet.

In der Ewigen Profess versprechen Sie, im Kloster Disentis resp. der Gemeinschaft von Disentis zu bleiben. Wie kamen Sie nach Disentis?
Mit dem Ort Disentis bin ich eigentlich schon ein Leben lang verbunden. Als Kind bin ich jedes Jahr mit meiner Familie nach Segnas (Gemeinde Disentis) in die Herbstferien gefahren. Dabei haben wir auch immer wieder das Kloster besucht. Trotzdem würde ich mein eigentliches Berufungserlebnis nicht schon in meiner Kindheit ansiedeln. Während meines Theologiestudiums in Chur hatte ich zwei Benediktiner aus Disentis als Mitstudenten. So durfte ich zum ersten Mal Benediktinermönche aus Disentis näher kennenlernen. Über die Jugendarbeit des Klosters und später auch als sogenannter «Kloster auf Zeit»-Gast habe ich den Alltag der Gemeinschaft kennengelernt. Während meiner Zeit als Klostergast habe ich von Anfang an ein Gefühl des Zuhause-Seins gespürt, das mich nie mehr losgelassen hat und mich dann nach dem Studium auch dazu brachte, als Kandidat an die Klosterpforte zu klopfen.

Es kommt heute nicht häufig vor, dass jemand in ein Kloster eintritt. Wie hat Ihr Umfeld auf Ihren Entscheid reagiert? Was hat Sie bei diesem Entscheid getragen?
Ich hatte das Glück, in einer gläubigen und den Glauben praktizierenden Familie aufzuwachsen. Deswegen ist mein Entscheid, bzw. meine Berufung in meiner Familie auch nie wirklich auf Widerstand gestossen. Eine Überraschung war es hingegen für mein Umfeld schon. Viele Menschen bekundeten auch ihren Respekt für eine Entscheidung, die in ihren Augen schwer oder gross ist. Für meinen Entschluss entscheidend war aber letztendlich meine innere Gewissheit, mit der Bitte um Aufnahme ins Kloster Disentis dem Willen Gottes für mein Leben zu entsprechen. Vor diesem Hintergrund habe ich meine Entscheidung nie als schwer oder gross empfunden, sondern es war quasi die natürliche Antwort auf einen Ruf, der nicht aus mir selbst kam. Ich war mir immer bewusst, dass ein solcher Schritt meine natürlichen Fähigkeiten oder meinen beschränkten Horizont bei weitem übersteigt. Wenn ich dann mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert war, durfte ich mich immer vertrauensvoll in die Hand Gottes geben, der mich – gerade mit meinen Schwächen – gerufen hat.
 


Was fasziniert Sie am Benediktinerorden resp. an der Benediktsregel?
Die Benediktsregel begleitet uns ja täglich in unserem Alltag. Jeweils nach dem Mittagessen wird eine Passage vorgelesen. Diese Regelmässigkeit gibt uns Mönchen die Möglichkeit, langsam immer tiefer in die Regel hineinzuwachsen und sie Schritt für Schritt zu verinnerlichen. Je länger ich im Kloster bin, desto mehr merke ich, wie die zwischenmenschlichen Dynamiken, die in der Regel beschrieben werden, bis heute gleich geblieben sind. Der Heilige Benedikt regelt unseren Alltag sehr genau. Diese Struktur aus Gebet, Arbeit, Lesung und Schweigen kommt mir sehr entgegen und ist vielleicht das Element, das mir am meisten zusagt, da es die Grundlage dafür ist, ein ausgewogenes geistliches Leben führen zu können.

Sie haben bei der Einfachen Profess den Namen «Benedikt» angenommen. Den Namen des Ordensgründers anzunehmen – eine Ehre oder eine grosse Verantwortung?
Die Namensgebung geschieht bei uns im Zusammenspiel zwischen Abt und Kandidat. Ich konnte damals Abt Vigeli drei Namen vorschlagen, aus denen er dann Benedikt ausgewählt hat. Den Namen «Benedikt» tragen zu dürfen, ist von daher tatsächlich eine grosse Ehre. Der Heilige Benedikt ist für mich aber vor allem auch Lehrer der Heiligkeit und Fürsprecher. Neben Michael, meinem Taufnamenspatron, habe ich jetzt auch den Heiligen Benedikt, der mich in meiner monastischen Berufung speziell begleitet.

Das Kloster Disentis kann auf eine gut 1300-jährige Geschichte zurückblicken. Was bedeutet Ihnen diese lange Geschichte?
Tatsächlich blicken wir auf eine fast 1400-jährige Geschichte zurück und sind damit das älteste durchgehend bewohnte Benediktinerkloster nördlich der Alpen. Dass ich an einem Ort und in einer Gemeinschaft leben darf, wo wir schon so lange ohne Unterbrechung beten und arbeiten, ist für mich sehr beeindruckend, und ich bin dankbar, hier sein zu dürfen. Gleichzeitig verpflichtet es mich aber auch, meine Berufung ernst zu nehmen, und ich fühle mich geehrt, dieser reichen Geschichte mit meinem Gebet und meiner Arbeit ein kleines Kapitel hinzufügen zu dürfen.

