Die Sagrada Familia mit dem höchsten Turm der Welt. (Bild: Cory Doctorow/Flickr CC BY-SA 4.0)

Weltkirche

Die gröss­ten, kleins­ten und ent­fern­tes­ten Kirchen

Am 20. Februar 2026 wurde das obere Kreuz­seg­ment auf den zen­tra­len «Torre de Jesuchrist» der Basi­lika «Sagrada Famí­lia in Bar­ce­lona gesetzt. Dadurch wurde sie zur Kir­che mit dem welt­weit höchs­ten Kirch­turm (172,5 Meter). Hier soll von wei­te­ren Kirchen-​Rekorden die Rede sein.

Die älteste archäologisch nachgewiesene Kirche ist die Hauskirche von Qal'at es Salihiye (Dura Europos) im Osten Syriens; sie stammt aus dem Jahr 232. Es handelt sich um ein Wohnhaus, das den Christen als Versammlungsort diente. (Zu dieser Zeit war das Christentum nicht offiziell anerkannt, Kirchenbauten waren noch nicht möglich.) Die Malereien im Baptisterium gehören zu den frühesten christlichen Bildern überhaupt und zeigen biblische Motive wie z. B. Adam und Eva, den guten Hirten oder die Frauen am leeren Grab Christi. Die Kirche wurde 1931/32 entdeckt und freigelegt. Die Malereien des Baptisteriums wurden von der Wand abgelöst und befinden sich heute in der Yale University Art Gallery in den USA.

Die grösste monolithische Kirche befindet sich in Lalibela, Ägypten. «Bet Medhane Alem» (Welterlöser-Kirche) wurde im 12. oder 13. Jahrhundert im Auftrag von König Lalibela (1181–1221) aus Vulkangestein gehauen. Sie ist 33,5 Meter lang, 23,5 Meter breit und 11 Meter hoch und eine von insgesamt elf monolithischen Kirchen im Lalibela-Komplex. Archäologen schätzen, dass rund 40 000 Arbeiter für den Bau des Komplexes nötig waren. Die Überlieferung berichtet, dass Engel die Kirchen erbauten. In ihr finden bis heute Gottesdienste der äthiopischen Kirche statt.
 


Die grösste Kirche gemessen an ihrer Grundfläche ist die Basilika «Notre-Dame-de-la-Paix» in Yamoussoukro (Elfenbeinküste). Der ganze Komplex umfasst rund 30 000 Quadratmeter und ist damit etwa viermal so gross wie ein Fussballfeld. Die Kirche selbst ist dem Petersdom nachempfunden, aber mit ihren etwa 8000 Quadratmetern flächenmässig kleiner als ihr Vorbild. Dafür ist ihre Kuppel mit einem Innendurchmesser von 90 Metern mehr als doppelt so gross wie jene des Petersdoms (42,34 Meter) und damit die grösste Kuppel der Welt (158 Meter Höhe). Die Kirche umfasst 7000 Sitz- und 11 000 Stehplätze, was für die Gläubigen ausreicht, bilden die Katholiken in Elfenbeinküste doch nur etwa 20 Prozent der überwiegend muslimischen Bevölkerung.
 


Wenn es nur um den Innenraum geht, ist die Mezquita-Catedral de Córdoba (Moschee/Kathedrale von Córdoba) in Spanien mit 23 000 Quadratmetern die flächengrösste Kirche weltweit. Als Bischofssitz der Diözese Córdoba heisst sie «Catedral de Nuestra Señora de la Asunción». An dem Ort, an dem sich heute die Kathedrale befindet, stand zunächst ein römischer Tempel, später eine westgotische Kathedrale. Bei der Eroberung Córdobas Mitte des 8. Jahrhunderts wurden alle Kirchen bis auf die Kathedrale zerstört. Zunächst wurde diese zwischen Muslimen und Christen geteilt, später nur noch von den Muslimen genutzt. Abd al-Rahman I. liess die Kathedrale 784 niederreissen und erbaute an ihrer Stelle eine Moschee. Nach der Rückeroberung Córdobas wurde die Moschee 1236 zu Ehren der Mutter Gottes als Kirche geweiht und das Minarett mit einem Kreuz versehen; im Laufe der Jahre erfolgten mehrere Umbauten im Innenraum.
 


Das längste Kirchengebäude (Aussenmasse) stellt der Petersdom mit seinen 218 Metern dar. Er hat auch das längste Kirchenschiff (186 Meter) und das grösste Fassungsvermögen: Er bietet 20 000 Sitz- oder 60 000 Stehplätze. Übrigens: Der Petersplatz bietet zusätzlich 80 000 Sitz- resp. 300 000 Stehplätze.

Die weltweit grösste christliche Holzkirche ist die Kerimäki-Kirche in Kerimäki, im Südosten Finnlands. Die klassizistische Kuppelkirche aus dem Jahr 1847 gehört der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Sie ist 45 Meter lang, 42 Meter breit und 27 Meter hoch; die Kuppel ist 37 Meter hoch. Die Kirche bietet 3000 Sitz- oder 5000 Stehplätze. Genutzt wird sie aber nur im Sommer, da sie nicht beheizt werden kann. Neben der grossen Kirche wurde 1953 eine kleinere, beheizbare Kirche für die Wintermonate gebaut. Doch am Weihnachtstag versammeln sich die Gläubigen in der grossen Kirche, welche von Hunderten Kerzen erwärmt wird.

