Traditionelle Segnung der heiligen Barbara beim Start der Arbeiten für den Zugangsstollen Nord im November 2021. (Bild: © Hansjörg Vlasek/ASTRA)

Weltkirche

Die hei­lige Bar­bara wacht über dem Gotthardtunnel

Bar­bara von Niko­me­dien ist eine der bekann­tes­ten Hei­li­gen, obwohl von ihrem Leben nicht viel bekannt ist. Sie wird seit dem 7. Jahr­hun­dert als Mär­ty­re­rin ver­ehrt. Die hei­lige Bar­bara ist eine der 14 Not­hel­fer und unter ande­rem Schutz­hei­lige der Tun­nel­bauer und der Artillerie.

Verschiedene Legenden erzählen von der klugen und schönen Kaufmannstochter, die im 3. Jahrhundert in Nikodemia, dem heutigen Izmit in der Türkei, gelebt hat. Ihr Vater, ein Christenhasser, wollte verhindern, dass sie mit dem Christentum in Berührung kam. So liess er sie immer bewachen, und wenn er auf Reisen ging, schloss er sie gar in einen Turm ein. Doch durch ihre Lehrer erfuhr sie von Jesus Christus und liess sich heimlich taufen. Sie bat ihren Vater um den Bau eines Badezimmers im Turm. Als ihr Vater auf Reisen war, ordnete sie die Bauleute an, nicht zwei Fenster, sondern drei einzubauen – dies als Zeichen der Dreifaltigkeit. Als ihr Vater von einer Reise zurückkehrte, stellte er sie wegen des dritten Fensters zur Rede und erfuhr so von ihrem Glauben. Voller Wut wollte er seine Tochter erschlagen, doch Barbara konnte fliehen und sich in einem Felsspalt verstecken, der sich wie durch ein Wunder vor ihr auftat. Jedoch verriet sie ein Hirtenjunge an den Vater. Dieser folterte seine Tochter, doch Barbara blieb ihrem Glauben treu. Auf dem Weg zum Gefängnis blieb sie mit ihrem Kleid an einem Zweig hängen. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäss mit Wasser – er blühte an dem Tag, an dem sie für ihren Glauben starb. Im Gefängnis soll ein Engel ihre Wunden gepflegt haben. Barbara wurde zum Tod durch Enthauptung verurteilt und ihr eigener Vater tötete sie mit dem Schwert. Nach der Hinrichtung soll ihn der Blitz getroffen und erschlagen haben.

Die Gebeine der heiligen Barbara wurden der Überlieferung zufolge nach Konstantinopel (Istanbul) gebracht. Im 12. Jahrhundert kamen sie nach Kiew. Andere Reliquien kamen um das Jahr 1000 nach Venedig in die Kirche Santa Maria Assunta auf der Insel Torcello, eine Beinreliquie nach Vodnian in Kroatien, weitere Reliquien nach Sevilla sowie  in die Kathedrale nach Oviédo. Im Kloster Mega Spilaio in Kalavrita auf dem Peloponnes wird ihre Kopfreliquie verehrt.

Schutz unter Tage
Als eine der 14 Nothelfer wird Barbara besonders zum Schutz vor einem plötzlichen Tod und als Beistand der Sterbenden angerufen. Aufgrund des Blitzschlags gegen ihren Vater gilt die Heilige als Helferin bei Gewitter und Feuergefahr.

Die Märtyrerin ist auch Patronin verschiedener Berufsgruppen wie z. B. der Geologen, Steinhauer, Dachdecker, Elektriker, Glockengiesser, Feuerwehrleute, Waffenschmiede oder Sprengmeister. Am bekanntesten ist wohl das Schutzpatronat der Bergleute. Dies dürfte auf die Überlieferung zurückgehen, dass sich Barbara auf der Flucht vor ihrem Vater in einer Felsspalte versteckte.

