Messfeier am Weltfamilientreffen im Kloster Einsiedeln. Zweiter von rechts Hauptzelebrant Christoph Maria Hörtner. (Bilder: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Kirche Schweiz

Einsiedler Weltfamilientag 2026: Der unverzichtbare Wert des Vertrauens

Das grösste katholische Familientreffen der Deutschschweiz ist dieses Jahr noch grösser geworden. Rund 600 Eltern und Kinder waren der Einladung zu diesem Anlass im Kloster Einsiedeln gefolgt, der schwergewichtig dem Thema «Vertrauenspädagogik» gewidmet war.

«Was für ein wunderbares Bild habe ich vor meinen Augen, wenn ich euch sehe.» Mit diesen Worten eröffnete Christoph Maria Hörtner, Kustos der Schweizer Franziskaner, den Gottesdienst des Deutschschweizer Weltfamilientages vom 22. August in Einsiedeln. Es war bereits das achte Mal, dass dieses vom Verein «VisionFamilie» getragene katholische Familienfestival durchgeführt werden konnte – und zugleich das bis dato erfolgreichste. 120 Familien mit über 300 Kindern (insgesamt rund 600 Personen) nahmen daran teil. Mangels Kapazitäten konnten nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden. Hauptzelebrant Christoph Maria Hörtner hatte also allen Grund, seinen Blick in die erwartungsvollen Gesichter von so vielen jungen Eltern und ihren Kindern in die eingangs zitierten Worte zu fassen.

Begonnen hatte dieses Familienrevival am 21. September 2019 in der Pfarrei St. Jakob in Cham ZG. 80 Familien mit 200 Kindern waren dieser Première gefolgt.
 


Eingebettet in das diesjährige Veranstaltungsprogramm waren zwei besondere Jubiläen: 800 Jahre Franz und Klara von Assisi sowie 100 Jahre Schönstätter Marienschwestern.

Tour de Franz
Vor 800 Jahren, am 3. Oktober 1226, starb Franz von Assisi. Papst Leo XIV. hat im Gedenken an diesen grossen Heiligen ein Jubiläumsjahr ausgerufen. Es dauert vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027. Die Gemeinschaft der Schweizer Franziskaner ehrt ihren Ordensgründer mit einer speziellen «Tour de Franz»: In der 6. Etappe (September/Oktober 2026) steht unter anderem eine Festmesse zu Ehren des heiligen Franziskus in der Liebfrauenkirche in Zürich auf dem Programm sowie ein 40-stündiges Gebet mit Messe, stiller Anbetung, Lobpreis und Stundengebet in Maria Dreibrunnen (Wil). Weiterführende Angaben finden sich auf der Homepage franziskaner.ch.

Die fünf Pfeiler der Schönstatt-Pädagogik
Einen besonderen Grund zum Feiern haben auch die Schönstätter Marienschwestern: Sie können heuer den 100. Geburtstag ihrer Gründung feiern. Die Pädagogik ihres Gründers Pater Josef Kentenich fusst auf fünf Pfeilern: Vertrauen, Bindung, Ideal, Bündnis und Bewegung. Die als Jugendschwester tätige Florence Harder, die am diesjährigen Familientreffen ein geistliches Impuls-Referat gehalten hat, erläuterte gegenüber «swiss-cath.ch», was darunter genauer zu verstehen ist.
 


Stichwort «Vertrauenspädagogik»: Schwester Florence knüpft an am Evangeliumsbericht über den 12-jährigen Jesus, der ohne Wissen seiner Eltern drei Tage lang im Tempel zu Jerusalem lehrte. Trotz ihres Schmerzes über seine unangekündigte Abwesenheit («Kind, warum hast du uns das angetan?») kündigte Maria ihm nicht ihr Vertrauen auf, sondern «bewahrte alles in ihrem Herzen». Ebenso bei der Hochzeit zu Kana. Auch hier: Obwohl Jesus auf die Worte von Maria («Sie haben keinen Wein mehr») sehr schroff reagierte («Frau, was habe ich mit dir zu schaffen?»), entzog sie ihm nicht ihr Vertrauen, sondern sagte vielmehr zu den Dienern: «Was er euch sagen wird, das tut!» «Dies bedeutet», so Schwester Florence, «sich in die grosse, oft schmerzliche Kunst des Loslassens einzuüben, ein Lernprozess, so wie er auch den Müttern von heute nicht erspart bleibt.»

