(Symbolbild: James Qualtrough/Unsplash)

Kommentar

Dem Pes­si­mis­mus trotzen

Die aktu­elle Welt­lage, aber auch die Situa­tion in der Kir­che löst in vie­len Men­schen Unsi­cher­heit oder gar Angst aus und führt zu Pes­si­mis­mus. In sei­nem Gast­kom­men­tar erin­nert Clau­dio Tes­sari daran, dass wir Hilfs­mit­tel zu einem Leben in Hoff­nung besitzen.

Wir leben in einer Zeit grosser Unsicherheit. Zölle, Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen – es scheint, als stünde die Welt Kopf. Viele Menschen sind von Sorgen geplagt. Kommt der Dritte Weltkrieg? Oder sind wir schon mittendrin?

Ja, man kann leicht in eine pessimistische Haltung verfallen. Doch was lehrt uns unser Herr Jesus Christus?

Er ruft uns auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen (vgl. Mt 16,3), warnt uns jedoch gleichzeitig, uns kein Urteil über den Zeitpunkt Seiner Wiederkunft anzumassen:
«Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater» (Mt 24,36).

Leider gibt es auch innerkirchlich sogenannte «Seher», die von der Kirche nicht anerkannt sind und deren Botschaften oftmals Angst statt Vertrauen säen. Wir sollen wachsam sein, ja – aber mit einem Herzen voller Hoffnung, nicht voller Panik.

Der heilige Augustinus mahnt uns:
«Wenn wir also das Ende lieben, das Christus ist, brauchen wir das Ende der Welt nicht zu fürchten.»

Die Krise der Kirche erkennen – aber nicht verzweifeln
Es ist wahr: Auch in der Kirche erleben wir heute eine grosse Krise. Der Glaube schwindet, viele Menschen verehren mehr sich selbst als Gott – ein deutlicher Ausdruck dessen, was Papst Benedikt XVI. als «Diktatur des Relativismus» bezeichnete.

Doch die Kirche hat schon viele Prüfungen durchlebt: Verfolgungen, Apostasien, Häresien. Und doch hat sie Bestand gehabt, weil sie der mystische Leib Christi ist (vgl. KKK 795). Der heilige Kirchenlehrer Gregor der Grosse sagte schon im 6. Jahrhundert: «Oft scheint das Schiff der Kirche unterzugehen, und doch wird es nie untergehen, denn der Herr ist in ihm» (Homiliae in Evangelia, Hom. 38).

Viele Katholiken haben durch den Einfluss des Relativismus den Blick für den geistigen Kampf verloren. Dabei erinnert uns der heilige Paulus unmissverständlich: «Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen» (Eph 6,12).

Der Gebrauch der Sakramentalien (wie Weihwasser, gesegnete Medaillen oder das Tragen des Skapuliers) ist ein wertvoller geistlicher Schatz, den die Kirche uns anvertraut hat. Wie KKK 1677 betont, dienen Sakramentalien dazu, «verschiedene Lebensumstände zu heiligen» und die Gläubigen «auf die Kraft der Sakramente vorzubereiten».

Was sollen wir also tun?
So handeln, wie es die Heiligen aller Zeiten getan haben: unsere Hoffnung allein auf Jesus Christus setzen, unser Leben in seinen Dienst stellen und den geistlichen Reichtum der Kirche nützen.

Die heilige Jungfrau Maria hat uns in Fatima einen einfachen, aber kraftvollen Weg gezeigt:

  • Gebet, besonders den täglichen Rosenkranz
  • Opfer für die Bekehrung der Sünder
  • ein Leben in Umkehr, Busse und Wiedergutmachung

Sie sagte: «Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren» (Botschaft von Fatima, 13. Juli 1917).

Und weiter: «Es gibt kein Problem, sei es geistlich oder weltlich, das nicht durch den Rosenkranz und meine Unbefleckte Empfängnis gelöst werden kann.»

Unser Herr fordert uns auf, jederzeit bereit zu sein:
«Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt» (Mt 24,42).

Darum: Auch wenn uns die Situation in Welt und Kirche schmerzt, so dürfen wir doch nicht verzweifeln. Wie Gamaliël im Neuen Testament sagt: Ist dieses Werk von Menschen, wird es untergehen; ist es aber von Gott, könnt ihr es nicht vernichten (vgl. Apg 5,38–39).

Dem Pessimismus trotzen wir, indem wir:

  • den katholischen Glauben unverkürzt bekennen,
  • unsere Leiden aufopfern,
  • die Sakramente häufig empfangen,
  • Sakramentalien gläubig verwenden,
  • und den Rosenkranz beten, täglich, treu, mit kindlicher Hingabe.

So leben wir in der wahren Hoffnung, die Christus selbst ist – «Anker unserer Seele» (vgl. Hebr 6,19).


Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.


Claudio Tessari

Stiftungsrat von «Mission Maria» und Kirchenpfleger Katholische Kirche Wald


Kommentare und Antworten

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Bemerkungen :

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    Hansjörg 08.08.2025 um 20:09
    Herr Tessari sieht nur noch schwarze Wolken am Himmel. Dabei ist die heutige Zeit in vielen Punkten besser den je. Darf ich daran erinnern, dass die Lebenserwartung noch nie so hoch war wie jetzt, dass die Kindersterblichkeit laufend sinkt, und dass wir dank medizinischen Fortschritten viele ansteckende Krankheiten ausgemerzt haben.

