Die Anbetung des mystischen Lamms, Jan van Eyck, 15. Jahrhundert, Genter Altar, St. Bravo-Kathedrale, Gent. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Kommentar

Das Leben als Hoch­zeits­vor­be­rei­tung verstehen

Im fünf­ten Gesätz des Trost­rei­chen Rosen­kran­zes beten wir: «Jesus, der alles voll­en­den wird». In einer Zeit vol­ler Ver­un­si­che­run­gen, Kri­sen und Erschüt­te­run­gen kann es hilf­reich sein, den Blick auf das ewig blei­bende Ziel zu rich­ten. Die­sen Blick wagt der Pries­ter Leo Tan­ner in sei­nem Buch «Freu dich, Maria. Ein Gruss ver­än­dert die Welt­ge­schichte. Bib­li­sche Betrach­tun­gen der 25 Geheim­nisse des Rosenkranzes».

Das Gericht Gottes führt zur Vollendung, denn Gericht bedeutet, dass die Zeit des Teufels und der Mächte der Finsternis endgültig und für immer vorbei ist. Dann geschieht, was Jesus angekündigt hat: «Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden» (Joh 12,31). Der Teufel und seine Anhänger werden, wie es die Offenbarung sagt, in den Feuersee geworfen (vgl. Offb 20,10).

Jesus sagt weiter: «Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen» (Joh 12,32). Nun beginnt die erlösende Liebe des Kreuzes, alle und alles zu umfassen. Jesus wird alles, was durch Teufel, Sünde und Tod verletzt wurde, heilen und wiederherstellen. Das gilt für uns persönlich und für alle Beziehungen.

Jesus wird alles gerade richten, was verbogen wurde. Er wird den aufrichten, der gedemütigt wurde. Und den, der sich selbst durch seine Taten entwürdigt hat, wird Er wiederherstellen. Er wird für alle Menschen umfassende Gerechtigkeit herstellen. Alle, die in der Welt Unrecht erlitten haben, werden ihr Recht erhalten und völlig rehabilitiert werden. Das gilt auch für die abgetriebenen Kinder. Alle werden für immer ihr Recht, ihre Ehre und Würde erhalten.

Einige Aspekte der Vollendung aus der Offenbarung des Johannes:

Alles wird neu
Am Ende der Zeit, am Jüngsten Tag, kommt die ganze Schöpfung zu ihrer endgültigen Bestimmung. Dann erfüllt sich, was Paulus schreibt: «Die Schöpfung soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt» (Röm 8,21–22). Und dann sieht Johannes diese Geburt, den «neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen» (Offb 21,1). Gott schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde, wo es keinen Schmerz, kein Leid, keine Tränen mehr gibt. Alles wird vollkommen sein.

Ergreifend, was Gott nun tut: «Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron sass, sprach: Seht, ich mache alles neu» (Offb 21,4–5). Zärtlich und liebevoll wird Gott «alle Tränen aus den Augen abwischen». Er wird allen Schmerz und alles Leid heilen. «Der Tod wird nicht mehr sein.» Niemand wird mehr sterben. Es wird nichts mehr geben, was uns traurig macht. Nichts, worüber wir uns beklagen können. Nichts wird mehr mühsam sein. «Seht, ich mache alles neu!»

«Alles» meint wirklich alles! Unser Herz wird neu, rein, durch und durch gut werden. Neid und Eifersucht gibt es nicht mehr. Jede Beschämung ist weg, alle Schuld getilgt. Jesus heilt alle Wunden und belastenden Erinnerungen. So werden all unsere Beziehungen geheilt sein.

Alle Menschen, die einander verletzt haben und sich schwer miteinander taten, werden in inniger Liebe miteinander verbunden sein. Ihre Beziehungen sind durchstrahlt von der göttlichen Liebe Jesu. Wir werden niemandem mehr aus dem Weg gehen – im Gegenteil: Wir alle werden uns aneinander in alle Ewigkeit freuen. Wir werden uns voll Dankbarkeit über das freuen, was jeder von uns ganz persönlich ist, und uns zugleich aus ganzem Herzen über das strahlende Geheimnis jedes anderen freuen.

