(Symbolbild: Nadejda Bostanova/Pexels)

Mit spitzer Feder

Die etwas andere Ferienlektüre

Mit schö­ner Regel­mäs­sig­keit war­ten unsere Medien zu Beginn und wäh­rend der Feri­en­zeit mit mehr oder weni­ger geeig­ne­ten Buch­tipps auf.

So empfiehlt der «Tages-Anzeiger» vom 28. Juli 2026 «fünf lohnende Bücher» für diesen Sommer. Darunter das Buch von Friederike Schilbach (Hrsg.) «Die Damentoilette – 22 Liebeserklärungen». Als verkaufsfördernd dürfte sich die Zuschreibung des Literaturkritikers Denis Scheck erwiesen haben, der dieses Buch augenzwinkernd als «Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette» bezeichnete.

Besonders dick hat – ganz nach Art des Hauses – die «NZZ am Sonntag» aufgetragen. In ihrer Ausgabe vom 26. Juli 2026 empfahl die Redaktion der geschätzten Leserschaft vollmundig «die 100 besten Sommerbücher». Darunter befindet sich das Buch von Nefeli Kavouras, «Gelb, auch ein schöner Gedanke» Es geht um Beziehungsprobleme zwischen der Tochter und ihren Eltern. Ebenso Maria Reva, «Ein Königreich für eine Schnecke» Roman über eine Heiratsvermittlung in der Ukraine in Kriegszeiten. Schliesslich auch Kurt Prödl, «Salto». Der Roman handelt von sozialen Schranken als Karrierekiller.

Ein gewisses Interesse an diesen Buchtipps kann ich nicht verhehlen, hält sich aber doch in Grenzen. Deshalb hier ein Alternativvorschlag: Kardinal Robert Sarah, «Gott oder Nichts». Wie bitte? In dieser von Kriegen, Gewaltverbrechen und Umweltkrisen geplagten Welt ausgerechnet noch schwer verdauliches Lesefutter – und das mitten in der Sommerzeit? Ja, diesen Einwand kann ich gut nachvollziehen. Und dennoch: Das Buch von Kardinal Sarah aus Guinea ist aktuell – entstanden aus einem langen Gespräch mit dem französischen Autoren Nicolas Diat. Darin ist die Rede vom packenden Lebensweg des Kardinals aus Afrika, von seinem radikalen Glauben, der sich der Devise des «Alles oder Nichts» verpflichtet weiss. Auch von seiner Warnung vor einer Welt, die so tut, als ob es keinen Gott geben würde. Und damit verbunden der Appell an die Kirche, stark zu bleiben und ihre Botschaft unverkürzt zu verkünden, ob gelegen oder ungelegen.

Die ultimative Form des Extremismus
Obwohl das Buch bereits vor zehn Jahren erschien, ist es buchstäblich brandaktuell. Ausgerechnet das links-libertäre Online-Portal «watson» hat am 20. Juli 2026 einen zu Unrecht wenig beachteten Beitrag veröffentlicht. Sein Thema: die sich ausbreitende, ultimative Form des Extremismus: der Nihilismus. Es geht dabei weder um politische noch um religiöse Ziele. Die Gewalt steht hier im Zentrum, wird zum Selbstzweck – Gewalt um der blossen Gewalt willen. Wie dieser ultimativen Form des Extremismus wirksam begegnet werden kann, darüber schweigt sich die Plattform «watson» selbstredend aus. Umso mehr empfiehlt sich gerade diesen Sommer die Lektüre des Buchs von Kardinal Robert Sarah: Gott oder Nichts.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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