Der Tod des Josef, Metropolitankathedrale Christkönig, Liverpool (GB). (Bild: Rosmarie Schärer/swiss-cath.ch)

Neuevangelisierung

Der hei­lige Josef: Ohne grosse Worte gross in der Tat

Pius IX. ver­traute dem hei­li­gen Josef die Katho­li­sche Kir­che an und Papst Pius XI. hoffte auf seine Hilfe im Kampf gegen den Kom­mu­nis­mus – obwohl Josef in der Bibel beharr­lich schweigt, sich im Hin­ter­grund hält und den Evan­ge­lis­ten nur wenige Zei­len wert ist.

Der heilige Josef führte lange ein Schattendasein. Die Bibel liefert nur wenige Angaben zu seiner Person: Markus erwähnt ihn überhaupt nicht, der Evangelist Johannes ein einziges Mal: «Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen?» (Joh 6,42). Etwas mehr über diesen Mann wissen Matthäus und Lukas zu berichten.

Es gibt noch einige Erzählungen in Apokryphen. Diese berichten unter anderem, dass Josef bei seiner Verlobung mit Maria bereits 80 Jahre alt gewesen sei – eine Aussage, die in den ersten Jahrhunderten unbesehen übernommen wurde.

Wie alt Josef war oder wann er gestorben ist, wissen wir nicht. Er wird weder bei der Hochzeit in Kana erwähnt noch im Zusammenhang mit der Kreuzigung. Wäre Josef bei der Kreuzigung anwesend gewesen, hätte er sich nach jüdischem Brauch um den Leichnam Jesu gekümmert; diese Rolle übernahm stattdessen Josef von Arimathäa. Auch hätte Jesus seine Mutter nicht der Obhut des Johannes anvertraut, wenn Josef noch gelebt hätte.

Von der Bedeutungslosigkeit zum verehrten Helfer
Bis ins Mittelalter beschränkten sich die Darstellungen des heiligen Josefs auf Ereignisse, von denen die Bibel oder Apokryphen berichten; dabei trat er immer als Greis in Erscheinung. Erst Raffael wagte es 1504 in seiner «Vermählung Mariä», Josef als kraftvollen, jüngeren Mann darzustellen. Ab dem 17. Jahrhundert, mit dem Erstarken der Josefs-Frömmigkeit, entstanden Andachtsbilder, die Josef allein oder mit dem Jesuskind zeigten – aber immer mit der Lilie als Zeichen seiner Keuschheit, um seine Rolle als Pflegevater deutlich zu machen. Im Barock verbreitete sich die Sterbeszene, die Josef im Beisein von Maria und Jesus darstellt. Viele Abbildungen zeigen Josef im Kreis der Familie, oft beim Arbeiten.

Die Verehrung Josefs dürfte zunächst in der koptischen Kirche üblich gewesen sein; darauf weisen zahlreiche Patrozinien der Heiligen Familie in Ägypten vor dem Jahr 1000 hin. Im Westen erscheint sein Festtag erstmals im Reichenauer Martyrologium (um 855); hier wird Josef als «Ioseph sponsus Mariae» (Josef, der Bräutigam Mariens) bezeichnet. Das Fest blieb auf die grossen Benediktinerabteien beschränkt. In den folgenden Jahrhunderten erhielt Josef zusätzliche Bezeichnungen wie «Ernährer des Herrn» oder «Beschützer des Herrn».

Ab dem 15. Jahrhundert beschäftigten sich Theologen (z. B. Bernhardin von Siena oder Pierre d’Ailly) mit der Gestalt des heiligen Josefs als Ehemann Marias und als «Verteidiger der Jungfräulichkeit Marias». Jean (Johannes) Gerson verfasste zahlreiche Schriften und Predigten über Josef, so die «Betrachtungen über den heiligen Josef» oder seine Predigt «Jacob autem genuit», gehalten auf dem Konzil von Konstanz am 8. September 1416.

Teresa von Ávila widmete ihm mehrere Klöster und machte ihn zum Schutzpatron des Ordens; auch die Jesuiten betrachten den heiligen Josef als ihren Schutzpatron.