Stichwort «Bündnispädagogik»: «Es gilt», wie Schwester Florence weiter ausführt, «die übernatürliche Dimension mit einzubeziehen. Auch in Erziehungsfragen wollen wir uns ganz bewusst mit dem Himmel verbünden und die übernatürliche Dimension mit einbeziehen, denn wir sind nicht allein und den Fährnissen des Lebens schutzlos ausgeliefert. In der Schönstattbewegung wird dies durch das Liebesbündnis ganz konkret.»

Stichwort «Bewegungspädagogik»: «Es geht um eine innere Beweglichkeit, um die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen; es geht darum, uns in sie hineinzudenken.»

Die Schönstattbewegung ist auch mit einem eigenen Stand am Familienanlass vertreten. Beim Sektor «Mädchen / junge Frauen» (Motto: «Mit Freude Frau sein!») steht auf einer Info-Tafel: «Wir gestalten  unser Leben aus der Beziehung zu Jesus und Maria und wollen leuchtende Persönlichkeiten werden.» Dazu sagt Ladina Hinder, Leiterin der Schönstattbewegung Mädchen / junge Frauen: «Wir wollen auf dem Weg zur Heiligkeit stets mehr ausstrahlen. Es darf aber kein künstliches, aufgesetztes Leuchten sein. Vielmehr muss es erfüllt vom Heiligen Geist von innen her in die Welt ausstrahlen.»
 


Ein Kinderprogramm, das keine Wünsche offen liess
Nicht unerwähnt bleiben darf das phänomenal vielseitige Angebot für Kinder: von den wie immer heiss begehrten Hüpfburgen über den Spielbus mit einer grossen Auswahl an Spielsachen, den Zauberer Gibsy bis zu den Fussballplätzen und Beachvolleyball-Feldern, von den Turnhallen für Knirpse bis zur Minigolf-Anlage für die Grossen unter den Kleinen war alles dabei, was das Kinderherz begehrt.

Das hohe Gut des Vertrauens
Als Hauptreferenten des Elternprogramms konnten Heinz Etter und Stephanie Reimann von der «Beratungsstelle für Vertrauenspädagogik» gewonnen werden. In einer Zeit, in der Kinder primär als Kostenfaktoren in Rechnung gestellt werden, setzte Heinz Etter einen Kontrapunkt: Kinder bei der Entfaltung ihrer Talente und Suche nach der je eigenen Identität als bereichernden Aktivposten ins Familienleben einbringen. Stephanie Reimann ermunterte die Eltern, danach zu fragen, was Kinder im Miteinander ihrer Geschwister wirklich brauchen, und wie die Sorge für Kinder möglich wird, ohne ständig vergleichen und kontrollieren zu müssen. Kurz: vertrauensvolle Beziehung statt Konkurrenz.

Als «Cover-Familie» des diesjährigen Familientreffens firmierten Sabine und Andreas Elmer mit ihren vier Kindern aus Elm im Kanton Glarus. Auch sie orientieren sich an der Familienpädagogik von Schönstatt, insbesondere an einem der Kernsätze von Pater Josef Kentenich: «Wo wir Geborgenheit finden und geben, da ist Heimat.» Der Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten und das gemeinsame Feiern haben an diesem perfekt organisierten Familienanlass konkret erfahrbare geistliche Heimat vermittelt: Ein Wert, der in einer Gesellschaft, der die Beziehungs- und Bindungsfähigkeit weitgehend abhanden gekommen ist, nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
 

Webseite des Deutschschweizer Weltfamilientreffens


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

  • user
    Josef Studer 25.08.2026 um 17:11
    Viel Segen vom Heiligen Geist für alle Beteiligten, möge der heilige Josef alles begleiten und segnen!