    In einem gebe ich Herr Tessari aber recht, noch immer sterben weltweit um die 20 000 Kinder pro Tag mangels genügen Ernährung, mangels sauberem Wasser, oder mangels notweniger Medizin.
    Selbst glaube ich aber nicht, dass Rosenkranz beten da etwas helfen kann, weit wirksamer wären Landwirtschaft und gerechte Verteilung.
    • user
      Joseph Laurentin 09.08.2025 um 07:34
      Hans-Jörg, Sie messen das Wohl der Menschheit in Lebenserwartung, Impfquote und Ernteertrag – als wäre das Ziel des Menschen ein möglichst bequemes Dasein bis zum unvermeidlichen Tod. Aber was nützt ein volles Bankkonto oder ein voller Magen, wenn die Seele leer bleibt? Es ist weniger schlimm, zu hungern, als ewig verloren zu gehen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Mt 4,4) – sein höchstes Ziel ist, Gott zu erkennen, Ihm zu dienen, Ihn zu lieben und einst den Himmel zu erlangen. In diesem Sinn ist Herrn Tessaris klarer Ruf zu geistlicher Wachsamkeit und ewiger Hoffnung ein wohltuender Kontrapunkt zum rein weltlichen Denken.
      • user
        Hansjörg 09.08.2025 um 10:03
        "Es ist weniger schlimm, zu hungern, als ewig verloren zu gehen."

        Als Wohlgenährter kann der obige Satz gut in die Welt posaunt werden. Aber sagen Sie diese Weisheit auch den Hungernden?
    • user
      Daniel Ric 09.08.2025 um 08:52
      Sicherlich lassen sich objektiv gewisse Verbesserungen feststellen, was die materielle Situation der Menschheit anbelangt. Ihre Aussage, wonach der Rosenkranz hier nichts hilft, ignoriert die historische Tatsache, dass es gerade die Klöster waren, die mit ihrer Arbeitsdisziplin und vielen Erfindungen zum wirtschaftlichen Wohl Europas beigetragen haben. Die Innerlichkeit (Ora) und die äussere Tätigkeit (Labora) gingen hier Hand in Hand. Wie die Zukunft aussehen wird, steht offen. Jedenfalls steht für mich ausser Zweifel, dass Europa und der ganze Westen von einer Religiosität zehrt, welche den jetzigen Wohlstand erst ermöglicht hat. Deswegen wäre es doch ratsam, auch für Sie, den Rosenkranz in die Hand zu nehmen und zu beten.
      Was Herr Tessari aber anspricht, ist die heutige Mutlosigkeit und Verzweiflung, die viele Menschen beherrscht. Gerade junge Menschen verfallen sehr häufig in Depressionen und psychische Probleme. Dies ganz ohne die "böse" Kirche, die den Menschen Schuldgefühle macht, was ja der "grosse" Erklärungsansatz Ihrer Generation für die seelischen Leiden der Menschheit war. Und da teile ich die Meinung von Herrn Tessari voll und ganz, dass die Hinwendung zu Gott neue Lebenskraft und Optimismus schenkt.
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      Martin Meier-Schnüriger 09.08.2025 um 14:44
      Nein, lieber Hansjörg: Wenn Sie Ihre modernistische Brille für einen Moment weglegen, werden Sie dem Gastkommentat von Herrn Tessari sehr viel Hoffnung und Zuversicht entnehmen können. Und wenn Sie sich etwas genauer mit der Weltgeschichte befassen, werden Sie feststellen, dass die Hilfe Gottes oft genug mit Händen zu greifen war. Ohne die Erscheinung der Muttergottes Maria in Guadaloupe (Mexiko) hätte sich das Christentum in Lateinamerika nie ausbreiten können. Ohne den Rosenkranz-Sühnekreuzzug von P. Petrus Pavlicek hätte die damalige Sowjetunion die von ihr besetzten Teile Österreichs nie freigegeben. Ohne die Wahl des Polen Karol Wojtila zum Papst wäre der "Eiserne Vorhang" nicht gefallen. Und last, but not least: Ohne die schützende Hand unseres Landespatrons, des hl. Bruder Klaus, wäre die Schweiz im 2. Weltkrieg nicht verschont geblieben.
      • user
        Johanna-Jessica OFS 10.08.2025 um 07:51
        Lieber Herr Meier-Schnüriger
        von Herzen danke ich Ihnen, für diesen schönen und eindrucksvollen Kommentar — auch ich lese in diesem Gastbeitrag eine hoffnungsvolle Perspektive, in einer Zeit, in der sich sämtliche Leitmedien nur noch an Katastrophenmeldungen ergötzen... Als Millenial gehöre ich einer Generation an, die es nötiger denn je hat, zum Rosenkranz und zu unseren gesellschaftlichen Ursprüngen zurück zu kehren. Ich sehe, wie viele, junge Menschen nur noch auf Konsum bauen; auch auf den Konsum von Medien, ohne zu hinterfragen. So lassen sie sich, mangels des Hinwendens zu Gott, nur zu gerne von der vermittelten Perspektivenlosigkeit und Verzweiflung anstecken... Beten wir für sie alle, und werden wir nicht müde, die Hoffnung des HERRN in die Welt zu tragen.