Unter dem Titel «Das Feuer des Glaubens neu entfachen» schrieb Paul Martone einen Kommentar im «Walliser Bote». Dass die Zahlen der Gläubigen und somit auch der Praktizierenden immer mehr zurückgehen werden, sei absehbar gewesen. Die Gründe dafür sind vielfältig und es wäre seiner Meinung nach zu einfach, einen einzelnen Grund dafür zu nennen.
Heute ist die Gesellschaft davon überzeugt, dass jeder nach seiner Façon glücklich werden soll und darf. Dagegen ist nichts Grundsätzliches einzuwenden, so Paul Martone. «Jeder Mensch ist frei, nicht zu glauben, genauso wie es jedem Menschen auf der ganzen Welt erlaubt sein muss, seinen Glauben zu praktizieren.»
Er ist überzeugt, dass sich viele Menschen von Gott abwenden, weil er oft unbequem ist und den Lebensstil von manchen infrage stellt. Manche möchten, dass Gott ein Auge zudrückt, wenn wir etwas Falsches gemacht haben. Für andere ist Gott eine Art guter Butler, der da sein soll, wenn wir ihn brauchen. Sobald er seinen Auftrag diskret erfüllt hat, soll er sich wieder zurückziehen. Paul Martone zieht das logische Fazit: Das kann auf Dauer nicht gut gehen. «Gott ist zwar ein treuer Vater und eine liebende Mutter, er ist aber nicht ein alter Grosspapa, der alles mit sich machen lässt.»
Den Menschen geht es am besten, wenn sie sich nach den Zehn Geboten richten, denn in diesen hat Gott seine Forderungen zusammengefasst, Forderungen, die uns zum wahren Leben verhelfen. Menschen, die nach den Zehn Geboten leben, tun dies auf unterschiedliche Weisen. «Jeder glaubt anders und jeder darf auch auf seine Weise seinen Glauben an diesen wunderbaren Gott leben.»
Jesus ja – Gott nein?
Doch in vielen Kreisen wird schon seit langem darüber diskutiert, ob Gott überhaupt existiert, ob er nicht vielmehr tot ist. «Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass dieser Gott im praktischen Leben vieler Christen so stillschweigend begraben wird, dass man ihm nicht einmal eine Leichenrede hält.» Doch wenn Gott tot ist, braucht es dann die Kirche eigentlich noch, fragt Paul Martone.
Wir sind auf den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus getauft, das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens. «Ohne die Auferstehung Jesu wäre unser Glaube eine Lüge und ein Hirngespinst eines dahergelaufen jüdischen Rabbiners vor 2000»Jahren.» Doch Christus ist wirklich auferstanden und bietet uns eine Zukunft, die über das Ende unseres Lebens hinausgeht. Das bedingt, dass wir Christus in unser Leben lassen müssen. «Nicht einen Jesus, den wir uns zurückgeschnitten haben, sondern den wahren Jesus, wie er sich uns in der Heiligen Schrift und in der Lehre der Kirche zeigt.»
Hiess es früher «Christus ja – Kirche nein!», so hören wir heute «Christus nein – Kirche nein!» Bestenfalls heisst es heute noch: «Jesus ja – Kirche nein!»: Jesus ist ein cooler Typ, der es als Sozialrevoluzzer mit dem Establishment seiner Zeit aufgenommen hat und schliesslich ein Opfer der Mächtigen geworden ist. «Dass aber dieser Jesus auch der Christus ist, der mir in der Gestaltung meines persönlichen Lebens etwas zu sagen hat, das wird geflissentlich ausgeblendet: Jesus ja – Gott nein!»
Die Kirche ist nicht das Werk der Menschen: Jesus Christus hat sie ins Leben gerufen und er wird auch dafür sorgen, dass sie weitergeht. Er ist der Herr der Kirche. «Wenn es nur auf uns ankommen würde, auf unsere Ideen und unseren Einsatz – dann arme Kirche!»
Selbstkritisch schreibt Paul Martone, dass die Kirche im Laufe der Jahrhunderte ihren wahren Auftrag oft vergessen hat: «Sie hat nicht nur auf Christus geschaut, sondern auch auf Macht, Reichtum und Einfluss.» Wir als Glaubende – und dazu gehört auch die Kirchenleitung – müssen stets auf Christus schauen. «Auf ihn bauen, ihm vertrauen. Dann haben wir einen festen Grund, auf dem wir sicher leben, glauben und auch sterben können.»
Unsere Kirche hat eine Zukunft: Jesus Christus
Die Kirche ist in erster Linie ihrem Gründer verpflichtet: Jesus Christus. «Die Kirche kann nichts als Wahrheit verkünden, was der Lehre Jesu widersprechen würde.» Dass heute etwas nicht mehr verstanden oder nicht mehr gelebt wird, nicht mehr «in» ist, darf für die Kirche kein Kriterium sein, ihre Lehre zu ändern! «Selbst wenn sich deswegen Menschen von ihr abwenden sollten», so insistiert Paul Martone.
Hingegen muss sich die Kirche überlegen, ob die Sprache, in der sie die Botschaft Christi verkündet, von den Menschen verstanden werden kann. «Das beginnt bei den päpstlichen Schreiben, bis hin zu den Predigten in unseren Pfarreien, ja bis zu den Erklärungen, die die Eltern ihren Kindern geben.» Deshalb soll sich jeder Christ über die Geschichte und die Lehre der Kirche informieren und sich damit auseinandersetzen, «denn bereits damit würden schon manche Missverständnisse ausgeräumt», ist Paul Martone überzeugt.
