(Symbolbild: Amador Loureiro/Usplash)

Weltkirche

Das feu sacré des Glau­bens neu entfachen

Ende Juni ver­öf­fent­lichte das Bun­des­amt für Sta­tis­tik die Ergeb­nisse einer Umfrage zur reli­giö­sen Situa­tion in der Schweiz, aus der ersicht­lich wird, dass Glau­ben und Reli­gion bei den Men­schen immer mehr an Bedeu­tung ver­lie­ren. Für Paul Mar­tone, Ver­ant­wort­li­cher für die Medi­en­ar­beit des Bis­tums Sit­ten, ist dies kein Grund, den Kopf in den Sand zu ste­cken – im Gegenteil.

Unter dem Titel «Das Feuer des Glaubens neu entfachen» schrieb Paul Martone einen Kommentar im «Walliser Bote». Dass die Zahlen der Gläubigen und somit auch der Praktizierenden immer mehr zurückgehen werden, sei absehbar gewesen. Die Gründe dafür sind vielfältig und es wäre seiner Meinung nach zu einfach, einen einzelnen Grund dafür zu nennen.

Heute ist die Gesellschaft davon überzeugt, dass jeder nach seiner Façon glücklich werden soll und darf. Dagegen ist nichts Grundsätzliches einzuwenden, so Paul Martone. «Jeder Mensch ist frei, nicht zu glauben, genauso wie es jedem Menschen auf der ganzen Welt erlaubt sein muss, seinen Glauben zu praktizieren.»

Er ist überzeugt, dass sich viele Menschen von Gott abwenden, weil er oft unbequem ist und den Lebensstil von manchen infrage stellt. Manche möchten, dass Gott ein Auge zudrückt, wenn wir etwas Falsches gemacht haben. Für andere ist Gott eine Art guter Butler, der da sein soll, wenn wir ihn brauchen. Sobald er seinen Auftrag diskret erfüllt hat, soll er sich wieder zurückziehen. Paul Martone zieht das logische Fazit: Das kann auf Dauer nicht gut gehen. «Gott ist zwar ein treuer Vater und eine liebende Mutter, er ist aber nicht ein alter Grosspapa, der alles mit sich machen lässt.»

Den Menschen geht es am besten, wenn sie sich nach den Zehn Geboten richten, denn in diesen hat Gott seine Forderungen zusammengefasst, Forderungen, die uns zum wahren Leben verhelfen. Menschen, die nach den Zehn Geboten leben, tun dies auf unterschiedliche Weisen. «Jeder glaubt anders und jeder darf auch auf seine Weise seinen Glauben an diesen wunderbaren Gott leben.»

Jesus ja – Gott nein?
Doch in vielen Kreisen wird schon seit langem darüber diskutiert, ob Gott überhaupt existiert, ob er nicht vielmehr tot ist. «Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass dieser Gott im praktischen Leben vieler Christen so stillschweigend begraben wird, dass man ihm nicht einmal eine Leichenrede hält.» Doch wenn Gott tot ist, braucht es dann die Kirche eigentlich noch, fragt Paul Martone.

Wir sind auf den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus getauft, das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens. «Ohne die Auferstehung Jesu wäre unser Glaube eine Lüge und ein Hirngespinst eines dahergelaufen jüdischen Rabbiners vor 2000»Jahren.» Doch Christus ist wirklich auferstanden und bietet uns eine Zukunft, die über das Ende unseres Lebens hinausgeht. Das bedingt, dass wir Christus in unser Leben lassen müssen. «Nicht einen Jesus, den wir uns zurückgeschnitten haben, sondern den wahren Jesus, wie er sich uns in der Heiligen Schrift und in der Lehre der Kirche zeigt.»

Hiess es früher «Christus ja – Kirche nein!», so hören wir heute «Christus nein – Kirche nein!» Bestenfalls heisst es heute noch: «Jesus ja – Kirche nein!»: Jesus ist ein cooler Typ, der es als Sozialrevoluzzer mit dem Establishment seiner Zeit aufgenommen hat und schliesslich ein Opfer der Mächtigen geworden ist. «Dass aber dieser Jesus auch der Christus ist, der mir in der Gestaltung meines persönlichen Lebens etwas zu sagen hat, das wird geflissentlich ausgeblendet: Jesus ja – Gott nein!»

Die Kirche ist nicht das Werk der Menschen: Jesus Christus hat sie ins Leben gerufen und er wird auch dafür sorgen, dass sie weitergeht. Er ist der Herr der Kirche. «Wenn es nur auf uns ankommen würde, auf unsere Ideen und unseren Einsatz – dann arme Kirche!»

