Einzig der Evangelist Lukas berichtet über dieses Ereignis, das die Welt veränderte: Der Engel Gabriel verkündet Maria, dass sie durch den Heiligen Geist den Sohn Gottes gebären wird, dem sie den Namen Jesus geben soll. Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria stimmt dem Plan Gottes ohne Zögern zu: «Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast» (Lk 1,26–38).
Wie diese Empfängnis geschehen soll, erklärt der Engel nicht weiter – es geht nicht um das «Wie», sondern um das «Wozu»: Aus Liebe zu den Menschen wird Gott Mensch: Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat Jesus Christus in der Jungfrau Maria Fleisch angenommen. Er ist der verheissene Messias, der der Welt das Heil bringen wird. Maria stellt sich ganz in den Dienst des Heilsplanes Gottes – mit Leib und Seele. Interessant der Gedanke des heiligen Augustinus, wonach der Glaube Marias der Empfängnis Christi vorausging: «Zunächst ereignet sich der Glaube im Herzen der Jungfrau, dann erst folgt die Befruchtung im Schoss der Mutter» (Sermones, 293,1).
«Gegrüsset seist du, Maria»
Bereits 383 bezeugte die spanische Pilgerin Egeria eine Grotte am Ort der Verkündigung in Nazareth; heute befindet sich darüber die Verkündigungsbasilika. Der Grotte vorgebaut war ein kleines Haus. Dieses wurde während der Belagerung von Akkon (1291) abgetragen und nach Loreto (Italien) gebracht, wo es wieder aufgebaut wurde.
Im Westen feierte die Kirche bereits im 5. Jahrhundert am Sonntag vor Weihnachten ein Gedächtnis der Verkündigung respektive der Menschwerdung; der Advent ist bis heute marianisch geprägt (Roratemessen). Erste Hinweise auf eine Feier am 25. März – neun Monate vor der Geburt des Herrn – stammen aus dem 7. Jahrhundert: Sie wird in einem Kanon des Konzils von Toledo (656) erwähnt und als «in der gesamten Kirche gefeiert» beschrieben. Sowohl die Bezeichnung «In Annuntiatione beatae Mariä virginis» als auch «In Annuntiatione Domini» sind überliefert. In der Römisch-katholischen Kirche galt die Verkündigung bis zur Liturgiereform als ein Marienfest. Seit 1970 wird es als Hochfest «Verkündigung des Herrn» gefeiert.
Die grosse Bedeutung der Verkündigung zeigt sich unter anderem darin, dass die Botschaft des Engels, d. h. seine ersten Worte, als Gebete weiterlebt («Gegrüssest seist du, Maria» resp. «Angelus»), aber auch in den zahlreichen Darstellungen.
Ins Bild gesetzter Glaube
Das älteste bekannte Fresko der Verkündigung befindet sich in den Priscilla-Katakomben in Rom. Es zeigt Maria auf einem Stuhl mit hoher Rückenlehne sitzend, der Engel zeigt mit dem Finger auf sie. Die gleiche Haltung nimmt Maria auf dem Mosaik in «Santa Maria Maggiore» ein. Die Basilika wurde nach dem Konzil von Ephesus (431) erbaut, auf dem die doppelte Natur Jesu – menschlich und göttlich – bekräftig worden war und damit auch Maria als Mutter Gottes. Wurde Maria bisher im Zusammenhang mit dem Leben Jesu dargestellt, entwickelten sich mit ihrer Dogmatisierung als Gottesmutter eigenständige Marienbildtypen.
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