Papst Leo XIV. schliesst die Heilige Pforte im Petersdom und beendet das Heilige Jahr 2025, am 6. Januar 2026 im Vatikan. (Bild: © PubliKath GmbH. Alle Rechte vorbehalten)

Weltkirche

Ein Rück– und Aus­blick zum Abschluss des Hei­li­gen Jahres

Es war ein beson­de­res Hei­li­ges Jahr: Am 24. Dezem­ber 2024 öff­nete Papst Fran­zis­kus die Hei­lige Pforte im Peters­dom und am 6. Januar 2026 schloss ein ande­rer Pon­ti­fex – Papst Leo XIV. – die Pforte wie­der. Das Hei­lige Jahr war geprägt vom Auf­ruf zum Frie­den und zur Erneue­rung der Kirche.

Alle 25 Jahre feiert die Kirche ein Heiliges Jahr. Damit verbunden ist die Öffnung der Heiligen Pforten im Petersdom sowie in den Basiliken San Giovanni in Laterano, San Paolo fuori le Mura und Santa Maria Maggiore.[1] Wer durch diese Pforte die Kirche betritt und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, erlangt den Jubiläumsablass, denn die Pforte symbolisiert Christus, die Tür zum Vater: «Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden» (Joh 10,9).

Langsames Zugehen auf das Ende des Heiligen Jahres
Am 25. Dezember 2025 läutete die Schliessung der Heiligen Pforte in der Basilika Santa Maria Maggiore das Ende des Heiligen Jahres ein. Zu Beginn der Feier betete Kardinal Rolandas Makrickas, Erzpriester der grössten Marienkirche Roms, vor dem linken Portal und zog es dann schweigend zu. Durch die Heilige Pforte der Basilika im römischen Zentrum kamen im zurückliegenden Jahr mehr als 20 Millionen Pilgerinnen und Pilger – viele von ihnen auch, um das Grab des am Ostermontag gestorbenen Papstes Franziskus zu sehen.

Am 27. Dezember 2025 schloss Kardinal Baldo Reina die Heilige Pforte der Lateranbasilika. Bei der Feier an der Lateranbasilika, die auch Bischofskirche des Papstes als Bischof von Rom ist, kniete Kardinalvikar Reina auf der Schwelle des Bronzeportals nieder. Nach einem kurzen Gebet zog er die beiden Flügel zu. In seiner Predigt bei der anschliessenden Heiligen Messe erinnerte er an die zahlreichen Menschen aus aller Welt, die die Heilige Pforte auf der Suche nach Christus und nach Erlösung von ihren Sünden und Lasten durchschritten hätten. Es sei Aufgabe der Christen, sich über das Festjahr hinaus gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Armut, gegen Fehlinformationen, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und mangelnde Zukunftsperspektiven einzusetzen. «Wir müssen im Namen der Freundschaft unsere Beziehungen verwandeln, und das verborgene Antlitz unseres Erlösers offenbaren, der durch seinen Tod den Tod besiegt hat.»
Die Heilige Pforte der Lateranbasilika ist die erste in der Geschichte der Heiligen Jahre: Papst Martin V. durchschritt sie während des Heiligen Jahres 1423. Erst zu Weihnachten 1499 führte Papst Alexander VI. die Öffnung der Heiligen Pforte auch im Petersdom ein.

Am 28. Dezember wurde die Heilige Pforte in San Paolo fuori le Mura geschlossen, jener Basilika, die der Überlieferung nach über dem Grab des Apostels Paulus errichtet wurde. Kardinal James Harvey betonte in seiner Homilie, dass in der von Kriegen, Krisen, Ungerechtigkeit und Verzweiflung geprägten Welt, die Kirche bekräftigt hat, «dass die christliche Hoffnung weit entfernt ist von jeder Flucht vor der Geschichte und sich in der Fähigkeit ausdrückt, ihr mit auf Christus gerichtetem Blick zu begegnen».

