Für uns Gläubige ist es nicht immer einfach, eine würdig und gemäss den Rubriken gefeierte Messe zu finden. Allzu häufig wird die Heilige Messe aus einem falschen pastoralen Verständnis heraus dem Volk angepasst: kindgerecht, eventorientiert, etwas Halligalli – und schon läuft die Heilige Messe Gefahr, in ihrem Wesen entstellt zu werden.
Wenn man jedoch ehrlich ist: Welche Früchte bringen diese sogenannten «Events» tatsächlich hervor?
Wo sind die Kirchen gut besucht? – Bei den Traditionsverbundenen und dort, wo die Heilige Messe würdig gefeiert wird.
Immer wieder wird mir entgegengehalten: «Wir müssen die Kinder doch abholen.» Man versucht – ähnlich wie manche Freikirchen –, moderne Musik in die Heilige Messe zu integrieren. Nicht selten sieht man in charismatisch geprägten Gottesdiensten tanzende Menschen – alles unter dem Motto des Lobpreises.
Blickt man jedoch etwas zurück, stellt man fest, dass in Europa solche «Events» der Katholischen Kirche während ihrer zweitausendjährigen Geschichte fremd waren. Dennoch gelang es der Kirche stets, neue Generationen gläubiger Katholiken hervorzubringen.
Und heute? Das Glaubenswissen befindet sich auf einem Tiefstand, wie es ihn wohl noch nie gegeben hat. Die Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten Sakrament ist vielerorts nahezu verschwunden.
Daher meine Frage: Haben diese Events die Kinder wirklich abgeholt? Haben sie die eucharistische Frömmigkeit gefördert? Haben sie den Glauben gestärkt?
Irgendwann sollten auch die Hirten erkennen, dass man einfach das tun sollte, was die Kirche immer getan hat: die Sakramente würdig feiern, die Katechese über die Sakramente fördern und den Heiligen Geist wirken lassen. Der Heilige Geist weiss es sicherlich besser als der Geist des Menschen.
Die Rubriken in den liturgischen Büchern schützen uns zudem vor den eigenen Ideen. Sie sind auch ein Garant der Einheit. Warum unterscheidet sich die Feier der Heiligen Messe gerade im deutschsprachigen Raum oft so stark von jener in anderen Teilen der Weltkirche? Weil man sich vielerorts zu sehr auf eigene, oft subjektiv gefärbte Vorlieben verlässt.
Es gehört auch zur Demut, sich an das Messbuch zu halten. Der inzwischen verstorbene Papst Benedikt XVI., dessen Leben von grosser Heiligkeit geprägt war, hat die problematische Entwicklung dieser sogenannten Eventkultur bereits früh kritisiert. In seinem Werk «Der Geist der Liturgie» schreibt er sinngemäss, dass dort, wo in der Liturgie applaudiert wird, etwas nicht stimmt, denn Applaus in der Kirche ist ein Zeichen dafür, dass das Wesen der Liturgie nicht richtig verstanden wird.
Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet die Heilige Messe als «Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens». Es wäre daher an der Zeit, sich von fragwürdigen liturgischen Experimenten zu verabschieden und die Heilige Messe wieder gemäss den Vorschriften der Kirche würdig und ehrfürchtig zu feiern. Dann werden auch die Kinder erkennen, dass es sich um etwas Heiliges handelt – um das grösste Geheimnis unseres Glaubens.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Es waren vergeudete Tage, weil wir nicht lernten, welche Anpassungen der Hl. Messe in Übereinstimmung mit den römischen Vorgaben möglich und angebracht sind. Ich verweise hier auf das Direktorium für Eucharistiefeiern mit Kindern oder auf das Kinderhochgebet. All das wurde uns vorenthalten.
Daher kann ich aus eigener, natürlich höchst empirischer Erfahrung bezeugen - und dies, obwohl ich sehr „klassisch“ bin in meinen Vorlieben und nichts Schöneres kenne als möglichst würdig gefeierte Heilige Messen -, dass der Herr wirklich und wahrhaftig AUCH in diesen modernen Formen von Lobpreis, Anbetung etc. mitunter ganz gewaltig wirkt. Vielleicht tatsächlich auch - um auf das Thema des Artikels zurückzukommen -, weil dies (z.B. Deutschschweizer Weltjugendtage) inhaltlich zutiefst katholische Anlässe sind, wo keine „Freestyle-Gottesdienste“ stattfinden.
Man sollte aber auch nicht ins andere Gegenteil abdriften und einen rigorosen Rubrizismus fördern, der das Wesen des Christentums nicht ausschöpft. Gewisse Freiheiten, sofern sie nicht den Kern der Eucharistie betreffen, sollten Priester haben. Auch bei der Musik hat sich gezeigt, dass neue Formen durchaus erfolgreich sind. Gerade die Adoray-Bewegung hat mit grossem Erfolg junge Menschen erreicht. Wir wissen wenig über die genaue Ausgestaltung der Messfeiern in den ersten 4 Jahrhunderten, als die Kirche sicherlich noch eine grosse Authentizität hatte. Aber wir wissen, dass es in den späteren Jahrhunderten auch zu Fehlentwicklungen kam, beispielsweise ausgedehnte Konzertmessen im 19. Jahrhunderten (und auch schon früher), bei denen wohl die Musik für die Anwesenden wichtiger war als die Feier der Eucharistie. Daher würde ich nicht zu engstirnig sein, wenn es um die Ausgestaltung der Heiligen Messe geht. Wichtig ist, dass diese würdig gefeiert und nicht durch Wortgottesdienste ersetzt wird.
