«Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt», rief er der jubelnden Menge nach einem «Buonasera! Buenas tardes! Good evening!» und einer ausgiebigen Begrüssungsfahrt im Papamobil über die dicht besetzte Piazza und die angrenzende Via della Conciliazione zu.
Gerade senkte sich die Sonne über dem Vatikan, ein laues Lüftchen wehte. «Die Welt braucht die Botschaft der Hoffnung, und ihr seid dieses Zeichen der Hoffnung in der Welt», so Papst Leo XIV. im Wechsel auf Italienisch, Englisch und Spanisch.
«Wir wollen Frieden in der Welt!»
Er rief die Jugendlichen auf, Zeugen der Versöhnung in einer von Konflikten zerrissenen Welt zu sein und für den Frieden zu schreien. «Sagen wir alle: ‹Wir wollen den Frieden in der Welt!›», rief er in seiner kurzen, aber prägnanten Botschaft, die er vom Altar vor dem Petersdom aus hielt. Prompt kam das Echo aus der Menge, in der unzählige Fahnen aus Argentinien, Italien, Belgien, Japan, Polen, Senegal oder der Ukraine geschwenkt wurden. «In den kommenden Tagen werdet ihr die Gelegenheit haben, eine Kraft zu sein, die die Gnade Gottes bringen kann, eine Botschaft der Hoffnung, ein Licht für die Stadt Rom, für Italien und die ganze Welt», so Papst Leo XIV. weiter. «Gehen wir gemeinsam mit unserem Glauben an Jesus Christus.»
Nach einem Segen verabschiedete er sich von den begeisterten Jugendlichen und rief in Erinnerung: «Wir treffen uns in Tor Vergata. Eine schöne Woche!»
In Tor Vergata werden die Jugendlichen am Samstagabend eine Gebetswache halten und am Sonntag die Abschlussmesse mit Papst Leo XIV. feiern. Hier hatte bereits Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000 während des ersten Weltjugendtages mit den zwei Millionen Jugendlichen die Abschlussmesse gefeiert. Für dieses Jahr erwarten die Veranstalter eine Million junger Leute aus aller Welt.
Doch bis dahin steht für die jungen Menschen noch vieles auf dem Programm: Heute und morgen können sie unter dem Motto «Dialog mit der Stadt» rund 70 lokale Veranstaltungen besuchen. Am Freitag – als Busstag gestaltet – besteht die Möglichkeit, im Circus Maximus zu beichten. Über 1000 Priester stellen sich dafür zur Verfügung.
«Versteht unsere Probleme»
Die jungen Leute feierten nach dem Eröffnungsgottesdienst gestern noch bis in die Nacht hinein –- sich selbst und den Papst. «Ich bin sehr begeistert von ihm», so Judita aus Krakau. «Er ist uns ganz nah, das spürt man.» Die «Jugend des Papstes» hat teils lange Reisen auf sich genommen, um Papst Leo XIV. zu sehen. Für Juan aus Panama hat sich der teure Flug gelohnt. «Er ist sehr sympathisch und versteht unsere Probleme», ist er überzeugt. Ohnehin hat der Papst als Quasi-Südamerikaner bei ihm einen Stein im Brett: Fast 20 Jahre lang war Leo als Priester und Bischof in Peru, hat sogar dessen Staatsbürgerschaft und ist fast «Muttersprachler».
Chloë aus Nîmes bedauert ein wenig, dass kein Franzose zum Papst gewählt wurde, aber Prevost habe ja nicht nur italienische und spanische, sondern auch französische Wurzeln.
Jérémie aus dem Kongo schätzt am neuen Papst seine positive Ausstrahlung und reiche Erfahrung. «Er ist ein Weltbürger, genau das brauchen wir heute», so der Pharmazie-Student.
«Er hat sowas Verschmitztes», meint Lorenz aus Berlin. «Ich fand klasse, dass er neulich eine Pokemon-Karte unterschrieben und ein Basecap aufgesetzt hat», so der Publizistik-Student.
Schon am Morgen hatte der Papst bei einem Treffen mit katholischen Influencern und einer Audienz für Taufbewerber von der Gefahr von Fake News, Sex und Drogen gesprochen; vor allem aber von der Notwendigkeit, Netzwerke für den Frieden zu knüpfen – sein Thema seit seiner Wahl zum 267. Papst der Kirchengeschichte vor rund 80 Tagen.
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