Alle berühmten Sippen dieser Welt haben ihre ungewöhnlichen Sprosse – so auch die hochadlige britische Familie Spencer. In ihrem Fall ist es George Spencer (1799–1864), der Ur-Ur-Ur-Grossonkel der am 31. August 1997 verstorbenen Diana, Prinzessin von Wales. Er tat, was zu seiner Zeit höchst ungewöhnlich war: Er trat zum katholischen Glauben über, wurde Priester und später Mitglied des Passionisten-Ordens.
Seit 1992 läuft in der britischen Erzdiözese Liverpool ein Seligsprechungsverfahren für George Spencer. Am 20. Februar 2021 hat ihn Papst Franziskus als ehrwürdigen Diener Gottes anerkannt. Es steht aber offenbar noch ein Wunder aus, das George Spencer der Seligsprechung einen entscheidenden Schritt weiterbringen würde.
Klassische Laufbahn eines jüngeren Sohnes
Die Geschichte seines Lebens führt zurück in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. George Spencer, geboren am 21. Dezember 1799 in London, war der dritte und jüngste Sohn des zweiten Earl Spencer. Er wuchs auf dem Familiensitz Althorp auf, besuchte das Eliteinternat Eton und studierte am Trinity College in Cambridge. Seine Familie hatte für ihn eine geistliche Laufbahn in der anglikanischen Church of England vorgesehen – wie es damals für jüngere Söhne üblich war. George Spencer folgte diesen Vorgaben zunächst. Doch bald kamen ihm Zweifel.
Schon am Dreifaltigkeitssonntag 1827 kamen George Spencer nach eigener Aussage die ersten Zweifel an seinem Glauben. «Ich stellte fest, dass die Argumente, mit denen ich die Lehre von der Dreifaltigkeit selbst verteidigte, zwar auf der Heiligen Schrift beruhten, dass ich jedoch bei dem Versuch, meinen Zuhörern zu beweisen, dass der Glaube an diese Lehre für das Heil des Menschen absolut notwendig sei, auf Argumente zurückgriff, die unabhängig von der Heiligen Schrift waren, und dass sich in der Heiligen Schrift keine Stelle finden liess, die besagt, dass jeder, der gerettet werden will, den orthodoxen Glauben an die Dreifaltigkeit vertreten muss.» Nach mehreren Monaten des Ringens informierte er seinen Bischof, dass er den achten Artikel der insgesamt 39 Artikel, welche anglikanische Priester unterschreiben mussten, nicht mehr zustimmen könne. Der Bischof zog es vor, diesen Brief zu ignorieren und George Spencer im Amt zu lassen.
Suche nach Einheit durch die Wahrheit
Dieser machte sich nun von allen Sorgen befreit auf die Suche nach der einen Wahrheit. «Ich liess keine Gelegenheit aus, mit Geistlichen aller Glaubensrichtungen zu sprechen. Ich forderte sie alle auf, sich mir bei der Suche nach der Wahrheit anzuschliessen, die es nur als eine geben konnte und daher nicht in zwei gegensätzlichen Religionssystemen liegen konnte, geschweige denn in der ganzen Vielfalt der Sekten, in die die Christen in England gespalten sind. Ich fand von keiner Seite viel Ermutigung für diese Vorgehensweise.»[1]
Inspiriert von den Ermahnungen des heiligen Paulus an seine Jünger, sie sollten einmütig sein und keine Spaltungen zulassen, ging George Spencer unbeirrt seinen Weg. Aus den vielen Gesprächen mit verschiedenen protestantischen Glaubensrichtungen kam er zur Überzeugung, dass keine von ihnen die richtige Sichtweise des Christentums hatte. «Bis dahin schienen wir alle im Recht zu sein, indem wir Christus als den Sohn Gottes anerkannten, dessen Lehren und Gebote wir als den Weg zum Glück sowohl im Diesseits als auch in der Ewigkeit befolgen sollten; doch schien es, als sei die von den Aposteln festgelegte Form der Lehre und der Kirchenordnung in der gesamten Kirche aus den Augen verloren worden.»
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :