Papst Benedikxt XVI. im Jahr 2006. Bild: Giuseppe Ruggirello, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Der miss­ver­stan­dene Satz von Papst Bene­dikt XVI.

Ein Satz von Papst Bene­dikt XVI. sorgte 2006 für Auf­ruhr in der isla­mi­schen Welt. Durch seine «Regens­bur­ger Pre­digt» schien das Ver­hält­nis zwi­schen Katho­li­scher Kir­che und Islam beschä­digt, doch es kam anders.

Während seiner Bayernreise steht für Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 Regensburg auf dem Programm. «Glaube, Vernunft und Universität» heisst sein Thema. Wie üblich arbeitet Papst Benedikt mit Quellen und zitiert aus dem Disput eines byzantinischen Kaisers mit einem Muslim: «Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden, wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.» Der Satz wird durch die Zuspitzung internationaler Medien zu Dynamit.

Protest in der islamischen Welt
48 Stunden später ist die islamische Welt in Aufruhr. Die Türkei verlangt eine Entschuldigung; Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei nennt die Papstrede «das letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug»; in Pakistan entbrennen gewalttätige Strassenproteste; die Terrorgruppe Al-Kaida verbreitet eine Morddrohung gegen den Papst und in Mogadischu wird eine italienische Ordensschwester erschossen.

Hektisch versucht die Vatikandiplomatie zu beschwichtigen. Auch innerhalb der Kirche gibt es Kritik. Der geplante Türkei-Besuch zweieinhalb Monate später steht fast auf der Kippe. Doch dem Papst gelingt der Brückenschlag: Das Foto, auf dem er in der Blauen Moschee Seite an Seite mit dem Imam vor der Gebetsnische verharrt, geht um die Welt.

Eigentlich ging es Papst Benedikt XVI. in Regensburg gar nicht um das Thema Gewalt und Islam. Er wollte darstellen, dass Glaube und Gewalt sich generell ausschliessen, Glaube und Vernunft aber nicht.

Man kann darüber streiten, ob Benedikt XVI. geschickt vorging, indem er seine Argumentation ausgerechnet am Beispiel des Islams festmachte. Für die Kritik an gewaltsamer Ausbreitung hätte er auch in der christlichen Geschichte Quellen gefunden. Oder wollte er bewusst die Debatte über die Gewaltfrage im Islam vorantreiben, fast auf den Tag genau fünf Jahre nach den Anschlägen des 11. September?

Islamgelehrte antworten dem Papst
Dann wäre ihm das gelungen, denn letztlich befruchtete die «Regensburger Rede» das Gespräch zwischen beiden Religionen. Schon auf dem Höhepunkt der Krise gab es besonnene Stimmen von Muslimen. Im Oktober 2006 erschien ein offener Brief, unterzeichnet von 38 Islamgelehrten, die einen «ehrlichen Dialog» anregten. Ein Jahr später folgte «Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch». Diesmal unterschrieben 138 Gelehrte und luden zum Austausch über Gemeinsamkeiten ein.

Für den Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück formuliert die «Regensburger Rede» von Papst Benedikt XVI. bis heute Herausforderungen für eine zeitgemässe Theologie. Der Eklat um ein Islamzitat des Papstes habe das Thema Glaube und Vernunft, das die eigentliche Stossrichtung der Rede darstelle, überlagert, sagte Tück in seinem aktuellen Podcast «Diesseits von Eden». Als weiterhin bedeutsam nennt er die Forderung, dass zeitgemässe Theologie «traditionssensibel» auch in dem Sinne sein müsse, dass sie Kategorien und Sprachangebote der griechischen Philosophie als konstitutiv für das Christentum verstehe. Benedikt XVI. habe daran erinnert, dass diese Allianzen und Durchdringungen von Glaube und griechischer Philosophie das Christentum von Beginn an bestimmt hätten, etwa auch im Konzil von Nizäa 325.

