Kreuzigung, Uta-Codex, um 1020. (Bild: Bayerische Staatsbibliothek, Public domain via Wikimedia Commons)

Neuevangelisierung

Chris­tus, der wahre König

Wenn die Kir­che am letz­ten Sonn­tag des Kir­chen­jah­res das «Christ­kö­nigs­fest» (Sol­lem­ni­tas Domini Nos­tri Iesu Christi Uni­ver­sorum Regis) fei­ert, bekennt sie sich zur Selbst­aus­sage Jesu vor Pon­tius Pila­tus: «Ja, ich bin ein König». Das Fest selbst kann heuer sein 100-​Jahr-​Jubiläum feiern.

Papst Pius XI. führte das «Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls» 1925 zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa ein. Die liturgischen Texte des Festtages betrachten in den drei Lesejahren unterschiedliche Aspekte der Herrschaft des erhöhten Christus.

Im aktuellen Lesejahr C hören wir in der ersten Lesung von der Salbung Davids zum König (2 Sam 5,1–3). Gott gibt dem Drängen des Volkes Israel nach und erlaubt ihm die Einsetzung eines Königs; so wird Saul zum ersten König Israels. Doch Gott selbst bleibt der wahre König, dem die irdischen Könige verantwortlich sind. Nach dem Tod Salomos kam es zur grossen Spaltung in Israel. Rund 900 Jahre später erschien der Engel Gabriel Maria in Nazareth, um ihr die Geburt eines Sohnes anzukündigen. Er sagte über ihn: «Er wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben» (Lk 1,32–34).

Zunächst schien diese Voraussage eher unwahrscheinlich: Als Sohn eines einfachen Zimmermanns hatte Jesus keine grossen Chancen, eine führende Persönlichkeit zu werden. Dies änderte sich auch nicht, als er sich entschied, seinen Beruf aufzugeben und als Wanderprediger das Reich Gottes zu verkünden. Doch menschlichem Erwarten zum Trotz hatte Jesus Erfolg. Seine Rede vom kommenden Reich Gottes stiess auf offene Ohren. Die Menschen erhofften sich von Jesus, dass er sie von den verhassten Römern befreien und eine politische Macht ausüben würde. Als er in Jerusalem einzog, empfingen ihn die Menschen mit dem Ruf: «Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!» (Mt 21,9). Sein Einzug auf einem Esel entsprach in keiner Weise einem König, doch das störte die Menschen zunächst nicht. Die Stimmung änderte sich aber bald und wenige Tage später wurde Jesus verhaftet. Sein eigener Jünger Judas hatte ihn verraten. Jesus wird zum Tod verurteilt. Während seines Todeskampfs stehen lediglich Johannes, seine Mutter und einige andere Frauen unter dem Kreuz. Die Voraussage des Engels Gabriel schien sich nicht zu erfüllen – auch wenn die Tafel am Kreuz als Grund für die Kreuzigung angibt: «Jesus von Nazaret, der König der Juden».

Am Kreuz wird Jesus verspottet, so berichtet uns das Tagesevangelium (Lk 23,35b–43). «Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.» Und die Soldaten doppeln nach: «Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst!» Selbst einer der beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt wurden, verhöhnt ihn: «Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns!» Jesus hätte dies tun können – vom Kreuz herabsteigen und weggehen, weg von den Menschen, die ihn verraten, verlassen und verspottet haben. Doch gerade dadurch offenbart er seine Herrlichkeit, indem er dort am Kreuz als Opferlamm bleibt. In diese trost- und hoffnungslose Situation spricht der andere Verbrecher Erstaunliches zu Jesus: «Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!» Er erkennt in Jesus den wahren König. Und Jesus verspricht ihm: «Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein» und zeigt so seine Herrschaft selbst über den Tod.

Jesus offenbart sich am Kreuz als der wahre König. Die auf Befehl von Pontius Pilatus angebrachte Tafel mit der Inschrift «Jesus von Nazaret, der König der Juden» erweist sich als wahr. Doch nicht im Herrschen, sondern im Leiden zeigt er sich als der wahre König. Durch ihn, «Bild des unsichtbaren Gottes», «der Erstgeborene der ganzen Schöpfung», sind wir erlöst, durch «den Erstgeborenen der Toten» haben wir das ewige Leben (vgl. 2. Lesung, Kol 1,12–20).

Das Königtum Jesu Christi ist Liebe und Barmherzigkeit, die er am Kreuz bis zur Selbsthingabe gelebt hat. Er ist nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (vgl. Mt 20,28). Deshalb haben wir Anteil am Königtum Christi, wenn wir dienen – unseren Mitmenschen, aber in erster Linie unserem Herrn Jesus Christus.

Sein Königtum besagt aber auch Gerechtigkeit, denn Jesus ist die Wahrheit. Er wird am Ende der Zeiten in Herrlichkeit kommen, um Gericht zu halten – eine Dimension, die oft übersehen oder gar bewusst verdrängt wird. Das Christkönigsfest weist uns auf die Wiederkunft Jesu Christi hin und fordert uns auf, uns darauf vorzubereiten. Denn «jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater» (Mt 24,26). Er kommt, um uns in Liebe und Barmherzigkeit zu richten, damit wir das Leben in Fülle bei ihm haben werden.
 

«In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken. Du hast deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, mit dem Öl der Freude gesalbt zum ewigen Priester und zum König der ganzen Schöpfung. Als makelloses Lamm und friedenstiftendes Opfer hat er sich dargebracht auf dem Altar des Kreuzes, um das Werk der Erlösung zu vollziehen. Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde, Engel und Menschen und singen das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig …» (Präfation von Christkönig).


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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