Knapp eine Stunde nachdem der weisse Rauch die Wahl des neuen Papstes angekündigt hatte, verkündete Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti auf der Benediktionsloggia: «Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam!» (Ich verkünde euch eine grosse Freude: Wir haben einen Papst!)
Der Geist weht, wo er will: Kardinal Robert F. Prevost, den nur wenige auf dem Radar hatten, ist zum neuen Papst gewählt worden. Damit erhalten die USA genau 150 Jahre nach ihrem ersten Kardinal ihren ersten Papst. Der 69-Jährige leitete seit 2023 das «Dikasterium für die Bischöfe» und ist daher nicht nur mit der Kurie bestens vertraut, sondern kennt auch viele Bischöfe weltweit. Er gilt als gemässigte, ausgeglichene Persönlichkeit, die über ein solides Urteilsvermögen verfügt sowie über die Fähigkeit, zuzuhören. Seine Bildung und seine Laufbahn dokumentieren auf eindrückliche Weise: Mit Kardinal Robert Prevost hat eine weltweit präsente Glaubensgemeinschaft nicht nur ein neues Oberhaupt erhalten, sondern auch einen Mann mit einem weltweiten Horizont.
Chicago, Peru, Rom
Leo XIV. wurde als Robert Francis Prevost 1955 in Chicago in eine Familie italienischer, französischer und spanischer Herkunft hineingeboren. Er studierte zunächst Mathematik, bevor er 1977 den Augustinern beitrat und ein Theologiestudium begann. In Rom erwarb er sich an der von den Dominikanern geleiteten Universität «Angelicum» den Doktortitel in Kirchenrecht.
Im Jahr 1985 trat Robert F. Prevost in die Augustinermission in Peru ein, wo er von 1985 bis 1986 Kanzler der Territorialprälatur Chulucanas war. Er wirkte einige Jahre in Chicago in der Berufungspastoral seines Ordens, bevor er nach Peru zurückkehrte, wo er das Seminar der Augustiner in Trujillo leitete und Kirchenrecht unterrichtete.
1999 kehrte Robert F. Prevost wieder nach Chicago zurück, wo er als Prior seiner Provinz tätig war, bis er 2001 zum Generalprior des weltweiten Augustinerordens gewählt wurde. Der Hauptsitz des Ordens ist in Rom, im «Augustinianum». In dieser Zeit erwarb er sich einen Ruf als geschickte Führungskraft und Verwalter. Nach zwei Amtszeiten kehrte er kurzzeitig als Ausbildungsleiter des Ordens nach Chicago zurück, doch bereits im November 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Apostolischen Administrator der Diözese Chiclayo in Peru und ein Jahr später zum Diözesanbischof. Die peruanischen Bischöfe sind gespalten in einen linken Flügel, der der Befreiungstheologie nahesteht, und einem rechten Flügel, der dem Opus Dei nahesteht. Hier konnte Robert F. Prevost ausgleichend wirken.
Papst Franziskus lernte ihn in Peru kennen und berief ihn 2019 für fünf Jahre zum Mitglied der «Kongregation für den Klerus» sowie im November 2020 zum Mitglied der «Kongregation für die Bischöfe». Am 30. Januar 2023 erhob ihn Papst Franziskus zum Erzbischof und ernannte ihn zum Präfekten des «Dikasteriums für die Bischöfe» sowie zum Präsidenten der «Päpstlichen Kommission für Lateinamerika» Im Konsistorium vom 30. November 2023 nahm ihn Papst Franziskus ins Kardinalskollegium auf. Am 11. Februar 2025 wurden Prevost vom Grossmeister des Malteserordens Fra’ John Dunlop die Insignien des Ehren- und Devotions-Grosskreuz-Bailli des Ordens verliehen.
Grosser Erfahrungsschatz
Die Erhebung zum Kardinal war ein grosser Vertrauensbeweis von Papst Franziskus – denn Robert F. Prevost und er waren durchaus nicht immer einer Meinung.