Mit Blick auf die Empörungswellen in der islamischen Welt über ein Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos (1350–1425) sagt Jan-Heiner Tück, eine bleibende Aufgabe im christlich-islamischen Dialog sei die Klärung des Gewaltpotenzials von Religion. Dies betreffe Christentum und Islam in ähnlicher Weise. Auch hier weise die «Regensburger Rede» einen Weg, insofern die Rückkopplung des Glaubens an die Vernunft ein «Domestizierungspotenzial gegenüber gewaltträchtigen Gottesinterpretationen» biete.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

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    Meier Pirmin 12.09.2026 um 12:43
    Wenn das Gewaltpotenzial des Christentums sowohl theologisch als auch historisch-praktisch beim Islam und beim Christentum "ungefähr gleich" eingeschätzt wird, verdienen diese Weltbewegungen "etwa gleich" bekämpft, zumindest nicht gefördert zu werden, wie Nationalsozialismus, Faschismus und Kommunismus. Diese Auffassung vertrat der von mir als Kollege wiederholt fair beanstandete radikale Reliigionskritiker Karlheinz Deschner. Ich habe ihm aus jeweils detailgenauer kirchenhistorischer Kenntnis heraus widersprochen, ohne faktische Sündenfälle der reliigiös mitgeprägten Kolonialgeschichte, die Details der Kreuzzüge und die genaue Geschichte der Christianisierung Europas auszulassen. Im Zusammenhang mit der Missionierung der Indios ist indes immerhin, dank Bartolomé de las Casas, über den Prof. Ratzinger 1972 einen historisch bedeutenden Vortrag hielt, und dem mexikanischen Bischof Frncisco de Vittoria, ist immerhin erstmals in der Geschichte der Menschheit völkerübergreifend über Menschenrechte nachgedacht worden mit Forderungen, die immerhin von Kaiser Karl V. teilweise erfüllt wurden. Zumal die Geschichte der Sklaverei kann und darf keineswegs pauschal dem Christentum in die Schuhe geschoben werden. Die Forderung "zuerst Unterwerfung, dann Mission", wurde zum Beispiel von den Dominikanern explizit zurückgewiesen. Das Negarivgeschwätz über Christentum und Islam, wobei auch bei letzterem Differenzierungen vorzunehmen sind, ist eine Folge von u.a. Katholikenhass und generell Hass auf das Christentum beim sog. linken Flügel der Aufklärung. Dieses Denken ist auch heute noch verbreitet, besonders bei jenen, die zum Beispiel die öffentliche Verteidigung des Lebensrechtes der Ungeborenen unterdrücken wollen, so u.a. sogar in der Programmatik der deutschen Partei "Die Linke", die auch deswegen Freikirchen und überhaupt jedes Gedankengut, das unter der Ehe die Verbindung zwischen Mann und Frau versteht, politisch bekämpfen wollen. An verschiedenen Universitäten gibt es bereits heute diesbezüglich eine neue Art Inquisition.
  • user
    Joseph Laurentin 12.09.2026 um 12:16
    Benedikt XVI. zitierte in der Regensburger Rede den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos wie folgt: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ Anschliessend zitierte er die eigentliche Begründung des Kaisers gegen religiöse Gewalt: „Gott hat kein Gefallen am Blut“, sagt er, „und nicht vernunftgemäss zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.“
    Eine richtige Kritik und Anmerkung. Naiv ist nur der Glaube, dass wir denselben Gott anbeten. Mit Muslimen müssen wir nicht über unseren dreifaltigen Gott reden, denn sie lehnen diesen ab. Sie haben einen anderen Herrn, der die Verbreitung des muslimischen, antichristlichen Glaubens mit dem Schwert gebietet.
    • user
      Klaus Meienberg 12.09.2026 um 18:20
      Sehr geehrter Herr Laurentin

