Reissende Fluten, spektakuläre Wasserfälle
Das antike Tibur – heute Tivoli – war eine strategisch wichtige Durchgangsstation auf dem Weg von Osten nach Rom: Von der Wehranlage (Akropolis) von Tivoli aus konnte das gesamte Tal überwacht werden. Aber die geografische Lage von Tibur ermöglichte auch den Bau erster wassertechnischer Anlagen im 2. Jahrhundert v. Chr. Dazu gehörten Gräben, Kanäle, Schleusen und Aquädukte sowie Brücken und Wassermühlen, die alle den Fluss Aniene entweder eindämmen oder nutzen sollten. Einige davon waren im 19. Jahrhundert noch in Betrieb.
Der Aniene, ein Nebenfluss des Tiber, sorgte über die Jahrhunderte immer wieder für schwere Überschwemmungen in Tivoli. Nach einer verheerenden Flut in den 1820er-Jahren, die grosse Teile der Altstadt zerstörte, beauftragte Papst Gregor XVI. eine Umleitung des Flusses. Ein neu geschaffener Tunnel durch den Berg Catillo führt den Aniene seither an der historischen Altstadt vorbei hinab ins Tal.
Die Villa Gregoriana befindet sich in einer steilen Schlucht, die den Namen «Valle dell’Inferno» (Teufelstal) trägt. Der durch den Tunnel entstandene künstliche Wasserfall ist mit mehr als 100 Metern Fallhöhe der zweithöchste Italiens – nach der 165 Meter hohen «Cascata delle Marmore» bei Terni, die ebenfalls auf einen päpstlichen Auftrag zurückgeht. Von den ursprünglich vier Stürzen sind heute zwei übrig geblieben.
Doch rauscht es in der Villa gleich doppelt. Neben dem «Papst-Fall» sind die «Cascatelle» (wörtlich: Wasserfällchen) die eigentlichen Schönheiten des Parks. Auch sie werden vom Aniene gespeist. Unterhalb der antiken Tempel auf der ehemaligen Akropolis von Tivoli bahnen sich die kleinen Wasserläufe ihren Weg durch den porösen Travertin-Felsen. Sie schlängeln sich über Grotten und mehrere grüne Ebenen, bevor sie sich ins Tal ergiessen.
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