Christophorus-Darstellung aus dem 15. Jahrhundert. (Bild: Lawrence OP/Flickr, CC BY-NC 2.0)

Weltkirche

Der hei­lige Chris­to­pho­rus: unser Not­hel­fer und Vor­bild als Christusträger

Heute fei­ert die Kir­che im deutsch­spra­chi­gen Raum den hei­li­gen Chris­to­pho­rus. Obwohl von die­sem Hei­li­gen fast nichts über­lie­fert ist, füh­ren selbst wenig reli­giöse Men­schen ein Bild von ihm im Auto mit sich. Die wenigs­ten dürf­ten den Grund ken­nen, warum er der Patron der Auto­fah­rer wurde.

Der heilige Christophorus wird nicht nur in der Katholischen Kirche verehrt, sondern auch in den orthodoxen Kirchen und in einigen anglikanischen Gemeinschaften, sein Name erscheint sogar im Evangelischen Namenkalender. Man trifft Bilder, Plaketten oder Kleber mit seinem Abbild in vielen Autos – selbst, wenn die Fahrer sich nicht als religiös bezeichnen würden. Und das, obwohl es über ihn kaum historische Fakten gibt. Was macht Christophorus so beliebt?

Ungeheuer und Esel zugleich
Die östliche Legende, enthalten in einer Handschrift aus dem 8. Jahrhundert, erzählt, dass er eigentlich Reprobus (der Verworfene) hiess. Er war ein hundsköpfiges Ungeheuer, das nach dem Empfang der Taufe wundersam die Sprache erlernte und den Namen Christophorus erhielt. Er zog predigend umher. In Lykien steckte er seinen eisernen Stab in den Boden, der darauf grünte und blühte – 8000 Menschen bekehrten sich angesichts dieses Wunders. Der König versuchte, ihn zu verhaften, doch die zunächst 200 ausgesandten Soldaten konnten den Riesen nicht überwältigen, da er aus dem Gebet übermenschliche Kräfte erhielt. Als der König nochmals 200 Soldaten schickte, bekehrten sich diese durch die Worte Christophorus und wurden darauf vom König enthauptet. Die Pfeile der ausgesandten 400 Bogenschützen sollen in der Luft stehen geblieben sein. Schlussendlich wurde Christophorus gefangengenommen, gefoltert und schliesslich enthauptet.

Eine mögliche Erklärung für die Darstellung von Christophorus als Riese mit einem Hundskopf könnte darin liegen, dass er Christus bis zum Martyrium in seinem Herzen getragen hat, so, wie der Esel am Palmsonntag Jesu nach Jerusalem getragen hat. Aus der Abbildung von Christophorus mit einem Eselskopf wurde im Laufe der Zeit das heute noch überlieferte Bild des Heiligen mit einem Hundskopf.

Gemäss einer Inschrift in einer Kirche in Haidar Pascha (Türkei) wurde am 22. September 452 in der Konzilsstadt Chalcedon eine Kirche «des heiligen Christophorus» geweiht. Über die byzantinischen Pilgerstrassen gelangte die Verehrung des Heiligen im 6. Jahrhundert nach Ravenna und dann über Frankreich und Spanien in den Westen.

Auf der Suche nach dem mächtigsten Herrn
In seiner «Legenda aurea», einer Sammlung von Heiligenleben und -legenden aus dem 13. Jahrhundert, legte der Dominikaner Jacobus de Voragine eine andere Überlieferung vor: Reprobus wollte dem mächtigsten Herrn dienen. Er glaubte, ihn in der Gestalt eines Königs gefunden zu haben, doch dieser bekreuzigte sich bei der Nennung des Teufels. Reprobus verliess ihn und trat in den Dienst des Teufels. Doch als dieser ein Kreuz am Weg sah, machte er einen grossen Bogen um dieses. Also verliess Reprobus auch den Teufel, weil er nicht der mächtigste Herr war. Schliesslich traf er einen frommen Einsiedler, der ihm den Rat gab, Gott zu dienen, denn nur Gottes Macht sei unbegrenzt. Er solle aufgrund seiner grossen Gestalt, die ihm Gott als Gabe geschenkt habe, Reisende auf seinem Rücken über einen gefährlichen Fluss tragen. Darüber werde sich Christus so freuen, dass er ihm eines Tages erscheinen würde. So verrichtete Reprobus getreulich seinen Dienst. Eines Tages nahm er ein Kind auf die Schulter, um es über den Fluss zu tragen. Je weiter er in den Fluss hinein schritt, desto schwerer schien das Kind zu werden, bis er schlussendlich glaubte, die ganze Welt auf seinen Schultern zu tragen. Als er endlich erschöpft das andere Ufer erreichte und dem Kind sein Eindruck schilderte, antwortete es: «Wundere dich nicht, Christophorus [Christusträger], denn du hast nicht nur die ganze Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat. Ich bin Christus, dein König, dem du mit dieser Arbeit dienst.»
 


Aufgrund dieser Legende wird der heilige Christophorus im Westen seit dem 12. Jahrhundert als Riese dargestellt, der das Christuskind auf dem Rücken über einen Fluss trägt. Da die Anrufung des Heiligen vor einem plötzlichen Tod bewahren soll, wurden sein Bild an vielen Kirchen, Toren und Türmen angebracht. Bekannt sind die überdimensionalen Christophorusdarstellungen (meist) an der Aussenwand von Kirchen. Im Barock war Christophorus auf Pestsäulen gegenwärtig und Hospize, Pilgerhäuser sowie Bruderschaften wurden nach ihm benannt.

