«Die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten»: So will es die klassische Zuschreibung wissen. Spätestens nach den jüngsten Entgleisungen ihres Präsidenten Donald Trump erweist sich dieses Attribut als ergänzungsbedürftig: «Die USA sind das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten.» Der aktuelle Anlass: In der Nacht auf den Montag, 13. April 2026, hatte Trump auf seiner Plattform «Truth Social» geschrieben, der Papst sei eine Katastrophe in der Aussenpolitik und schwach in der Kriminalität (womit er auf die päpstliche Kritik an seiner Migrationspolitik anspielte). Leo XIV. solle sich zusammenreissen und aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden.
Kurz darauf veröffentlichte Trump ein KI-generiertes Bild. Es zeigt vor der US-Flagge einen gütig blickenden Trump in rot-weisser Jesus-Kleidung. Einem kranken Mann legt er die rechte Hand auf die Stirn, um ihn herum eine Krankenschwester, ein Soldat, am Himmel Kampfflugzeuge statt Engel – Trump als Heiland. Mit ausgeprägtem Machtinstinkt gesegnet, realisierte Trump sofort, dass er sich damit ins eigene Bein geschossen hatte. Nur wenige Stunden später löschte er seinen Post, was äusserst selten der Fall ist. Seine nach faulen Eiern riechende Begründung für seinen Rückzieher: Er habe gedacht, dieses Bild zeige ihn als Arzt.
Womit hat sich der Papst diesen Furor des mächtigsten Politikers der Welt zugezogen? Das Zerwürfnis begann bereits im Mai 2025. Zwei Wochen nach seiner Wahl erhielt Papst Leo eine persönliche Einladung von Vize-Präsident Vance zur Teilnahme an der Feier des 250. Geburtstages der USA im Weissen Haus. Der Papst sagte ab, weil er befürchtete, seine Teilnahme könnte als Zustimmung zu Trumps Migrationspolitik fehlinterpretiert werden.
Nach US-Luftangriffen auf den Iran Ende Februar 2026 meldete sich der Pontifex öffentlich zu Wort: Frieden und Stabilität könnten «nicht durch Drohungen oder Waffen geschaffen werden, die Zerstörung und Leid säen». Die US-amerikanische Regierung verstand dieses päpstliche Statement als direkte Kritik an der eigenen Kriegsführung. In der Karwoche verschärfte Papst Leo angesichts der anhaltenden Bombardierung des Irans seine Kritik: Er warnte vor einer «imperialistischen Besetzung der Welt» und rief die Christen auf, sich der Kriegslogik zu widersetzen. Am Ostermontag wurde der Pontifex noch deutlicher. Er forderte zu einem Waffenstillstand auf: «Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder. Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden.»
Was hat Trump gegen Katholiken?
«Was hat Trump bloss gegen Katholiken?», fragt der «Blick» gestützt auf eine KI-gestützte Analyse (17. April 2026). Drei Thesen bietet er zur Auswahl:
- Das Obama-Komplott. Papst Leo sei ein Intimus des früheren Präsidenten Barack Obama, der ebenfalls aus Chicago stammt. Beide seien liberal und wollten die Katholiken im Hinblick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst 2026 gegen Trump und seine Republikaner mobilisieren.
- Die Vance-Falle. Dieser Theorie zufolge zielt der Angriff von Trump auf den Papst in Tat und Wahrheit auf seinen Vize J.D. Vance. Trump ist sich seiner im freien Fall befindenden Wählergunst sehr wohl bewusst. Nichts ist dem Egomanen Trump verhasster, als wenn er öffentlich als lahme Ente gehandelt und über seine Nachfolge spekuliert wird.
- Den Jesus-Komplex. Gemäss dieser Theorie ist Trump eifersüchtig auf Jesus und nimmt deshalb dessen irdischen Stellvertreter ins Visier, eben Papst Leo. Nach dem Attentat vom 14. Juli 2024 inszeniert sich Trump immer mehr als Auserwählter Gottes, den Gott verschont habe, damit er dessen Auftrag erfüllen könne. Dass ihm nun ausgerechnet ein US-Amerikaner vor der Sonne stehe, sei Trump ein unerträglicher Gedanke.
Samuel Schumacher vom «Blick» hält die Obama-These für abwegig, dem Jesus-Komplex kann er hingegen einiges abgewinnen.
Dem Christentum in die Wiege gelegt
So unsäglich die Ausraster des Donald Trump sind, ihnen liegt eine Thematik zugrunde, die dem Christentum sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Es geht im Kern um die Fangfrage der Pharisäer, die von Jesus wissen wollten, ob es erlaubt sei, den Römern (der damaligen Besatzungsmacht) Steuern zu zahlen. «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist» war Jesu Antwort, die zum unaufgebbaren Selbstverständnis des Christentums gehört, ja darüber hinaus weltweit als Massstab für ein zukunftsfähiges, friedensstiftendes Zusammenwirken von Staat und Religion Geltung beanspruchen kann.
Bereits die ersten Christen hatten dem Allmachtsanspruch des Kaisers unter Einsatz ihres Lebens widerstanden. Diese exemplarische Haltung, der weltlichen Macht Grenzen zu setzen, fand ihre Fortsetzung in der Aufforderung des Mailänder Bischofs Ambrosius, der im Jahr 390 von Kaiser Theodosius I. verlangte, öffentlich Busse zu tun. Dies, nachdem der Kaiser als Vergeltung für einen Aufstand die Hinrichtung von rund 7000 Bürgern befohlen hatte. Kaiser Theodosius I. beugte sich der Aufforderung von Bischof Ambrosius, der klarstellte, dass der Kaiser zwar in der Kirche, aber nicht über der Kirche steht.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Generell ist der Fall Trump, den man auch mit den Problemen der amerikanischen Kirche betrachten muss, eine Warnung für uns Katholiken, auf keinem Auge blind zu sein. Der Kampf für eine authentische Kirche darf nicht nur gegen links-progressiv gerichtet sein, sondern auch gegen einiges, was aus dem rechtskonservativen Lager kommt.
Das alles wussten die kath. Wählerinnen und Wähler.
Aber Hauptsache war wohl, dass D. Trump sich gegen die ach so bösen LGBTQ Menschen aussprach.
Wer immer noch glaubt das Trump das kleinere Übel ist, lebt hinter dem Mond
Ist der Wolf im Schafspelz wirklich das geringere Übel, wenn bereits vor der Wahl deutlich bekannt ist, dass er lügt...? (Mt 24,5)
Ich mag Trump auch nicht, aber er hat mehr für den Lebensschutz gemacht als alle Präsidenten zuvor.
Der Kern der Frage war: ist Trump WIRKLICH das kleinere Übel, wenn er z.B. legale Migranten auf Willkür wie Kronentattoos ausschaffen lässt? Dass er den Krieg in der Ukraine nicht innert einem Tag beendet hat, dass er stattdessen in der Gier Kriege und Eroberungen angefangen hat?
Mir sind US-Katholiken bekannt, die sich gegen Trump stellten, WEIL sie katholisch sind. Im Gegensatz zu Trump selbst...
Die oberen Beispiele sind politische Faktoren, unabhängig persönlicher Antipathie gegen die Person Trump.
(Und ja, ich kann teils nachvollziehen, warum die Dems nicht gewählt wurden. Deus-vult-Gerede betrachte ich hingegen mit sehr grossem Argwohn.)