Keine Angst vor Veränderungen
Ein letztes Mal erklang am Dreikönigstag die Hymne des Heiligen Jahres «Fiamma viva della mia speranza» (Lebendige Flamme meiner Hoffnung). Dann schloss Papst Leo XIV. im Petersdom die letzte Heilige Pforte. Das Bild, das sich den Gläubigen dabei bot, war symbolträchtig: An Heiligabend 2024 hatte sein schon von Krankheit und Schwäche gezeichneter Vorgänger Franziskus mühevoll das grosse Bronzeportal aufgestossen – vom Rollstuhl aus. Leo XIV., 70 Jahre jung, kniete nach den Worten «Diese Heilige Pforte schliesst sich, aber die Pforte deiner Gnade schliesst sich nicht» auf der Türschwelle nieder, verharrte kurz in Stille, erhob sich und zog, nachdem die Gesänge der Schola verstummt waren, beidhändig die Flügel des Portals zu.

«Wir feiern heute die Erscheinung des Herrn in dem Bewusstsein, dass in seiner Gegenwart nichts so bleibt, wie es vorher war. Dies ist der Beginn der Hoffnung. Gott offenbart sich, und nichts kann so bleiben, wie es war», so Papst Leo in seiner Homilie. Mit Bezug auf das Evangelium (Mt 2,1–12) über die Sterndeuter wies er auf die überraschende Tatsache hin, dass die Stadt Jerusalem vor denen «erschrickt», die voller Hoffnung von weit her zu ihr kommen, und sogar das als Bedrohung empfindet, was ihr eigentlich grosse Freude bereiten sollte. «Diese Reaktion wirft auch für uns als Kirche Fragen auf.»
 


Millionen Menschen haben die Heiligen Pforten während des Jubiläumsjahres durchschritten. «Ja, die Sterndeuter gibt es noch immer.» Es sind Menschen, die ihre je eigene Reise wagen, die das Bedürfnis verspüren, sich auf den Weg zu machen, zu suchen. Das Leben ist ein Weg und das Evangelium verpflichte die Kirche, diese Dynamik nicht zu fürchten, sondern sie zu schätzen und auf Gott auszurichten, der sie hervorbringt, so der Pontifex. «Er ist ein Gott, der uns beunruhigen kann, weil er nicht wie die Götzen aus Silber und Gold in unseren Händen ruht: Er ist vielmehr lebendig und lebensspendend, wie das Kind, das Maria in ihren Armen hielt und das die Sterndeuter anbeteten.» Heilige Stätten müssen den Duft des Lebens verbreiten, den unauslöschlichen Eindruck, dass eine neue Welt begonnen hat. «Wie wichtig ist es, dass diejenigen, die die Tür der Kirche durchschreiten, spüren, dass der Messias dort gerade geboren wurde, dass sich dort eine Gemeinschaft versammelt, in der Hoffnung entstanden ist, dass sich dort eine Geschichte des Lebens ereignet!» Das Heilige Jahr soll uns daran erinnern, dass es möglich ist, neu anzufangen, «ja, dass wir sogar noch am Anfang stehen, dass der Herr unter uns wachsen will, dass er der Gott-mit-uns sein will»

Papst Leo ist überzeugt, dass Gott die bestehende Ordnung infrage stellt: Er ist entschlossen, uns von alten und neuen Formen der Knechtschaft zu befreien. «Er bezieht junge und alte Menschen, Arme und Reiche, Männer und Frauen, Heilige und Sünder in seine Werke der Barmherzigkeit, in die Wunder seiner Gerechtigkeit mit ein.»

Das Wort Jesu in Mt 11,12: «Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reissen es an sich» lässt unweigerlich an die vielen Konflikte denken, in denen die Menschen dem Neuen, das Gott für alle bereithält, Widerstand leisten und es sogar zunichtemachen können. «Den Frieden zu lieben, den Frieden zu suchen, bedeutet, das zu schützen, was heilig ist und gerade deshalb im Entstehen begriffen ist: klein, zart, zerbrechlich wie ein Kind.»

