(Collage: swiss-cath.ch; Bild von Bischof Bonnemain: Pakeha, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Mit spitzer Feder

Die Lip­pen­be­kennt­nisse des Joseph Maria B.

Am 26. Juli 2026 wird Bischof Joseph Maria Bon­ne­main 78 Jahre alt. Eigent­lich hätte er schon vor bald drei Jah­ren dem Papst sei­nen Rück­tritt anbie­ten müs­sen (so will es jeden­falls das gel­tende Kir­chen­recht, vgl. can. 401 § 1 CIC). Eigent­lich. Doch bei sei­ner Ernen­nung zum Bischof der Diö­zese Chur im Februar 2021 soll ihm zuge­sagt wor­den sein, zumin­dest fünf Jahre im Amt blei­ben zu können.

Als ihm der zuständige Kardinal Ouellet spätabends per Telefon seine Ernennung zum Bischof mitgeteilt habe, sei ihm unweigerlich der Gedanke durch den Kopf geschossen: Nein, das kann ich nicht annehmen, das ist eine Mission impossible. Doch dann habe er sich nach einer schlaflosen Nacht schweren Herzens zu einem «Ja» durchringen können, denn es wäre dem Kirchenvolk nicht mehr zumutbar gewesen, noch weitere Jahre auf einen Nachfolger von Bischof Vitus Huonder warten zu müssen.

Dass sich Bischof Bonnemain Unmögliches zutraut, wen wunderts? Maliziös merkt Annalisa de Vecchi in ihrem Interview an: «Bonnemain scheint jedoch immer noch zu sehr von seiner Mission überzeugt zu sein, um daran zu denken, sein Amt niederzulegen» (Bündner Tagblatt 16. Februar 2026).

Mehr noch: Um gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein, hat er in Rom um einen Weihbischof nachgesucht – angesichts seines vorgerückten Alters ein wohl einmaliger Vorgang in der Weltkirche: Es ist gängige Praxis, einem Diözesanbischof, der 70 Jahre alt geworden ist, keinen Weihbischof mehr zur Seite zu stellen. Rom hat ihm auch diesen Wunsch erfüllt.

Meine Visionen umsetzen
«Eindeutiges Ergebnis: Kirchenvolk wünscht Weihbischof», lautete der irreführende Titel der Mitteilung des Bistums Chur vom 27. Juni 2025. Tatsächlich hatten gerade einmal 346 Personen an der Umfrage teilgenommen. Da sind nach Adam Riese 0,069 % der im Bistum wohnenden erwachsenen Gläubigen.

Und was soll die Hauptaufgabe dieses Weihbischofs sein? Er soll vor allem die Visionen von Bischof Bonnemain umsetzen (vgl. Interview a.a.O.). Man muss nicht die Ansicht des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt teilen, der mitten in den politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit den Satz geprägt hat: «Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.» Aber es geht nun wirklich nicht an, dass ein zukünftiger Weihbischof ex ante, schon vor seiner Ernennung zum Klon des amtierenden Diözesanbischofs, degradiert wird und ihm dessen Visionen aufs Auge gedrückt werden. Vor allem: Wie reimt sich das zusammen mit der von Bischof Bonnemain selbst abgesegneten Selbstverzwergung in der «Handreichung für eine synodale Kirche» aus dem Jahre 2023? Dort heisst es in Punkt 2.2.7: «Ebenso setzt er (sc. der Bischof) sich dafür ein, dass die Machtfülle des Bischofsamts kritisch überprüft und begrenzt wird.»

