(Symboldbild: MMillustrates/Pixabay)

Kommentar

Durch Sprach­ma­ni­pu­la­tion zur Macht

Über Macht ver­fügt, wer über die Spra­che ver­fügt. Das war bereits zu Beginn der Mensch­heit so. Schon im ers­ten Buch der Bibel steht: «Und Gott der Herr formte aus Erd­bo­den alle Tiere des Fel­des und alle Vögel des Him­mels und brachte sie zu dem Men­schen, um zu sehen, wie er sie nen­nen würde. Und wie der Mensch jedes lebende Wesen nannte, so sollte es heis­sen.» Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wer über die Deutungshoheit verfügt, verfügt über Macht, sagt, wo’s langgeht. Anschauliches Beispiel ist der Abstimmungskampf rund um die Individualbesteuerung. Geradezu gebetsmühlenartig repetierten woke Kreise die Mär von der Frau als steuerrechtlichem «Anhängsel des Mannes». Nationalrätin Céline Widmer von der SP, Christa Markwalder von der FDP, Doris Kleck von den CH-Medien sowie Nationalrätin Franziska Ryser von den Grünen gackerten ebenso unverdrossen wie faktenfrei das Mantra von der Frau als Anhängsel. Am unverfrorensten verdrehte SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen auf Radio SRF den Sachverhalt: «Im Kanton Bern gibt es einen Verantwortlichen und Zuständigen für das Ausfüllen der Steuererklärung (automatisch der Mann). Er muss dann am Schluss der Steuererklärung angeben, ob er die Steuererklärung im Sinne der Frau ausgefüllt hat oder der Frau das Ausfüllen überlassen hat.» Das ist, so Marco Diener auf dem Newsportal «Infosperber» vom 13. März 2026, gleich mehrfach falsch: «Verantwortlich fürs Ausfüllen der Steuererklärung sind im Kanton Bern, wo Wasserfallen lebt, beide Eheleute. Die Steuererklärung ist an beide adressiert. Unterschreiben müssen auch beide. Und die Rechnung ist natürlich auch an beide adressiert.» Marco Diener wollte von SP-Ständerätin Waserfallen wissen, wie sie auf diese falsche Behauptung komme. Sie blieb die Antwort schuldig. Aber klar, so falsch diese Behauptung auch war, so liegt es doch auf der Hand, dass sie allein schon aufgrund ihrer Verbreitung durch die Mainstream-Medien das Abstimmungsverhalten beeinflusste. Denn wer will schon ein blosses Anhängsel sein, gar das Anhängsel eines Mannes?

Pure Schindluderei
Ein nicht minder aufschlussreiches Beispiel der Sprachmanipulation und ihrer Auswirkungen bringt SoBli-Chefredaktor Reza Rafi in seinem Leitartikel «Der Westen hat nichts gelernt» zur Sprache (15. März 2026). Zunächst stellt er fest, dass die westliche Intelligenzia voll Bewunderung von der iranischen Revolution gesprochen hat. Linke Geistesgrössen wie Paul Sartre feierten Ajatollah Chomeini als spirituellen Leuchtturm.

Doch, so Reza Rafi, der Westen hat aus seiner Fehleinschätzung von 1979 nichts gelernt. Er macht die Sprachmanipulation am Begriff «konservativ» fest. In der Tat: Da ist in einer SDA-Meldung von «88 konservativen Geistlichen» die Rede, welche einen neuen Revolutionsführer gewählt haben, oder im Radio SRF von «konservativen Kommentatoren im iranischen Staatsfernsehen». SoBli-Chefredaktor Reza Rafi, der selbst aus dem Iran stammt, schreibt dazu: «Diese Zuschreibung ist pure Schindluderei. Konservativ sind vielleicht Politiker wie Gerhard Pfister, Angela Merkel oder Boris Johnson. Nicht aber Vertreter eines Apparates, der eine ganze Region destabilisiert, die Vernichtung Israels anstrebt und die eigene Bevölkerung massakriert.»