      Wie kommen Sie auf den irrwitzigen Gedanken, die Muslime hätten einen anderen Gott? Das Subjekt des Begriffs Gott ist in monoteistischen Theologien immer derselbe eine Gott. Die Christen in arabischen Ländern nennen Gott, Allah, da Allah das Wort für Gott ist, sowohl bei den Muslimen, wie bei den Christen. Der Referent Gott ist unumstritten derselbe, nämlich der eine Gott auch aller monotheistischer philosophischer Gotteslehren.
      Richtig ist es hingegen zu unterscheiden, wie, die beiden Religionen die Wesenheit Gottes darlegen und daraus unterschiedliche Weisungen und Kulthandlungen ableiten.
      Vergleichen Sie also Gott mit einem Sternen, die einen sehen ihn am Morgen und nennen ihn Morgenstern, die anderen sehen ihn am Abend und nennen ihn Abendstern. Bei den Religionen kommt noch hinzu, dass die Religionen davon ausgehen, dass sie Gott jeweils mit einer besseren Perspektive als die anderen sehen und daher die anderen Religionen nur ein Zerrbild von Gott haben. Das ist aber mitnichten ein anderer Gott.
      K. Meienberger
      • user
        Stefan Fleischer 12.09.2026 um 20:50
        Mich als einfachen Laien befriedigen Ihre Ausführungen nicht. Je nachdem, was wir unter diesem Begriff verstehen, gibt es verschiedene Antworten auf die Gottesfrage, von der Nicht(mehr)existenz bis zum zu dem real existierenden, rein geistigen, dreifaltigen-einen, in der Geschichte handelnden Wesen, welches sich dem Menschen geoffenbart hat, und zu dem wir uns in unserem Glaubensbekenntnis bekennen. Wir können also darunter einerseits irgendeine höhere Macht verstehen, von der wir im Grunde genommen überhaupt nichts Sicheres wissen, oder andererseits eine konkrete Person, bzw. ein Gott in drei Personen, zu welcher wir eine ganz persönliche Beziehung haben können, bzw. haben sollen, weil er diese Beziehung zu uns wünscht, weil er uns dazu fähig geschaffen hat. Wenn wir nun von unserer christlichen bzw. katholischen Gottesdefinition ausgehen, so gibt es nur einen wahren Gott und nur einen wahren, (allumfassenden) Glauben. Weshalb der Mensch nicht einfach nur diesen Glauben kennt und leben kann, das wird hier und jetzt ein Geheimnis bleiben. Ich bringe das mit der Erbschuld in Beziehung. Dass aber unsere Kirche den Auftrag hat: «Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.» (Mt 28,17-20) scheint mir klar zu sein.
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        Daniel Ric 17.09.2026 um 09:59
        Ich danke Ihnen für Ihre Ausführungen, Herr Meienberg, denen ich voll und ganz zustimme. Wenn jemand Moslems oder Anhängern anderer Religionen abspricht, den gleichen Gott anzubeten, dann widerspricht er oder sie dem ersten Gebot, das besagt, dass es keine anderen Götter gibt. Richtig ist, dass wir als Katholiken ein anderes Gottesbild haben als Moslems, Juden oder andere Religionen. Trotzdem müssen wir die Art und Weise, wie die Anhänger anderer Religionen sich dem Göttlichen nähern, respektieren. Dies bedeutet nicht, den eigenen Glauben zu relativieren, sondern in einen Dialog zu treten, der eben das Gegenteil von Gewalt ist. Im Übrigen sei noch darauf hingewiesen, dass die Regensburger Rede von Papst Benedikt vor allem auch eine Kritik am Protestantismus war, der den Willen Gottes von der Vernunft entkoppelte.
    • Willy Zweifel 18.09.2026 um 14:46
      So habe ich es damals in Regensburg erlebt, möchte aber hinzufügen, dass es eine Vorlesung für Studenten und Professoren der Universität war. Übrigens haben die Reaktionen in der islamischen Welt dieses Zitat genau bestätigt¨