Nicolas Koch und Johannes Tschudi informierten am Mladifest in Medjugorje über ihre Arbeit. (Bild: zVg)

Kirche Schweiz

«Die mäch­tigste Waffe, um Hun­ger lang­fris­tig zu bekämp­fen, ist aber Bildung»

Seit nun­mehr zehn Jah­ren gibt es Mary’s Meals Schweiz – aus­ge­löst durch einen Film, der über die Arbeit von Mary’s Meals infor­miert. Inzwi­schen haben sich viele Men­schen von der Idee begeis­tern las­sen. Johan­nes Tschudi, Geschäfts­füh­rer von Mary’s Meals Schweiz, gibt Ein­blick in die Idee und die Arbeit die­ser Hilfsorganisation.

Die Idee von Mary’s Meals ist simpel: Kinder erhalten täglich eine gute Mahlzeit in ihrer Bildungseinrichtung, sodass sie zum Schulbesuch ermutigt werden. Ist es wirklich so einfach?
Es gibt unzählige Probleme auf unserer Welt und viele davon sind hochkomplex. Mary’s Meals möchte ein einzelnes fundamentales Problem bekämpfen. Nämlich die erschreckende Tatsache, dass Millionen von Kindern aufgrund von Hunger nicht zur Schule gehen. Meist behalten die Eltern ihre Kinder lieber zu Hause als Arbeitskräfte oder zum Betteln, um die nächste Mahlzeit irgendwie zu ermöglichen. Die mächtigste Waffe, um Hunger langfristig zu bekämpfen, ist aber Bildung. Darum koppeln wir unsere Ernährungsprogramme direkt an Ausbildungsorte. Die angebotenen Mahlzeiten sind für Eltern meist Grund genug, ihr Kind in die Schule zu schicken, selbst wenn sie den Wert der Bildung an sich gar nicht nachvollziehen können, da sie selbst nie die Möglichkeit hatten, in die Schule zu gehen.

Inzwischen erhalten 2,6 Millionen Kinder auf der ganzen Welt täglich eine Schulmahlzeit. Organisiert werden diese mehrheitlich von Freiwilligen. Wie kann eine solch grosse «Organisation» gemanagt werden?
Es sind mittlerweile sogar bereits 3 Millionen Kinder, wie wir am 8. September offiziell verkünden werden. Der Grossteil der Freiwilligen bezieht sich auf das Personal in den Schulküchen. Dieses wird immer von Freiwilligen vor Ort gestellt. Meist sind es die Mütter und Grossmütter der Kinder, die für ihre eigenen Kinder in der Schule kochen und selbst die wohl grösstmögliche Motivation haben, dass das Essen auch bei den Kindern ankommt. Darüber hinaus gibt es in allen Regionen, wo Mary’s Meals tätig ist, angestellte Verantwortliche, welche die Freiwilligen instruieren, die Lebensmittelverteilung koordinieren und auch kontrollieren. Als Dach darüber steht dann Mary’s Meals International, mit Sitz in Glasgow, welches die globale Leitung der Projekte innehat und entscheidet, wo wir weiter expandieren.

Diese täglichen Mahlzeiten werden auch in Ländern und Gebieten angeboten, in denen Krieg oder Unruhen herrschen, so z. B. in Haiti oder Syrien. Wie ist das möglich?
Wir arbeiten in den meisten Fällen mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen, die sich beispielsweise auf die Schulbildung spezialisiert haben. Der Beitrag von Mary’s Meals besteht jeweils im Bau der Schulküchen und in der Bereitstellung der Nahrungsmittel. Letztere können fast überall lokal bei einheimischen Bauern gekauft werden, womit auch wieder in die Wirtschaft der Länder investiert wird. In wenigen Fällen, wie beispielsweise im Südsudan, müssen wir Nahrung aus Nachbarländern importieren. Solange es die Sicherheitslage zulässt und verantwortbar ist, führen wir wo immer möglich die Schulernährungsprogramme fort, da es für die meisten Kinder die einzige, vollwertige Mahlzeit am Tag ist.

Mary’s Meals wurde 2002 in Schottland gegründet; nun feiert Mary’s Meals Schweiz sein 10-jähriges Jubiläum. Wie kam es zur Gründung in der Schweiz?
Im Frühling 2015 wurde der erste grosse Dokumentarfilm mit dem Titel «Child 31» über die Arbeit von Mary’s Meals veröffentlicht. Ein Freund teilte den Film auf Facebook und als ich ihn anschaute, war mir sofort klar: Das ist endlich eine Hilfsorganisation, hinter deren Ziel und Werten ich komplett stehen kann. Am Weltjugendtag in Schwyz zeigten wir den Film einem grösseren Publikum und daraus entstand eine Gruppe junger Menschen – die meisten noch Studenten – die sich zum Ziel setzten, Mary’s Meals in der Schweiz bekannter zu machen. Wir hatten keine Ahnung, was wir da anstiessen. Frisch fröhlich nahmen wir mit Schottland Kontakt auf, gründeten einen Verein und druckten einen ersten Flyer. Schon in den ersten Monaten zeigte sich, dass die Arbeit von Mary’s Meals nicht nur uns überzeugte, sondern auch viele Spender.