Durch seine Tätigkeiten als Missionar in Peru, in der Ausbildung und in der Kurie bringt er viele Erfahrungen mit. Wie «The Catholic Herald» schrieb, weiss Leo XIV., was es braucht, «um das Feuer des Glaubens am Brennen zu halten. Seine globale Erfahrung wäre ein Gewinn für die Herausforderungen der Staatskunst, und seine von Natur aus zurückhaltende und gleichmütige Persönlichkeit könnte sich gut für die Kunst der Diplomatie eignen.»
In vielen Punkten hat sich Leo XIV. bisher nicht in die Karten blicken lassen. Sein erster Auftritt auf der Benediktionsloggia im traditionellen, an Papst Johannes Paul II. erinnernden Habitus mit roter Mozetta, symbolreicher Stola und Brustkreuz lässt allerdings darauf schliessen, dass er sich nicht nur in Stilfragen von seinem Vorgänger unterscheiden wird. In Bezug auf Vorwürfe wegen angeblich nicht korrektem Umgang in Missbrauchsfällen haben mehrere Parteien Robert F. Prevosts Verhalten verteidigt.
Programmatischer Name des neuen Papstes
Der Name des neuen Pontifex – Leo XIV. – ist vielversprechend. Marco Fausto Gallina hatte vor kurzem in einem Beitrag auf «Corrigenda» erklärt, dass Leo gar der ideale Name des nächsten Papstes sei: «Der direkte Vorgänger, Leo XIII., spielte exakt jene Rolle, die derzeit ausgefüllt werden muss: Ein Papst zwischen zwei Jahrhunderten, der eine katholische Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit gefunden hat. Leo XIII. war ein Papst der Bücher, Enzykliken und Bibliotheken. Er öffnete das Fenster zur Scholastik nicht, um zurückzublicken, sondern um Licht in die Fragen der Moderne zu bringen.»
«Der Friede sei mit euch allen», so begrüsste Leo XIV. die jubelnden Menschen auf dem Petersplatz und zeigte so nicht nur mit seiner Kleidung, dass er sich von Papst Franziskus unterscheiden wird. Immer wieder kam er auf den Frieden zu sprechen: «Ich hoffe, dass dieser Friedensgruss alle Völker und alle Menschen erreicht.» Und er betonte, dass das Böse nicht gewinnen wird. Er erklärte, dass er eine synodale Kirche wünscht, die allen nahe ist, die leiden. Die Kirche sei aufgerufen, Brücken zu bauen und den Dialog zu suchen. «Wir wollen gemeinsam als Missionare unterwegs sein.»
Unter den ersten Gratulanten war der amerikanische Präsident Donald Trump. «Was für eine Überraschung und was für eine große Ehre für unser Land», schrieb Trump auf seinem Social Media-Kanal Truth Social. Und er freue sich auf ein Treffen mit dem neuen Papst.
In der Schweiz hat bereits Alain de Raemy, Apostolischer Administrator von Lugano reagiert. «Mit grosser Freude habe ich von der Wahl des neuen Heiligen Vaters Leo XIV. erfahren. Mit grosser Dankbarkeit schliessen wir uns im Gebet für ihn und für sein neues Amt an der Spitze und im Dienst der Kirche zusammen. Möge der Herr seine Schritte mit Weisheit und Liebe begleiten und den Glauben und die Einheit unter uns allen inspirieren!»
Auch die Schweizer Bischofskonferenz hat eine kurze Meldung aufgeschaltet: «Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz freuen sich über die Wahl von Robert Francis Prevost, der als Papst den Namen Leo XIV. gewählt hat und beten für sein Amt. Der Papst wird die einzigartige und schwierige Aufgabe fortsetzen müssen, den in weltweit unterschiedlichsten Realitäten lebenden Katholiken und Katholikinnen vorzustehen. Im Geiste der Synodalität muss er beim Aufbau unserer Kirche auf alle Gläubigen zählen können. Die Schweizer Bischöfe versichern ihm ihr Gebet und laden alle Gläubigen ein, dies ebenfalls zu tun.»