Instruktion Redemptionis Sacramentum
Das Recht, die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der Kirche zu.“ (Nr. 14)
„Der Priester muss daran denken, dass er Diener der heiligen Liturgie ist und dass es ihm nicht gestattet ist, eigenmächtig etwas in der Messfeier hinzuzufügen, wegzunehmen oder zu ändern.“ (Nr. 31)
„Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester ist, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.“
Sacrosanctum Concilium Nr. 22 §3
„Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester ist, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.“
Sacrosanctum Concilium Nr. 22 §3
Es würde reichen, wenn man die Predigt, die Lieder, die Orgelmusik (ich spreche als professionelle Kirchenmusikerin) "kidergerecht" anpassen würde, ohne die Liturgie zu verunstalten... die Liturgie zu verunstalten ist KINDERUNGERECHT, denn so haben die kinder keinen Zugang zur hl. Messe, sondern nur zu einer Show. Das ist reiner Betrug. Keine Gerechtigkeit.
Es würde genügen, wenn man sich als Katholik erkundigen würde, wie eine korrekte, d.h. dem Messbuch getreu,hl. Messe zu zelebrieren ist, da wüssten Sie selber, wo der Unterschied liegt.
Dass es in der Schweiz so viele "Liturgie Wissenschaftler" gibt, die sich zu Wort melden, hat leider nur mit dem unerträglichen Ausmass der liturgischen Missbräuche zu tun. Das lässt die Zahl der Wissenschaftler steigern....
https://www.swiss-cath.ch/artikel/liturgische-missbraeuche-in-der-deutschschweiz-keine-einzelfaelle
Weil doch leider das Gegenteil eher die Regel ist, und Sie sicher irgendwann damit konfrontiert sein werden,erlaube ich mir, Ihnen von Herzen zu empfehlen
1- sich liturgisch fundierter weiterzubilden (was ich übrigens jedem Katholik empfehlen würde!)
2-einige passende Lektüren, damit Sie das Problem besser einordnen und nachvollziehen können.
Es sind folgende Texte:
-https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20040423_redemptionis-sacramentum_ge.html
-https://liturgie.ch/images/liturgie/praxis/dokumente/pdf/sbk_wort_redemptionis_sacramentum.pdf
Sowie das schöne Buch "Schatz geortet - Form und Wesen der hl. Messe", von Bärbel Weidmann-Dach (Hg.).
Danach würden Sie besser verstehen können, welche die Gründe unserer Kritik sind, vor allem wenn Sie einmal eine "verunstaltete" hl. Messe erleben würden, mit oder ohne Kinder.
Beispiele davon kann ich gar nicht anfangen aufzulisten, es würde Stunden brauchen.
Gottes Segen
Die Heilige Messe ist kein Unterhaltungsprogramm und kein Ort für ständige Experimente. Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit Christus in der Eucharistie. Wenn jede Pfarrei ihre eigene Liturgie erfindet, geht die Einheit und Würde der Messe verloren.
Viele Menschen suchen heute nicht noch mehr Unterhaltung, sondern einen Ort der Stille, Ehrfurcht und Orientierung. Gerade junge Gläubige fühlen sich oft von einer würdig gefeierten, klar katholischen Liturgie angezogen.
Die Kirche hat einen unermesslichen Schatz in ihrer Liturgie. Statt ihn ständig an den Zeitgeist anzupassen, sollten wir ihn neu entdecken und mit Überzeugung weitergeben.
Wäre mehr von dieser Demut vorhanden, bräuchten wir Gläubigen nicht, von Pfarrei zu Pfarrei zu pilgern, um eine HEILIGE MESSE zu finden.
Denn Heiligkeit hat immer, auf irgend eine Art, mit DEMUT zu tun. In der wahren Erkenntnis des einzig wirklich HEILIGEN, eben, des ALLERHEILIGSTEN, sollte man selber zurück treten, damit wir ABnehmen, und ER ZUnimmt.
Nun ist es leider heut zu Tage, wie Sie schreiben, in unserem Breitengrade ganz besonders, leider umgekehrt geworden, und zwar, daß ER ABnimmt, weil wir ZUnehmen. Dies weil jeder meint, selber ein kleiner -oder grosser- Gott auf Erden zu sein.
Nicht anders war es ganz am Anfang... und da brauche nicht weiter zu erzählen.
Die Folgen davon kennen wir alle...
Nicht umsonst haben die meisten grossen Heiligen immer wieder die Demut hochgepriesen im Umgang mit Gott und dem Nächsten.
Und Demut hat irgendwie ganz viel auch mit Stille gemeinsam, denn Beides lässt und Gott besser erkennen und wahrnehmen.
Deshalb ist die Stille aus den meisten Gottesdiensten immer mehr verschwunden... leider... eben lieber immer mehr Lärm und Events...
Also bitten wir den Heiligen Geist um diese Gabe der Demut, für die Kirche und schliesslich für uns alle, damit mehr Heiligkeit wieder wachsen kann, in grosser Ehrfurcht vor dem ALLERHEILIGSTEN.
- «denn Applaus in der Kirche ist ein Zeichen dafür, dass das Wesen der Liturgie nicht richtig verstanden wird.»
- «Irgendwann sollten auch die Hirten erkennen, dass man einfach das tun sollte, was die Kirche immer getan hat: die Sakramente würdig feiern, die Katechese über die Sakramente fördern und den Heiligen Geist wirken lassen.»
- «Es gehört auch zur Demut, sich an das Messbuch zu halten.»
Und ein Satz, den ich anderswo gelesen habe:
-«Eigensinn, Besserwisserei und Ungehorsam sind die Spaltpilze der modernen Kirche.»