Alle 25 Jahre feiert die Kirche ein Heiliges Jahr. Damit verbunden ist die Öffnung der Heiligen Pforten im Petersdom sowie in den Basiliken San Giovanni in Laterano, San Paolo fuori le Mura und Santa Maria Maggiore.[1] Wer durch diese Pforte die Kirche betritt und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, erlangt den Jubiläumsablass, denn die Pforte symbolisiert Christus, die Tür zum Vater: «Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden» (Joh 10,9).
Langsames Zugehen auf das Ende des Heiligen Jahres
Am 25. Dezember 2025 läutete die Schliessung der Heiligen Pforte in der Basilika Santa Maria Maggiore das Ende des Heiligen Jahres ein. Zu Beginn der Feier betete Kardinal Rolandas Makrickas, Erzpriester der grössten Marienkirche Roms, vor dem linken Portal und zog es dann schweigend zu. Durch die Heilige Pforte der Basilika im römischen Zentrum kamen im zurückliegenden Jahr mehr als 20 Millionen Pilgerinnen und Pilger – viele von ihnen auch, um das Grab des am Ostermontag gestorbenen Papstes Franziskus zu sehen.
Am 27. Dezember 2025 schloss Kardinal Baldo Reina die Heilige Pforte der Lateranbasilika. Bei der Feier an der Lateranbasilika, die auch Bischofskirche des Papstes als Bischof von Rom ist, kniete Kardinalvikar Reina auf der Schwelle des Bronzeportals nieder. Nach einem kurzen Gebet zog er die beiden Flügel zu. In seiner Predigt bei der anschliessenden Heiligen Messe erinnerte er an die zahlreichen Menschen aus aller Welt, die die Heilige Pforte auf der Suche nach Christus und nach Erlösung von ihren Sünden und Lasten durchschritten hätten. Es sei Aufgabe der Christen, sich über das Festjahr hinaus gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Armut, gegen Fehlinformationen, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und mangelnde Zukunftsperspektiven einzusetzen. «Wir müssen im Namen der Freundschaft unsere Beziehungen verwandeln, und das verborgene Antlitz unseres Erlösers offenbaren, der durch seinen Tod den Tod besiegt hat.»
Die Heilige Pforte der Lateranbasilika ist die erste in der Geschichte der Heiligen Jahre: Papst Martin V. durchschritt sie während des Heiligen Jahres 1423. Erst zu Weihnachten 1499 führte Papst Alexander VI. die Öffnung der Heiligen Pforte auch im Petersdom ein.
Am 28. Dezember wurde die Heilige Pforte in San Paolo fuori le Mura geschlossen, jener Basilika, die der Überlieferung nach über dem Grab des Apostels Paulus errichtet wurde. Kardinal James Harvey betonte in seiner Homilie, dass in der von Kriegen, Krisen, Ungerechtigkeit und Verzweiflung geprägten Welt, die Kirche bekräftigt hat, «dass die christliche Hoffnung weit entfernt ist von jeder Flucht vor der Geschichte und sich in der Fähigkeit ausdrückt, ihr mit auf Christus gerichtetem Blick zu begegnen».
Keine Angst vor Veränderungen
Ein letztes Mal erklang am Dreikönigstag die Hymne des Heiligen Jahres «Fiamma viva della mia speranza» (Lebendige Flamme meiner Hoffnung). Dann schloss Papst Leo XIV. im Petersdom die letzte Heilige Pforte. Das Bild, das sich den Gläubigen dabei bot, war symbolträchtig: An Heiligabend 2024 hatte sein schon von Krankheit und Schwäche gezeichneter Vorgänger Franziskus mühevoll das grosse Bronzeportal aufgestossen – vom Rollstuhl aus. Leo XIV., 70 Jahre jung, kniete nach den Worten «Diese Heilige Pforte schliesst sich, aber die Pforte deiner Gnade schliesst sich nicht» auf der Türschwelle nieder, verharrte kurz in Stille, erhob sich und zog, nachdem die Gesänge der Schola verstummt waren, beidhändig die Flügel des Portals zu.
«Wir feiern heute die Erscheinung des Herrn in dem Bewusstsein, dass in seiner Gegenwart nichts so bleibt, wie es vorher war. Dies ist der Beginn der Hoffnung. Gott offenbart sich, und nichts kann so bleiben, wie es war», so Papst Leo in seiner Homilie. Mit Bezug auf das Evangelium (Mt 2,1–12) über die Sterndeuter wies er auf die überraschende Tatsache hin, dass die Stadt Jerusalem vor denen «erschrickt», die voller Hoffnung von weit her zu ihr kommen, und sogar das als Bedrohung empfindet, was ihr eigentlich grosse Freude bereiten sollte. «Diese Reaktion wirft auch für uns als Kirche Fragen auf.»
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