Wie ist es wohl für Eltern, wenn der eigene Sohn heiliggesprochen wird? Am 27. April werden Andrea Acutis und seine Frau Antonia Sanzano in Rom der Heiligsprechung ihres Kindes, das 2006 mit 15 Jahren an Leukämie starb, beiwohnen. Sie, Römerin, die früher im Verlagswesen arbeitete, er Turiner Investmentbanker aus gutbürgerlicher Familie, der gerade in London arbeitete, als 1991 auch Sohn Carlo zur Welt kam. Bald danach zog die Familie nach Mailand, wo das gutmütige und lächelnde Kind mit Bediensteten und Kindermädchen aufwuchs. Besonders prägend war das polnische Au-pair-Mädchen Beata, die den kleinen Buben fast täglich zur Heiligen Messe mitnahm.
In ihren zahlreichen Büchern, Interviews und Konferenzen erzählen die Eltern Acutis, ihr Sohn sei eigentlich ein ganz gewöhnlicher «Millennial»[1] gewesen, der Fussball, Actionfilme und Computerspiele geliebt habe. Aber an diesem Kind war nichts «gewöhnlich». Er war zweifelsohne hochbegabt, sagte mit drei Monaten sein erstes Wort und konnte mit fünf Monaten sprechen. Besonders ungewöhnlich war die enorme Anziehungskraft, die Kirchen und Tabernakel auf den Jungen ausübten. Er lebte im Sog der Eucharistie. Schon früh las er die Bibel und nach seiner Erstkommunion im Alter von sieben Jahren besuchter er jeden Tag die Heilige Messe.
Ausstellung über Eucharistische Wunder
Trotz seiner Religiosität und Intelligenz mochten ihn die anderen Kinder, auch wenn er manchmal an der Schule unpopuläre Positionen vertrat, wie beispielsweise zur Abtreibung. Aber er war mit den Schwächeren solidarisch, merkte, wenn jemand an der Schule gemobbt wurde oder traurig war und ging gezielt auf diese Kinder zu, um mit ihnen Freundschaft zu schliessen. Als Einzelkind wohlhabender Eltern hätte er sich modebewusst anziehen und viele coole Dinge kaufen können, aber er verschenkte sein Taschengeld regelmässig an Obdachlose und Bedürftige und bettelte von den Eltern noch mehr Geld zusammen. Als Computerfreak erstellte er mit elf Jahren eine digitale Ausstellung über Eucharistische Wunder aus der ganzen Welt, die er minutiös recherchiert hatte und mit der er berühmt wurde.
Während Vater Andrea aus einer halbwegs praktizierenden Familie stammte, konnte die Mutter Antonia nichts mit Religion anfangen. Sie kam aus einem fortschrittlich-intellektuellen Elternhaus und sei viermal im Leben in der Kirche gewesen, erzählt sie: Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit. Als ihr kleiner Sohn ihr immer mehr Fragen über Gott stellte, konnte sie nicht antworten. Sie habe nicht einmal den Unterschied zwischen Evangelium und Bibel gekannt, was ihr mit der Zeit peinlich wurde.
Als ihr Vater unerwartet starb, sei aber auch sie der Religion nähergekommen. Eine Frau aus der Nachbarschaft habe ihr von einem Priester erzählt, Pater Ilio Carrai, dem «Pater Pio von Bologna». Sie habe ihn kontaktiert, und er habe in Carlo etwas Besonderes erkannt und ihr geraten, Theologie zu studieren. Von da an begann ihr Weg zur Bekehrung. Heute geht auch sie täglich zur Messe und reist mit ihrem Mann durch die halbe Welt, um Vorträge über den aussergewöhnlichen Glauben ihres Sohnes Carlo zu halten und seine Mission, den Menschen die Sakramente näherzubringen, weiter zu verbreiten.
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