Canterbury im Südosten Englands war seit dem Frühmittelalter neben York das kirchliche Zentrum Englands. Beda Venerabilis berichtet, wie Papst Gregor I. dem römischen Mönch Augustinus den Auftrag gab, England zu missionieren. 597 erreichte Augustinus mit einer Gruppe von fast 40 Mönchen das Königreich Kent, wo sie von Æthelberht und seiner Gemahlin Bertha freundlich empfangen wurden. Königin Bertha war die Tochter des christlichen Frankenkönigs Charibert I; die Eheschliessung mit Æthelberht war an die Bedingung geknüpft worden, dass sie ihre Religion ausüben durfte. Die Kirche St. Martin ist deshalb die älteste Kirche im englischsprachigen Raum, in der seit 580 ununterbrochen christliche Gottesdienste stattfinden.
Augustinus legte den Grundstein für die Christ Church, seinen Kathedralsitz, und die ausserhalb der Stadt gelegene Kirche St. Peter und Paul, die zum neu gegründeten Benediktinerkloster gehörte und später dem Gründer gewidmet wurde (St. Augustin).
1087 brannte Christ Church unter mysteriösen Umständen nieder. Sie wurde von Erzbischof Lanfrank von Bec OSB und dann von seinen Nachfolgern – darunter Anselm von Canterbury OSB (1093–1109) – wieder aufgebaut und 1130 eingeweiht.
Machtkampf zwischen Erzbischof und König
Am 3. Juni 1162 empfing der Lordkanzler Thomas Becket die Bischofsweihe und wurde als Erzbischof von Canterbury auch Primas von England. Danach legte er gegen den Willen des Königs das Amt des Lordkanzlers nieder. Er und König Heinrich II. hatten schon früher unterschiedliche Meinungen in Bezug auf die Kirche und deren Rechte gehabt. Bereits nach einem Jahr kam es zwischen den beiden zu einem grossen Streit darüber, welches Gericht für straffällig gewordene Kleriker zuständig ist. Nachdem der Erzbischof zunächst nachgab, zog er später seine Zustimmung zu einem Dokument des Königs zurück. Thomas Becket wurde vom königlichen Hofgericht daraufhin als Verräter und Meineidiger verurteilt. In der Nacht des 13. Oktober 1164 floh der Erzbischof nach Frankreich. Es folgten Verhandlungen zwischen dem Papst und Erzbischof Becket mit dem König, doch es konnte keine Einigung erzielt werden. Schliesslich kehrte Thomas Becket im Dezember 1170 nach Canterbury zurück, wo er von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde. Doch die Spannungen mit dem König hatten zugenommen, da der Erzbischof kurz vor seiner Rückreise alle Bischöfe exkommuniziert hatte, die an der Krönung des Thronfolgers beteiligt waren; dies, weil sie das traditionelle Vorrecht des Erzbischofs von Canterbury, die englischen Könige zu krönen, missachtet hatten. Heinrich II. bekam einen Wutanfall. «Wer befreit mich von diesem aufrührerischen Priester?», soll der Regent getobt haben. Dies interpretierten vier anwesende Ritter als königlichen Mordauftrag: Am 29. Dezember 1170 drangen sie in die Kathedrale von Canterbury ein und erschlugen Erzbischof Thomas Becket am Altar.
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