Doch seine Verehrung wurde bereits im 15. Jahrhundert oft kritisch betrachtet; mehrere Lokalsynoden verboten gar seinen Kult. Dies, weil aus dem Glauben an die Fürbitte des heiligen Christophorus zum Teil ein Aberglaube geworden war: Der Blick auf das Christophorusbild sollte vor dem plötzlichen Tod schützen und nicht mehr Christus. So gab es den Spruch

Christophore sancte, virtutes sunt tibi tantae,
Qui te mane videt, nocturno tempore ridet.
Christophori sancti, speciem quicumque tuetur,
Ista nempe die non morte mala morietur.
Christophorum videas, postea tutus eas.

(Heiliger Christophorus, deine Tugenden sind so gross, dass jeder, der dich am Morgen sieht, bei Einbruch der Nacht voller Freude ist. Wer das Bild des heiligen Christophorus erblickt, der wird an jenem Tag gewiss keinen gewaltsamen Tod sterben. Schau auf Christophorus und du wirst danach sicher gehen.)

Bei der Überarbeitung des «Allgemeinen Römischen Kalenders» 1969 kam die «Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung» zum Schluss, dass es zu wenig historische Fakten zur Gestalt des heiligen Christophorus gebe und strich ihn kurzerhand aus dem Kalender. Aufgrund seiner stark verwurzelten Verehrung blieb er in einigen Regionalkalender erhalten, so auch im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet.

Schutz vor einem plötzlichen Tod auf Reisen
Der heilige Christophorus ist nicht nur einer der 14 Nothelfer, sondern auch Patron vieler Berufe, bei denen das Unterwegssein und ein plötzlicher Tod zusammenkommen können, wie z. B. Fuhrleute, Schiffer, Brückenbauer, Seeleute, Soldaten, Pilger, Reisende oder Chauffeure. Weiter ist er Patron gegen Pest, Seuchen, Epilepsie, unerwarteten Tod, Hagel, Augenleiden, Blindheit, Zahnweh, Wunden; gegen Feuer- und Wassergefahren oder Dürre.

Papst Pius XI. (1922–1939) ernannte ihn zum Schutzpatron für Autofahrer und Verkehrsmittel. Seitdem lassen viele Menschen ihr Auto in seinem Namen segnen oder führen ein Bild oder eine Plakette des heiligen Christophorus mit sich. Das «Benediktionale» kennt eine liturgische Segnung eines Christophorusbildes oder einer Christophorusplakette (S. 213). Ob ihnen bewusst ist, dass sie so auf die Fürsprache des Heiligen um Schutz vor einem plötzlichen Tod bitten?

Unabhängig davon, ob es die historische Gestalt des Christophorus gegeben hat oder sich der Ehrentitel «Christophorus» [Christusträger] für Märtyrer als Eigenname verselbstständigt hat – sein Gedenktag erinnert uns daran, dass es die Aufgabe von uns allen ist, Christusträger zu werden: Christus in unserem Herzen zu tragen, Christus als Gewand anzuziehen (Gal 3,27) und Christus zu den Menschen zu bringen.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    Meier Pirmin 24.07.2026 um 09:48
    Der heilige Christophorus, der wie sonst fast nur noch St. Nikolaus und St. Gotthard in der Schwiz zu den Passheiligen gezählt wird, ist in der alpenländischen Mythologie mit zahlreichen Legenden ausgestattet, die samt und sonders eine ehrfürchtige Betrachtung wert sind. Ohne Zweifel steht er im Schnittpunkt der germanischen Mythologie und christlichen Legenden, denen Walter Nigg aus Gersau, zwar evangelischer Theologe, das Prädikat "unvergänglich" beimass. Aus der Sicht des Liber de nymphis von Paracelsus gehört Christophorus zum Geschlecht der Riesen, einer Sorte von Elementargeistern, die in der Alpensage bis zuletzt der Walliser Legende von Wegerbaschi aus der Napoleonischen Zeit sich erhalten haben.

    Dabei gehört die Christophorus-Legende zu den Geschichten um "Erlösumg" dieser Elementargeister als einer Art Halbmenschen, siehe die Nymphen, die sich nach Erlösung durch die Taufe sehnen. In diesem Sinn war Christophorus ein Riese, der durch das Tragen eines Kindes, des Jesuskindes, durch gefährliche Elemente den Weg zur Begegnung mit seinem Erlöser fand und dadurch ein "wahrer Mensch" wurde. Christus hingegen ist "wahrer Gott und wahrer Mensch", was der altrussische Glaube, derzeit in der Ukraine verfolgt, mit dem zweifingrigen Kreuzzeichen auszudrücken pflegte. Der Wechsel vom Kreuzzeichen mit zwei Fingern auf das mehr katholische dreifingrige Zeichen war in der Orthodoxen Kirche ähnlich umstritten wie in der Römisch-katholischen Kirche die Liturgie-Reform, provozierte Kirchenstreit mit schismatischem Charakter. Der heilige Protopope Awwakum liess sich deswegen verbrennen.