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wie auch immer, das Kardinalskollegium verdient mutmasslich ein Dankgebet für diesen abermals Überrasschungspapst, von dem man wie von allen erst hinterher wissen wird, ob er ein sog. Papst der Vorsehung bzw. Papst der Zulassung Gottes gewesen sei, wobei im Normalfall stets beides wohl vorliegt.
Dass er Augustinermönch ist, wie übrigens Luther, sich auf den heiligen Augustinus berief, wie sehr häufig nicht nur die Reformatoren, sondern zumal Meister Eckkart, der bedeutendste Mystiker der Kirchengeschichte, Verurteilung hin oder her, spricht für ihn ebenso wie die Bemerkung betr. der Warnung vor der Klerikikalisierung des weiblichen Geschlechts, wiewohl immerhin die heilige Maria Magdalena, die übrigens in ihrer Biographie nie eine Hure war, in den Bruderklaus-Akten von 1474 "Bischöfin" und "Apostolin" genannt wurde, so wie selbstverständlich von allen Weltreligionen im Katholizismus die Frauen die grösste Rolle spielen, nicht erst seit Gertrud der Grossen, Mechthild von Magdeburg, dem weiblichen Dante, Katharina von Siena , in der Schweiz Marguerite Bays, deren Bedeutung ich höher einschätze als die von Kardinal Mermillod, so wie allein schon die Meditationen der Baldegger Schwester Antoinette Feldmann an spiritueller Substanz die Publikationen der Luzerner Theologen Küng und Koch möglicherweise übertreffen, jedenfalls Josef Vital Kopp, dem Propheten des 2. Vatikanums ("Die Tochter Sion") und Vermittlung von Teilhard de Chardin zumindest gleichkommen.
Dass ein US-Amerikaner Papst wurde, ist auch ein Zeichen, dass Kirche auch ohne Landeskirchen und staatlich genehmigte und eingezogene Kirchensteuer blühen kann, dass es eine missionarische Bekenntiskirche braucht. Unter dieser Bedingung kann auch Synodalität funktionieren.
Es wird meines Erachtens sehr wohl irgendwann mal Priesterinnen geben, vielleicht sogar mal eine "amerikanische Päpstin", nach Esther Vilars Theaterstück eine Art Margaret Thatcher der Kirche, aber wohl kaum bevor der Feminismus seine menschenfeindliche Ideologie des satanischen "Menschenrechts" der Tötung vorgeburtlichen Lebens von der Traktandenliste gestrichen hat. In dieser Hinsicht hat sich die sog. feministische Theologie bisher in keiner Weise engagiert. Abtreibung und sexueller Missbrauch gehören nun mal in gleicher Weise bekämpft.
Mich erstaunt immer wieder wie sich Leute so sehr mit traditionellen, katholischen Kardinälen identifizieren, welche meiner Meinung zwar in der Sache Recht, jedoch menschlich nicht authentisch wirken.
Was nützt es, wenn ich die Wahrheit weiss und verkünde, aber den Großteil der Menschen mit meinem Glauben an Jesus nicht berühren und authentisch überzeugen kann?
Sarah ist für mich authentisch, weil traditionell, wahre Lehre und bescheiden.
Burke ist für mich nicht authentisch (Bescheiden? Lesen sie mal das Gezeter um seine Wohnung in Rom. Was braucht ein Mann soviele Zimmer/m2 wenn man alleine wohnt? Chauffeur, Fahrzeug usw?...)
Müller; ließ sich bei der Abschlussmesser von Paris Chartres immerwieder das Hütchen vom Zeremoniar aufsetzen, obwohl er es etwa vier Mal selber hingelegt hat, und ihm dabei sichtlich unwohl war. Auch diese bestickten Handschuhe sind doch nicht authentisch. Müller hat sowas nie gemacht, außer bei dieser Abschlussmesse.
Viele Tradis wollen das Rad der Zeit zurückdrehen und den Zustand von 1950 einfrieren. Die Kirche hat sich jedoch immer weiterentwickelt, ohne die Lehre zu verwässern.
Authentisch ist die Kirche wieder wenn Sie Ihren Prunk und Firlefanz ablegt, und wieder bescheiden, Wahr und Ehrlich von Jesus Christus "schwärmt" und jeder Christ ein Vorbild ist.
