San Gerolamo e due angeli von Bartolomeo Cavarozzi, 1617. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Hintergrundbericht

Das Buch der Bücher

Das Wort «Bibel» lei­tet sich her aus dem alt­grie­chi­schen Wort «biblos» (Βίβλος), zu Deutsch «das Buch». Sie ist in der Tat das Buch der Bücher, das Buch schlecht­hin. Kein ande­res Buch wurde so oft über­setzt. Trotz stei­gen­der Fremd­spra­chen­kennt­nisse leis­ten bis heute Über­set­zer eine wich­tige Arbeit; sie wer­den aber wenig beach­tet – aus­ser am Gedenk­tag des hei­li­gen Hieronymus.

Die Bibel, «Don Camillo und Peppone» von Giovanni Guareschi» oder die «Dienstanweisung für einen Unterteufel» von C. S. Lewis. Wer weder Hebräisch noch Latein, kein Italienisch oder Englisch spricht, dem blieben diese Werke ohne sie verborgen: die Übersetzerinnen und Übersetzer. Sie beherrschen eine Fremdsprache auf höchstem Niveau, sind akribisch und brauchen Freude an der Arbeit mit Sprache. Bekannt sind sie aber häufig nicht.

Mehr Aufmerksamkeit für die Arbeit der Übersetzer soll der Weltübersetzertag schaffen, der jeweils am 30. September begangen wird. Im Mai 2017 hatte ihn die UNO-Vollversammlung ausgerufen. Das Datum ist kein Zufall: Es ist der Todestag des heiligen Hieronymus. Er übersetzte das Alte Testament neu aus dem Hebräischen ins Lateinische und revidierte den altlateinischen Text des Neuen Testaments. Daraus entstand die sogenannte «Vulgata».

Von Rom über die Wüste nach Bethlehem
Über das Leben von Sophronius Eusebius Hieronymus gibt es keine schriftlichen Belege. Aus den Angaben aus seinen Werken lassen sich aber einige biografische Angaben herleiten. Er wurde um 348/49 in Stridon (auf dem Gebiet des Balkans) geboren. Nach dem Studium in Rom unternahm Hieronymus – inzwischen 26-jährig – mehrere Pilgerreisen in den Orient und lernte in Antiochia (Türkei) Griechisch. Danach zog er sich für drei Jahre in die Syrische Wüste zurück. Unter den anderen Eremiten traf er auf einen zum Christentum konvertierten Juden und lernte bei ihm Hebräisch. 382 kehrte Hieronymus nach Rom zurück, wo ihn Papst Damasus I. zu seinem Sekretär machte, und ihn beauftragte, die Bibel ins Lateinische zu übersetzen. Hieronymus übersetzt darauf die vier Evangelien gemäss dem griechischen Urtext. Nach dem Tod Damasus I. unternahm er mit zwei römischen Frauen – Paula und ihrer Tochter Eustochium – eine Pilgerreise durch Palästina und Ägypten. Die Gruppe liess sich in Bethlehem nieder, wo Paula einen Klosterkomplex finanzierte. Sie gründete insgesamt drei Frauenklöster, Hieronymus stand einem Männerkloster vor. Hier konnte er sich seiner bibelwissenschaftlichen Arbeit widmen. Er übersetzte fast das gesamte Alte Testament direkt aus dem Hebräischen ins Lateinische. Dazu schrieb er Briefe und Bibelkommentare. Hieronymus starb am 30. September 420 und wurde in der Geburtskirche in Bethlehem beigesetzt. Im 13. Jahrhundert gelangten seine Gebeine nach Rom in die Basilika Santa Maria Maggiore. 1295 wurde Hieronymus zum Kirchenlehrer ernannt.
 