Synode ohne Kirchenbasis
Mit Sprachmanipulation wird in der Tat bewusst eine Machtpolitik betrieben, welche mittlerweile auch auf den binnenkirchlichen Raum übergegriffen hat. Wohl mit keinem anderen Wort wird dermassen Schindluderei getrieben wie mit dem Wort «synodal». Das Wort ist der griechischen Sprache entnommen und bedeutet «gemeinsam auf dem Weg». Doch davon kann – die Formulierung sei erlaubt – im Synodenzirkus keine Rede sein. So betrug die Beteiligung des hiesigen Kirchenvolkes an der weltweit durchgeführten Umfrage zur Zukunft der Katholischen Kirche gerade einmal 0,49 Prozent.[1] Was die Kirchenleitung nicht daran hinderte, diesen mickrigen Prozentsatz in Rom als Stimme der Schweizer Kirche zu verkaufen.

Jüngstes Beispiel dieser babylonischen Sprachenverwirrung: Ein Stelldichein zur 4. Synodalen Versammlung des Bistums Basel vom 5./6. März 2026 in Bern. Mit dabei 20 Mitglieder der kantonalen staatskirchenrechtlichen Exekutiven und 20 Mitglieder des Bischofsrates, begleitet von Expertinnen und Experten. Nicht mit dabei: das gemeine Volk, die Kirchenbasis. Synodal – gemeinsam unterwegs? Von wegen! Verhandelt wurden folgende Themenblöcke (in Klammer die jeweiligen Expertinnen und Experten):

  • Synodalität / Frauenfrage (Iva Boutellier, Frauenbund Schweiz
  • Pastoralsoziologie (Arnd Bünker, Leiter Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut)
  • Kommunikation (Anne Burgmer, Informationsbeauftragte Röm.- kath. Kirche Basel-Stadt)
  • Synodalität / Weltkirche (Daniel Kosch, Dozent, Leiter Katholisches Bibelwerk)
  • Diakonie (Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion)
  • Migration (Isabel Vasquez, Nationaldirektorin migratio)

Fest in deutscher Hand
Die Themenauswahl wirkt wenig strukturiert und ist von fragwürdiger Relevanz. So scheint das Thema Pastoralsoziologie als Alibiübung für den omnipräsenten Arnd Bünker herhalten zu müssen. Auffallend: Bei vier von sechs Expertinnen und Experten handelt es sich um (Bio-)Deutsche. Darunter auch Daniel Kosch. Dieser hatte sich bei der Wahl zum Präsidenten des Schweizerischen Katholischen Bibelwerkes mit den Worten empfohlen, es gelte, Widerstandskräfte gegen die Bibel zu stärken. Macht ganz den Eindruck, als solle die «Kirche Schweiz» nach dem Vorbild des synodalen Weges der Deutschen Kirche an die Wand gefahren werden.

Zu schlechter Letzt: Auch der Themenblock «Theologie» stand auf dem Programm. Doch ausgerechnet für diese fürwahr relevante Thematik musste der vorgesehene Experte, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, Lukas Kundert, kurzfristig absagen … aus welchen Gründen auch immer.

 


[1] Bistum Basel 0,66 Prozent; Bistum St. Gallen 0,54 Prozent; Bistum Chur 0,27 Prozent.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Dr. Peter Knorr 20.03.2026 um 15:43
    Sehr geehrter Herr Herzog,

    ich schätze Ihre Beiträge. Ich schätzte sie allerdings noch mehr, wenn sie die Ursachen für den Unfug, den Sie zurecht aufs Korn nehmen, nicht regelmäßig in der Nationalität derer angelegt sähen, die ihn verzapfen ("Bio-Deutsche"). Nehmen Sie es doch mit Humor: Die paar subalternen Modernisten, mit denen Sie zu tun haben, sind doch nur Deutschlands klägliche Revanche für die Verheerungen, zu denen der große, gelehrte Wirrkopf Küng die Theologen des Nachbarlandes angestiftet hat ;-) Was unsere Sorge über die Kirche angeht, sitzen wir deutschsprachigen Katholiken, glaube ich, alle im selben Boot.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute und sende freundliche Grüße in die Schweiz,

