Sie mussten aus verschiedenen Gründen etwas länger warten, bis Sie zum Priester geweiht wurden. Wie geht es Ihnen jetzt, wenige Tage nach der Weihe?
Ich kann es nicht ganz genau sagen. Ich bin sehr berührt von der Weihe und von diesem besonderen Blick, mit dem Jesus mich angeschaut hat. Ich fühle mich sehr klein angesichts der Aufgabe, die Gott mir anvertraut hat. Die Freude ist aber sehr gross. Lange habe ich mich auf diesen Schritt vorbereitet und sehr viele Stunde im Gebet verbracht und mit Gott gerungen. Nun durfte ich ihm mein freudiges JA sagen.
In der Weiheliturgie haben Sie nach der Salbung Ihrer Hände mit Öl das Tuch, mit dem Sie Ihre Hände abgetrocknet haben, Ihrer Mutter gegeben. Wie erlebten Sie diesen konkreten Moment?
Meine Eltern sind schon früher an Priesterweihen von einigen meiner Freunde mitgekommen und sahen einmal diesen schönen Ritus. Ein Kollege erklärte mir, dass dieses Tuch, das schön bestickt ist und mit Chrisamöl der Salbung der Hände getränkt ist, ein Geschenk für die Mutter sei. Wenn die Mutter des Priesters stirbt, wird dann das Tuch in ihren Sarg gelegt. Die Bedeutung dahinter ist, dass am jüngsten Tag die Mutter dieses Tuch in der Hand halten wird als Zeichen, dass sie der Kirche einen Priester geschenkt hat.
Meine Mutter fand das besonders eindrücklich und so habe ich den Wunsch geäussert, ihr dieses einzigartige Geschenk machen zu dürfen. Als ich ihr während der Feier das Tuch übergab, war sie zu Tränen gerührt, und das hat mich tief bewegt.
In Ihren Dankesworten sagten Sie: «Ich bin stolz, ab heute zu der grossen Familie des Presbyteriums zu gehören.»
Durch die Weihe wird der Kandidat ein Mitglied des Presbyteriums, sprich der Gemeinschaft der Priester. Im Zölibat wird Ehelosigkeit versprochen, aber nicht Beziehungslosigkeit. Jeder Mensch, so auch ein Priester, ist zur Gemeinschaft berufen. Der Priester gehört auch zu einer Familie, nicht zur menschlichen, aber wohl zur Familie derer, die auch Priester sind. Jesus hat seine Jünger immer zu zweit ausgesandt, um das Evangelium zu verkünden; es ist eine Aufgabe, die man nicht allein erfüllen kann. Es ist sehr wichtig für einen Priester, gute Kollegen, aber auch besonders gute Priester Kollegen zu haben.
Sie kommen aus dem Puschlav und arbeiten aktuell in der Pfarrei Küsnacht-Erlenbach. Wie verträgt sich das südliche Temperament und mit der Zürcher Nüchternheit?
Das ist eine interessante Frage (lächelt). Ich wohne schon seit 2013 in der deutschsprachigen Schweiz. Ich kann mich sehr gut erinnern, dass das erste Jahr für mich sehr schwierig war. Die deutschsprachige Kultur ist definitiv kühler als die italienischsprachige. Mit den Jahren habe ich gelernt, die positiven Seiten, wie zum Beispiel die Ordnung, Pünktlichkeit und Genauigkeit zu schätzen.
In der Pfarrei geht es mir ähnlich: Am Anfang war mein Temperament sowohl für meine Mitarbeiter als auch für die Leute gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig haben sie schnell begonnen, meine offene und lustige Art als etwas anzusehen, was zu mir und meiner Herkunft gehört. Meine offene Art kommt mir immer zugute in der Seelsorge, da ich ganz leicht auf Menschen zugehen kann und keine «Angst» habe, sie anzusprechen.
Im Interview vor der Diakonenweihe sagten Sie: «Die Liturgie lässt etwas von der Schönheit Gottes in diese Welt hineinleuchten. Der Priester hat die grossartige Aufgabe, diese Schönheit zu feiern und den Schönen schlechthin anzubeten.» Nun dürfen Sie diese Schönheit feiern. Was beeindruckt Sie am meisten?
Dass Jesus sich in meinen Händen schenkt. Wenn ich die Hostie erhebe, geht mir oft dieser Satz durch den Kopf: «Ich halte den, der mich hält.» Ich kann es nicht fassen, dass ich die Heilige Messe feiern darf. Das übersteigt jede Beschreibung. Und ich bin unglaublich berührt zu sehen, schon in diesen wenigen Tagen, wie Gott durch mich wirkt und andere Menschen heilsam berührt.
Sie baten um die Priesterweihe in einer Zeit, in der viele Menschen der Kirche den Rücken kehren. Gleichzeitig verzeichnen verschiedene Länder wie Frankreich oder England eine kontinuierliche Zunahme an Erwachsenentaufen. Gibt Ihnen das Hoffnung?
Die Kirche gehört nicht uns, sie gehört nicht den Menschen und auch nicht den Priestern. Die Kirche gehört Gott. Sie ist sein Werk in der Geschichte und er führt und lenkt die Geschichte so, dass alle Menschen zum Glauben an ihn kommen können. Ich habe in meinem Herzen den Ruf Gottes verspürt, Priester zu werden und habe ihm mein JA gegeben. So wie durch das JA Mariens Jesus Mensch werden konnte, so kann er auch heute wieder Mensch werden im Herz all jener, die ihm ihr JA geben. Wenn wir Christen wieder glaubwürdig werden, wenn wir es schaffen, das Evangelium – und nicht unsere Ideen – zu verkünden, werden die Menschen wieder den Glauben an Gott finden. Das deutlichste Zeichen, dass Jesus seine Kirche nicht verlässt, ist, dass er immer wieder Menschen beruft, sich ihm ganz zu schenken, damit er durch sie wirken und heilen kann. Jeder Mensch, der JA zum Plan Gottes sagt, ist für mich immer Grund grosser Hoffnung. Ich hoffe, dass ich durch mein Leben ein Zeuge der Freude sein kann, die aus der Nachfolge Jesu erwächst.
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