Das Wort, das Bischof Bonnemain am liebsten hört, ist die Saga vom Mann, der Spannungen abgebaut, Ruhe ins zuvor zerstrittene Bistum Chur gebracht hat. So lautet auch der Titel des genannten Interviews: «Einer, der Ruhe gebracht hat». Es ist dies eine Zuschreibung, die in einem Poesiealbum ihre Berechtigung haben mag, mit der Realität aber nichts zu tun hat. Die bistumsinternen Konflikte motten ungehindert weiter. Nun ist es unlängst zu einem öffentlichen Eklat gekommen: Wendelin Bucheli, Dekan des Dekanats Uri, hat am Wochenende des 7./8. Februars 2026 seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Mit ihm tritt auch der Vize-Dekan zurück. Als Grund für den beiderseitigen Rücktritt nennt Wendelin Bucheli «eine über längere Zeit belastete Situation in der Zusammenarbeit mit dem Generalvikariat, für die trotz verschiedener Gespräche keine tragfähige Klärung gefunden werden konnte». Da muss offensichtlich schon seit einiger Zeit Feuer im Dach gelodert haben. Von diesem Konflikt muss auch Bischof Bonnemain Kenntnis gehabt haben. Wenn er nun im Interview mit dem Bündner Tagblatt behauptet, dass die Spannungen und Polarisierungen im Bistum abgenommen hätten («Wir sind uns alle näher gekommen, aber es war nicht einfach»), dann ist dies pure Schönfärberei.

Die definitive Altersgrenze für Bischöfe und Kardinäle liegt bei 80 Jahren. Keine «Mission impossible» für Bischof Bonnemain, auch diese Schranke zu überwinden. Ob Rom ihm diesen dritten Wunsch ebenfalls gewähren wird?


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Anton Lenz 18.02.2026 um 14:06
    Sein Gesicht und sein Name stehen für Zusammenbruch und Ruin der Kirche.

    Lest die Statistiken.
  • Johanna-Jessica OFS 18.02.2026 um 09:38
    Mit welch herablassend anmutender Hingabe (nicht nur auf sachlicher Ebene) hier teilweise über einen eingesetzten Hirten her gezogen wird... Es schmerzt mich schon etwas. Allen einen gesegneten und von Demut erfüllten Aschermittwoch.
    • user
      ser AD 18.02.2026 um 10:59
      Es "schmerzt" auch, dass Bonnemain seiner Hirtenpflicht wenig nachkommt.

      Was ist ein eingesetzter Hirte? Ez 34,11-16 spricht davon, am nächsten Montag in der Messe.
      • Johanna-Jessica OFS 18.02.2026 um 12:42
        Ich habe ihn bisher, mitunter persönlich, immer wieder durchaus als Hirten wahrnehmen dürfen. Ebenso habe ich u.A. miterleben dürfen, wie er Menschen in die Kirche geführt hat, die zuvor jahrelang gezögert haben. Sachlich masse ich mir kein Urteil über ihn an - ich bin nur ein Laie und sehe, ausserdem, nur einen Teil des Wirkens einer öffentlichen Person.

