Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie verdanken ihre Bezeichnung als Eisheilige dem Wetter: An diesen Tagen gibt es in Mitteleuropa oft Kälteeinbrüche mit Nachtfrösten. Besonders Bauern fürchten diese Tage als letztmöglichen Termin für eine späte Rückkehr von Frost und Schnee. In den letzten Jahren trugen die Eisheiligen ihren Namen jedoch zu Unrecht: Die Kälteeinbrüche geschahen bereits vor ihren Gedenktagen; einzig im Jahr 2020 waren sie wieder pünktlich.
Woher die Verehrung der Eisheiligen kommt, ist nicht klar. Es könnte mit zwei Überlieferungen zusammenhängen: Der heilige Mamertus wurde um 461 Erzbischof von Vienne (Frankreich). Nach zahlreichen Feuern und Erdbeben führte er 470 die Bittgänge vor Christi Himmelfahrt um Bewahrung vor Schaden ein. Flurprozessionen waren bereits aus dem Heidentum bekannt, wurden jedoch ohne eine bestimmte Form durchgeführt. Die von Bischof Mamertus dafür erstellten Litaneien und Bittgebete verbreiteten sich in ganz Gallien und Spanien. Im Jahr 800 übernahm Papst Leo III. diese für die ganze Kirche.
Die zweite Überlieferung betrifft den heiligen Servatius, im 4. Jahrhundert Bischof von Tongeren (Belgien). Es wird erzählt, dass auf seinem Grab niemals Schnee liegenblieb.
Von den drei anderen Eisheiligen ist keine Beziehung zum Wetter bekannt; sie alle verbindet jedoch das Martyrium: Pankratius erlitt mit gerade einmal 14 Jahren während der Christenverfolgung unter Diokletian (303–313) den Märtyrertod. In der gleichen Verfolgung . starb wahrscheinlich auch die heilige Sophia von Rom. Der heilige Bonifatius wurde in Tarsus (heute Türkei) Zeuge der Christenverfolgung, bekehrte sich zum Christentum und erlitt um 306 selbst das Martyrium.
Pankrazi, Servazi, Bonifazi sind drei frostige Bazi, am Schluss fehlt nie die kalte Sophie.
Neben den Eisheiligen gibt es auch noch Wetterheilige. Diese werden angerufen, um Hilfe gegen drohende Unwetter zu erbitten. So helfen z. B. die heiligen Anna und Barbara gegen Gewitter. Gegen Hagelschlag soll man z. B. den heiligen Christophorus oder die heilige Amalberga von Tamise anrufen, gegen Blitze den heiligen Bartholomäus Cerveri oder Thomas von Aquin. Johannes und Paulus, zwei frühchristliche Märtyrer, die im Ersten Hochgebet erwähnt werden, werden gegen Hagel, Unwetter und Blitzschlag angerufen. An ihrem Gedenktag (26. Juni) wurden die schwarzen Wetterkerzen geweiht, die man bei Unwetter abbrannte, und Bittprozessionen für eine gute Ernte abgehalten. Wetterkerzen gibt es auch heute noch. Wer sie anzündet, möchte damit seinen Glauben an den Beistand Gottes in schweren Situationen bezeugen und um seine Hilfe bitten.
Es funktioniert auch anders herum
Manchmal ist ein Sturm auch nützlich. So wollte die heilige Scholastika (480–543), dass ihr Bruder Benedikt seinen jährlichen Besuch bei ihr etwas ausdehnte. Als er aber darauf bestand, ins Kloster zurückzukehren, betete sie – und wirklich setzte ein Wolkenbruch ein, der Benedikt am Aufbruch hinderte. Drei Tage später starb Scholastika und ihr Bruder war dankbar für die Kraft ihrer Gebete, die das Wetter lenken konnten, auch wenn es gegen seinen Willen war.
Der heilige Joseph Vaz (1651–1711), ein indischer Priester, wirkte auf Sri Lanka. Er musste dies heimlich tun, da die calvinistischen Holländer in ihren Gebieten den Katholizismus verboten hatten. Einige Jahre später übersiedelte er ins buddhistische Königreich Kandy im Inselinnern. Dort wurde er zusammen mit zwei weiteren Glaubensgenossen als vermeintlicher portugiesischer Spion eingesperrt. Es kam zu einer grossen Dürre im Königreich. Nachdem die buddhistischen Priester keinen Regen herbeirufen konnten, wandte sich der König an Joseph Vaz. Dieser errichtete einen Altar mit Kreuz und betete um Regen. Sofort begann es in Strömen zu regnen – nur nicht da, wo Pater Vaz stand. Der sichtlich beeindruckte König liess ihn frei und erlaubte ihm, zu missionieren.
Vom Exorzismus zum Wettersegen
Im Mittelalter waren die Menschen stärker als heute den Kräften der Natur ausgesetzt. Oft glaubten sie, dass Unwetter ein Werk von Dämonen seien. So zog man einem drohenden Unwetter mit Gebet, Reliquie oder dem Allerheiligsten entgegen. Auch mit dem Läuten der Kirchenglocken wollte man die bösen Mächte vertreiben. In dieser Zeit entwickelten sich die ersten Wettersegen, die oft Exorzismen enthielten.
Im deutschen Sprachraum ist es üblich, vom Fest des heiligen Markus (25. April) bis zum Fest Kreuzerhöhung (14. September) täglich als erweiterten Schlusssegen den Wettersegen mit der Kreuzreliquie zu erteilen – unabhängig davon, ob ein Unwetter im Anzug ist oder nicht. Der Wettersegen kann auch als eigene Segensfeier gestaltet sein (Benediktionale Nr. 8).
Die Anrufung von Heiligen um Schutz bei Unwetter oder um gutes Wetter für die Ernte ist in erster Linie Ausdruck unseres Glaubens an Gott als den Schöpfer der Welt. Das gilt auch für Wetterkerzen oder die tägliche Spendung des Wettersegens. Wir Menschen werden immer der Natur «ausgeliefert» sein, doch über uns wacht der Schöpfer allen Lebens.
«Gott der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern. Amen.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde. Amen.
Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist. Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.»
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Die Gewässer werden leider ausgelassen.