Selbstkritisch schreibt Paul Martone, dass die Kirche im Laufe der Jahrhunderte ihren wahren Auftrag oft vergessen hat: «Sie hat nicht nur auf Christus geschaut, sondern auch auf Macht, Reichtum und Einfluss.» Wir als Glaubende – und dazu gehört auch die Kirchenleitung – müssen stets auf Christus schauen. «Auf ihn bauen, ihm vertrauen. Dann haben wir einen festen Grund, auf dem wir sicher leben, glauben und auch sterben können.»

Unsere Kirche hat eine Zukunft: Jesus Christus
Die Kirche ist in erster Linie ihrem Gründer verpflichtet: Jesus Christus. «Die Kirche kann nichts als Wahrheit verkünden, was der Lehre Jesu widersprechen würde.» Dass heute etwas nicht mehr verstanden oder nicht mehr gelebt wird, nicht mehr «in» ist, darf für die Kirche kein Kriterium sein, ihre Lehre zu ändern! «Selbst wenn sich deswegen Menschen von ihr abwenden sollten», so insistiert Paul Martone.

Hingegen muss sich die Kirche überlegen, ob die Sprache, in der sie die Botschaft Christi verkündet, von den Menschen verstanden werden kann. «Das beginnt bei den päpstlichen Schreiben, bis hin zu den Predigten in unseren Pfarreien, ja bis zu den Erklärungen, die die Eltern ihren Kindern geben.» Deshalb soll sich jeder Christ über die Geschichte und die Lehre der Kirche informieren und sich damit auseinandersetzen, «denn bereits damit würden schon manche Missverständnisse ausgeräumt», ist Paul Martone überzeugt.

Und ebenso ist Paul Martone davon überzeugt, dass die Kirche Zukunft hat. Sicher wird sie sich ändern und diese Veränderungen können schmerzhaft sein; wir werden uns von manchen vertrauten Dingen und kirchlichen Formen verabschieden müssen. «Doch das ist nicht schlimm, solange wir uns auf das Wesentliche unseres Glaubens besinnen, auf Jesus Christus.» Er ist immer in unserer Mitte, sofern wir ihm diesen Platz zugestehen.

Es braucht es keine grossen Worte, sondern ein Leben, das sich aus der Beziehung zu Christus nährt und im Alltag Zeugnis gibt – nicht nur sonntags. Paul Martone zitiert Papst Leo XIV.: «Vielleicht mangelt es nicht an ‹Gelegenheitschristen›, die hin und wieder einem guten religiösen Gefühl Raum geben oder an der ein oder anderen Veranstaltung teilnehmen; aber nur wenige sind bereit, jeden Tag auf dem Acker Gottes zu arbeiten, den Samen des Evangeliums in ihrem eigenen Herzen zu pflegen, um ihn dann in den Alltag hineinzutragen, in ihre Familien, an die Orte, wo sie arbeiten oder studieren, in die verschiedenen sozialen Umfelder und zu den Bedürftigen.»

Das Christsein darf keine Theorie oder Strategie sein; es ist eine Haltung des Gebets. «Durch das Gebet, allein oder in der Gemeinschaft der Pfarrei, kann in den Herzen der Glaubenden ein feu sacré, ein heiliges Feuer zu brennen beginnen, das sie drängt, in den verschiedensten Bereichen Zeugnis vom Glauben zu geben, einschliesslich dort, wo Ablehnung oder Gleichgültigkeit herrschen.» Paul Martone verwendet das Bild vom Grill im Garten: Wenn von der Holzkohle nur noch ein winziger Funke da ist, braucht es einen kräftigen Windstoss und schon entsteht daraus eine kleine Flamme, die immer grösser wird. «Dieses Bild dürfen wir haben für die Kirche, nicht weil wir so gut sind, sondern weil der Heilige Geist so gut ist und er in der Kirche am Wirken ist. Dieser Glauben schenkt uns das Vertrauen darauf, dass es auch bei der nächsten Umfrage des Bundesamtes für Statistik den Glauben und die Kirche immer noch gibt – vielleicht noch mehr als heute.»


Redaktion


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Bemerkungen :

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    Schwyzerisch 14.07.2025 um 17:04
    Man kann nicht zwei Herren dienen, das steht auch in der heiligen Schrift. "Kein Knecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mamon. Lukas 16,13" gemäss Das Neue Testament, Verlag Herder 2007.