Können Sie uns einen Überblick über das Engagement von Mary’s Meals Schweiz geben?
In der Schweiz hat Mary’s Meals allein das Ziel, Spenden zu sammeln, um die weltweite Arbeit in 16 der ärmsten Länder zu ermöglichen. Wir organisieren regelmässig «Risky Dinners». Bei diesen Anlässen bezahlen alle Gäste den Eintrittspreis von Fr. 25.– und ziehen danach ein Los, welches sie einer Gesellschaftsschicht zuteilt. Die Gäste bilden die Weltbevölkerung ab: wenige Superreiche, einige Mittelständler, viele sehr Arme. Und genauso wird das Essen verteilt. Vom 5-Gänge-Menü bis zur Schale Reis. Im Rahmen dieser Anlässe informieren wir über unsere Arbeit und laden ein zur Mithilfe. Wir unterstützen Freiwillige mit Infomaterial und Know-how bei der Umsetzung eigener kleiner Projekte, die Mary’s Meals zugutekommen. Und wir machen die ganze administrative Arbeit der Spendenverwaltung und Verdankung, sodass die Spenden allesamt steuerlich abziehbar sind für unsere Unterstützer.
 


Gibt es neue Projekte oder Ideen?
Mary’s Meals verstand sich von Beginn weg als eine Bewegung, die von unzähligen kleinen, individuellen Beiträgen gespeist wird. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wir freuen uns über jede Person, die mit ihren Fähigkeiten und ihrer Kreativität einen Beitrag leistet, den ärmsten Kindern der Welt neue Hoffnung zu schenken.

In den nächsten Monaten wird das Projekt «Feed a School» neu lanciert werden. Dabei können Einzelpersonen oder auch ganze Gruppen eine Patenschaft für eine Mary’s Meals-Schule übernehmen und gemeinsam die Ernährung für ein Jahr sicherstellen. Aktuell gibt es bereits einen kleinen Chor im Tessin, welcher an Sonntagen in Gottesdiensten singt und dabei Spenden sammelt, um «ihre» Schule in Malawi zu ernähren.

Wie können Pfarreien, aber auch Privatpersonen die Arbeit von Mary’s Meals unterstützen?
Mary’s Meals gibt keine Spendengelder für bezahlte Werbung aus. Ein wichtiger Multiplikator sind darum Pfarreien. Durch Kollekten kommen natürlich direkt Spenden rein, aber vor allem erfahren die Menschen auch von unserem Anliegen. Genauso durch Risky Dinners, die in den meisten Fällen ebenfalls in Pfarreien stattfinden und sich als sehr beliebte Pfarreianlässe bewährt haben. Als Einzelperson kann man zuallererst einmal seinen Freunden und Familien von unserer Arbeit erzählen, man kann selbst bei Risky Dinners mithelfen oder sein eigenes Projekt starten, um Spenden zu sammeln. Aktuell suchen wir auch noch jemanden für unser kleines Team mit einer Anstellung von 20 bis 40 Prozent im Bereich Marketing und Administration. Interessierte können sich gerne direkt bei mir melden.

Haben Sie zum 10-Jahr-Jubiläum etwas Spezielles geplant?
Wir feiern unseren zehnjährigen Geburtstag mit einem Gartenfest am 13. September in Zürich Hirzenbach, an der Luchswiesenstrasse 23. Es gibt eine Live-Band, Kaffee und Kuchen, Wurst und Brot und eine schottische Überraschung. Wir freuen uns, mit allen Freunden und Interessierten von Mary’s Meals zusammen in Dankbarkeit auf die letzten Jahre zurückzuschauen und voller Hoffnung auf die nächsten Jahre vorauszublicken.
 

Johannes Tschudi ist Geschäftsführer von Mary’s Meals Schweiz.
 

Mit einer Spende von gerade einmal Fr. 24.50 erhält ein Kind ein ganzes Schuljahr lang eine tägliche Mahlzeit.
Mary's Meals Schweiz, 6210 Sursee, Post-Konto Nr. 61-757127-6
IBAN: CH61 0900 0000 6175 7127 6


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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