Der sogenannte Jesus-Turm (La Torre de Jesucristo) macht die «Sagrada Família» von Barcelona mit 172,5 Metern zur höchsten Kirche der Welt. Ihr Architekt, der «ehrwürdige Diener Gottes» Antoni Gaudí (1852–1926), wollte jedoch nicht, dass sein Bauwerk Gottes Natur überragte. Deshalb ist seine Kirche einige Meter niedriger als der Hausberg Barcelonas, der Montjuïc. Der Jesusturm sollte lediglich auf symbolische Weise sichtbar machen, dass Christus im Mittelpunkt der Schöpfung steht.
Mit seinen Bauwerken vermittelte Gaudí immer auch Botschaften. Seine Architektur war Abbild einer geistigen Ordnung, und die «Sagrada Família» ist ein steingewordener Katechismus und Kosmos. Sie ist noch nicht fertig. Noch fehlen eine Fassade, ein paar Türme und der Umschwung. Der Jesusturm wurde gerade eben durch ein vierarmiges, begehbares Kreuz gekrönt. Für die künstlerische Gestaltung zog die Bauleitung der «Sagrada Família» auch Fachleute aus der Wissenschaft bei, um Gaudís holistische Überlegungen zu respektieren. Einer davon ist der italienische Astrophysiker Marco Bersanelli, Spezialist für kosmische Strahlung. Bersanelli ist Professor für Astrophysik an der Universität Mailand und gehört zu den bekanntesten Kosmologen Europas, namentlich durch seine zentrale Rolle bei der Europäischen ESA-Weltraummission «Planck», die zwischen 2009 und 2013 die Hintergrundstrahlung des Universums vermass und neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums und seine Ausbreitung ermöglichte.
Wie aber kam der Mailänder Professor überhaupt zur «Sagrada Família»? «Im Juni 2013 erhielt ich den wohl überraschendsten Anruf meines Lebens», bestätigt er entsprechende Medienberichte gegenüber «swiss-cath.ch». «Jordi Faulí, der leitende Architekt der ‹Sagrada Família› und sein Team baten mich um Mitarbeit am Jesusturm. Sie suchten jemanden, der helfen konnte, die moderne Sicht auf das Universum symbolisch in den Turm einzubringen.»
Prophetische Rückschlüsse
Die Begegnung zwischen Kosmologie und Sakralarchitektur faszinierte den Physiker und Katholiken Bersanelli sofort. Während Gaudí im frühen 20. Jahrhundert die Natur als Sprache Gottes deutete, eröffnet die moderne Astrophysik heute einen Blick auf die Ursprünge und Entwicklung des Universums, von denen Gaudí nichts wissen konnte. Und doch wirken manche seiner logischen Überlegungen beinahe prophetisch.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wenn wir nun bei uns Menschenwesen seit ca. 3 Millionen Jahren angelangt sind, respektieren und achten in neuerer Zeit auch achtsame Teile der historischen Paläo-Wissenschaften und Anthropologie die Bedeutsamkeit der Religion für das Bestehen und Überleben von menschlichen Gemeinschaften, was wir - auch wenn es von Atheisten und Agnostikern käme - gerne aufgreifen. Daraus ergibt sich nämlich die tiefergehende Rückfrage: Was ist denn der tiefste Sinn des Kosmos, von Leben, Überleben und menschlichem Leben überhaupt? Die treffende Antwort gibt uns in unserer christlichen Deutung schlussendlich der Katechismus bei I.1.