        Gottes Segen Ihnen! Ich mag mich nicht streiten und kann Ihren Standpunkt als solchen akzeptieren. Und gerne schliesse ich mich auch der kommenden Lesung an.
        • user
          ser AD 18.02.2026 um 14:19
          Das kann ich gut nachvollziehen. Auch ich hatte positiv mit ihm zu tun vor 16 Jahren, als eine Gläubige heiraten musste und Joseph Bonnemain hatte Hand geboten, dass dies zu Hause geschehen konnte (obwohl grundsätzlich verboten) weil der Mann nicht in die Kirche gehen wollte - und sie dadurch von der Kommunion ausschloss.
          Joseph Bonnemain ist menschlich sehr hilfsbereit - aber in der Kirche erwarte ich noch etwas darüber.
          Ich hatte Freude an seiner Ernennnung zum Bischof, und kam nachher bös auf die Welt, wie er jetzt agiert.
          Auch Ihnen Gottes Segen und eine schöne Zeit.
          • Johanna-Jessica OFS 20.02.2026 um 16:56
            In jedem Fall danke ich Ihnen, für Ihre Offenheit und die mahnenden Worte, die ich sicherlich im Hinterkopf behalte. Ich kann Ihren Anspruch bestens nachvollziehen.
            Ihnen weiter eine gesegnete Zeit!
  • user
    Svenja Niederberger 18.02.2026 um 05:37
    Es braucht dringend einen Schlussstrich. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende
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    Stefan Holzer 17.02.2026 um 23:01
    Bonnemain ist ein einziges Desaster für die Kirche.
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      Coban Akinci 18.02.2026 um 09:56
      Danke für den sehr ausgewogenen und differenzierten Kommentar. Schade sind Sie nicht Bischof.
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        Magdalena Ritter 18.02.2026 um 15:27
        Es geht nicht um uns sondern um was die Kirchenväter gesagt und weiter gegeben haben.
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    Kurt Vogt 17.02.2026 um 21:06
    Es ist immer erstaunlich, was geschrieben wird über das Alter von Bischöfen. Bei gewissen Bischöfen wird innerhalb von 2 Wochen nach dem erfüllten 75. Lebensjahr die Demission angenommen - auch wenn manche dazu "gezwungen" werden mussten, die Demission einzureichen. Am 20. November 2025 machte Papst Leo XIV anlässlich der italienischen Bischofskonferenz in Assisi diese Aussage (https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2025/november/documents/20251120-assisi-cei.html ):
    "Erlaubt mir, euch auch zu diesem letzten Aspekt einige Hinweise zu geben. Eine synodale Kirche, die auf dem Boden der Geschichte vorangeht und sich den neuen Herausforderungen der Evangelisierung stellt, muss sich beständig erneuern. Es ist zu vermeiden, dass trotz guter Absichten Trägheit die notwendigen Veränderungen verlangsamt. In diesem Zusammenhang müssen wir alle die innere Haltung pflegen, die Papst Franziskus als »Lernen, Abschied zu nehmen« bezeichnet hat, eine wertvolle Haltung, wenn man sich darauf vorbereiten muss, sein Amt niederzulegen. Es ist gut, dass die Regel der 75 Jahre für das Ende des Dienstes der Ordinarien in den Diözesen eingehalten wird, und nur im Falle der Kardinäle kann eine Fortsetzung des Dienstes, gegebenenfalls für weitere zwei Jahre, in Betracht gezogen werden."
    Diese Aussage steht im Widerspruch zum Gerücht, dass Bischof Joseph Maria eine Verlängerung um 2 Jahre erhält (er ist ja nicht Kardinal).
    Kardinal Schönborn war bis zum 80ten Lebensjahr Erzbischof von Wien... und dann wurde seine Demission umgesetzt.
  • user
    Barbara Negele 17.02.2026 um 20:26
    Joseph Maria Bonnemain - ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.
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    Meier Pirmin 17.02.2026 um 18:41
    In Erinnerung an den vor drei Jahren erfolgten Auftritt von Bischof Joseph Maria Bonnenmain auch eingedenk eines aufbauenden Gesprächs sogar zu Fuss unterwegs auf der Route der 11 Gedenksteine an die Schlacht bei Näfels, zu deren Anlass der Bischof zum "Schlacht"-Prediger berufen war, erlaube ich mir bei ihm und anderen hohen Geistlichen, auch Äbten, anzumahnen, dass bei heutigen Bedingungen und zumal bei einem relativ hohen Alter bei der Wahl das Alter 75 für Rücktritt keinesfalls als Guillotine interpretiert werden müsste und dürfte. Selbst wenn man weiss, dass fast jeder Bischof und leider auch fast alle Päpste nicht nur Apostel der Vorsehung, sondern ebenso Apostel der Zulassung gewesen sind, was die entsprechenden Personen bei strenger Gewissenserforschung wohl auch vor sich selber vielleicht bestätigt haben. Es gibt Amtsträger, die noch im Alter von 75 bis 85 Jahren, wenn nicht älter, segensreich gewirkt haben, in der Politik notabene nach meiner Auffassung etwa Konrad Adenauer als Kanzler, wohingegen zum Beispiel Hitler bei seiner Machtergreifung erst 43 war, wie übrigens Kennedy bei seiner Wahl, die trotz seines hohen Ansehens und rhetorischen Charismas die kritischste Phase des Kalten Krieges einläutete, was geflissentlich wegen Heldenkult vergessen ging. Der charakterlich mehr als nur anfechtbare Trump hat hingegen bsiher für den Weltfrieden eher weniger Schaden angerichtet als diverse vermeintlich bravere Präsidenten, und unter den berüchtigten Päpsten der Zeit vor der und um die Reformation war der im Privatleben teilweise ruchlose Alexander VI. von den kirchlichen Massnahmen her und seinen Mahnungen, bei den Entdeckungen dir Priorität der Mission und nicht dem Kolonialismus zu geben, sogar als Friedensvermittler besser als sein Ruf, und der zwar kriegerische Julius II. erkannte immerhin den Reformbedart in der Kirche, genau so wie der im Wallis eher verhasste Kardinal Schiner, ursprünglich ein Freund und Gönner Zwinglis, der, ich meine Schiner, zum Beispiel wenig bis nichts übrig hatte für den Ablassprediger Samson. Päpste und Bischöfe sind kirchenhistorisch leider allzu häufig in positivem und fragwürdigem Verhalten gemischte Persönlichkeiten. Papst Julius II. , bekannt für seine Julius-Panner als Belohung für die Schweizer Krieger, hat der Schweizer Kirche immerhin noch im Januar 1513 bedeutende Privilegien zugestanden, etwa bei der Pfarrwahl, ohne die womöglich auch die Urschweiz sich hätte der Reformation anschliessen können, siehe diverse Landschreiber dieser Kantone in ihrem Briefwechsel mit Zwingli in dessen noch katholischen Zeiten. Rein intellektuell mussten sich die damaligen Päpste ohnehin nicht verstecken, zumal nicht der nur kurzzeitig amtierende Niederländer Hadrian Vi., der massgeblich dazu beitrug, dass Erasmus und Glarean letztlich katholisch geblieben sind.
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    ser AD 17.02.2026 um 17:25
    Es war von Beginn weg klar, dass Bonnemain mindestens 5 Jahre bleiben würde.

