(Symbolbild: Eliott Reyna/Unsplash)

Kirche Schweiz

Dua­ler Stu­di­en­gang Seel­sorge: Dis­kre­panz zwi­schen Auf­wand und Ertrag

Die­sen Herbst star­ten die ers­ten Absol­ven­ten des neuen «Dua­len Stu­di­en­gang Seel­sorge». Ins­ge­samt fünf Per­so­nen haben den Bewer­bungs­pro­zess erfolg­reich absol­viert. Zwei von ihnen wer­den sich zunächst nur dem Theo­lo­gie­stu­dium wid­men, die ande­ren wer­den das Stu­dium mit der Pra­xis verbinden.

An ihrer Sitzung vom 19. November 2024 stimmte die Deutschschweizerische Ordinarienkonferenz (DOK) der Einführung des «Dualen Studiengang Seelsorge» (DSS) zu. Neben dem bereits bestehenden «Bischöflichen Studienprogramm» sollte ein weiterer Ausbildungsweg für Menschen eröffnet werden, die aus den unterschiedlichsten Gründen kein Vollstudium der Theologie absolvieren können. Das Spezielle am neuen «Dualen Studiengang Seelsorge»: Er verbindet ein Studium an einer Theologischen Fakultät (50–60 Prozent) mit einer Anstellung und Ausbildung in der seelsorgerlichen Praxis (40–50 Prozent).

Um den «Dualen Studiengang Seelsorge» absolvieren zu können, braucht es in der sogenannten Phase 1 einen Bachelor-Abschluss oder Diplom-Abschluss am Religionspädagogischen Institut (RPI) oder einen qualifizierten Abschluss des Studiengangs Theologie (STh) am Theologisch-pastoralen Bildungsinstitut (TBI) oder eine gleichwertige Ausbildung. Sowohl die Ausbildung am RPI als auch der Studiengang Theologie (STh) können berufsbegleitend absolviert werden.

Der «Duale Studiengang Seelsorge» bietet einen kirchlichen Abschluss, der für eine Tätigkeit als «Seelsorgerin» resp. «Seelsorger» in der Deutschschweiz qualifiziert. «swiss-cath.ch» hat sich bereits kritisch mit diesem neuen Studiengang auseinandergesetzt (https://www.swiss-cath.ch/artikel/dualer-studiengang-seelsorge-viel-heisse-luft). Besonders störend: Der Master in Theologie (normaler Ausbildungsweg für künftige «Seelsorger») umfasst 300 Credit Points. Für das «Bischöfliche Studienprogramm» hingegen braucht es nur 120 Credit Points und für den «Dualen Studiengang Seelsorge» gerade einmal 60 Credit Points. Damit bringen die zukünftigen «Seelsorgerinnen» und «Seelsorger» nur ein stark begrenztes theologisches Wissen mit.

Gestiegenes Interesse, wenig konkrete Zahlen
Im Herbst 2026 startet der «Duale Studiengang Seelsorge». Gemäss Dr. Michael Hartlieb, Leiter Geschäftsführungsstelle «Dualer Studiengang Seelsorge», beginnen fünf Personen mit der Phase 2 des Studiengangs: Drei von ihnen direkt mit dem zweijährigen Theologiestudium, kombiniert mit der Praxisausbildung, zwei weitere Personen absolvieren zunächst das sogenannte «Brückenjahr», bevor sie mit der kombinierten Ausbildung beginnen.[1] Für diese Personen konnten entsprechende Ausbildungspfarreien und die gemäss Reglement vorgeschriebenen Ausbilder gefunden werden.

Die Bewerber mussten ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren absolvieren, das in allen Deutschschweizer Bistümern gleich ist: Auf ein Aufnahmegespräch mit der Regentie folgt ein standardisiertes Assessment mit psychologischer Eignungsabklärung. «Bei den aufgenommenen Personen mit Studienstart im Herbst 2026 sind vier Personen dem Bistum Chur zuzuordnen und eine Person dem Bistum Basel», so Michael Hartlieb. «Das Bistum St. Gallen wird voraussichtlich ab dem kommenden Jahr dabei sein.»

