Der heilige Christophorus wird nicht nur in der Katholischen Kirche verehrt, sondern auch in den orthodoxen Kirchen und in einigen anglikanischen Gemeinschaften, sein Name erscheint sogar im Evangelischen Namenkalender. Man trifft Bilder, Plaketten oder Kleber mit seinem Abbild in vielen Autos – selbst, wenn die Fahrer sich nicht als religiös bezeichnen würden. Und das, obwohl es über ihn kaum historische Fakten gibt. Was macht Christophorus so beliebt?
Ungeheuer und Esel zugleich
Die östliche Legende, enthalten in einer Handschrift aus dem 8. Jahrhundert, erzählt, dass er eigentlich Reprobus (der Verworfene) hiess. Er war ein hundsköpfiges Ungeheuer, das nach dem Empfang der Taufe wundersam die Sprache erlernte und den Namen Christophorus erhielt. Er zog predigend umher. In Lykien steckte er seinen eisernen Stab in den Boden, der darauf grünte und blühte – 8000 Menschen bekehrten sich angesichts dieses Wunders. Der König versuchte, ihn zu verhaften, doch die zunächst 200 ausgesandten Soldaten konnten den Riesen nicht überwältigen, da er aus dem Gebet übermenschliche Kräfte erhielt. Als der König nochmals 200 Soldaten schickte, bekehrten sich diese durch die Worte Christophorus und wurden darauf vom König enthauptet. Die Pfeile der ausgesandten 400 Bogenschützen sollen in der Luft stehen geblieben sein. Schlussendlich wurde Christophorus gefangengenommen, gefoltert und schliesslich enthauptet.
Eine mögliche Erklärung für die Darstellung von Christophorus als Riese mit einem Hundskopf könnte darin liegen, dass er Christus bis zum Martyrium in seinem Herzen getragen hat, so, wie der Esel am Palmsonntag Jesu nach Jerusalem getragen hat. Aus der Abbildung von Christophorus mit einem Eselskopf wurde im Laufe der Zeit das heute noch überlieferte Bild des Heiligen mit einem Hundskopf.
Gemäss einer Inschrift in einer Kirche in Haidar Pascha (Türkei) wurde am 22. September 452 in der Konzilsstadt Chalcedon eine Kirche «des heiligen Christophorus» geweiht. Über die byzantinischen Pilgerstrassen gelangte die Verehrung des Heiligen im 6. Jahrhundert nach Ravenna und dann über Frankreich und Spanien in den Westen.
Auf der Suche nach dem mächtigsten Herrn
In seiner «Legenda aurea», einer Sammlung von Heiligenleben und -legenden aus dem 13. Jahrhundert, legte der Dominikaner Jacobus de Voragine eine andere Überlieferung vor: Reprobus wollte dem mächtigsten Herrn dienen. Er glaubte, ihn in der Gestalt eines Königs gefunden zu haben, doch dieser bekreuzigte sich bei der Nennung des Teufels. Reprobus verliess ihn und trat in den Dienst des Teufels. Doch als dieser ein Kreuz am Weg sah, machte er einen grossen Bogen um dieses. Also verliess Reprobus auch den Teufel, weil er nicht der mächtigste Herr war. Schliesslich traf er einen frommen Einsiedler, der ihm den Rat gab, Gott zu dienen, denn nur Gottes Macht sei unbegrenzt. Er solle aufgrund seiner grossen Gestalt, die ihm Gott als Gabe geschenkt habe, Reisende auf seinem Rücken über einen gefährlichen Fluss tragen. Darüber werde sich Christus so freuen, dass er ihm eines Tages erscheinen würde. So verrichtete Reprobus getreulich seinen Dienst. Eines Tages nahm er ein Kind auf die Schulter, um es über den Fluss zu tragen. Je weiter er in den Fluss hinein schritt, desto schwerer schien das Kind zu werden, bis er schlussendlich glaubte, die ganze Welt auf seinen Schultern zu tragen. Als er endlich erschöpft das andere Ufer erreichte und dem Kind sein Eindruck schilderte, antwortete es: «Wundere dich nicht, Christophorus [Christusträger], denn du hast nicht nur die ganze Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat. Ich bin Christus, dein König, dem du mit dieser Arbeit dienst.»
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Dabei gehört die Christophorus-Legende zu den Geschichten um "Erlösumg" dieser Elementargeister als einer Art Halbmenschen, siehe die Nymphen, die sich nach Erlösung durch die Taufe sehnen. In diesem Sinn war Christophorus ein Riese, der durch das Tragen eines Kindes, des Jesuskindes, durch gefährliche Elemente den Weg zur Begegnung mit seinem Erlöser fand und dadurch ein "wahrer Mensch" wurde. Christus hingegen ist "wahrer Gott und wahrer Mensch", was der altrussische Glaube, derzeit in der Ukraine verfolgt, mit dem zweifingrigen Kreuzzeichen auszudrücken pflegte. Der Wechsel vom Kreuzzeichen mit zwei Fingern auf das mehr katholische dreifingrige Zeichen war in der Orthodoxen Kirche ähnlich umstritten wie in der Römisch-katholischen Kirche die Liturgie-Reform, provozierte Kirchenstreit mit schismatischem Charakter. Der heilige Protopope Awwakum liess sich deswegen verbrennen.