Und ebenso ist Paul Martone davon überzeugt, dass die Kirche Zukunft hat. Sicher wird sie sich ändern und diese Veränderungen können schmerzhaft sein; wir werden uns von manchen vertrauten Dingen und kirchlichen Formen verabschieden müssen. «Doch das ist nicht schlimm, solange wir uns auf das Wesentliche unseres Glaubens besinnen, auf Jesus Christus.» Er ist immer in unserer Mitte, sofern wir ihm diesen Platz zugestehen.
Es braucht es keine grossen Worte, sondern ein Leben, das sich aus der Beziehung zu Christus nährt und im Alltag Zeugnis gibt – nicht nur sonntags. Paul Martone zitiert Papst Leo XIV.: «Vielleicht mangelt es nicht an ‹Gelegenheitschristen›, die hin und wieder einem guten religiösen Gefühl Raum geben oder an der ein oder anderen Veranstaltung teilnehmen; aber nur wenige sind bereit, jeden Tag auf dem Acker Gottes zu arbeiten, den Samen des Evangeliums in ihrem eigenen Herzen zu pflegen, um ihn dann in den Alltag hineinzutragen, in ihre Familien, an die Orte, wo sie arbeiten oder studieren, in die verschiedenen sozialen Umfelder und zu den Bedürftigen.»
Das Christsein darf keine Theorie oder Strategie sein; es ist eine Haltung des Gebets. «Durch das Gebet, allein oder in der Gemeinschaft der Pfarrei, kann in den Herzen der Glaubenden ein feu sacré, ein heiliges Feuer zu brennen beginnen, das sie drängt, in den verschiedensten Bereichen Zeugnis vom Glauben zu geben, einschliesslich dort, wo Ablehnung oder Gleichgültigkeit herrschen.» Paul Martone verwendet das Bild vom Grill im Garten: Wenn von der Holzkohle nur noch ein winziger Funke da ist, braucht es einen kräftigen Windstoss und schon entsteht daraus eine kleine Flamme, die immer grösser wird. «Dieses Bild dürfen wir haben für die Kirche, nicht weil wir so gut sind, sondern weil der Heilige Geist so gut ist und er in der Kirche am Wirken ist. Dieser Glauben schenkt uns das Vertrauen darauf, dass es auch bei der nächsten Umfrage des Bundesamtes für Statistik den Glauben und die Kirche immer noch gibt – vielleicht noch mehr als heute.»
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wie ich es bereits dargelegt habe ist das Dualesystem (Weltkirche und Staatskirche) für die katholische Kirche nicht gut. Darum muss man es abschaffen. Das liegt auch im Interesse des Bischofs. Denn der Bischof möchte für die katholische Kirche da sein. In diesem Zusammenhang empfehle ich zu beten. Denn so sehr wir Gott und Christus in unseren Mitmenschen zu dienen vermögen - ohne Gebet fehlt unseren Dienst an Gott Entscheidendes. Zu "Bitten und Gebeten, Fürbitte und Danksagung" fordert uns Paulus in der 2. Lesung aus dem 1. Timotheus-Brief auf, " und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und alle, die Macht ausüben". Die Begründung ist, dass "Gott will, dass alle Menschen gerettet werden". Beides korrespondiert miteinander. Wir sind eingeladen mitzuhelfen, dass Gottes Plan für die Welt und die Menschen wirklich wird. Dass daher unsere Gebet nicht nur um uns selbst oder die uns nahestehenden Menschen kreisen, sondern alle einschliessen sollen. Dass solches beten nicht wirkungslos ist, sondern die Welt verändern kann, gehört zu meinen tiefsten Überzeugungen, mögen wir das auch meist nicht unmittelbar erfahren. Wo gebetet wird, ist der Mensch ein anderer und die Welt eine andere als wo nicht gebetet wird. Daher ist auch eine Pfarrei, in der Gebet einen grossen Stellenwert hat, eine andere und tiefere als eine, in der Gebet ein stiefmütterliches Dasein fristet.
Statt resigniert und faulenzerisch zu lamentieren, sollte fromme Katholiken die Chance packen und zugreifen. Die meisten Kirchgemeinden werden nur von einer sehr kleinen Zahl kooptierter Leute verwaltet. Nur sehr wenige besuchen die Kirchgemeindeversammlungen, welche die Exekutive wählen. Diese Chance gilt es zu packen mit Gottes Segen.
Auch früher, waren es oft zivile, weltlich Herrschaften, welche die Kirche gefördert haben und das kann heute mehr den je möglich werden durch die bestehenden Kirchgemeinden. Auf!
Einerseits sollten wir m.E. von Gott nicht als unserer Mutter sprechen. Das verwirrt nur und lenkt von der Glaubenswahrheit ab, dass Gott in Tat und Wahrheit unser Vater ist und es auch sein will. Nicht umsonst beginnt unser Glaubensbekenntnis mit: «Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen.»
Zum anderen glaube ich, dass es nicht genügt in einer Welt, welche Gott weitgehend verloren hat, nur Jesus Christus (oder gar nur Jesus) zu verkünden. Wir müssen wieder bei Adam und Eva beginnen, das heisst bei Gott und seiner ganzen, dreifaltigen Macht und Herrlichkeit, und bei all den anderen grundlegenden Wahrheiten unseres Glaubens.
Wie gesagt, wir müssen mit unserer Verkündigung wieder bei Adam und Eva beginnen. Und das heisst auch, dass wir Gott als Gott verkünden, weitaus anders und grösser als wir ihn uns vorstellen und es in menschlichen Worten ausdrücken können. Dazu gehört dann auch, dass wir jede Art von Vermenschlichung und Verharmlosung Gottes vermeiden, und möglichst bei dem bleiben, was uns Christus, der Herr, als «Botschaft vom Vater» gebracht hat.