Hemingway wächst in einer protestantischen Familie auf. Seine Grosseltern mütterlicherseits pflegen ein intensives, fast kindlich anmutendes Glaubensleben, das von vertrauensvoller Hingabe an einen gütigen Gott geprägt ist. Sein Vater vertritt hingegen einen harten, puritanischen Glauben. Furcht vor Übertretung und drohender Strafe ist dabei zentral, und religiöse Untertöne schwingen in den teils brutalen körperlichen Strafen mit, welche die Kinder der Familie Hemingway zuweilen ertragen müssen. Der lebhafte und sensible kleine Ernest ist zutiefst empfänglich für den Glauben. Mancherlei kleine Szenen intensiver religiöser Ergriffenheit werden in den Tagebuchaufzeichnungen der Mutter festgehalten. So lauscht er fasziniert den Geschichten seines Grossvaters über Missionare und Märtyrer. Einmal singt seine Mutter das Kirchenlied «Onward Christian Soldier», worauf Ernest euphorisch plappert, dass er auch ein christlicher Soldat werden will. Und mit vier Jahren erklärt er seiner Mutter, dass er weiss, warum Menschen sterben: um Gott Gesellschaft zu leisten, der sonst einsam ist. Doch diese kindliche Freude am Glauben leidet unter der religiös konnotierten Strenge des Vaters. In den Jugendjahren wird das Verhältnis zu seinen Eltern immer angespannter. Er verlässt die Kirche, die er sein ganzes bisheriges Leben besucht hat, und wechselt in eine, in der die Jugendaktivitäten im Vordergrund stehen. Seinen eigenen Bezug zum Glauben findet er während des Ersten Weltkriegs in Italien – schwerverwundet im Lazarett.
Hemingway kann aufgrund seiner Kurzsichtigkeit nicht in die Armee eintreten. Sobald er 18 Jahre alt ist und somit die Erlaubnis der Eltern nicht mehr braucht, meldet er sich als Helfer des Roten Kreuzes und reist nach Italien. Dort ist es seine Aufgabe, mit dem Rettungswagen an der Front verletzte Soldaten zu bergen. Kurz vor seinem 19. Geburtstag wird er jedoch von einer Granate schwer verletzt. Hemingway überlebt nur knapp. Hunderte von Granatsplittern stecken in seinen Beinen. Mehrere Monate bleibt er im Krankenhaus in Milano. Dort verliebt er sich nicht nur in eine der Krankenschwestern, was zur Inspiration eines seiner beliebtesten Bücher, «A Farewell To Arms» werden sollte, sondern findet ebenfalls zum katholischen Glauben. In akuter Lebensgefahr wird ihm von dem italienischen Pater Bianchi die Letzte Ölung gespendet. Als Hemingway überlebt, vermittelt ihm der Pater die Grundlagen des Glaubens. Die Wendung zum katholischen Glauben geschieht plötzlich, intensiv und nachhaltig. Sobald sich Hemingway einigermassen erholt, geht er regelmässig in die Messe. Und ein Freund erinnert sich daran, dass Hemingway einmal erzählte, dass er tiefgläubig aus dem Krieg kam und seither fest an den Beistand der Muttergottes glaubt.
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