Die alten Bergbauregionen Sachsen, Schlesien und Böhmen waren schon im Spätmittelalter von der Barbaraverehrung geprägt. In vielen Tunneln und Bergwerken unter Tage gibt es Nischen oder Schreine mit Barbaraskulpturen. Am 4. Dezember werden in den Bergbauregionen unter Tage sogenannte Barbaralichter entzündet und die Bergmänner bitten die Heilige um Schutz vor Unfällen und Tod im Bergwerk. Vielerorts finden am Barbaratag oder am Sonntag danach auch Umzüge der Bergleute in traditionellen Uniformen statt. Oft sind die obersten drei Knöpfe der Uniform geöffnet. Sie symbolisieren entweder Glaube, Liebe und Hoffnung oder die Dreifaltigkeit.
 


Die heilige Barbara gilt auch als Schutzheilige der Tunnelbauarbeiter. So spielt sie bei dem Bau der zweiten Gotthardröhre eine Rolle. Bereits beim Start der ersten Vortriebsarbeiten, beim sogenannten «Anschiessen» am 7. Mai 2021, wurde die Barbara-Figur gesegnet. Seither wacht sie in einer Nische bei den Tunneleingängen über die Mineure. Nach der Fertigstellung soll sie im Innern des Tunnels platziert werden und für die Sicherheit der Reisenden sorgen.[1]

Helferin in Gefahr
Aufgrund des Blitzschlags gegen ihren Vater gilt die heilige Barbara auch als Patronin der Artillerie. Dies auch, weil der Blitz den Vater so gezielt getroffen hat. Ihr Bildnis wurde früher häufig bei Waffenlagern und Pulvermagazinen aufgestellt. Eine Überlieferung erzählt davon, dass Mitte des letzten Jahrtausends ein christliches Heer eine Stadt an der Nordküste Afrikas belagerte, in der Christen als Sklaven gehalten wurden. Doch die Kugeln des Heers prallten nahezu wirkungslos an den Stadtmauern ab. In ihrer Not baten sie die heilige Barbara um Beistand, und wirklich brach die Mauer beim nächsten Angriff ein. Aus Dankbarkeit brachten die frommen Artilleristen auf allen Schiffen, dort, wo sie das Pulver aufbewahrten, das Bildnis der heiligen Barbara an. Als auf der Rückkehr in die Heimat auf einem der Schiffe ein Feuer ausbrach, glaubte man alles verloren. Doch als die Flammen sich dem Bild der Schutzheiligen näherten, erloschen sie plötzlich und das Schiff blieb erhalten.

Es gab gar offizielle Anordnungen, welche die heilige Barbara betrafen. So bestimmte z. B. eine Verordnung Karls V. für die Artillerieschulen in Burgos und auf Sizilien, dass der Artillerist, wenn er das Gewehr lädt, das Kreuzzeichen machen und die Hilfe der heiligen Barbara anrufen soll.[2]

Der 1834 gegründete Kanonierverein, heute «Artillerie-Verein Basel-Stadt», pflegt seit jeher den Barbarakult. Bis heute erhalten hat sich der «Barbara-Salut»: ein 23-schüssiges Salutschiessen mit einer 7,5 cm Feldkanone zu Ehren der Schutzpatronin. Dieses erfolgt jeweils am 4. Dezember um 18.30 Uhr am Fuss des Thomasturms. Die 23 Schuss beziehen sich auf die Vollkantone. Bis in die 1970er-Jahre wurde der Salut um 6 Uhr morgens geschossen.

Ungefährlicher ist der Brauch, am Barbaratag Apfel- oder Kirschbaum- oder Forsythienzweige abzuschneiden und in ein Gefäss mit Wasser zu stellen. Er geht auf die Überlieferung zurück, wonach sich ein Zweig im Kleid der heiligen Barbara verfangen haben soll, als sie auf dem Weg ins Gefängnis war. Dieser blühte am Tag ihrer Hinrichtung. Sie soll bei seinem Anblick gesagt haben: «Du schienst tot, aber bist aufgeblüht zu schönem Leben. So wird es auch mit meinem Tod sein. Ich werde zu neuem, ewigem Leben aufblühen.» Heute beziehen wir die blühenden Zweige auf Christus, den Spross aus der Wurzel Jesse, der uns das ewige Leben brachte.

 


[1] https://gotthardtunnel.ch/news/tag-der-heiligen-barbara

[2] Vgl. Artillerie-Verein Basel-Stadt, https://artillerie.org/barbara.html

 


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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