Die konservativen Kardinäle haben wohl Recht (Wahrheit), nur leider reicht das nicht um Zeugnis für Jesus Christus abzulegen.
Ich empfehle Ihnen mal in die Piusbruderschaft zu gehen. Die Patres behüten wohl die Wahrheit und es gibt viele welche wahrhaft Vorbilder sind, jedoch gibt es ebensoviele welche einfach auf der Schatztruhe der Wahrheit sitzen, und aus Angst die Truhe verlassen zu müssen, vergessen Christ zu sein(Vorbild, Nächstenliebe, Werke der Barmherzigkeit tun, usw...)
Manchmal denke ich, Menschen wie Sie, Burke oder Müller, sitzen auf dieser Wahrheits-Truhe.
Die Wahrheit ist sehr wichtig, ebenso wichtig ist jedoch ein gutes Vorbild, ein guter Christ zu sein.
Migration
Im KKK steht: Die politischen Autoritäten dürfen im Hinblick auf das Gemeinwohl, für das sie verantwortlich sind, die Ausübung des Einwanderungsrechtes verschiedenen gesetzlichen Bedingungen unterstellen und verlangen, daß die Einwanderer ihren Verpflichtungen gegenüber dem Gastland nachkommen. Der Einwanderer ist verpflichtet, das materielle und geistige Erbe seines Gastlandes dankbar zu achten, dessen Gesetzen zu gehorchen und die Lasten mitzutragen.
In der gesteuerten Migration kommen hauptsächlich junge muslimische Männer nach Europa, welche sich weder anpassen wollen, noch sich integrieren wollen. Kardinal Sarah, sicherlich kein Nazi, sagte selber: Die neue Migration ist eine Art Sklaverei.
Ausbeutung ignorieren
Es steht im KKK, dass dies eine himmelschreiende Sünde ist. Die Erzkonservativen berufen sich auf die Soziallehre, welche klar ein masslosen Kapitalismus verurteilt, aber gleichzeitig das Privateigentum garantiert. Wir erleben ja weltweit eher das Gegenteil, ein totalitären Sozialismus.
Todesstrafe wie Gerechten Krieg
Das gehörte zur katholischen Lehre wobei die Todesstrafe jetzt abgeändert wurde. War aber 2000 jährige Lehre. Und auch hier, gibt es ja gemäss Katechismus ganz klare Voraussetzungen.
Menschlich verursachten Klimawandel
Umweltschutz ist sicherlich ein Pflicht für die Christen. Den Klimawandel hat es immer gegeben, hier können sich die Meinungen sicherlich teilen, hat aber meiner Meinung nach, nichts mit dem Glauben zu tun.
Die Progressiven und Erzkonservativen in das gleiche Boot zu tun, ist zu kurz. Für einen Progressiven ist die Lehre, die Dogmen veränderbar. Für einen Erzkonservativen sicherlich nicht. Das es überall menschelt ist klar. Aber wenn man sich auf die unverkürzte Lehre Jesu berufen möchte, dann muss man an das glauben was in den Dogmen gelernt wird, was die Kirche in ihren Katechismen niedergeschrieben hat. Und wir wissen ja wer als Erzkonservativ gemeint ist, jene welche nicht alles was in den letzten 13 Jahren von Rom kam, ohne hinterfragen angenommen hat, sondern auf Fragen der Gläubige eine katholische Antwort gegeben hat. Wie Kardinal Müller, Burke, Sarah, Erdö oder wie Bischof Eleganti, Schneider oder Strickland.
Von jenen Gruppen, welche sich ausserhalb der Kirche bewegen, oder sogar den Papst in Frage stellen, DISTANZIERE ICH MICH KLAR.
Danke für die informative Einschätzung des neuen Papstes. Möge er sich vom Heiligen Geist leiten lassen. Auf jeden Fall hoffe ich auf ein Pontifikat, das die Kirche wieder einigt und nicht dauernd den Katechismus der Katholischen Kirche relativiert.