Christi Himmelfahrt. Sakramentar von Drogon, 9. Jh, Bibliothèque nationale de France. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Neuevangelisierung

Christi Him­mel­fahrt: Von der Weh­mut zur voll­kom­me­nen Freude

Das Hoch­fest Christi Him­mel­fahrt («Ascen­sio Domini» – Auf­stieg des Herrn) ist seit dem Kon­zil von Nicäa (325) ein eige­nes Fest. Zuvor wur­den Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt Jesu am sel­ben Tag gefei­ert. Es möchte unse­ren Blick zum Him­mel rich­ten und erin­nert uns gleich­zei­tig an unse­ren irdi­schen Auf­trag in der Nach­folge Christi.

Von der Himmelfahrt Christi berichten nur drei Texte in der Bibel. Der Evangelist Lukas beschreibt das Geschehen ausführlich: Am Ostertag zeigte sich der Auferstandene zuerst den Frauen, dann den beiden Jüngern auf ihrem Weg nach Emmaus und zuletzt am Abend allen Jüngern. «Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und es geschah, während er sie segnete, verliess er sie und wurde zum Himmel emporgehoben. Sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in grosser Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott» (Lk 24,50–53).

In der Apostelgeschichte, die ebenfalls von Lukas stammt, geschah die Himmelfahrt nicht an Ostern, sondern erst 40 Tage später nach einem Mahl mit den Jüngern. «Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken» (Apg 1,9).

Der Evangelist Markus beschreibt die Himmelfahrt nicht, sondern erzählt nur davon: «Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes» (Mk 16,19). Auch bei ihm geschah die Himmelfahrt am Ostertag selbst.
 


Er sitzt zur Rechten Gottes …
Der menschliche Leib Christi wurde bereits bei seiner Auferstehung verherrlicht. So konnte er plötzlich vor den Augen der Emmausjünger entschwinden oder durch verschlossene Türen gehen. Doch seine Herrlichkeit blieb zunächst durch seine menschliche Natur verhüllt. «Die letzte Erscheinung Christi endet mit dem endgültigen Eintritt seiner menschlichen Natur in die göttliche Herrlichkeit, die durch die Wolke und durch den Himmel versinnbildlicht wird» (KKK 659). So wie Christus bei seiner Menschwerdung vom Vater ausgegangen ist, so kehrt er nun zum Vater zurück (vgl. Joh 16,28).

Der Evangelist Markus berichtet zwar nur äusserst knapp über die Himmelfahrt des Auferstandenen, doch er gibt einen wichtigen Hinweis auf den Grund, warum Christus die irdische Welt verliess: um sich zur Rechten Gottes zu setzen. Dies bedeutet den Beginn der Herrschaft des Messias: Als Mittler des neuen Bundes wurde Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen (vgl. Hebr 9,24–28). Als ewiger Hohepriester «kann er auch die, die durch ihn vor Gott hintreten, für immer retten; denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten» (Hebr 7,25).
 


Mitten im Leben, bereits im Himmel
Seinen Jüngern hat Christus versprochen: «Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen» (Joh 12,32). Diese Hoffnung kommt in der Präfation I des Hochfestes schön zum Ausdruck:

«In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus, den König der Herrlichkeit. Denn er ist (heute) als Sieger über Sünde und Tod aufgefahren in den Himmel. Die Engel schauen den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Richter der Welt, den Herrn der ganzen Schöpfung. Er kehrt zu dir heim, nicht um uns Menschen zu verlassen, er gibt den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wohin er als Erster vorausging …»

Durch die Himmelfahrt des auferstandenen Herrn sind wir also bereits im Himmel, in Gott – wenn das kein Grund zur Freude ist! Doch gleichzeitig leben wir auf Erden und sollen hier am Reich Gottes mitarbeiten. Um diesen Auftrag zu erfüllen, versprach Christus uns den Heiligen Geist: «Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde» (Apg 1,8). Es liegt an uns, Christus zu verkündigen, der bis zu seiner Wiederkunft für die Welt nicht sichtbar ist, aber mit uns ist, alle Tage bis zum Ende der Welt» (vgl. Mt 28,20).
 

«Dieses vollkommene Leben mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit, diese Lebens- und Liebesgemeinschaft mit ihr, mit der Jungfrau Maria, den Engeln und allen Seligen wird ‹der Himmel› genannt. Der Himmel ist das letzte Ziel und die Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte des Menschen, der Zustand höchsten, endgültigen Glücks» (KKK 1024).


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • Johanna-Jessica OFS 15.05.2026 um 00:04
    Neulich betrübte es mich etwas, dass meine (prot.) Chefin auf der Pflegestation bemängelte, dass die Osterdeko noch auslag. Die Generationen, sogar die Älteren, scheinen bereits vergessen zu haben, dass die Osterfestzeit sich nicht allein auf zwei kapitalistische Tage beschränkt...

    Dafür schenkte uns der HERR heute Abend, zu Christi Himmelfahrt, über dem Dorf einen prachtvollen, doppelten Regenbogen. Er blieb rund 30 Minuten am Himmel sichtbar, bis die Sonne unterging. Mich berührte dieses kraftvolle Zeichen sehr.

    Allen hier weiter eine gesegnete Osterzeit!