Pastoraler Besuch in einem Altenheim beim 25. Internationalen Bischofstreffen in Taybeh am 18. Januar 2026. (Bild: © Mazur/cbcew.org.uk)

Weltkirche

Die Schreie der Men­schen im Hei­li­gen Land dür­fen nicht unge­hört bleiben

Angst, Gewalt, huma­ni­täre Kata­stro­phe und all­ge­gen­wär­tige Trau­mata: Die inter­na­tio­nale Bischofs­gruppe, die am Mitt­woch ihren jähr­li­chen Soli­da­ri­täts­be­such im Hei­li­gen Land been­dete, zieht ein düs­te­res Resü­mee der gegen­wär­ti­gen Lage in Israel und den besetz­ten paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten. Doch sie erleb­ten auch Hoffnungsvolles.

«Die Menschen im Heiligen Land schreien nach unserer Hilfe und unseren Gebeten; sie sehnen sich nach einem Ende ihres Leidens. Stehen Sie an ihrer Seite», heisst es in der Abschlusserklärung vom Donnerstag.

Dreizehn Bischöfe aus Europa, den USA und Kanada hatten sich seit Samstag im Heiligen Land aufgehalten, um ein Bild zur aktuellen Lage – gerade angesichts des Waffenstillstands zwischen der Terrororganisation Hamas und Israel – zu erhalten. Sie besuchten bedrohte Beduinengemeinden und das letzte rein christliche palästinensische Dorf Taybeh. Auch trafen sie mit Vertretern von Kirchen, kirchlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft zusammen, um sich über die aktuelle Lage zu informieren.

«Menschen unter Trauma»
Vorgefunden hätten sie «ein Land, in dem die Menschen unter einem Trauma leiden». Die Bischöfe, darunter Bischof Peter Bürcher aus der Schweiz, verurteilten die sich immer weiter ausdehnenden, völkerrechtlich illegalen israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland.
 


Die betroffenen Palästinenser, darunter Beduinengemeinden im Korridor zwischen Ostjerusalem und dem Jordangraben, aber auch palästinensische Christen in Taybeh, litten unter Angriffen extremistischer israelischer Siedler, seien verängstigt und demoralisiert. «Als wir die Beduinen, die im besetzten Westjordanland fragten, wer ihren Kampf und ihren Schrei nach einem Leben in Frieden mit ihren Nachbarn sieht, antworteten sie: ‹Niemand sieht uns.›», so die Bischöfe in ihrer Abschlusserklärung.
Die Delegation der Bischöfe aus Europa und Nordamerika konnte sich aus erster Hand über die Lage im Gazastreifen informieren. Dort herrsche nach wie vor eine katastrophale humanitäre Krise. «Die Arbeit von Pfarrer Gabriel Romanelli und die Präsenz der Christen in Gaza sind ein lebendiges Zeugnis für die Berufung der Kirche, nämlich nah und treu bei denen zu sein, die besonders leiden», so der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz. Er fügt hinzu: «Die Kirche steht vor einer ungeheuren, ja doppelten Herausforderung: wirksame humanitäre Hilfe zu leisten und gleichzeitig die zahlreichen Aufgaben zu stemmen, die die Präsenz der Kirche sichern.»

Angst vor Verstummen der Mutigen
«In den zwölf Monaten seit unserem vorigen Besuch wurde das Land der Verheissung immer weiter verkleinert und infrage gestellt», so die Bischöfe. Auch die «mutigen israelischen Stimmen», die sich für Menschen- und Bürgerrechte einsetzten, würden zunehmend bedroht. «Wir befürchten, dass auch sie bald zum Schweigen gebracht werden.»

Die Bischöfe, die sich zum Existenzrecht Israels und dem Recht der Israelis auf ein Leben in Frieden und Sicherheit bekennen, fordern die Wahrung dieser Rechte für alle im Land verwurzelten Menschen. «Wir fordern unsere Regierungen zudem auf, Druck auf Israel auszuüben, damit es die auf Regeln basierende internationale Ordnung einhält und zielgerichtete Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung zum Nutzen und zur Sicherheit aller wieder aufnimmt.»
 


Hoffnungsvolles Zeugnis
Die Bischöfe zeigen sich tief bewegt vom Glauben und der Standhaftigkeit der Christen vor Ort, aber auch von Menschen anderer Glaubensrichtungen, die versuchen, in ihren Gemeinden die Hoffnung aufrechtzuerhalten. «Sie erinnern uns daran, dass es unsere gemeinsame Berufung ist, ‹Salz der Erde› und ‹Licht der Welt› zu sein und uns für eine friedliche Koexistenz und Sicherheit im gesamten Heiligen Land einzusetzen.»

Die Gruppe wurde auch Zeuge des Mutes jüdischer und palästinensischer Stimmen, die sich trotz der gewaltigen Herausforderungen und ihrer eigenen Traumata für Gerechtigkeit, Dialog und Versöhnung einsetzen. «Von Eltern zu hören, die ein Kind durch den Konflikt verloren haben und dennoch einen Weg zur Vergebung finden, ist ein starkes Zeugnis für die Möglichkeit von Frieden und Versöhnung.»
 

Die Bischofstreffen finden seit 1998 jeweils im Januar im Auftrag des Vatikans und auf Einladung der katholischen Bischöfe vor Ort statt. Sie sollen «Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften» stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen festigen.


Abschlusserklärung der Bischöfe


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

  • user
    Daniel Ric 23.01.2026 um 08:04
    Es ist eine absolute Tragödie, was der Staat Israel - ich schreibe hier bewusst vom Staat Israel, da viele Juden sich für diese Taten schämen - den Palästinensern angetan hat. Viel zu viele Menschen haben in Europa (in den USA sowieso) geschwiegen zu diesem Vorgehen, das ja bereits eine lange Vorgeschichte hat. Ich bin stolz, dass sich die katholische Kirche immer gegen diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgesprochen und scharf verurteilt hat. Als Christen können wir nur glaubwürdig sein, wenn wir solche Verbrechen verurteilen, dies unabhängig davon, gegen wen sie gerichtet sind.