Verschiedene Legenden erzählen von der klugen und schönen Kaufmannstochter, die im 3. Jahrhundert in Nikodemia, dem heutigen Izmit in der Türkei, gelebt hat. Ihr Vater, ein Christenhasser, wollte verhindern, dass sie mit dem Christentum in Berührung kam. So liess er sie immer bewachen, und wenn er auf Reisen ging, schloss er sie gar in einen Turm ein. Doch durch ihre Lehrer erfuhr sie von Jesus Christus und liess sich heimlich taufen. Sie bat ihren Vater um den Bau eines Badezimmers im Turm. Als ihr Vater auf Reisen war, ordnete sie die Bauleute an, nicht zwei Fenster, sondern drei einzubauen – dies als Zeichen der Dreifaltigkeit. Als ihr Vater von einer Reise zurückkehrte, stellte er sie wegen des dritten Fensters zur Rede und erfuhr so von ihrem Glauben. Voller Wut wollte er seine Tochter erschlagen, doch Barbara konnte fliehen und sich in einem Felsspalt verstecken, der sich wie durch ein Wunder vor ihr auftat. Jedoch verriet sie ein Hirtenjunge an den Vater. Dieser folterte seine Tochter, doch Barbara blieb ihrem Glauben treu. Auf dem Weg zum Gefängnis blieb sie mit ihrem Kleid an einem Zweig hängen. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäss mit Wasser – er blühte an dem Tag, an dem sie für ihren Glauben starb. Im Gefängnis soll ein Engel ihre Wunden gepflegt haben. Barbara wurde zum Tod durch Enthauptung verurteilt und ihr eigener Vater tötete sie mit dem Schwert. Nach der Hinrichtung soll ihn der Blitz getroffen und erschlagen haben.
Die Gebeine der heiligen Barbara wurden der Überlieferung zufolge nach Konstantinopel (Istanbul) gebracht. Im 12. Jahrhundert kamen sie nach Kiew. Andere Reliquien kamen um das Jahr 1000 nach Venedig in die Kirche Santa Maria Assunta auf der Insel Torcello, eine Beinreliquie nach Vodnian in Kroatien, weitere Reliquien nach Sevilla sowie in die Kathedrale nach Oviédo. Im Kloster Mega Spilaio in Kalavrita auf dem Peloponnes wird ihre Kopfreliquie verehrt.
Schutz unter Tage
Als eine der 14 Nothelfer wird Barbara besonders zum Schutz vor einem plötzlichen Tod und als Beistand der Sterbenden angerufen. Aufgrund des Blitzschlags gegen ihren Vater gilt die Heilige als Helferin bei Gewitter und Feuergefahr.
Die Märtyrerin ist auch Patronin verschiedener Berufsgruppen wie z. B. der Geologen, Steinhauer, Dachdecker, Elektriker, Glockengiesser, Feuerwehrleute, Waffenschmiede oder Sprengmeister. Am bekanntesten ist wohl das Schutzpatronat der Bergleute. Dies dürfte auf die Überlieferung zurückgehen, dass sich Barbara auf der Flucht vor ihrem Vater in einer Felsspalte versteckte.
Die alten Bergbauregionen Sachsen, Schlesien und Böhmen waren schon im Spätmittelalter von der Barbaraverehrung geprägt. In vielen Tunneln und Bergwerken unter Tage gibt es Nischen oder Schreine mit Barbaraskulpturen. Am 4. Dezember werden in den Bergbauregionen unter Tage sogenannte Barbaralichter entzündet und die Bergmänner bitten die Heilige um Schutz vor Unfällen und Tod im Bergwerk. Vielerorts finden am Barbaratag oder am Sonntag danach auch Umzüge der Bergleute in traditionellen Uniformen statt. Oft sind die obersten drei Knöpfe der Uniform geöffnet. Sie symbolisieren entweder Glaube, Liebe und Hoffnung oder die Dreifaltigkeit.
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