Stichtag für eine Bewerbung ist jeweils der 1. Dezember für einen voraussichtlichen Beginn des Studiums im darauffolgenden Herbst. Die im Reglement genannte Phase 1 des Studiengangs (Abschluss am STh oder RPI) kann ohne Kontakt mit der jeweiligen Regentie oder der Geschäftsführungsstelle erfolgen. Erst für die Phase 2 (Studium und Praxis sowie allfälliges Brückenjahr) braucht es die Aufnahme als Bistumsstudentin resp. Bistumsstudent.

Michael Hartlieb beobachtet seit der Veröffentlichung von Informationen zum «Dualen Studiengang Seelsorge» ein stark gestiegenes Interesse am «Studiengang Theologie (STh)». «Ich führe wöchentlich Gespräche mit Interessierten. Und bereits im Jahr 2025 sind die Zahlen an Neustudierenden im STh stark angestiegen.»

Das Reglement des «Dualen Studiengangs Seelsorge» sieht einen Informationsaustausch zwischen Geschäftsführungsstelle und den Regentien vor. «Es hat sich eingespielt, dass wir uns gegenseitig informieren, wenn Personen den Zugang zum DSS suchen oder explizite Informationen dazu wünschen», erklärt Michael Hartlieb. «Im Gespräch mit den Regentien ist es aber möglich, dass Bewerberinnen und Bewerber, die ursprünglich den DSS besuchen wollten, sich für einen anderen Weg entscheiden – oder umgekehrt.» Es ist deshalb nicht einfach, konkrete Zahlen zu möglichen Bewerbern für den DSS zu nennen.

Eine ungeahnte Schwierigkeit entstand durch die Sparmassnahmen des Universitätsrates der Universität Luzern. Besonders betroffen ist das Religionspädagogische Institut (RPI); es wurden mehrere Stellen gestrichen. Gleichzeitig erfährt der Studiengang Religionspädagogik eine Neuausrichtung. Im Herbstsemester 2026 wird deshalb kein Diplom-Studiengang Religionspädagogik starten; im Herbst 2027 soll der neue Ausbildungsweg am RPI offenstehen.

Der Abschluss am RPI ist eine der beiden möglichen Voraussetzungen für den «Dualen Studiengang Seelsorge». Trotzdem empfiehlt Michael Hartlieb je nachdem die Ausbildung am RPI. «Ich berate immer auf der Grundlage des Rucksacks, den die Beratungssuchenden mitbringen. Je nach Vorbildung empfehle ich also eine persönliche Prüfung des normalen akademischen Wegs, des Bischöflichen Studienprogramms oder eben auch das RPI unter dem Vorbehalt, dass in diesem Jahr kein Studienstart möglich sein wird.» Das mache Sinn, denn viele Beratungssuchende befänden sich in einem längeren persönlichen Abklärungsprozess und könnten daher teils auch erst im kommenden Jahr starten – zu einem Zeitpunkt, zu dem dann auch bereits die Zukunft des RPI geklärt bzw. ein Studienstart in ihm möglich sein sollte.

Bei der Vorstellung des «Dualen Studiengangs Seelsorge» im Oktober 2025 hatte Michael Hartlieb gegenüber Medien erklärt: «Ich führe derzeit zwei bis drei Beratungsgespräche pro Woche.» Gegenüber diesem starken Interesse sind die aktuell fünf Absolventinnen und Absolventen überraschend wenig. Es scheint, dass der «Duale Studiengang Seelsorge» in der Praxis nicht wirklich zu überzeugen vermag.