Er kritisierte eine «entstellte Wirtschaft», die aus allem Profit schlagen will, und fragt, ob das Heilige Jahr die Menschen gelehrt hat, diesem Denken zu entfliehen, das alles auf ein Produkt und den Menschen auf einen Konsumenten reduziert. Doch das Kind, das die Sterndeuter anbeten, «ist ein Gut ohne Preis und ohne Mass. Es ist die Epiphanie der Grosszügigkeit» und es lässt sich auch heute noch finden.

Der Pontifex rief dazu auf, weiterhin gemeinsam als «Pilger der Hoffnung» unterwegs zu sein. «Wenn wir unsere Kirchen nicht zu Denkmälern degradieren, wenn unsere Gemeinschaften Heimat sind, wenn wir gemeinsam den Verlockungen der Mächtigen widerstehen, dann werden wir die Generation der Morgenröte sein. Maria wird uns als Morgenstern stets vorangehen! In ihrem Sohn werden wir ein wunderbares Menschsein betrachten und ihm dienen, das nicht durch Allmachtswahn, sondern durch Gott, der aus Liebe Mensch wurde, verwandelt worden ist.»

Hoffnung, die weitergeht
Zwischen dem 24. Dezember 2024 und dem 5. Januar 2026 kamen insgesamt 33 475 369 Pilgerinnen und Pilger aus 185 Ländern nach Rom. Allein zum Jubiläum der Jugend kamen 1,2 Millionen junge Menschen in die Ewige Stadt.

Erzbischof Rino Fisichella, Heilig-Jahr-Beauftragter des Papstes, spricht angesichts der Pilgerströme aus aller Welt von einer lebendigen Kirche auf dem Weg. «Wir als Christen müssen wahre ‹Pilger der Hoffnung› sein in einer Welt, die von 56 Kriegen erschüttert wird.» Zugleich hofft er auf politische Konsequenzen des Festjahres. Fast jedes Wochenende gab es thematische Sondertreffen, etwa für die Armen, die Gefangenen, für Regierungen, Priester, Diakone, Beschäftigte im Gesundheitswesen, in Justiz oder Medien, für Chöre, Sportler, Influencer, für Familien, Jugendliche und Senioren. Dabei mahnte Papst Leo immer wieder das Ende von Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeiten an. Fisichella hofft, dass diese Impulse nun auch ihren politischen Niederschlag finden.

Zum Jahreswechsel nannte Papst Leo XIV. das Heilige Jahr ein Zeichen einer Welt, die «gemäss dem Plan Gottes erneuert und versöhnt» sei. In diesem Plan habe die Stadt Rom einen besonderen Platz. Es sei sein Wunsch, dass die Stadt Rom, beseelt von der christlichen Hoffnung, künftig noch mehr Gottes Plänen für die Menschheitsfamilie dienen könne.

Im Heiligen Jahr seien die Menschen nach Rom gekommen, um am Grab des Apostels Petrus zu beten und ihre Bindung an Christus zu bestätigen. «Dies erinnert uns daran, dass unser ganzes Leben eine Reise ist, deren letztes Ziel Raum und Zeit übersteigt, um sich in der Begegnung mit Gott in der vollkommenen und ewigen Gemeinschaft mit ihm zu vollenden.» Das Durchqueren der Heiligen Pforte mit Gebet und Bitte um Ablass für die Sündenstrafen gehöre zu dieser «Begegnung zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen».
 

Bereits 2033 könnte das nächste grosse Jubiläumsjahr in Rom stattfinden. Dann jähren sich Tod und Auferstehung von Jesus Christus zum 2000. Mal. Die Entscheidung, ob dies in Form eines ausserordentlichen Heiligen Jahres begangen werden soll, steht noch aus und wird von Papst Leo XIV. getroffen.

 


[1] Papst Franziskus hatte eine fünfte Heilige Pforte eingeführt – im römischen Gefängnis Rebibbia. Diese wurde bereits am Heiligabend in aller Stille verschlossen.

 

 


KNA/Redaktion


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