    Peter Knorr
  • user
    Daniel Ric 20.03.2026 um 15:34
    Ich frage mich, ob die kirchliche Diskussion nicht an Profil gewinnen und an Polarisierung abnehmen würde, wenn wir generell auf Begriffe wie progressiv, konservativ, Tradition und Autorität verzichten würden. Erstens handelt es sich hierbei zumeist um Kampfbegriffe, deren Verwendung dazu dient, keine Argumente für die eigene Position anführen zu müssen, sondern sich hinter einem theologischen Lager zu verstecken. Zweitens führt der Gebrauch dieser für einige Exponenten der Kirche so beliebten Begriffe dazu, dass Aussenstehende, die sich zwar für den Glauben interessieren, aber keine Affinität für diese katholischen Selbstzuschreibungen haben, den theologischen Diskussionen mit einer immer grösseren Distanz gegenüberstehen. Als Katholiken müssen wir in der Lage sein, unsere Haltung mit Begriffen zu erklären, die nicht so philosophisch und historisch angreifbar und vorbelastet sind.
  • user
    Schwester Johanna 18.03.2026 um 22:42
    Bonnemain ist der Zusammenbruch.

    Da helfen auch wortreiche Fernsehinterviews, Neologismen oder Werbung mit neuen Webseiten nichts.

    Jesus Christus ist das Wort Gottes, Ihm gebührt die Macht und sonst niemand.
    • user
      Stefanie Zoller 19.03.2026 um 12:07
      Liebe Schwester Johanna ich muss Dir Recht geben. Seit Bonnemain Bischof ist, stehen nur noch die sexuellen Sünden im Vordergrund. Man muss von einer Gottesfinsternis sprechen.
      • user
        Martin Meier-Schnüriger 19.03.2026 um 15:48
        Liebe Frau Zoller
        Die Situation ist komplex und höchst widersprüchlich: Einerseits wird unter dem Vorwand, den Missbrauch zu bekämpfen, eine völlig neue Kirche propagiert, andererseits wird dem Missbrauch geradezu Vorschub geleistet, indem man erklärt, die Kirche habe im Bereich der Sexualität kein Recht, sich ins Privatleben der Gläubigen "einzumischen".
      • user
        Andrea Stieber 19.03.2026 um 20:16
        Liebe Stefanie so nehmen wir es ebenfalls war. Wenn ich persönlich die Zeit unter Bischof Bonnemain mit einem Begriff zusammenfassen sollte, fällt mir tatsächlich nur ein einziges Wort ein: Gottesfinsternis.
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    Hanna 18.03.2026 um 08:50
    Es hätte mich gefreut, wenn die Schweizer aus dem (unsrigen) deutschen synodalen Fiasko etwas gelernt hätten und einen fruchtbaren Weg eingeschlagen hätten.
  • user
    Barbara Steiner 17.03.2026 um 21:53
    Ich danke Herrn Niklaus Herzog für diesen ausserordentlich profund recherchierten und gut durchdachten Beitrag.

    Ein besonders virulenter Versuch der Manipulation durch Sprache findet sich auch in der Agenda von Bischof Bonnemain: Sogenannte "Seelsorgerinnen" sollen auf die selbe Stufe gestellt werden wie geweihte Priester.

    Dadurch wird einerseits das Debakel des Einbruchs an Nachwuchs kaschiert (niemand will für Bonnemains modernistische Klaviatur sein Leben einsetzen) und anderseits der Zeit(un)geist des Feminismus bedient.

    Da ist nur glücklich zu preisen, wer in dieser Phase einen kühlen Kopf bewahrt und seinen guten alten Katechismus kennt.
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      Josef Meier 18.03.2026 um 09:27
      Diese Leute haben es doch nicht verdient dass man sie ernst nimmt.
  • user
    Hansjörg 17.03.2026 um 13:13
    Im Empfinden von Herr Herzog ist es wohl so, dass Männer mit Argumenten und Fakten argumentieren, er aber gewählte Nationalrätinnen und eine ausgewiesen gute Journalistin zu gackernden Wesen degradiert.

    In Wirklichkeit sind Frauen meist gut ausgebildet, haben einen Beruf erlernt oder ein Studium abgeschlossen. Gemäss Bundesamt für Statistik sind in den Jahren 24/25 172'242 Studierende in Schweizer Hochschulen eingetreten, davon 52,1% Frauen.
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      Martin Meier-Schnüriger 19.03.2026 um 16:00
      Und wieder einmal versteht es Hansjörg bestens, am Thema vorbeizureden, um der Redaktion von swiss-cath.ch eins auszuwischen. Herr Herzog degradiert keineswegs Frauen generell zu gackernden Wesen, sondern kritisiert einzelne Aussagen von ganz bestimmten Personen.