 


[1] Für Absolventen des Studiengangs Theologie (STh) ist ein Brückenjahr vorgeschrieben, in welchem sie sich nur auf das Studium konzentrieren. Absolventen des Religionspädagogischen Instituts Luzern (RPI) können direkt mit der kombinierten Ausbildung beginnen.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    Stefan Fleischer 08.08.2026 um 05:36
    Und nur so nebenbei
    Die theologische Ausbildung, selbst verbunden mit einer gründlichen pädagogischen und anderen menschlichen Wissenschaften, genügt nicht. Ohne eine tiefe, geistige Ausbildung und Praxis, ohne den bewussten Entscheid, in den Dienst Gottes zu treten und dem Herrn nachzufolgen, werden wir vielleicht viele Angestellte für die Kirche finden (solange noch Geld genug da ist). Aber damit kann man noch keine lebendige Kirche bauen und erhalten.
  • user
    Josef Nebel 07.08.2026 um 23:09
    Wenn man als junger Priester sich eine Gemeinde anschaut um zu überlegen dort anzufangen und dann dort sogenannte Seelsorgerinnen und Seelsorger antrifft die einem sogleich unverbunden erzählen, sie wüssten nicht, warum sie nicht selber die heilige Messe feiern dürften (was soll das eigentlich?) - dann dreht man sich gleich wieder um und geht wieder.
  • user
    Donatella 07.08.2026 um 16:26
    Vielleicht mache ich unpassende Verbindungen in meinem Kopf, jedoch kommt mir immer das gleiche in den Sinn, wenn ich wiederholt diesen Bericht lese, deshalb mein Kommentar trotzdem.
    -Genesis 1, 26-27
    "Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes erschuf er ihn."
    -Theresa von Avila, "Die innere Burg", Die erste Wohnung, 1. Kapitel :
    "...Nämlich unsere Seele als eine Burg zu betrachten, die ganz aus
    einem Diamant oder einem sehr klaren Kristall besteht
    und in der es viele Gemächer gibt, gleichwie im Himmel
    viele Wohnungen sind.... Ich finde nichts, mit dem sich die große
    Schönheit einer Seele, ihre Weite und ihre hohe
    Befähigung vergleichen ließe..."
    Ist der Wert unserer Seele uns noch bewusst, wenn wir uns Seelsorgern anvertrauen, die nicht genügend ausgebildet/motiviert/heilig sind, um sich gebührend darum zu kümmern?
    Dieselbe Heilige schrieb, bezüglich der Eigenschaften, welche ein Beichtvater haben soll, dass er fromm und gelehrt sein soll. Wenn man aber nicht beides in einem antreffen könne, solle er lieber zu mindest gelehrt sein.
    Wenn dies unseren Kirchlichen Obrigkeiten nicht mehr bewusst ist, sollten vielleicht wir Volk klare Zeichen geben, wem wir unsere kostbare Seele anzuvertrauen bereit sind und sie nicht improvisierten "Seelsorgern" preisgeben!
  • user
    Daniel Ric 06.08.2026 um 10:48
    Auch wenn man die Hürden weiter senkt, wird dies nicht zu einem grösseren Interesse an Theologie führen. Durch die sinkenden Steuereinnahmen in den meisten Kirchgemeinden ist die finanzielle Unsicherheit gross, was das Engagement als Laientheologe betrifft. Damit möchte ich den Laientheologen nicht unterstellen, es ginge ihnen nur um Geld, aber sicherlich wird sich niemand so leicht dafür entscheiden, in die Pastoral zu gehen, wenn nicht klar ist, ob diese Ausbildung langfristig auch den Lebensunterhalt sichert. Die ganze Einbindung von Laien in die Pastoral ist in den Deutschschweizer Bistümern sehr fehlerhaft verlaufen. Anstatt klare Berufsbilder zu entwerfen, welche die Kompetenzen zwischen Priestern und Laientheologen klar trennen, damit das Miteinander fruchtbar zugunsten der Gläubigen sich entfalten kann, wurde bewusst darauf verzichtet. Nun müssten die Bistümer Farbe bekennen und zugeben, dass dieses schwammige Modell gescheitert ist. Dabei gäbe es genügend Tätigkeiten in der Pastoral, die man Laien übergeben kann und sollte. Ich denke da beispielsweise an die Diakonie oder den Gemeindeaufbau. Was es hingegen nicht braucht, sind Laien, welche den Priester vom Altar wegdrängen.