Sie leben nun schon seit vier Jahren in der Gemeinschaft. Welches waren Ihre bisherigen Aufgabenbereiche?
Schon seit den ersten Monaten im Kloster arbeite ich an der Pforte –eine sehr vielfältige Aufgabe. Ich darf die Menschen, die im Kloster ankommen, in Empfang nehmen und ihnen erste Auskünfte und Antworten auf ihre Fragen geben. Auskunft und Seelsorge sind oft auch gemeinsam gefragt. Ausserdem ist unsere Pforte Klosterladen und Rezeption für unser Klosterhotel. Nebst den Begegnungen mit den Menschen, gehören deshalb auch administrative Aufgaben zu meinem Tätigkeitsbereich.

Neben meiner Arbeit an der Pforte war ich während der letzten zwei Jahre auch aushilfsweise als Religionslehrer an unserer Schule tätig. In der Woche nach meiner Ewigen Profess werde ich dann ein festes Pensum in der Zweiten Klasse übernehmen.

Die Jugendarbeit ist zusammen mit meinen jüngeren Mitbrüdern mein drittes Standbein. Wir bieten über das Jahr verteilt verschiedene Anlässe für junge Menschen an, bei denen entweder das Gebet und die Kontemplation oder auch die theologische Weiterbildung im Vordergrund stehen («swiss-cath.ch hat darüber auch berichtet!).

Was wird sich mit der Ewigen Profess konkret ändern?
Ab der Ewigen Profess gehöre ich ganz offiziell zum Kloster Disentis. Am offensichtlichsten zeigt sich das daran, dass ich ab dann an den Kapiteln teilnehmen und abstimmen darf. In den Kapiteln werden bedeutende Entscheidungen, die das ganze Kloster betreffen, besprochen und zur Abstimmung gebracht. Ausserdem ist für mich ab der Ewigen Profess auch die Ausbildungszeit offiziell vorbei und ich übernehme eine feste Aufgabe. Bei mir wird das vor allem der Dienst an der Pforte und ab August ein kleines Pensum als Religionslehrer an unserem Gymnasium sein. Eine dritte, weniger bedeutende, dafür aber sichtbare Änderung, ist der sogenannte Flock, den ich tragen darf. An besonderen Festen tragen die Mönche mit Ewiger Profess während der Gebetszeiten einen feierlichen Mantel, den wir Flock nennen.

Was bedeutet Ihnen die Ewige Profess?
Am Anfang des Interviews habe ich die Ewige Profess mit der Ehe verglichen. Diesen Aspekt möchte ich noch einmal herausstreichen. Mit der Ewigen Profess ist mein «Junggesellenleben» zu Ende und ich darf mich lebenslang an das Kloster binden. Das erfüllt mich mit grosser Freude, weil mich Gott an den für mich schönsten Ort der ganzen Welt gerufen hat.

So wie die Ehe ein gegenseitiges Geschenk der beiden Ehepartner ist, so ist meine monastische Berufung ein Geschenk Gottes für mich. Dieses Geschenk will aber auch im Alltag erhalten und gepflegt werden. Darum sehe ich meine Berufung auch nicht nur als Gabe, sondern auch als Aufgabe Gottes. Es liegt in meiner Verantwortung, die Beziehung zu Gott und meinen Mitbrüdern so zu gestalten, dass sie lebendig und frisch bleibt und mich und meine Mitbrüder letztendlich zum Heil, ins Ewige Leben führt. Darin sehe ich den tiefsten Sinn meiner Lebensform.
 

Bruder Benedikt (Michael) Meier (1989) studierte zunächst Informationswissenschaft an der HTW Chur, danach Theologie in Chur und Lugano. Am 12. Mai 2022 trat er in die Benediktinerabtei Disentis ein und legte am 15. August 2023 die Einfache Profess ab.
Am kommenden Samstag, 22. August 2026, um 10.30 Uhr, wird er in der Klosterkirche die Ewigen Gelübde ablegen. Der Gottesdienst ist öffentlich. Mitfeiernde sind herzlich willkommen.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Daniel Ric 22.08.2026 um 12:19
    Ich wünsche Bruder Benedikt Gottes reichen Segen. Seine Berufung zeigt auch, wie wichtig es ist, dass der Glaube in der Familie und im privaten Umfeld gelebt wird.
  • user
    Br. Paul Zahner OFM 18.08.2026 um 09:31
    Tausend Segenswünsche zur baldigen Profess an Bruder Benedikt! Es freut mich sehr so einen weiteren benediktinischen Mitbruder haben zu können. Möge Gott ihm immer neu Seine Treue schenken, damit er selber eine treue Antwort geben kann. - Auch wir Franziskaner feiern am So 23. August um 16.00 Uhr in Näfels die ewige Profess von Br. Niklaus Meienberg, der ursprünglich in der Nähe von Zürich aufgewachsen ist und im Moment zur Gemeinschaft in Zürich gehört.
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 17.08.2026 um 13:48
    Ein herzliches Vergelt's Gott, liebe Frau Schärer, für das Interview mit Br. Benedikt! Die Feier der ewigen Profess unseres Sohnes erfüllt meine Frau und mich mit grosser Freude und Dankbarkeit.