Und da gibt es noch die weltweit grösste aufblasbare Kirche. Diese kommt aus Southampton (GB) und hat die stolzen Masse von 14,3 x 7,6 Meter und bietet Platz für bis zu 60 Personen. Sie verfügt neben einem Turm auch über «Buntglasfenster», Altar, Ambo, Bänke, Kerzen und ein goldenes Kreuz (alles aufblasbar).

Aber natürlich gibt es nicht nur die grössten Kirchen, sondern auch die kleinsten.
 


Die kleinste Kathedrale der Welt ist die Heilig-Kreuz-Kirche in Nin, Kroatien, mit einer Länge von gerade einmal 7,8 Meter, einer Breite von 7,6 Meter und einer Höhe von 8,2 Meter. Die um das Jahr 800 erbaute Kirche war vermutlich die Bischofskirche des aufgehobenen Bistums Nin. Bemerkenswert: Die Türen und Fenster wurden an die unterschiedlichen Lichtverhältnisse innerhalb eines Jahres und auch innerhalb eines Tages angepasst; sie konnte somit auch als Kalender und Uhr dienen.

Unter den noch genutzten Kathedralen ist die Kathedrale des Heiligen Basilius des Grossen in Bukarest, Rumänien, die kleinste. Das 1909 geweihte Gotteshaus gehört der Rumänisch-griechisch-katholischen Kirche und bietet Platz für maximal 150 Gläubige. Sie wurde 2008 in den Rang einer Kathedrale erhoben.

Ein gut gehütetes Geheimnis ist der Ort der kleinsten katholischen Kirche der Welt. Sie befindet sich in einem Märchenschloss (eigentlich einer Burg) mit filigranen Türmchen und Zinnen an der Costa del Sol. Das «Castillo de Colomares» sieht aus wie aus dem Mittelalter, wurde tatsächlich aber erst 1987 als Denkmal für Christoph Kolumbus und die Entdeckung Amerikas errichtet.
 


Die Burg beherbergt die Kirche «Santa Isabel de Hungría», die gerade einmal 1,96 Quadratmeter umfasst. Es handelt sich um eine geweihte Kirche, in der auch Gottesdienste stattfinden können, wenn auch bei einer Hochzeit nur Platz für den Priester ist – das Brautpaar muss draussen bleiben.

Und da gibt es noch die am weitesten entfernte Kirche der Welt: Es ist die Kirche «Saint Joseph» auf der Insel Tristan da Cunha im südlichen Atlantischen Ozean. Diese gilt mit ihren rund 250 Bewohnern als die abgelegenste bewohnte Insel der Welt. Der katholische Glaube kam 1908 durch zwei Irinnen auf die Insel. Einmal im Monat fährt ein Schiff von Kapstadt nach Tristan da Cunha; die Überfahrt dauert je nach Wetterlage fünf bis zehn Tage.
 

Die Angaben zu den Kirchen sind nicht einheitlich, je nachdem, wie und was genau gemessen wird.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    Hansjörg 10.04.2026 um 17:42
    Die Sagrada Famí­lia in Bar­ce­lona ist eine unglaublich schöne Kirche. Das war sie auch schon ohne den höchsten Turm. Die Stunden des Anstehens für die Besichtigung lohnen sich in jedem Fall.

    Wenn aber schon von Rekorden die Rede ist, sollte auch die grosse Anzahl an verkauften, oder abgerissenen Kirchen nicht unerwähnt bleiben. So wurden allein 2025 mindestens 46 katholische Kirchen oder Kapellen in Deutschland profaniert.
    • user
      Daniel Ric 12.04.2026 um 09:14
      Ihre Anmerkung, dass viele Kirchen profaniert werden, stimmt natürlich. Dazu muss aber erwähnt werden, dass in den 60er und 70er Jahren viele Kirchen gebaut wurden, da man davon ausging, dass die katholische Bevölkerung weiter anwachsen wird. Viele der Probleme, die wir in der Deutschschweiz heute haben, sind das Resultat dieser damals extrem optimistischen Denkweise. Wir bräuchten keine Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter, wenn wir weniger Kirchen hätten. Man muss heute den Mut haben, Kirchen zu schliessen, wenn die aktive katholische Bevölkerung zu klein ist, um ein Pfarreileben aufrechtzuerhalten. Persönlich bin ich für eine stärkere Zentrierung des kirchlichen Lebens, vorzugsweise in den Städten, damit dort Priester gemeinsam leben und zugunsten einer authentischen Kirche wirken können. Dadurch hätte die Kirche mehr Ausstrahlung und könnte die nötige Neuevangelisierung einleiten. Dass heute jedes Dorf eine Kirche hat, dadurch hohe Kosten für den Unterhalt aufbringen muss und nicht einmal den Gläubigen die Sakramente anbieten kann, bringt keinen Vorteil, sondern ist eher eine Last.