Der heilige Josef führte lange ein Schattendasein. Die Bibel liefert nur wenige Angaben zu seiner Person: Markus erwähnt ihn überhaupt nicht, der Evangelist Johannes ein einziges Mal: «Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen?» (Joh 6,42). Etwas mehr über diesen Mann wissen Matthäus und Lukas zu berichten.
Es gibt noch einige Erzählungen in Apokryphen. Diese berichten unter anderem, dass Josef bei seiner Verlobung mit Maria bereits 80 Jahre alt gewesen sei – eine Aussage, die in den ersten Jahrhunderten unbesehen übernommen wurde.
Wie alt Josef war oder wann er gestorben ist, wissen wir nicht. Er wird weder bei der Hochzeit in Kana erwähnt noch im Zusammenhang mit der Kreuzigung. Wäre Josef bei der Kreuzigung anwesend gewesen, hätte er sich nach jüdischem Brauch um den Leichnam Jesu gekümmert; diese Rolle übernahm stattdessen Josef von Arimathäa. Auch hätte Jesus seine Mutter nicht der Obhut des Johannes anvertraut, wenn Josef noch gelebt hätte.
Von der Bedeutungslosigkeit zum verehrten Helfer
Bis ins Mittelalter beschränkten sich die Darstellungen des heiligen Josefs auf Ereignisse, von denen die Bibel oder Apokryphen berichten; dabei trat er immer als Greis in Erscheinung. Erst Raffael wagte es 1504 in seiner «Vermählung Mariä», Josef als kraftvollen, jüngeren Mann darzustellen. Ab dem 17. Jahrhundert, mit dem Erstarken der Josefs-Frömmigkeit, entstanden Andachtsbilder, die Josef allein oder mit dem Jesuskind zeigten – aber immer mit der Lilie als Zeichen seiner Keuschheit, um seine Rolle als Pflegevater deutlich zu machen. Im Barock verbreitete sich die Sterbeszene, die Josef im Beisein von Maria und Jesus darstellt. Viele Abbildungen zeigen Josef im Kreis der Familie, oft beim Arbeiten.
Die Verehrung Josefs dürfte zunächst in der koptischen Kirche üblich gewesen sein; darauf weisen zahlreiche Patrozinien der Heiligen Familie in Ägypten vor dem Jahr 1000 hin. Im Westen erscheint sein Festtag erstmals im Reichenauer Martyrologium (um 855); hier wird Josef als «Ioseph sponsus Mariae» (Josef, der Bräutigam Mariens) bezeichnet. Das Fest blieb auf die grossen Benediktinerabteien beschränkt. In den folgenden Jahrhunderten erhielt Josef zusätzliche Bezeichnungen wie «Ernährer des Herrn» oder «Beschützer des Herrn».
Ab dem 15. Jahrhundert beschäftigten sich Theologen (z. B. Bernhardin von Siena oder Pierre d’Ailly) mit der Gestalt des heiligen Josefs als Ehemann Marias und als «Verteidiger der Jungfräulichkeit Marias». Jean (Johannes) Gerson verfasste zahlreiche Schriften und Predigten über Josef, so die «Betrachtungen über den heiligen Josef» oder seine Predigt «Jacob autem genuit», gehalten auf dem Konzil von Konstanz am 8. September 1416.
Teresa von Ávila widmete ihm mehrere Klöster und machte ihn zum Schutzpatron des Ordens; auch die Jesuiten betrachten den heiligen Josef als ihren Schutzpatron.
Im 19. Jahrhundert erlebt die Josefs-Verehrung ihren Höhepunkt. Er gilt als Vorbild des fleissigen und sorgenden Familienvaters. Es wird üblich, in den Kirchen neben einer Marienfigur auch eine Statue des heiligen Josefs aufzustellen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Alle guten Wünsche an alle Leser von Swiss Cath.
https://youtu.be/o2rTWALNN34?is=deZM0ATsQkbck80E