Im 19. Jahrhundert erlebt die Josefs-Verehrung ihren Höhepunkt. Er gilt als Vorbild des fleissigen und sorgenden Familienvaters. Es wird üblich, in den Kirchen neben einer Marienfigur auch eine Statue des heiligen Josefs aufzustellen.
 


Der heilige Josef greift ein
Die Kirche hat vier Erscheinungen des heiligen Josefs anerkannt:

Am 7. Juni 1160 erschien Josef dem Hirten Gaspard Ricard in Cotignac (Frankreich) und zeigte ihm eine Quelle, die bis heute besteht. Während der Französischen Revolution wurden die Oratorianer, welche den Wallfahrtsort betreuten, vertrieben und die Gebäude mit Ausnahme der Kapelle zerstört. Seit 1975 lebt wieder eine Gemeinschaft in Cotignac.

Um 1670 erschien der heilige Josef in Kalisz (Polen) nach zahlreichen Gebeten einem schwerkranken Mann namens Stobienia. Josef versprach ihm Heilung, wenn er ein Bild der Heiligen Familie male und es der Stiftskirche Mariä Himmelfahrt in Kalisz stifte. Als Stobienia das geweihte Bild küsste, wurde er sofort geheilt.
Berühmt wurde der Wallfahrtsort durch die wundersame Rettung von vielen polnischen Priestern im Konzentrationslager Dachau. Angesichts der drohenden Niederlage Deutschlands im April 1945 gab der Leiter des Konzentrationslagers den Befehl, die Gefangenen zu töten und das Lager zu vernichten. Die polnischen Priester ahnten, was die Absicht der Leitung war, und begannen eine Novene zum heiligen Josef mit Bezug auf Kalisz. Das Massaker war auf den 29. April 1945 geplant. Die amerikanischen Truppen hatten geplant, das Lager am 30. April zu befreien. Doch sie schickten bereits einen Tag früher einen Erkundungstrupp – drei Stunden vor der geplanten Zerstörung des Lagers. Die SS-Offiziere ergaben sich schnell, da sie dachten, dass eine grössere amerikanische Truppe im Anmarsch sei. Die überlebenden Priester schrieben diese Rettung dem heiligen Josef zu und pilgerten jedes Jahr nach Kalisz; der letzte Priester starb 2013 im Alter von 100 Jahren.

In Knock (Irland) erschienen am 21. August 1879 Maria, Josef und der Apostel Johannes 15 Personen unterschiedlichen Alters über der Pfarrkirche. Und bei der Marienerscheinung in Fátima am 13. Oktober 1917 zeigte sich am Ende auch der heilige Josef mit dem Jesuskind im Arm.

Kein Mann der Worte, aber der Tat
Vom heiligen Josef ist kein einziges Wort überliefert; dafür legt sein Handeln Zeugnis für ihn ab. Er war ein gerechter und frommer Mann, offen für Gottes Wort, selbst wenn dieses Unfassbares verkündete. Er verzichtete auf eine eigene Familie, um ganz für Maria und Jesus dasein zu können, dazu war er fleissig, umsichtig und demütig.

Er wurde von Gott dazu berufen, unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen; so wirkte er an der Erlösung mit. Seine Vaterschaft kommt darin zum Ausdruck, dass er «sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht hat; dass er die ihm rechtmässig zustehende Autorität über die heilige Familie dazu benützt hat, um sich selbst, sein Leben und seine Arbeit ganz ihr hinzugeben; dass er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Darbringung seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des seinem Haus entsprossenen Messias gestellt hat» (Paul VI. in seiner Ansprache vom 19. März 1966).

Bereits Papst Leo XIII. hatte 1889 die Kirche aufgefordert, um den Schutz des heiligen Josefs zu beten: «Josef war zu seiner Zeit rechtmässiger und natürlicher Hüter, Haupt und Verteidiger der göttlichen Familie [...] Es ist daher für den heiligen Josef angebracht und seiner höchst würdig, dass er so, wie er einst die Familie von Nazaret in allen Belangen heiligmässig zu beschützen gewohnt war, jetzt die Kirche Christi mit seinem himmlischen Beistand beschützt und verteidigt» ( Enzyklika «Quamquam pluries»).