    Wie ich es bereits dargelegt habe ist das Dualesystem (Weltkirche und Staatskirche) für die katholische Kirche nicht gut. Darum muss man es abschaffen. Das liegt auch im Interesse des Bischofs. Denn der Bischof möchte für die katholische Kirche da sein. In diesem Zusammenhang empfehle ich zu beten. Denn so sehr wir Gott und Christus in unseren Mitmenschen zu dienen vermögen - ohne Gebet fehlt unseren Dienst an Gott Entscheidendes. Zu "Bitten und Gebeten, Fürbitte und Danksagung" fordert uns Paulus in der 2. Lesung aus dem 1. Timotheus-Brief auf, " und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und alle, die Macht ausüben". Die Begründung ist, dass "Gott will, dass alle Menschen gerettet werden". Beides korrespondiert miteinander. Wir sind eingeladen mitzuhelfen, dass Gottes Plan für die Welt und die Menschen wirklich wird. Dass daher unsere Gebet nicht nur um uns selbst oder die uns nahestehenden Menschen kreisen, sondern alle einschliessen sollen. Dass solches beten nicht wirkungslos ist, sondern die Welt verändern kann, gehört zu meinen tiefsten Überzeugungen, mögen wir das auch meist nicht unmittelbar erfahren. Wo gebetet wird, ist der Mensch ein anderer und die Welt eine andere als wo nicht gebetet wird. Daher ist auch eine Pfarrei, in der Gebet einen grossen Stellenwert hat, eine andere und tiefere als eine, in der Gebet ein stiefmütterliches Dasein fristet.
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    Daniel Ric 14.07.2025 um 09:06
    Ich danke für diesen ermutigenden Artikel von Paul Martone, der weder in die eine noch in die andere Richtung entgleitet. Als Katholik darf man sich nicht verwirren oder entmutigen lassen, sondern jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen. Da Gott grösser als unsere Gedanken ist, sollten wir auch immer optimistisch sein.
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    Schwyzerin 13.07.2025 um 11:00
    Die Ergebnisse der Umfrage zur religiösen Situation in der Schweiz, aus der ersichtlich wird das Glaube und Religion bei den Menschen immer mehr an Bedeutung verlieren, dass das Bundesamt der Statistik Ende Juni veröffentlicht hat, ist nicht relevant. Denn das Bundesamt hat kein interesse am Glauben und Religion. Die Präampel in der neuen Bundesverfassung ist nicht mehr die gleiche. Von den Geboten Gottes hat sich das Bunsdesamt verabschiedet. Der Bistumartikel (Art. 72.3) wurde aufgegeben. Von Religionsfreiheit kann aber mit dem Dualensystem (Weltkirche und Staatskirche) nicht die Rede sein. Solange Bischöfe an dem Dualensystem festhalten, werden die Ortspfarreien sich nicht auf Gott ausrichten können. Das ist unmöglich. Niemand kann gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen ! Auch der Bischof nicht.
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      Manfred Steiner 14.07.2025 um 16:42
      Warum soll den das Dualsystem ein Problem sein? Wenn sich fromme Katholiken in der Kirchgemeinde einsetzen würden, könnten Sie einer frommen Kirche energisch zudienen, auch wenn der Bischof oder Generalvikar ein Prgressist ist.
      Statt resigniert und faulenzerisch zu lamentieren, sollte fromme Katholiken die Chance packen und zugreifen. Die meisten Kirchgemeinden werden nur von einer sehr kleinen Zahl kooptierter Leute verwaltet. Nur sehr wenige besuchen die Kirchgemeindeversammlungen, welche die Exekutive wählen. Diese Chance gilt es zu packen mit Gottes Segen.
      Auch früher, waren es oft zivile, weltlich Herrschaften, welche die Kirche gefördert haben und das kann heute mehr den je möglich werden durch die bestehenden Kirchgemeinden. Auf!
      • user
        Daniel Ric 16.07.2025 um 09:42
        Ich danke Ihnen für diesen Kommentar, dem ich zu 100% zustimme. Wenn sich glaubenstreue Katholiken mehr organisieren würden, wäre die Situation in der Schweizer Kirche anders.
  • user
    Stefan Fleischer 13.07.2025 um 10:11
    Zwei ganz persönliche Anmerkungen