Unerreichte Bibel
Die Bibelübersetzung von Hieronymus war aber nicht die erste: Bereits 250 v. Chr. wurde die hebräisch-aramäische Bibel in die altgriechische Alltagssprache übersetzt, die sogenannte «Septuaginta». Septuaginta (lateinisches Wort für 70), da gemäss Überlieferung die Thora von 70 Gelehrten in Alexandria übersetzt wurde.[1] Nach Angaben der Deutschen Bibelgesellschaft ist die Bibel heute in 795 Sprachen übersetzt, das Neue Testament allein in sogar 1815 Sprachen. In 4121 von geschätzt 7393 Sprachen ist mindestens ein Buch der Bibel übersetzt. Kein anderes Buch der Welt kann da mithalten. Aktuell laufen 400 Übersetzungsprojekte, so auch in der Elfenbeinküste in Westafrika: In den 1970er- und 1980er-Jahren entstand in der Wirtschaftsmetropole Abidjan die Kreolsprache Nouchi, eine Mischung aus Französisch und verschiedenen im westafrikanischen Land gesprochenen Sprachen. Damals trieb die Suche nach Arbeit immer mehr Menschen in die Stadt. Seit 2019 übersetzt nun auch eine Gruppe von Interessierten Teile der Bibel in diese Sprache, die sich so schnell ändert, dass das eine oder andere Wort bereits nach Monaten schon wieder als altmodisch gilt.

Es gibt häufig die Annahme, dass KI den Übersetzerberuf in Zukunft möglicherweise überflüssig macht. Denn übersetzen, so scheint es, kann heute jeder mit Apps wie Google Translate oder Deepl. Doch Übersetzen ist keine blosse Wahrscheinlichkeitsrechnung, auf der KI-Modelle wie LLMs (Large Language Models) letztlich basieren. Übersetzen allein reicht nicht aus: Es braucht auch kulturelle und fachspezifische Kenntnisse.

Übersetzungen sind immer auch Interpretationen und Wertungen, die unter Umständen mehr über die Übersetzer aussagen als über den Originaltext. Aktuelles Beispiel ist die neue Einheitsübersetzung. Hier wurde «Mann und Frau» zu «männlich und weiblich». Oder im Psalm 23 stillt der Herr nicht mehr mein Verlangen, sondern gibt mir meine Lebenskraft zurück. Auch gibt mir sein Stab nicht mehr Zuversicht, sondern tröstet mich nur noch.

 


[1] Eigentlich 72 Gelehrte. Ihre Zahl wurde später auf 70 gerundet und der Begriff «Septuaginta» auf das ganze Alte Testament ausgeweitet.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

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    Daniel Ric 01.10.2026 um 08:26
    Persönlich glaube ich, dass ein Grund, weshalb das Christentum in der Schweiz zurückgeht, auf das fehlende Bibelwissen zurückzuführen ist. Das Alte und Neue Testament haben eine solche Kraft und Weisheit in sich, dass viele Menschen ein Interesse am Christentum entdecken, sobald sie nur einige Stellen der Bibel gelesen haben. Früher war es normal, dass viele biblischen Geschichten einfach zum Allgemeinwissen gehörten. Heute ist es leider auch unter lehramtstreuen Katholiken oft so, dass das Bibelwissen spärlich vorhanden ist. In der Verkündigung wäre es daher wichtig, den Gläubigen wieder vermehrt das Wort Gottes näherzubringen. Dies nicht dadurch, indem man die Eucharistiefeier durch sogenannte Wortgottesdienste verdrängt (die zumeist eine Simulation der Heiligen Messe darstellen), sondern indem man gezielt Bildungsangebote schafft, die das Bibelwissen vertiefen. Eigentlich sollte es in jeder Pfarrei eine Bibelgruppe geben, welche wöchentlich gemeinsam die Heilige Schrift liest.
  • user
    Josef Köchle 30.09.2026 um 18:45
    Die Einheitsübersetzung ist mit "männlich" und "weiblich" auf den Originaltext zurück gegangen, der lautet: "sachar" und "neqeva". "Mann" und "Frau" müsste im Original "isch" und "ischah" heissen. Die frühere Übersetzung war nicht korrekt.