Gerade in der heutigen Zeit brauchen die Kirche und die Familien das fürbittende Gebet des heiligen Josef.

«Bei dir, heiliger Josef, suchen wir Zuflucht. Wir haben deine heiligste Braut um Hilfe angefleht und bitten nun vertrauensvoll um deinen väterlichen Schutz.
Um der Liebe willen, die dich mit der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter verbunden, um der väterlichen Liebe willen, mit der du das Jesuskind umfangen hast, bitten wir dich flehentlich: Schau gütig herab auf die Kirche, die Jesus Christus durch sein Blut sich erworben hat, und komm unseren Nöten durch deine Macht zu Hilfe.
Du hast in treuer Sorge gewacht über die heilige Familie; schütze nun auch die auserwählten Kinder Jesu Christi. Liebreicher Vater, halte fern von uns jede Ansteckung durch Irrtum und Verderbnis. Du starker Beschützer, steh uns vom Himmel aus gnädig bei in unserem Kampf gegen die Mächte der Finsternis.
Wie du einst das Jesuskind aus höchster Lebensgefahr gerettet hast, so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen alle Nachstellungen ihrer Feinde und gegen jede Widerwärtigkeit.
Jeden von uns aber nimm unter deinen beständigen Schutz, damit wir nach deinem Beispiel und mit deiner Hilfe heilig leben, gut sterben und die ewige Glückseligkeit im Himmel erlangen. Amen.»[1]
 

Papst Sixtus IV. erklärte 1479 den 19. März zum offiziellen Gedenktag des Heiligen, 1621 wurde sein Gedenktag in den verbindlichen römischen Kalender aufgenommen; wenig später (1670) erhöhte Papst Clemens X den Rang des Festes. Pius IX. ernannte den heiligen Josef 1870 zum Patron der ganzen Katholischen Kirche. Papst Pius XI. ernannte ihn 1937 zum Patron aller, die den Kommunismus bekämpfen, sein Nachfolger, Pius XII., führte 1955 den 1. Mai als Gedenktag «Josef der Arbeiter» ein – quasi als katholische Alternative zum «Tag der Arbeit». Seit 2013 wird sein Name in den Eucharistischen Hochgebeten II, III und IV erwähnt.

 

Leo XIII. Enzyklika «Quamquam pluries». Über den wegen der Not der Zeit anzuflehenden Schutz und Beistand des hl. Josef in Vereinigung mit der jungfräulichen Gottesgebärerin (15. August 1889) Link

Johannes Paul II. Apostolisches Schreiben «Redemptoris Custos». Über Gestalt und Sendung des heiligen Josef im Leben Christi und der Kirche. (15. August 1989) Link

 


[1] Gebet empfohlen von Papst Leo XIII. In der Übersetzung von www.heiliger-josef.de.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    Marlene 19.03.2026 um 20:09
    Ich bin im fünften Monat schwanger. Wenn es ein Junge wird, soll er Josef heissen. Mein Mann und ich, wir lassen uns überraschen. Josef, weil er alle Tugenden der Vaterschaft verkörpert.

    Alle guten Wünsche an alle Leser von Swiss Cath.
  • user
    A.Z. 19.03.2026 um 17:48
    Ein schönes Wunder des Heiligen Josef könnte tatsächlich auch die berühmte Wundertreppe sein die in der Loretto-Kapelle in Santa Fe, New Mexico, USA steht.

    https://youtu.be/o2rTWALNN34?is=deZM0ATsQkbck80E
  • user
    Anna Lena 19.03.2026 um 15:03
    Vergelts Gott für den schönen Artikel zum Fest des heiligen Josef.
  • user
    Claudio Tessari 19.03.2026 um 08:36
    Die Mystikerinnen Anna Katharina Emmerick und Maria von Agreda deuteten das Alter des Heiligen Josef auf ca. 33 bei der Verlobung. Ebenfalls hat gemäss der frommen Überlieferung der Heilige Josef ebenfalls ein Enthaltsamkeitsgelübde in jungen Jahren abgelegt, so wie die Heilige Muttergottes. Darum wurde er auch von Gott als Bräutigam und Nährvater erwählt.