    Auch in anderen Bistümern haben greise Oberhirten vor dem Absprung noch Weihbischöfe in die Welt gesetzt: Kardinal Meisner 2 in Köln, Kardinal Lehmann 1 für Mainz. Dieser wurde immerhin Erzbischof von Paderborn, die anderen stehen seit über 10 Jahren im Zeug herum, derweil in den meisten Bistümern neue Diözesanbischöfe geweiht werden. Frage nun: welche Relevanz hat die Kür von Weihbischöfen??

    Für Chur ist die Antwort : Präjudizien schaffen. WB Eleganti ist konsequenterweise abgetreten. Wird der neue Weihbischof dann irgendwie der Nachfolger von Bonnemain? Die römischen Ternaspiele kennen wir ja.
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    Hansjörg 17.02.2026 um 16:19
    Mit einer rund 9 jährigen Ausnahme von Bischof Grab, haben seit 1990 vor allem die beiden sehr konservativen und eher rückwärtsgewandten Bischöfe Haas und Huonder das Bistum Chur geprägt.
    Nun, seit 2007 ist Joseph Maria Bonnemain amtierender Bischof und ein Lichtblick für die Katholiken des gesamten Bistums.
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      Martin Meier-Schnüriger 18.02.2026 um 15:53
      Wenn Bischof Bonnemain als "Peacemaker" gefeiert wird, als ein Mann, der Ruhe ins Bistum gebracht habe, so hängt das mit der hier verbreiteten Haltung zusammen, er sei ein Lichtblick für die Katholiken des Bistums Chur. Für die einen mag er das sein, aber es gibt auch andere, jene, die treu zum Glauben der katholischen Kirche stehen und sich von ihrem Oberhirten schmerzlich im Stick gelassen fühlen.