Gottes Herrlichkeit leuchtet
Dieses Neuwerden hat noch eine weitere Dimension: Wir werden mit allen Geschöpfen in Gott eine glückliche, vollkommene Gemeinschaft sein, «die heilige Stadt Jerusalem, die himmlische Kirche. Sie kommt von Gott her aus dem Himmel herab», das heisst aus Gottes heilendem und erlösendem Wirken, und ist «erfüllt von der Herrlichkeit Gottes» (vgl. Offb 21,10–11a). Die in den Dreck gezogene, verfolgte, gedemütigte, beschämte und durch ihre eigene Sünde beschmutzte Kirche wird rehabilitiert und vollkommen geheilt sein. Sie wird nur noch strahlen und leuchten.

Die Erlösten «werden sein Angesicht schauen und sein Name ist auf ihre Stirn geschrieben. Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit» (Offb 22,4–5). Nun wird das Antlitz Gottes über uns leuchten. Wir müssen nicht mehr an Gott glauben, denn jetzt schauen wir Ihn von Angesicht zu Angesicht. Wir werden den Namen Gottes auf der Stirn tragen, ein Zeichen dafür, dass wir verwandelt sind in das Bild Jesu und die ganze Herrlichkeit Gottes auf unserem Leben ist. Wir werden diesem Gott dienen und «herrschen in alle Ewigkeit». Was für eine Freude!

Die Hochzeit des Lammes
Gott hat bereits vor der Schöpfung den Plan gefasst, sich in Seinem Sohn mit dem Menschen wesensgleich zu vereinen. Deshalb hat Jesus von Maria die menschliche Natur erhalten. Wir Menschen erhalten in und durch Jesus Christus Anteil an Seiner göttlichen Natur (vgl. 2 Petr 1,4). Im Plan Gottes geht es um liebende Vereinigung, um Vermählung, um Hochzeit.

Deshalb hat Gott die Schöpfung auf Seinen Sohn Jesus Christus hin geschaffen. Er ist der absolute Mittelpunkt. Um Ihn geht es. Um Ihn dreht sich alles. «Denn in ihm wurde alles erschaffen […] alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen» (Kol 1,16). «Christus ist der Mittelpunkt des Weltalls, um Christi willen wurde der Mensch, für den Menschen aber wurde die Erde mit all ihren Gütern geschaffen!» (Franz von Sales).

Das Ziel der ganzen Heilsgeschichte ist die Vereinigung des Bräutigams mit der Braut. Es wird die «Hochzeit des Lammes sein». Für Seine Braut hat sich Jesus, der Sohn Gottes, als Lamm Gottes am Kreuz hingegeben. Damit hat Er Seiner Braut gezeigt: «Das tue Ich für dich! So sehr liebe Ich dich!» Er hat sich für sie hingegeben, um sie schön, rein, und heilig zu machen (vgl. Eph 5,25–27), um sie «in strahlend reines Leinen zu kleiden» (Offb 19,8).

Dann kommt es zur Hochzeit: «Wir wollen uns freuen und jubeln und ihm die Ehre erweisen. Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes und seine Frau hat sich bereit gemacht» (Offb 19,7). Als Seine Braut und Frau werden wir hineingenommen in eine ewige Hochzeitsfeier, in ein ewiges beglückendes Miteinander. Dieses ewige Hochzeitsfest wird nie langweilig werden. Es wird sprühen von Leben und ist voll von neuen Überraschungen. In Jesus Christus werden wir hineingenommen in die ewige Liebe der Dreifaltigkeit, in ein sich steigerndes Fest der Liebe ohne Ende.

Wenn Jesus souverän in Seiner Liebe über allem und in allem herrscht, ist Seine Sendung erfüllt. Das Reich Gottes ist vollendet. Dann wird Jesus, «der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei» (1 Kor 15,28). Dann werden Freude, Liebe, Friede, Wahrheit, Jubel, Glück … herrschen in alle Ewigkeit. Das ist die Vollendung: ein Zustand vollendeter Glückseligkeit, eines wunderbaren Lebens- und Liebesaustausches mit dem Dreifaltigen Gott und der Gemeinschaft der Menschen untereinander.

Publikation des Textes mit freundlicher Genehmigung von Leo Tanner.
 

Leo Tanner, Freu dich, Maria. Ein Gruss verändert die Weltgeschichte. Biblische Betrachtungen der 25 Geheimnisse des Rosenkranzes. WeG Verlag 2024. 216 Seiten, ISBN 978–3–906855–21–9. Fr. 22,90. Link


Redaktion


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