Der Ursprung der Rede vom Königtum Jesu liegt letztlich in der Verkündigung Jesu selbst, hat er doch die Königsherrschaft Gottes zum zentralen Inhalt derselben gemacht: Er spricht in mehreren Gleichnissen im Bild von Gott als König; seine Krankenheilungen sind Wirkungen der Macht Gottes; wenn Jesus Dämonen austreibt, wird sichtbar, dass Gott stärker ist als die bösen Mächte. «Da Jesus sich selbst eng mit der Königsherrschaft Gottes verbindet, insofern er die Königsherrschaft Gottes unter den Menschen sichtbar und erfahrbar macht, liegt hier sicher der Ursprung für die Vorstellung eines Königtums Christi», so Prof. em. Lothar Wehr.[1]
Jesus Christus verkündet einen Gott, der seine Herrschaft nicht fern von der Welt, sondern in der Welt ausübt. Während das Judentum die Königsherrschaft Gottes erst in der Zukunft erwartet, verkündet Jesus demgegenüber: Gott tritt jetzt schon seine Herrschaft an, auch wenn sie sich in ihrer ganzen Fülle erst in der Zukunft offenbaren wird.
Jesus von Nazaret, König der Juden?
«Im Prozess Jesu spielt die Frage, ob Jesus ein König ist, ob er der König Israels sein will und in welchem Sinne er es womöglich tatsächlich ist, eine zentrale Rolle. Schliesslich wird Jesus gekreuzigt als ‹König der Juden›», führte Lothar Wehr in seinem Referat aus.
Das Markusevangelium ist das älteste Evangelium; die Passionsgeschichte hat der Evangelist jedoch schon vorgefunden. Im Prozess begegnet uns die Bezeichnung Jesu als König mehrfach: Pilatus fragt Jesus, ob er der «König der Juden» sei, von den Soldaten wird Jesus als «König der Juden» verhöhnt. In der Verspottung durch die Hohepriester und Schriftgelehrten wird der Königstitel mit dem Messiastitel verknüpft: «Der Messias (Christus), der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben» (Mk 15,32). Beim Verhör Jesu vor dem Hohen Rat fragt der Hohepriester Jesus: «Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?», was Jesus bejaht. «Dem Leser soll deutlich werden: Jesus ist in der Tat ein König, aber kein politischer König. Er ist als König der verheissene Messias, der Nachkomme Davids, der Sohn Gottes», so der Referent.
Jesus: Opfer und doch Sieger
Im Johannesevangelium spielt das Königtum Christi im Verhör Jesu durch Pontius Pilatus eine grosse Rolle. Alle Beteiligten handeln unehrlich, gegen ihre Überzeugungen oder direkt niederträchtig: Pilatus verurteilt Jesus zum Tod, obwohl er drei Mal seine Unschuld feststellt. Die Juden üben grossen Druck auf Pilatus aus und bekennen sich zum verhassten Kaiser, um ihr Ziel zu erreichen. Insgesamt sind die Dialoge von Machtfragen und Machtdemonstrationen bestimmt.
Pilatus fragt Jesus: «Bist du der König der Juden?» Jesus bezeichnet sich als König, aber als ein König anderer Art. Er ist als König in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Pilatus fragt nach: «Was ist Wahrheit?» Jesus gibt keine Antwort, denn er selbst ist die Wahrheit. Doch Pilatus als Nicht-Glaubender kann die Wahrheit nicht sehen, selbst wenn sie vor ihm steht.
Jesus wird gegeisselt, ihm wird ein Dornenkranz aufgesetzt und ein roter Umhang umgelegt – er erscheint als Spottkönig vor den Juden. «Der gläubige Hörer des Evangeliums erkennt natürlich eine tiefere Wahrheit. Jesus erweist sich gerade in der Erniedrigung als der wahre König. Er erkennt in dieser Verspottungsszene die Hoheit Jesu. Und in der Tat ist Jesus in der gesamten Passion der einzig Unschuldige, der Einzige, der seine Würde bewahrt, wenn er auch äusserlich geschlagen wird», führt Prof. Wehr aus. Der Evangelist Johannes schreibt, dass Jesus in der Mitte der beiden Verbrecher gekreuzigt wird. Er steht im Mittelpunkt, eine Inthronisation des Königs am Kreuz wird angedeutet. Ebenso schreibt er davon, dass Jesus am Kreuz erhöht wird.
Christus ist mächtig vom Himmel her. «Wir glauben an die Auferstehung Christi, die eindrucksvoll seine Macht sogar über den Tod sichtbar macht», so Prof. Wehr. «Sein Königtum wird sich am Ende der Zeit machtvoll und allumfassend offenbaren.» Konkret wird der Glaube an Christus als König am Christkönigsfest.
Viele Hirten, aber nur ein König
P. Dr. Johannes Nebel[2] ging in seinem Referat auf die Enzyklika «Quas primas» ein, mit welcher das Christkönigsfest von Papst Pius XI. eingeführt und die am kommenden 11. Dezember vor 100 Jahren promulgiert wurde. Als profunder Kenner der Schriften von Kardinal Leo Scheffczyk begann er seine Ausführungen mit Rückgriff auf dessen Schrift «Die Mission der Kirche»[3]. Kardinal Leo Scheffczyk weist darauf hin, dass der Königstitel nur auf Christus angewandt wird, während «Hirt» auch den Aposteln und ihren Nachfolgern zukommt. Entsprechend wird kirchenrechtlich bischöfliche oder sonstige Vollmacht als Hirtengewalt, nie aber als königliche Gewalt greifbar. Das Hirtenamt Christi betont seine irdische Aufgabe, der Königsname hingegen das überirdische und überzeitliche Geheimnis Christi, führte P. Nebel aus. «Da Christus König ist, sind für die missionarische Arbeit der Kirche Christi Geist und Christi Gesinnung massgebend; Christkönig ist nicht nur erste Wirkursache und letzte Zielursache der Mission, sondern auch die Vorbild- und die Formursache», fasste der Referent die Schlusspointe der Ausführungen Scheffczyks zusammen.
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