    Einerseits sollten wir m.E. von Gott nicht als unserer Mutter sprechen. Das verwirrt nur und lenkt von der Glaubenswahrheit ab, dass Gott in Tat und Wahrheit unser Vater ist und es auch sein will. Nicht umsonst beginnt unser Glaubensbekenntnis mit: «Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen.»
    Zum anderen glaube ich, dass es nicht genügt in einer Welt, welche Gott weitgehend verloren hat, nur Jesus Christus (oder gar nur Jesus) zu verkünden. Wir müssen wieder bei Adam und Eva beginnen, das heisst bei Gott und seiner ganzen, dreifaltigen Macht und Herrlichkeit, und bei all den anderen grundlegenden Wahrheiten unseres Glaubens.
    • user
      Martin Meier-Schnüriger 16.07.2025 um 14:03
      Genau das meine ich mit "Haare in der Suppe suchen": Da schreibt einmal jemand, der in der Leitung eines Bistums eine wichtige Funktion ausübt, einen Artikel, der die Sache mit dem Glaubensschwund auf den Punkt bringt, und dann wird er an einer Winzigkeit "aufgehängt". Natürlich musste ich auch kurz leer schlucken, als ich las, Gott sei ein treuer Vater und eine liebende Mutter. Aber erstens schmälert diese Aussage den Rest des Artikels nicht und zweitens ist sie theologisch nicht einmal so falsch, denn Gott ist Geist (cf. Joh 4, 24) und als solcher nicht an ein Geschlecht gebunden. Wenn Sie, lieber Herr Fleischer, völlig zu Recht sagen, man müsse wieder buchstäblich bei "Adam und Eva" beginnen, schliesst das mit ein, die Frohe Botschaft den Menschen so zu verkünden, dass sie sie verstehen können.
      • user
        Stefan Fleischer 16.07.2025 um 20:29
        Ehrlich gesagt, ich finde diese Aussage über Gott gar nicht so harmlos. An vielen Stellen der Schrift spricht Christus vom Vater. Aber auch nur eine Andeutung, dass Gott unsere Mutter sei, habe ich bisher nicht gefunden. Natürlich ist Gott Geist (cf. Joh 4, 24) und als solcher nicht an ein Geschlecht gebunden. Aber wenn sich Gott uns so eindeutig als unser Vater geoffenbart hat, so will er m.E., dass wir ihn so ansprechen. Vater hat hier nichts mit Geschlecht zu tun, sondern mit seiner Stellung uns gegenüber. Er hätte es auch mit Schöpfer ausdrücken können, dann aber hätten wesentlicher Aspekte seines Wesens gefehlt, seine Rolle als Erzieher z.B. und als «Familienoberhaupt». (Einen besseren Ausdruck fällt mir gerade nicht ein). Als unsere Mutter schenkte er uns dann seine Mutter, die Gottesgebärerin, einerseits und seine Kirche andererseits. Und im Übrigen, wenn wir von Gott als unsere Mutter sprechen, fallen wir genau in diesen Fehler, ihn geschlechtlich zu sehen, womit er dann in unsere Auseinandersetzungen um die Rolle der Frau in Kirche und Welt hineingezogen wird.
        Wie gesagt, wir müssen mit unserer Verkündigung wieder bei Adam und Eva beginnen. Und das heisst auch, dass wir Gott als Gott verkünden, weitaus anders und grösser als wir ihn uns vorstellen und es in menschlichen Worten ausdrücken können. Dazu gehört dann auch, dass wir jede Art von Vermenschlichung und Verharmlosung Gottes vermeiden, und möglichst bei dem bleiben, was uns Christus, der Herr, als «Botschaft vom Vater» gebracht hat.
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          Daniel Ric 17.07.2025 um 11:18
          Die Schöpfungsgeschichte zeigt uns aber nicht einen Gott, der fern von uns wäre und den wir nicht mit Worten beschreiben können. Der Fehler von Adam und Eva war, dass sie sich nach ihrer Sünde vor Gott versteckt haben und dadurch nicht zuliessen, dass er die Beziehung zwischen Gott und Mensch heile. Erst die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus hat wieder die Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott ermöglicht, die Gott sich von Anfang an wünschte. Ich gebe Ihnen recht, dass wir Gottes Forderungen an uns nicht relativieren sollten. Aber das tut jeder von uns im Alltag. Jeder von uns nimmt Gottes Wort dort, wo es uns leicht fällt, dieses zu erfüllen, sehr wörtlich, währenddem wir dazu neigen, die Forderungen des Evangeliums, die für uns schwer sind, zu relativieren. Das war vor 2000 Jahren so, vor 100 Jahren und ist es auch heute.