Die Neptunsgrotte der Villa Gregoriana. (Bild: Lalupa, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Die Villa Gre­go­riana – vom päpst­li­chen Bau­pro­jekt zum Naturparadies

Nahe Rom rauscht Was­ser durch eine ver­wun­schene Schlucht, füh­ren Wege zu Grot­ten und Rui­nen. Die «Villa Gre­go­riana» ist heute ein Natur­pa­ra­dies – zu ver­dan­ken einem Papst, der eigent­lich ein ande­res Pro­blem lösen wollte.

Es sind nur wenige Stufen hinab bis ins kühle Grün der «Villa Gregoriana». Einzig das Rauschen der Wasserfälle durchbricht die Stille in der tiefen Schlucht unterhalb des Bergstädtchens Tivoli. Über gewundene Pfade und unter einem dichten Blätterdach erstreckt sich der wildromantische Naturpark mit seinen Grotten, Höhlen und Wasserspielen. Über 100 Meter stürzt sich der «Grosse Wasserfall» ins «Höllental».

Heute ist die «Villa Gregoriana» ein Ort der Erholung für Touristen und die Bewohner der rund 30 Kilometer entfernten Metropole Rom. Der Rundgang führt vorbei an antiken Tempeln, den Resten einer römischen Villa und kleinen Brunnen. Von verschiedenen Aussichtspunkten bietet sich ein spektakulärer Blick über das weite Tal und die umliegenden Berge. Entstanden aber ist die Anlage als Hochwasserschutzprojekt von Papst Gregor XVI. (1831–1846), dem Namensgeber des Parks.
 


Reissende Fluten, spektakuläre Wasserfälle
Das antike Tibur – heute Tivoli – war eine strategisch wichtige Durchgangsstation auf dem Weg von Osten nach Rom: Von der Wehranlage (Akropolis) von Tivoli aus konnte das gesamte Tal überwacht werden. Aber die geografische Lage von Tibur ermöglichte auch den Bau erster wassertechnischer Anlagen im 2. Jahrhundert v. Chr. Dazu gehörten Gräben, Kanäle, Schleusen und Aquädukte sowie Brücken und Wassermühlen, die alle den Fluss Aniene entweder eindämmen oder nutzen sollten. Einige davon waren im 19. Jahrhundert noch in Betrieb.

Der Aniene, ein Nebenfluss des Tiber, sorgte über die Jahrhunderte immer wieder für schwere Überschwemmungen in Tivoli. Nach einer verheerenden Flut in den 1820er-Jahren, die grosse Teile der Altstadt zerstörte, beauftragte Papst Gregor XVI. eine Umleitung des Flusses. Ein neu geschaffener Tunnel durch den Berg Catillo führt den Aniene seither an der historischen Altstadt vorbei hinab ins Tal.

Die Villa Gregoriana befindet sich in einer steilen Schlucht, die den Namen «Valle dell’Inferno» (Teufelstal) trägt. Der durch den Tunnel entstandene künstliche Wasserfall ist mit mehr als 100 Metern Fallhöhe der zweithöchste Italiens – nach der 165 Meter hohen «Cascata delle Marmore» bei Terni, die ebenfalls auf einen päpstlichen Auftrag zurückgeht. Von den ursprünglich vier Stürzen sind heute zwei übrig geblieben.

Doch rauscht es in der Villa gleich doppelt. Neben dem «Papst-Fall» sind die «Cascatelle» (wörtlich: Wasserfällchen) die eigentlichen Schönheiten des Parks. Auch sie werden vom Aniene gespeist. Unterhalb der antiken Tempel auf der ehemaligen Akropolis von Tivoli bahnen sich die kleinen Wasserläufe ihren Weg durch den porösen Travertin-Felsen. Sie schlängeln sich über Grotten und mehrere grüne Ebenen, bevor sie sich ins Tal ergiessen.
 


Ort für Kunst und Kultur
Nach Fertigstellung des Projekts liess Gregor XVI. 1835 den weitläufigen Park ganz im Sinne der Romantik gestalten. Es entstand eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wasserfällen, Höhlen, Schluchten, Waldgebieten und archäologischen Stätten. Weil das Naturerlebnis nicht nur den Reichen und Mächtigen vorbehalten sein sollte, machte Gregor XVI. die «Villa Gregoriana» für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Und die dankte es ihm: Viele Maler und Schriftsteller besuchten den magischen Ort nahe Italiens Hauptstadt; die Parkanlage findet sich in zahlreichen Landschaftsgemälden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die «Villa Gregoriana» an den italienischen Staat über. Seit Anfang der 2000er-Jahre wird sie von der «Stiftung für Denkmalpflege und Naturschutz» betreut. Sie liess das über die Jahrzehnte verfallene Gelände wiederherstellen und öffnete es 2005 für Besucher.

Von Februar bis Dezember können sie die reissenden Fluten des «Grossen Wasserfalls» bestaunen, ins malerische Tal hinab wandern, durch Höhlengänge in die Grotten steigen und die antiken Ruinen der einstigen Sommerresidenz eines wohlhabenden Römers besichtigen. Die Wege und Stufen säumen 74 verschiedene Baumarten; auf Bänken kann man sich vom anstrengenden Aufstieg erholen.


KNA/Redaktion


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